Mobbing und Mobbingprävention an Schulen. Möglichkeiten und Grenzen der Mediation


Fachbuch, 2020

72 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mobbing an Schulen
2.1 Kennzeichen von Mobbing
2.2 Mobbingrollen im Gruppenprozess
2.3 Folgen von Mobbinghandlungen
2.4 Verbreitung von Mobbing an Schulen

3 Entstehungskontexte von Mobbing
3.1 Schule als Organisation und Lebenswelt
3.2 Familie zwischen Beziehung und Erzeihung
3.3 Identitätsentwicklung und Anerkennung in den Peers

4 Schulsozialarbeit
4.1 Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit
4.2 Zielgruppe und Aufgaben

5 Mediation an Schulen
5.1 Was ist Mediation?
5.2 Voraussetzungen für eine gelingende Mediation
5.3 Phasen der Mediation
5.4 Möglichkeiten und Grenzen von Schulmediation

6 Peer-Mediation an Schulen
6.1 Merkmale der Peer-Mediation
6.2 Voraussetzungen der Peer-Mediation
6.3 Möglichkeiten und Grenzen von Peer-Mediation

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

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Impressum:

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Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

1 Einleitung

Mobbing ist in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes Phänomen, welches mittlerweile in der Alltagssprache häufig im Zusammenhang von Konflikten, Aggressionen und Gewalt Anwendung findet. Gerade an Schulen ist Mobbing in allen Altersklassen vertreten, wobei es sich in verschiedenen Formen und Ausprägungen zeigt. Kurz- und langfristig können negative Handlungen von Schüler*innen untereinander zu weitreichenden Folgen in verschiedenen Lebensbereichen führen.

Da sich die Schule heutzutage als wichtiger Lern- und Erfahrungsort für heranwachsende Menschen versteht, hat sich die Schulsozialarbeit mittlerweile fest darin etabliert. Sozialpädagog*innen sind hier wichtige Ansprechpartner*innen bei Problemen im Schulalltag. Sie arbeiten direkt mit den Kindern und Jugendlichen, Eltern sowie Lehrkräften oder auch anderen Kooperationspartner*innen zusammen. Auch mit Mobbing sieht sich die Soziale Arbeit an Schulen regelmäßig konfrontiert. Schulsozialarbeiter*innen sind hierbei häufig feste Bezugspersonen bei der Problembearbeitung und unterstützen bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen.

Die sozialpädagogischen Fachkräfte können bei der Bearbeitung von Mobbing auf einen Fundus von vielseitigen Methoden zurückgreifen. Mediation ist eine Verfahrensweise, welche in der Schulsozialarbeit als Präventions- und Interventionsmöglichkeit zunehmend Beachtung findet.

Der folgende Text wird sich näher mit der Mediation an Schulen auseinander setzen. Es stellt sich die zentrale Frage, welche Möglichkeiten und Grenzen Mediation bei Mobbing unter Schüler*innen bietet. Andere Konstellationen von Mobbing, wie beispielsweise von Lehrkräften gegenüber Schüler*innen, werden aufgrund des Umfanges der Arbeit bewusst außer Betracht gelassen.

Ausgehend von der zentralen Fragestellung ergibt sich folgender Aufbau der Arbeit: Im ersten Kapitel werden Kennzeichen von Mobbing beschrieben und eine Abgrenzung zu den Begriffen „Konflikt“, „Gewalt“ und „Aggression“ gezogen. Weiterhin geht der Text auf Mobbing als Gruppenprozess und daraus resultierende mögliche Folgen der Beteiligten ein. Außerdem beschäftigt sich das Kapitel mit der Verbreitung von Mobbing an Schulen. Ein fundiertes Wissen ist wesentlich, um für die weitere Arbeit ein einheitliches Verständnis für Mobbing an Schulen zu schaffen. Es ist auch für eine professionelle sozialpädagogische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen notwendig. Die verschiedenen Mobbingrollen im Gruppenprozess, Folgen und die Arten der Verbreitung gilt zu erkennen und zu verstehen, um diese in der Mediation besser berücksichtigen zu können.

Das zweite Kapitel setzt sich mit den verschiedenen Lebenswelten der Schüler*innen als Entstehungszusammenhänge von Mobbing auseinander. Die Schulsozialarbeit benötigt bei der Mediation genügend Hintergrundwissen über Mobbing begünstigende Faktoren, da bei der Mediation verschiedene Lebenswelten der Schüler*innen aufeinander treffen. Es wird beschrieben, inwiefern die Schule, Familie sowie Peers eine Rolle bei dem Aufkommen von Mobbing unter Schüler*innen spielen.

