Die Entwicklung der Frauen um 1800

Frauenrolle, Weiblichkeitsideologie, Bildung und Erwerbstätigkeit


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zeitgeschichtliche Einordnung

2. Geschlechterforschung

3. Frauenrolle und Weiblichkeitsideologie

4. Bildung und Erwerbstätigkeit

5. Die Weibliche Literaturtradition

Abschlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Online-Ressourcen

Einleitung

„Daß alle Menschen nicht nur im Zustand natürlicher Freiheit und Gleichheit geboren würden, sondern auch in Staat und Gesellschaft grundsätzlich frei und gleich an Rechten bleiben müßten [...]“, so lautet es in Wolfgang Kruses Werk „Die Französische Revolution.1 Formuliert wurde dieser Ausschnitt in der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, als zentrale Festlegung im ersten Paragraphen.2

Freiheit und Gleichheit, zwei Begriffe, die man historisch in den Kontext der Französischen Revolution, im Jahr 1789, einordnet. Wie schwer die Umsetzung sein würde, das ahnte zu dem Zeitpunkt noch niemand. Gerade im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich.

Analysiert man die Gesellschaft zu dieser Zeit genauer, vor allem die Frau, so sind klare Differenzen zu unserer heutigen Zeit erkennbar.

In meiner folgenden Arbeit möchte ich nun jene Unterschiede aufzeigen und einen Abriss zur Entwicklung des Frauenbilds um 1800 darstellen. Weiterhin werde ich darlegen wie es möglich war, das erstarrte Bewusstsein der Heimarbeit zu lockern.

Um einen Überblick zu verschaffen, habe ich mich mit unterschiedlichen Forschungen aus Literatur, sowie aus Online-Datenbanken befasst, damit es möglich ist Einblicke in einen umfangreichen Forschungsstand zu bekommen, da Geschlechterbeziehung auch heute in Form von gender studies interessant sind. Auf die Bezeichnung gender und Heimarbeit komme ich im Laufe meiner Arbeit erneut zurück.

Primär stütze ich meine Arbeit auf Forschungen Claudia Bischoffs, die in ihrem Werk „Frauen in der Krankenpflege“ die bürgerliche Seite des 19. Jahrhunderts beleuchtet und Einblicke in ein weiteres Arbeitsfeld der Frauen, außerhalb des Hauses, gewährt. Ergänzend zu dieser Problematik integriere ich einen Überblick des Geschlechterdiskurses durch Caroline Vogel, sowie auch Grundsätze der Geschlechterordnung um 1800. Letzteres wird mithilfe der Arbeit Katharina Rennhaks und Virginia Richters dargestellt.

Neben dieser Hauptliteratur beziehe ich explizit auch historische Epochen, wie beispielsweise die Französische Revolution oder Industrielle Revolution in Deutschland, in meine Arbeit mit ein, um das zeitgeschichtliche Bild durch epochale Merkmale geschichtlicher Zeit zu ergründen.

Diese Thematik vermittle ich mithilfe der Werke Wolfgang Kruses, ebenso wie Susanne Lachenichts, welche die Problemstellung der Französischen Revolution aufgreifen. Hinzu füge ich Knut Borchardts Forschung „Die Industrielle Revolution in Deutschland“.

Die Zeit um 1800 war durch verschiedene historische Einflüsse geprägt, demnach entwickelte sich die Frauenrolle. Diese werde ich in meiner Arbeit zusammenfassend erläutern und beziehe ebenfalls Einblicke in die Geschlechterforschung, Weiblichkeitsideologie, sowie Bildung und Erwerbstätigkeit.

Meine Abhandlung betrifft die proletarische Bevölkerungsschicht, nicht die Frauen der „niederen Klasse“, da der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Heimarbeit liegt und Frauen der niederen Schicht schon immer außerhalb der Familie gearbeitet haben, um den Lebensunterhalt zu sichern.3

Mit dem Brief Julie Bondelis an ihre Freundin Sophie von La Roche möchte ich das Themenfeld der Frauenrolle ebenfalls auf das Frauenbild ausweiten. Kern dieser Arbeit ist somit die Darlegung eines expliziten Frauenverständnisses, durch unterstützende Forschungslage.

Die Frau galt als unwissend und dem Mann unterlegen, wie konnte sie also fähig sein überhaupt eine Literarizität zu bedienen? Kann die Frau der frühen Neuzeit noch als dem Mann unterstelltes, schwaches Geschlecht betrachtet werden? Mit dieser Fragestellung möchte ich mich nun im kommenden Teil meiner Arbeit befassen.

1. Zeitgeschichtliche Einordnung

Das 18./19. Jahrhundert ist geprägt durch politische, wirtschaftliche und auch soziale Einschnitte individuellen Denkens. Eine Umbruchszeit die gekennzeichnet durch Französische Revolution, Aufklärung und Industrielle Revolution charakterisiert war.

