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Architektur und Herrschaft - Untersuchungen zu Parlamenten und Parlamentarismus in Wien und Budapest unter Kaiser Franz Joseph

Titre: Architektur und Herrschaft - Untersuchungen zu Parlamenten und Parlamentarismus in Wien und Budapest unter Kaiser Franz Joseph

Dossier / Travail de Séminaire , 2005 , 25 Pages , Note: 1,6

Autor:in: Robert Hanulak (Auteur)

Histoire de l'Allemagne - 1848, Empire, Impérialisme
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Parlamente sind in einem doppelten Sinne politische Gebilde. Sie sind einerseits Machtorgane, also aus Wahlen hervorgegangene Vertretungskörperschaften und bilden damit einen wesentlichen Bestandteil im Machtmechanismus des bürgerlichen Staates. Sie sind andererseits in einem rein materiellen Sinne Orte, also Gebäude, in denen politische Auseinandersetzung stattfindet bzw. stattfinden soll. In ihrem materiellen Charakter dienen Parlamente als baulich-räumliche Inszenierungen gesellschaftlicher Machtverhältnisse und es wird an ihnen in der Regel versucht durch Architektur und Gestaltung einen nationalen Stil auszubilden. Parlamente muss man in ihrer Gestaltung und Präsentation als mehr oder weniger bewusste Konstruktionen von Geschichte und Erinnerung verstehen und damit als einen bedeutsamen Teil von nationaler bzw. staatlicher Identitätsbildung. Sie stehen an einer zentralen, öffentlichen Stelle im modernen Staat und dienen zugleich als Bühne wie als Monument politischer Herrschaft und deren Geschichte. Sie sind damit vielschichtige Zeichen im beziehungsreichen Geflecht von Politik, Gesellschaft und Kultur. Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Zeichen, seine Entstehung und seine Entwicklung, am Beispiel der beiden `Staatsparlamente´ Österreich-Ungarns, vor ihrem politischen und kulturellen Hintergrund, zu beschreiben und zu deuten. Hierdurch soll ein Einblick in die Mechanismen von Herrschaftsrepräsentation, der Inszenierung politischer Macht, und in die Versuche der Konstruktion von Staat und Nation, deren Mythen und Imaginationen, unter den besonderen Bedingungen der Habsburger Doppelmonarchie, gegeben werden, wodurch sich eine Vielzahl von Widrigkeiten und Widersprüchen bei der Herausbildung moderner demokratischer Strukturen zeigen, die auch für andere Regionen und Epochen Relevanz besitzen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wiener Reichsrat

3. Das Budapester Parlament

4. Der Dualismus – Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Architektur und Entstehungsgeschichte der beiden Parlamentsgebäude in Wien und Budapest als Ausdrucksmittel politischer Macht und Identitätskonstruktion in der Habsburger Doppelmonarchie. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Monumentalbauten die widersprüchliche Verbindung von modernem Parlamentarismus und traditionellen Herrschaftsstrukturen im Vielvölkerstaat widerspiegeln und welche Rolle sie bei der Inszenierung staatlicher Legitimität spielten.

  • Die Architektur als Symbol politischer Herrschaft und nationaler Identität.
  • Vergleich der parlamentarischen Kultur in Wien und Budapest.
  • Die Spannung zwischen repräsentativem Pomp und realpolitischer Machtlosigkeit.
  • Die Rolle der Architektur im Kontext von Liberalismus, Nationalismus und Historismus.
  • Das Spannungsfeld zwischen dynastischem Staatspatriotismus und nationalem Streben.

Auszug aus dem Buch

2. Der Wiener Reichsrat

Die für europäische Verhältnisse relativ späte Freigabe der Wiener Stadtmauer zur Schleifung und der Glacis zur zivilen Bebauung durch Kaiser Franz Joseph im Jahr 1857, machte den Weg frei für den Bau der Ringraße und bildet den Beginn eines umfangreichen Stadterneuerungsprogramms. Anfangs trug die Planung und Anlage der Ringstraße noch stark neo-absolutistische Züge und diente vor allem der Repräsentation Wiens als `Reichshaupt und Residenzstadt´. Bei ihrer Eröffnung 1865 „war diese via triumphalis vor allem ein Denkmal des Großösterreichertums in seiner staatlich-dynastischen Gestalt.“ So waren es vor allem Kaiser, Kirche und Armee, die hier mit Votivkirche, Arsenal, Kasernen und den Planungen für das `Kaiserforum´ erste Akzente setzten. Doch vor dem Hintergrund der militärischen Niederlagen von 1859 und vor allem 1866 entwickelte sich die neo absolutistische Herrschaft zu einer konstitutionellen Monarchie mit einer neuen liberaleren Verfassung. Allmählich begann nun auch das städtische Bürgertum, die Ringstraße, als einen idealen Ort der Repräsentation zu entdecken und setzte die eigene Vorstellungen in immer stärkeren Maße durch.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der parlamentarischen Repräsentation im 19. Jahrhundert ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Architektur der Parlamentsgebäude in Wien und Budapest als Zeichen politischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu deuten.