Die Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeiter*innen, in denen sich die Fachkräfte im beruflichen Alltag bewegen, beschreibt das dritte Kapitel. Desweiteren werden auf die Zielgruppe und die Aufgaben der Sozialen Arbeit an Schulen eingegangen. Diese bilden die Grundlage für die gesamte sozialpädagogische Arbeit, also auch der Mediation, an Schulen.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Mediation an Schulen als einzelfallbezogene Arbeit mit Schüler*innen. Als erstes wird darauf eingegangen, worum es sich bei Mediation im schulischen Kontext handelt. Weiterhin werden Voraussetzungen und Phasen der Mediation erläutert. Anschließend zeigt die Arbeit Möglichkeiten und Grenzen von Mediation durch Schulsozialarbeitende auf.

Die Peer-Mediation als eine besondere Form der Handlungsmöglichkeit bei Mobbing unter Schüler*innen wird im fünften Kapitel vorgestellt. Es wird zuerst beschrieben, welche wesentlichen Merkmale die Peer-Mediation aufweist. Auch werden Voraussetzungen für eine gelingende Peer-Mediation behandelt. Anschließend folgt das Aufzeigen der Möglichkeiten und Grenzen der Peer-Mediation.

2 Mobbing an Schulen

Die Bezeichnung „Mobbing“ wird im alltäglichen Sprachgebrauch häufig verwendet, ohne genau zu wissen was sie bedeutet. In diesem Zusammenhang fallen ebenso oft die Begriffe „Konflikt“, „Gewalt“ und „Aggressionen“. Auch fällt meist der Blick bei Mobbing unter Schüler*innen vor allem auf die Täter*innen sowie Opfer des Geschehens, obwohl dabei stets mehr als zwei Postionen involviert sind. Lange Zeit wurden die Kurz- und Langzeitfolgen, welche Mobbing für die beteiligten Kindern und Jugendlichen mit sich bringen können, von den Erwachsenen nicht gesehen oder ernst genommen. Aus den Gründen setzt sich das folgende Kapitel für eine professionelle Basis der Sozialen Arbeit bei Mobbing unter jungen Menschen an Schulen mit den genannten Punkten sowie der Verbreitung von Mobbing an diesen auseinander.

2.1 Kennzeichen von Mobbing

Der Begriff „Mobbing“ wird aus dem Englischen „to mob“ (anpöbeln, über jemanden herfallen) und „mob“ (Gesindel, Pöbel, Bande) abgeleitet. Eingeführt hatte diesen 1963 der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, welcher ihn in Zusammenhang mit dem Verhalten von Tiergruppen verwendete. Die Verwendung von Mobbing in der heutigen Bedeutung lässt sich 1993 auf den deutsch-schwedischen Psychologen Heinz Leymann zurückführen. Er setzte sich mit dem Aufkommen des Phänomens am Arbeitsplatz auseinander. Nach ihm sind unter Mobbing negative kommunikative Handlungen gegen eine einzelne Person zu verstehen, die mindestens einmal pro Woche über einen längeren Zeitraum stattfinden. Dabei besteht zwischen Mobber*in und der gemobbten Person eine Täter*in-Opfer-Beziehung und führt bei ungebremstem Verlauf immer zu Beeinträchtigungen der psychischen Befindlichkeit oder auch Gesundheit.

Der Ausdruck „Bullying“ wird häufig als Synonym für Mobbing genutzt. Er wird meist in Bezug von Mobbing unter Kindern und Jugendlichen verwendet (vgl. Teuschel 2010, S.3-5). Es grenzt sich klar von Leymanns Mobbingverständnis ab, indem sich darunter ein typisches Phänomen aggressiven Verhaltens von Schüler*innen verstehen lässt (vgl. Donat/Herrmann/Umlauft 2013, S.74). Im Folgenden wird auf den Ausdruck „Bullying“ im Kontext von Mobbingverhalten unter jungen Menschen verzichtet und dafür synonym der Begriff Mobbing verwendet.

Der schwedische Psychologe Dan Olweus (vgl. 2009, S.248) beschreibt Mobbing als wiederholte und vorsätzliche verletzende Verhaltensweisen. Sie werden von einem oder mehreren Menschen einer anderen Person gegenüber ausgeführt, welche Probleme hat, sich selbst zu wehren. Demnach beschreibt er, dass das Phänomen Mobbing durch aggressives Verhalten beziehungsweise vorsätzliches Zufügen von Schaden gekennzeichnet ist. Dieses tritt wiederholt über einen längeren Zeitraum und in einer persönlichen Beziehung der Beteiligten auf, welches durch ein wirkliches oder subjektiv wahrgenommenes Macht- beziehungsweise Kräfteungleichgewicht geprägt ist.