„Aufklärung“ ein Wort dessen Begriffsbestimmung sehr umstritten ist. Doch gibt die Definition eines Philosophen, der als Überwinder der Aufklärung gilt, Auskunft. Immanuel Kant. Es waren 1783 seine Worte, dass unter Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, Unmündigkeit bedeutet hierbei das Unvermögen seinen Verstand ohne Leitung zu bedienen, zu verstehen sei.4

Ausgangspunkt ist nach Kant also die Unmündigkeit, wobei Mündigkeit als Ziel der Aufklärung zu erreichen ist. Die Aufklärung ist demnach ein Befreiungsvorgang gegen jene Hindernisse, die der Autonomie des Individuums entgegen stehen. Hindernisse sind nach Kant einerseits moralischer Art, als auch andererseits gesellschaftlicher Art, die eine Freiheitseinräumung fordern. Freiheit in dem Maße, dass Meinungsfreiheit in Staat und Gesellschaft herrschen und Religionsfreiheit.5

Wie verbreitete sich nun dieses Gedankengut und wo besteht der Zusammenhang zu den Geschlechterverhältnissen?

Die Aufklärung im Allgemeinen kann nicht als Ursache der Französischen Revolution geltend gemacht werden. Vielmehr trugen die Philosophen dazu bei, die ideologischen Stützen der alten Gesellschaft zu untergraben.6

Als Auslöser der Revolution sieht man die Finanz- und Verfassungskrise Frankreichs im Juli 1788, welche die Einberufung der Generalstände hervorsah. Zugleich hob der neue Premierminister Brienne, durch neue Forderungen an Gebildete öffentlich Stellung zu beziehen, die Zensur auf. Was als Ergebnis eine politische Mobilisierung der französischen Bevölkerung bedeutete.7

Mit der zeitweiligen Aufhebung der Zensur war die Pressefreiheit jedoch noch nicht verbunden. Vorerst waren weiterhin drei königlich privilegierte Zeitungen zugelassen.

Anfang Mai 1789 erschienen erstmalig unabhängige Zeitungen in Paris, welche zeitnah verboten wurden. Die Erklärung des dritten Standes zur Nationalversammlung gab letztendlich den entscheidenden Anstoß zur Publikation unabhängiger Pressorgane. Es erschienen weiterhin unabhängige Zeitungen, bis im August 1789 durch die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, auch die Pressefreiheit offiziell verkündet wurde.8

Die Französische Revolution verstand sich nunmehr als Beginn einer neuen Ordnung, in der Mensch und Natur einander versöhnlich entgegengingen. Jener Neubeginn sollte Raum und Zeit gestalten, um so einem neuen Verständnis über das Bewusstsein des freien Menschen Ausdruck zu verleihen.9

Während Ideen der Aufklärung und Revolution ein Wegweiser in Richtung Gleichheit stellten, erwies sich die industrielle Revolution als Entwicklung einer differenzierten Gesellschaftsstruktur.10

„Zwischen 1780 und 1850, in weniger als drei Generationen, wandelte eine weitreichende Revolution, die in der Geschichte der Menschheit nicht ihresgleichen hat, das Gesicht Englands.“, so betitelt Cipolla eben jenes Ereignis in seiner Einführung.11

Mitte des 19. Jahrhunderts waren soziale und politische Strukturen, beispielsweise Englands und Frankreichs, der ersten Stufe der industriellen Revolution angemessen. Der Technologiefortschritt, sowie die steigende Bevölkerungsentwicklung bedingen die zweite Stufe der Industrialisierung. Die Gesellschaft erfordert einen neuen Typ Mensch. Analphabeten, die vorher in der Landwirtschaft tätig waren finden keinen Platz. Um Leben und Überleben gewährleisten zu können benötigt man Bildung.12

Weiterhin charakterisiert eine Industriegesellschaft eine rasche technologische Erweiterung. Die industrielle Bevölkerung kommt dem gleich und ist somit einer andauernden Erweiterung ihres Wissens unterworfen.13

Arbeitsteilung und Übergang zur Teamarbeit führen zu unpersönlichen Beziehungen zu den Mitmenschen. Das Miteinander ist im Vergleich zur Agrargesellschaft indifferent. Jenes manifestiert sich auch in der zahlenmäßig begrenzten Familie, mit reduzierten Funktionen, da der Staat Aufgaben übernimmt.14

2. Geschlechterforschung

Um im Folgenden eine Ausarbeitung geschlechtsspezifischer Merkmale oder Theorien bezüglich der Arbeit, im Einklang zum Geschlecht anzufertigen, möchte ich mich vorerst noch einmal dem Geschlecht im Allgemeinen widmen. Was ist also überhaupt ein Geschlecht?

Betrachtet man Thematik des Geschlechts, so lässt es sich nicht vermeiden über die Begriffe gender und sex zu stolpern.

Nach Gerda Lerner beschäftigt sich die Forschung mit der Abtrennung des biologischen vom sozialen Geschlechts. Hierbei betitelt sex das biologisch gegebene Geschlecht und gender im Kontrast dazu bezeichnet die Summe der psychologisch und gesellschaftlich bestimmten Normen und Vorstellungen15.

