Diese Arbeit richtet ihren Fokus auf die Entstehungsphase der NSDAP, die zunächst als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet wurde. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die gesellschaftlichen und politischen Konstellationen in ihrem Heimatland Bayern und in ihrer Geburtsstätte München gelegt. Welches politische Klima herrschte zu dieser Zeit in Bayern und seiner Hauptstadt? Welche Ereignisse prägten das Gedankengut der Zeitgenossen? Welche strukturellen, personellen und gesellschaftlichen Bedingungen schufen den Nährboden, auf dem der Nationalsozialismus gedeihen konnte, und was waren dessen Vorbilder?
Antworten auf diese Fragen werden im ersten Teil der Arbeit herausgearbeitet, woraufhin im Folgenden die beiden wichtigsten Personen der frühen Geschichte der NSDAP, der Gründer Anton Drexler und der „Trommler“ Adolf Hitler vorgestellt und ihre Wege in die Partei nachgezeichnet werden. Dabei werden zum einen die Beweggründe Drexlers nachgewiesen, die ihn dazu veranlassten, eine Partei zu gründen. Zum anderen werden die Umstände aufgezeigt, unter denen es Hitler gelang, sich innerhalb eines Jahres von einem unbekannten Niemand zum gefeierten Führer einer schnell wachsenden Bewegung zu verwandeln. Dabei geht es vor allem um die Frage gehen, welche Eigenschaften Hitler auf seinem Weg an die Parteispitze auszeichneten und welche Bedeutung er für die Entwicklung der Organisation hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bayern als Keimzelle des Nationalsozialismus
2.1 Der Alldeutsche Verband
2.2 Die Thule-Gesellschaft
2.3 Die Bayerische Volkspartei
2.4 Die Revolution in Bayern und ihre Folgen
2.5 Der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund
2.6 Die Deutschsozialistische Partei
2.7 Die politische Lage Bayerns in d. Frühphase d. WR
3. Die Gründung der Deutschen Arbeiterpartei
4. Hitlers Weg zur Deutschen Arbeiterpartei
5. Die Entwicklung der Partei bis Februar 1920
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der NSDAP unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen im Bayern der frühen Weimarer Republik sowie der Rolle Adolf Hitlers bei der Transformation der DAP zu einer Massenbewegung.
- Analyse des politischen Klimas im Bayern der Nachkriegszeit
- Untersuchung rechtsextremer und völkischer Vorläuferorganisationen
- Darstellung des Gründungsprozesses der Deutschen Arbeiterpartei (DAP)
- Rekonstruktion von Hitlers politischem Werdegang und dessen rhetorischem Einfluss
- Bewertung des Zusammenwirkens von äußeren Umständen und individuellen Akteuren
Auszug aus dem Buch
4. Hitlers Weg zur Deutschen Arbeiterpartei
Während der als wehruntauglich befundene Werkzeugschlosser Anton Drexler seine ersten politischen Erfahrungen in der Deutschen Vaterlandspartei und dem „Freien Arbeitsausschuss für einen guten Frieden“ sammelte, diente Adolf Hitler noch als Meldegänger des Regiments List an der Westfront.
Im Jahr 1913 von Wien nach München übergesiedelt, befürwortete der sich als Postkartenmaler verdingende Hitler die Kriegsproklamation des Deutschen Reiches am 2. August 1914 und meldete sich bereits zwei Wochen später als Kriegsfreiwilliger zum Wehrdienst. Nach zwei Jahren an der Front erlitt er eine schwere Beinverletzung und wurde in ein Lazarett in der Nähe Berlins verlegt. Im März 1917 kehrte Hitler zurück an die vordersten Schlachtreihen. Als er im Oktober 1918 – der Krieg war mittlerweile aussichtslos – Opfer eines englischen Senfgasangriffs wurde, durch den er vorübergehend erblindete, wurde er in das Lazarett Pasewalk nach Pommern verlegt. In seiner stark stilisierten Biographie „Mein Kampf“ schildert Hitler, wie die Lazarett-Erfahrung und das damit verbundene Erkennen von bevorstehender Revolution und Niederlage, welche Marxismus und Judentum dem Reiche beigebracht hätten, in ihm den Entschluss zutage gefördert hätten, in die Politik zu gehen. Auch wenn Hitler dieses „Erweckungserlebnis“ mit viel Pathos beschreibt und Zweifel daran bestehen müssen, dass ihn die Einsicht, dass seine Zukunft in der Politik liege, wirklich in diesem Moment im Lazarett Pasewalk ereilte, so ist doch unstrittig, dass die Erkenntnis der deutschen Niederlage und die Anzeichen der Revolution für den Patrioten ein traumatisches Erlebnis darstellten, das sein politisches Handeln seit 1919 motivierte und ihn in seinem – nach eigener Darstellung – bereits in Wien herausgebildeten Antisemitismus und Antimarxismus noch bestärkte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Krisenhaftigkeit der Weimarer Republik und steckt das Ziel ab, die Entstehung der NSDAP vor dem Hintergrund der Münchner Verhältnisse zu untersuchen.