Führende Mobbingforscher stützen sich bei einer einheitlichen Definition des Phänomens auf die Forschungsergebnisse von Dan Olweus. Sie sind sich weitestgehend einig, dass es bei Mobbing um wiederholte negative Handlungen über einen längeren Zeitraum geht, wobei ein Macht- und Kräfteungleichgewicht zwischen Opfer und Täter*innen besteht. Dabei wird betont, dass Mobbing von einem oder mehreren Schüler*innen ausgeführt wird (vgl. Donat/Herrmann/Umlauft 2013, S. 74).

Die österreichische Psychologin und Soziologin Christa Kolodej (vgl. 2016, S.12) spricht zudem von Mobbing, wenn ein Wechsel von der Sach- zur Beziehungsebene und Handlungsebene stattgefunden hat, wo gezielt und systematisch eine Person angegriffen beziehungsweise ausgegrenzt wird. Weiterhin beschreibt sie, dass Mobbing durch das häufige Auftreten als Prozess der gezielten Schikane zu verstehen ist.

Für Kolodej (ebd.) stellt Mobbing außerdem in Abgrenzung zu Konflikten eine gezielte und indirekte Schikane dar, während Konflikte mit fairen Mitteln ausgetragen werden. Das Geschehen wird beim Mobbing durch unterschwellige schwer zu ortende Attacken beherrscht. Also ist es als eine destruktive Form der Konfliktaustragung zu verstehen, worin eine Partei aufgrund des Machtungleichgewichts aus dem System zu fallen droht.

Aggression beschreibt Handlungen, welche bewusst beabsichtigen die eigene Person, andere Menschen, Lebewesen oder Gegenstände zu beschädigen und zu zerstören. Dazu treten noch Emotionen, wie Wut auf. Bei Mobbing und aggressiven Verhaltensweisen besteht eine Schädigungsabsicht. Mobbing ist jedoch wegen des Wiedeholungsaspekts und des Machtungleichgewichts eine spezielle Form aggressiven Verhaltens dar. Demnach ist nicht jede aggressive Handlung zwischen Schüler*innen gleich Mobbing (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 28-30).

Mit Gewalt sind in Bezug auf Mobbing interpersonelle Handlungen gemeint, welche durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet sind. Solche können tatsächliche körperliche Tätigkeiten sein, aber auch unterschwellige Formen, wie beispiels­weise Drohungen und Einschüchterungen. Mobbing ist jederzeit als ein Ausdruck von Gewalt zu verstehen, wobei nicht jede Form von Gewalt gleich Mobbing ist. Beim Mobbing muss ein Wiederholungsaspekt gegeben sein, hingegen ist dieser bei reiner interpersoneller Gewalt nur ein Kann-Kriterium (ebd., S.31-32).

Für die weitere Arbeit ist es am schlüssigsten, Mobbing als beabsichtigte, sich wiederholende Handlungen über einen längeren Zeitraum zu verstehen, welche dem Gegenüber vorsätzlich Schaden zufügt. Dabei besteht ein Macht- und Kräfteungleichgewicht in der Täter*in-Opfer-Beziehung. Mobbing ist durch dieses Ungleichgewicht eine destruktive Form des Konfliktes, in welchem wiederholt aggressive Verhaltensweisen und Gewalthandlungen zum Leidwesen des Opfers zum Ausdruck kommen.

2.2 Mobbingrollen im Gruppenprozess

Es gibt charakteristische Persönlichkeitsmerkmale bei Schüler*innen, welche für das Entstehen von Mobbing eine wichtige Rolle spielen. Daneben wirken auch Umweltfaktoren, wie das Verhalten der erwachsenen Bezugspersonen in der Schule, bei der Herausbildung des Phänomens mit hinein. Für Schüler ist die körperliche Stärke beziehungsweise Schwäche ebenso von Bedeutung.

Beim Mobbing gibt es, ausgehend von den vorherigen Ausführungen, stets ein Opfer, gegen welches sich die negativen Handlungen richten. Dabei kommt der passive Opfertyp am häufigsten vor. Von seinen*ihren Persönlichkeitseigenschaften ist er*sie meist

- ruhig, zurückhaltend, sensibel und schüchtern.
- mit geringem Selbstvertrauen, ängstlich und unsicher.
- ohne einen*einer besten Freund*in und versteht sich besser mit Erwachsenen.
- oft körperlich schwächer als seine (nur Schüler) Altersgenossen.
- deprimiert und setzt sich häufiger als Gleichaltrige mit Suizidgedanken auseinander. (vgl. Olweus 2009, S.252-253).