2. Der Wiener Reichsrat: Dieses Kapitel analysiert den Bau des Wiener Reichsratsgebäudes als architektonisches Gesamtkunstwerk im Kontext der Ringstraßenbebauung, wobei der Konflikt zwischen idealisiertem Liberalismus, imperialem Anspruch und parlamentarischer Lähmung beleuchtet wird.

3. Das Budapester Parlament: Das Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des neogotischen Budapester Parlaments als Monument ungarischen Nationalbewusstseins und untersucht den Kontrast zwischen rasantem ökonomischen Aufschwung und rückständigen feudalen Strukturen.

4. Der Dualismus – Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel vergleicht die Entwicklungen in beiden Reichshälften und resümiert, dass die Parlamentsbauten zwar beeindruckende Zeugnisse ihrer Zeit sind, aber auch das Scheitern einer konsequenten demokratischen und staatlichen Identitätsstiftung innerhalb des Habsburgerreiches verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Parlamentarismus, Architektur, Doppelmonarchie, Wien, Budapest, Herrschaftsrepräsentation, Nationalismus, Historismus, Habsburgerreich, Liberalismus, Identitätsbildung, Vielvölkerstaat, Kaiser Franz Joseph, Ringstraße, Demokratisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die bauliche und politische Geschichte der Parlamentsgebäude in Wien und Budapest als Ausdruck der komplexen Herrschaftsverhältnisse in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Wechselspiel von Architektur, Politik und Gesellschaft, die Konstruktion von nationaler Identität sowie die Herausforderungen des Parlamentarismus im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, am Beispiel der beiden "Staatsparlamente" zu untersuchen, wie Herrschaftsrepräsentation, Inszenierung politischer Macht und der Versuch der Konstruktion von Staat und Nation architektonisch umgesetzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine kulturhistorische und politikwissenschaftliche Analyse, die bauliche Zeugnisse und ikonographische Programme mit den politischen Rahmenbedingungen und Krisen der Epoche verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Wiener Reichsrat und dem Budapester Parlament, unter Berücksichtigung ihrer Entstehung, Stilistik, symbolischen Aufladung und der realen parlamentarischen Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Parlamentarismus, Architektur, Doppelmonarchie, Herrschaftsrepräsentation, Nationalismus und Identitätsbildung.

Inwiefern beeinflusste die "Stilfrage" die Akzeptanz der Gebäude?

Die Wahl des Baustils – griechischer Klassizismus in Wien und Neogotik in Budapest – war Gegenstand kontroverser Debatten, da sie als Ausdruck nationaler Gesinnung oder mangelnder historischer Verankerung der jeweiligen Akteure interpretiert wurde.

Was sagt die Autorin über den Zusammenhang von Prunk und parlamentarischer Qualität?

Die Autorin stellt fest, dass die repräsentative Prunkentfaltung der Parlamentsbauten keinen positiven Einfluss auf die parlamentarische Qualität hatte; die Krise des Parlamentarismus verlief parallel zur Einweihung dieser Monumentalbauten.

Welche Rolle spielte der Dualismus für die parlamentarische Entwicklung?

Der Dualismus, geregelt durch den Ausgleich von 1867, bildete das Rahmenwerk, das jedoch gleichzeitig als Hindernis für eine föderale Entwicklung fungierte und regelmäßig in Verfassungskrisen mündete.

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Résumé des informations

Titre
Architektur und Herrschaft - Untersuchungen zu Parlamenten und Parlamentarismus in Wien und Budapest unter Kaiser Franz Joseph
Université
Humboldt-University of Berlin
Cours
HS Kulturgeschichte imperialer Herrschaft Österreich-Ungarn
Note
1,6
Auteur
Robert Hanulak (Auteur)
Année de publication
2005
Pages
25
N° de catalogue
V50138
ISBN (ebook)
9783638464154
ISBN (Livre)
9783638660839
Langue
allemand
mots-clé
Architektur Herrschaft Untersuchungen Parlamenten Parlamentarismus Wien Budapest Kaiser Franz Joseph Kulturgeschichte Herrschaft
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Robert Hanulak (Auteur), 2005, Architektur und Herrschaft - Untersuchungen zu Parlamenten und Parlamentarismus in Wien und Budapest unter Kaiser Franz Joseph, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50138
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Extrait de  25  pages
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