2. Bayern als Keimzelle des Nationalsozialismus: Das Kapitel beleuchtet verschiedene rechtsextreme Organisationen und die politischen Nachkriegsereignisse, die Bayern zum Nährboden für den Nationalsozialismus machten.
2.1 Der Alldeutsche Verband: Hier wird der völkisch-nationalistische Einfluss des Alldeutschen Verbandes und dessen ideologische Vorarbeit für den deutschen Faschismus analysiert.
2.2 Die Thule-Gesellschaft: Dieses Unterkapitel beschreibt die Bedeutung der Thule-Gesellschaft als personelles und symbolisches Zentrum für die Entstehung der DAP/NSDAP.
2.3 Die Bayerische Volkspartei: Der Fokus liegt hier auf der Rolle der BVP als erzkonservative Kraft in Bayern, die den politischen Nährboden für rechte Splittergruppen förderte.
2.4 Die Revolution in Bayern und ihre Folgen: Dieser Abschnitt behandelt die Auswirkungen der Räterepubliken und den daraus resultierenden Radikalisierungsprozess der bayerischen Rechten.
2.5 Der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund: Es wird die Rolle der größten völkisch-rassistischen Vereinigung der frühen Weimarer Republik und deren Zusammenarbeit mit der NSDAP dargelegt.
2.6 Die Deutschsozialistische Partei: Dieses Kapitel vergleicht die DSP als „Zwillingsschwester“ der DAP und beschreibt deren Scheitern gegenüber der erstarkenden Hitler-Bewegung.
2.7 Die politische Lage Bayerns in d. Frühphase d. WR: Der Text resümiert das politische Umfeld Bayerns, das als „Ordnungszelle“ rechtsextreme Umtriebe und Republikfeinde begünstigte.
3. Die Gründung der Deutschen Arbeiterpartei: Das Kapitel schildert die Anfänge von Anton Drexler, seine politischen Versuche und die Gründung der DAP im Januar 1919.
4. Hitlers Weg zur Deutschen Arbeiterpartei: Hier wird Hitlers Entwicklung vom Soldaten zum Politaktivisten und sein Eintritt in die DAP nach dem Ersten Weltkrieg nachgezeichnet.
5. Die Entwicklung der Partei bis Februar 1920: Das Kapitel dokumentiert den Aufstieg Hitlers innerhalb der DAP und deren Umbenennung in NSDAP mit der Verkündung des ersten Parteiprogramms.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung äußerer Umstände, Zufälle und der individuellen Wirkung Hitlers auf den Erfolg der NSDAP zusammen.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, NSDAP, Weimarer Republik, Bayern, München, Anton Drexler, Adolf Hitler, DAP, Räterepublik, völkisch, Antisemitismus, Radikalisierung, Thule-Gesellschaft, Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund, Politische Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehungsgeschichte der NSDAP in ihrer Frühphase in München unter Berücksichtigung des politischen Klimas der Zeit.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die Rolle Bayerns als Keimzelle für rechtsextreme Bewegungen, der Einfluss verschiedener völkischer Gruppen und die Bedeutung rhetorischer Fähigkeiten für politische Erfolge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die strukturellen und persönlichen Bedingungen zu identifizieren, die zur Entstehung der NSDAP führten, und dabei das Zusammenwirken von Krisensymptomen und Akteuren wie Drexler und Hitler zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Quellenberichten und zeitgenössischen Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des politischen Umfelds in Bayern, die Gründung der DAP, den Werdegang Adolf Hitlers bis zu seinem Eintritt in die Partei und deren Umwandlung in die NSDAP.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Nationalsozialismus, NSDAP, Weimarer Republik, Bayern, Antisemitismus und Radikalisierung beschreiben.
Wie bewertet der Autor Hitlers anfängliche Rolle in der DAP?
Der Autor stellt Hitler als jemanden dar, der zunächst durch sein rhetorisches Talent auffiel und durch den opportunistischen Beitritt zu einer unorganisierten Gruppe die Chance erhielt, seine Ambitionen umzusetzen.
Welche Bedeutung wird dem Begriff der „Ordnungszelle“ zugemessen?
Der Begriff beschreibt den bayerischen Bestrebungen nach, eine antidemokratische Bastion gegen den Bolschewismus zu bilden, was faktisch den Schutz rechtsextremer Gruppierungen durch die Regierung ermöglichte.
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- Christoph Matthies (Author), 2005, Die Entstehung der NSDAP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50141