Daneben existieren weitaus seltener die Gruppe der provokanten Opfer, oder auch Täter*in-Opfer genannt. Diese sind in ihrem Verhalten sehr auffällig durch eine Mischung aus ängstlichen und aggressiven Reaktionen. Diese Verhaltensweisen führen bei den Mitmenschen zu Spannungen und Irritationen. Diese Mischform ist sind als Täter*innen und Opfer bei Mobbinghandlungen involviert (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 19). Die Täter*innen haben häufig das Verlangen, andere Schüler*innen herabzusetzen und zu beherrschen. Sie sind

- impulsiv und haben wenig Mitgefühl.
- stark darin sich durchzusetzen und möchten andere Schüler*innen herabsetzen sowie dominieren.
- auch aggressiv gegenüber Erwachsenen und zeigen abweichendes Verhalten.
- oft bei Vandalismus, Kriminalität oder Drogenmissbrauch einbezogen.
- im Verhältnis zu ihrem Opfer körperlich stärker (bei Schülern)

(vgl. Olweus 2009, S. 252-253).

Die Täter*innen schikanieren ihr Opfer auf unterschiedliche Weise. Dabei stellt das körperliche Mobbing, wie Treten, Schlagen oder Bespucken, eine direkte Form des Mobbings dar. Ebenfalls zählt das verbale Mobbing der Täter*innen, welches sich unter anderem durch Drohungen, Beschimpfungen oder Rufen beleidigender Spitznamen äußert, zur direkten Form. Non-verbales Mobbing, beispielsweise das Zeigen obszöner Gesten, wird ebenso praktiziert. Beim relationalen Mobbing oder auch indirektem Mobbing wird das Opfer gezielt aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen. Dies erfolgt durch die Verbreitung von Gerüchten, Herabsetzung, Übergehen oder auch Ignorieren derjenigen Person (vgl. Donat/Herrmann/Umlauft 2013 S.75-76).

Leymann hat das Verhalten der Mobber*innen als Angriffe in fünf verschiedenen Bereichen erfasst. Dies sind Angriffe auf die Möglichkeiten sich mitzuteilen, auf die sozialen Beziehungen, auf das soziale Ansehen, auf die Gesundheit und auf die Qualität der Berufs-, sowie Lebenssituation (vgl. Kasper 1998, S.22-23).

Neben den Täter*innen und Opfern existieren weitere Mobbingrollen, welche das Mobbing beobachten, verhindern oder in gewisser Weise unterstützen. Die Verteidiger*innen sind negativ gegenüber dem Mobbing eingestellt. Sie versuchen dem Opfer zu helfen. Die potenziellen Verteidiger*innen stehen wie die Verteidiger*innen der Schikane negativ gegenüber. Sie haben allerdings nur die Idee zu helfen, werden aber nicht aktiv. Die ungebundenen Zuschauer*innen ergreifen keine Partei und äußern keine Meinung, wenn es zu Mobbinghandlungen kommt. Eine positive Einstellung gegenüber dem Mobbing haben die passiven Unterstützer*innen. Sie zeigen dies jedoch nicht offen. Weiterhin gibt es im Klassengeschehen noch die passiven Mobber*innen, welche die Täter*innen durch das Schenken von Aufmerksamkeit unter anderem durch Lachen unterstützen. Dann gibt es noch die Anhänger*innen der Täter*innen, welche nicht mit dem Mobbing beginnen, aber eine aktive Rolle einnehmen.

Durch die Einteilung in die verschiedenen Mobbingrollen wird deutlich, dass Mobbing Gruppenprozesse sind. Die Häufigkeit der Vorfälle wird durch die Einstellungen und das Verhalten der Klasse beeinflusst. In Klassen mit wenig Verteidiger*innen und vielen Kindern sowie Jugendliche, welche Mobbing positiv gegenüber stehen, werden abgelehnte Schüler*innen stärker zu Opfern (vgl. Petermann/Koglin 2013, S. 57). Knapp 90 Prozent der Schüler*innen nehmen eine feste Rolle bei einem Mobbingvorfall ein. Davon ist ein Drittel passiv und ein Drittel aggressiv (vgl. Deichmann 2015, S. 47).