In der Geschlechterdiskussion gibt es demnach ein biologisch angelegtes Geschlecht, sowie eines, was durch in der Kultur ausgebildete oder vermittelte Systeme nachzuvollziehen ist.16

Das biologische Geschlecht geht einher mit physischen Attributen, welche anatomisch determiniert und somit als nicht veränderbar geltend gemacht werden. Wohingegen das Geschlecht in der Gesellschaft sich auf die soziale Klassifikation „männlich“ und „weiblich“ beziehe, was daher als veränderbar gesehen werden kann.17

Die Unterscheidung beider Begriffe zählte lange Zeit als fachlicher Ansatz, damit der gesellschaftlichen Konstruktion von Männlichkeit, sowie Weiblichkeit nachgegangen werden konnte. Jene Abtrennung von gender und sex zeigte in der Forschungspraxis jedoch erhebliche Probleme, da empirischen Arbeiten die Annahme zu Grunde lag, dass das historisch variable Geschlecht immer an einen von Natur aus gegebenen Körper gebunden sei und dementsprechend weibliches und männliches Verhalten zu unterscheiden ist.18

Das wichtigste Anliegen der Geschlechterforschung ist die Kritisierung „natürlicher“ Geschlechtsunterschiede und somit die Infragestellung der dadurch legitimierten Ungleichheit von Mann und Frau. Seit jeher ist einigermaßen klar was als feminin oder maskulin angesehen wird. Problematisch wird es erst beim Blick auf das Verhältnis zwischen den Parteien. Die strukturalistische Kategorienbildung, eingeführt durch Lévi-Strauss, hat zufolge, dass Frauen als „natürliches“, „wildes“ Geschlecht, wohingegen Männer auf der Seite der Kultur zu verzeichnen sind.19

3. Frauenrolle und Weiblichkeitsideologie

Zu Beginn der Moderne hat sich das Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit stark variiert. Zuvor galt üblich, dass Geschlecht steht hinter dem Stand. So waren eine Bäuerin und ein Fürstin vom Geschlecht her gleich, doch wäre es undenkbar auf Grund des Standes jenes auch zu behaupten. Gleiches gilt auf männlicher Seite.20

[...]


1 Kruse, Wolfgang: Die Französische Revolution, Paderborn 2005, S. 149.

2 Kruse 2005, S. 149.

3 Bischoff, Claudia: Frauen in der Krankenpflege. Zur Entwicklung von Frauenrolle und Berufstätigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt 1997, S. 78.

4 Kraus, Andreas: Was ist Aufklärung. Betrachtungen zu einem ewig jungen Thema, in: Albrecht, Dieter (Hg.): Europa im Umbruch 1750-1850, München 1995, S. 1f.

5 Kraus 1995, S. 2.

6 Kuhn, Axel: Die Aufklärung, in: Reclam Sachbuch: Die Französische Revolution, Ditzingen 2013, S. 43.

7 Kruse, Wolfgang: Die Französische Revolution, Paderborn 2005, S. 81.

8 Kruse 2005, S. 81f.

9 Wunder, Bernd: Europäische Geschichte im Zeitalter der Französischen Revolution 1789-1815, Stuttgart 2001, S. 71.

10 Klinger, Cornelia: 1800. Eine Epochenschwelle im Geschlechterverhältnis?, in: Rennhak, Katharina (Hg.): Revolution und Emanzipation. Geschlechterordnungen in Europa um 180 (Große Reihe Bd. 31.), Köln 2004, S. 17f.

11 M. Cipolla, Carlo: Die Industrielle Revolution in der Weltgeschichte. Einführung von Carlo M. Cipolla, in: Borchardt, Knut: Die Indistrielle Revolution in Deutschland, München 1972, S. 7.

12 M. Cipolla 1972, S. 18f.

13 M. Cipolla 1972, S. 18.

14 Ebd, S. 19f.

15 Opitz-Belakhal, Claudia: Geschlechtergeschichte. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage (Historische Einführungen Bd. 8), Frankfurt am Main 2018, S. 13.

16 Vogel, Caroline: Geschlechterdiskurs und Lebensrealität um 1800. Elisabeth von Staegemann – ihr literarisches Werk und ihr Salon, Regensburg 2001. S. 32.

17 Opitz-Belakhal 2018, S. 13.

18 Ebd, S. 14.

19 Ebd, S. 42f.

20 Autor unbekannt: Warum die Geschlechterforschung so umkämpft ist, https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/19487-rtkl-bestandsaufnahme-warum-die-geschlechterforschung-so-umkaempft-ist (eingesehen am 31.08.2019).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Frauen um 1800
Untertitel
Frauenrolle, Weiblichkeitsideologie, Bildung und Erwerbstätigkeit
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
3,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V501770
ISBN (eBook)
9783346028044
ISBN (Buch)
9783346028051
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, frauen, frauenrolle, weiblichkeitsideologie, bildung, erwerbstätigkeit
Arbeit zitieren
Thessa-Martien Herold (Autor), 2019, Die Entwicklung der Frauen um 1800, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501770

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