Im Rahmen dieses Essays soll die Fragestellung „Aufgrund welcher Überlegungen gelangt Descartes in seinen Meditationen zum Cogito-Argument?“ geklärt werden. Dazu werde ich zu Beginn den Rahmen stecken: In was für einer persönlichen und gesellschaftlichen Situation hat Descartes sein Argument entwickelt? Was war seine Intention und was war sein Ziel? Was für eine Methode hat er angewandt? Welche Vorannahmen lassen sich erkennen, die Descartes selber möglicherweise nicht explizit herausgestellt oder erkannt hat? Ist das Cogito-Argument wirklich als Argument zu verstehen? Im Anschluss daran werde ich seine Überlegungen in den Meditationen bis hin zum Cogito-Argument darlegen und erläutern. Zum Schluss werde ich eine Zusammenfassung geben und die Fragestellung abschließend beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Schluss
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Überlegungen zu rekonstruieren, die René Descartes in seinen Meditationen dazu geführt haben, das berühmte Cogito-Argument als unbezweifelbaren Grundsatz zu etablieren. Dabei wird untersucht, wie Descartes durch eine methodische Skepsis und die systematische Hinterfragung seiner kognitiven Grundlagen zu der Gewissheit seiner eigenen Existenz gelangt.
- Der historische und persönliche Kontext der Entstehung der Meditationen
- Die Anwendung des radikalen, strategischen Zweifels als Erkenntnismethode
- Die Analyse der drei Stufen des Zweifels nach Dominik Perler
- Die Herleitung des Cogito-Arguments als notwendige Wahrheit
- Die erkenntnistheoretische Fundierung eines Wissenssystems
Auszug aus dem Buch
2. Hauptteil
Descartes hat einen bedeutenden Teil seines Lebens mit dem Reisen verbracht und sich mit Menschen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellungen und wissenschaftlichen Fachgebieten ausgetauscht. Diese willentliche Konfrontation mit Alterität hat ihn dazu gebracht, den status quo der Wissenschaften zu hinterfragen und in ihm eine selbstreflexive und relativistische Perspektive gefördert. Seinen Beobachtungen zufolge schien das vermeintliche Wissen letztlich auf Meinungen und Unsicherheiten zu fußen. Daraus ergaben sich für Descartes sinngemäß folgende Fragen: Gibt es einen Weg, Philosophie und Wissenschaft außerhalb des Zweifelbaren zu betreiben? Können wir qua Vernunft ein fundamentalistisches, unbezweifelbares Wissenssystem aufbauen? Um bei diesem Vorgehen Fehler zu vermeiden, setzte Descartes sich selber vier Vorschriften: Seine erste Vorschrift besagt, ausschließlich dasjenige als wahr zu akzeptieren, welches von ihm evident erkannt wird. Evidenz umfasst dabei das, was sich dem Geist unmittelbar darbietet und schließt dementsprechend alles aus, an dem sich zweifeln lässt.
Dass Descartes intendiert qua Vernunft ein fundamentalistisches Wissenssystem zu erschaffen, an dem nicht gezweifelt werden kann, legt die Wahl seiner Methode nahe: Man bezeichnet sie als „methodischen, strategischen Zweifel“ oder auch „radikalen Zweifel“. Um sich von seinen Meinungen und Vorurteilen bzw. übereiligen Urteilen zu befreien, stürzt sich Descartes willentlich in einen radikalen Zweifel und will ausschließlich evidente, unbezweifelbare Erkenntnisse anerkennen. Seine Zweifel erstrecken sich dabei nicht nur auf das offensichtlich falsche, sondern auch auf all das, was nicht zweifelsfrei behauptet werden kann (wie z.B. wahrscheinliche Dinge). Die Methode in ihrer destruktiven Form bewirkt, dass alles auf dem Fundament gebaute in sich zusammenfällt. Die konstruktive Form seiner Methode ermöglicht anschließend den Aufbau eines notwendig wahren Wissenssystems.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Herleitung des Cogito-Arguments und erläutert den geplanten methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Hauptteil: Das Kapitel analysiert Descartes' philosophische Motivation, seine Methode des radikalen Zweifels in drei Stufen sowie die logische Herleitung des Grundsatzes „Ich bin, ich existiere“.
3. Schluss: Dieser Abschnitt fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, wie Descartes durch die Überwindung des Zweifels zu seinem fundamentalen Wissenssatz gelangt.
4. Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Arbeit systematisch aufgelistet.
Schlüsselwörter
René Descartes, Cogito-Argument, Meditationen, radikaler Zweifel, Erkenntnistheorie, methodischer Zweifel, Ich bin ich existiere, Vernunft, Evidenz, Wissenssystem, Fundamentalismus, Präsenserfahrung, Wahrheitsrealismus, Philosophie, Strategischer Zweifel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Überlegungen, die René Descartes dazu veranlasst haben, in seinen „Meditationen“ das Cogito-Argument als erstes unerschütterliches Fundament seines Wissenssystems zu formulieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die erkenntnistheoretische Methode des radikalen Zweifels, die Rolle der Vernunft, das Streben nach einem fundamentalistischen Wissenssystem sowie die Analyse des Verhältnisses von Denken und Sein.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Weg nachzuzeichnen, den Descartes durch die verschiedenen Stufen des Zweifels nimmt, bis er bei der unvermeidbaren Erkenntnis seiner eigenen Existenz ankommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Rekonstruktion, die auf der Analyse von Primärtexten und der Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur (insb. Dominik Perler) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der philosophischen Ausgangslage Descartes', die Erläuterung der Methode des strategischen Zweifels in drei Stufen und die detaillierte logische Aufschlüsselung der Prämissen des Cogito-Arguments.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Cogito-Argument, radikaler Zweifel, Erkenntnistheorie, Evidenz und das von Descartes angestrebte fundamentale Wissenssystem.
Wie unterscheidet sich Descartes' „Cogito“ von einem klassischen Syllogismus?
Die Arbeit verdeutlicht, dass es sich beim Cogito-Argument nicht um einen formalen Schluss (Syllogismus) handelt, sondern um eine unmittelbare, selbstevidente „Präsenserfahrung“ des eigenen Seins während des Denkaktes.
Warum spielt die Figur des „bösartigen Genius“ eine Rolle bei Descartes?
Diese Figur dient als Gedankenexperiment auf der dritten Stufe des Zweifels, um sicherzustellen, dass Descartes auch bei einer radikalen Täuschung durch eine allmächtige Entität an seiner Existenz festhalten kann.
- Citation du texte
- Nicolas Guérin (Auteur), 2019, Aufgrund welcher Überlegungen gelangt Descartes in seinen Meditationen zum Cogito-Argument?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501783