2.3 Folgen von Mobbinghandlungen

Mobbing kann bei den beteiligten Opfern, Täter*innen und Täter*innen-Opfern zu weitreichenden Folgen im gesundheitlichen Bereich führen. Alle weisen ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen auf. Dabei besteht wahrscheinlich eine Wechselbeziehung zwischen Mobbing und psychischen Problemen. Diese können Folge von Mobbing sein, aber auch vorher bestanden haben und dazu beitragen, dass Schüler*innen beim Mobbing involviert sind. Es liegt daher nahe, dass sich die Erlebens- und Verhaltensschwierigkeiten und Mobbing gegenseitig beeinflussen. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für psychosoziale Beeinträchtigungen und psychische Störungen bei den Beteiligten, die bis in das Erwachsenenalter bestehen können (vgl. Petermann/Koglin 2013, S.62).

Im sozialen Bereich kommt es zu negativen Auswirkungen für die Opfer von Mobbing. Sie haben wenige Freundschaften und kaum zwischenmenschliche Kontakte. Auch werden sie häufiger von Gleichaltrigen zurückgewiesen und sind nicht sehr beliebt (vgl. Wachs u.a. 2016, S.64-65). Opfer können innerlich gekündigt haben und sich ihren Mitschüler*innen gegenüber misstrauisch zeigen. Allgemein lässt sich sagen, dass die sozialen Folgen von der Ausgrenzung durch die anderen bis hin zur Stigmatisierung reichen können (vgl. Kasper 1998, S. 35).

Bei den Opfern von Mobbing kommt es auch häufig kurz- und mittelfristig zu negativen Emotionen, wie Verzweiflung und Hilflosigkeit. Neben den körperlichen Verletzungen, wie Hämatome, Kratzer oder Platzwunden, können auch psychosomatische Beschwerden auftreten. Darunter zählen beispielsweise Übelkeit, Schlafstörungen, Angespanntheit, Kopfschmerzen und vermehrte Kreislaufproblematiken. Außerdem ist der Abfall schulischer Leistungen eine typische Auswirkung von Mobbing. Opfer leiden auch meist an einem geringen Selbstvertrauen und haben kein positives Selbstwertgefühl. Für negative Empfindungen, wie Angst, Trauer, Selbstmitleid, Wut oder Einsamkeit, sind sie dagegen sehr sensibel. Vereinzelt können sich bei Mobbingopfern Essstörungen, depressive Verstimmungen und selbstverletzende Verhaltensweisen entwickeln.

Langfristig gesehen haben die Mobbingerfahrungen bei Opfern während der Schulzeit Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter hinein. Sie haben ein größeres Risiko unter einem geringen Selbstvertrauen zu leiden, woraus sich Depressionen entwickeln können. Es kommt im Vergleich zu Menschen ohne Mobbingerfahrungen öfter zu körperlichen Beschwerden. Finanzielle Probleme durch häufigere Kurzzeitbeschäftigungen und Phasen der Arbeitslosigkeit sind mögliche Folgen. Emotionale Schwierigkeiten und Suizidgedanken können noch dazu kommen (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 65-66). Bezogen auf das Geschlecht erhöht das Mobbing bei Schülerinnen generell die Suizidalität. Bei gemobbten Schülern tritt dies eher auf, wenn psychische Beeinträchtigungen, wie Aggressivität, vorliegen.

Die Täter*innen-Opfer leiden im Vergleich unter den am stärksten ausgeprägten Beeinträchtigungen, denn sie haben öfter psychische Schwierigkeiten oder zeigen aggressiv-dissoziale Verhaltensweisen. Sie haben die wenigsten schulischen Fertigkeiten und nehmen mehr psychosoziale Hilfe in Anspruch. Durch ihr Verhalten erfahren sie meist Ablehnung durch Mitschüler*innen, selbst wenn sich die Symp­tome bessern. Sie werden stärker gemobbt und erhalten weniger Hilfe durch Gleichaltrige oder die Eltern (vgl. Petermann/Koglin 2013, S.61-62).

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Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Mobbing und Mobbingprävention an Schulen. Möglichkeiten und Grenzen der Mediation
Autor
Jahr
2020
Seiten
72
Katalognummer
V501259
ISBN (eBook)
9783963550034
ISBN (Buch)
9783963550041
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Möglichekeiten, Grenzen, Mobbing, Schule, Peers, Schulsozialarbeit, Mobbingrollen, Folgen, Lebenswelt, Familie, Identitätsentwicklung, Phasen, Peer-Mediation, Merkmale
Arbeit zitieren
Christin Burchardt (Autor), 2020, Mobbing und Mobbingprävention an Schulen. Möglichkeiten und Grenzen der Mediation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501259

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