Soll in Deutschland die aktive Sterbehilfe und/oder die Beihilfe zum Suizid nach dem schweizerischen Sterbehilfekonzept legalisiert werden? Diese Fragestellung untersucht diese Bachelor-Thesis. Gesetzlich zulässig sind in Deutschland heutzutage nur die passive und die indirekte Sterbehilfe, während die Schweiz neben diesen Formen auch die Beihilfe zum Suizid legalisiert hat. Beide Staaten verbieten hingegen die aktive Sterbehilfe.
Seit vielen Jahren ist die Einführung und Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ein viel diskutiertes Thema, an dem sich die Meinungen scheiden. Dabei ist es keinesfalls neu. Schon der römische Philosoph Seneca (1 bis 65 n. Chr.) warf die Frage auf: "Wenn der eine Tod unter Qualen, der andere aber einfach und leicht sich vollzieht, warum sollte diesem nicht die Hand nachhelfen dürfen?". Bis in die heutige Zeit hat das Thema an Aktualität nicht verloren. Im Gegenteil haben in jüngster Zeit eine Vielzahl gerichtlicher Entscheidungen und Veröffentlichungen die Diskussion erneut beflügelt und das Thema wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Befürworter einer Legalisierung bestimmter Formen der Sterbehilfe verweisen immer wieder auf die gesetzlichen Regelungen in unseren Nachbarstaaten Schweiz und Niederlande. Häufig wird dabei die Schweiz als ein gelungenes Beispiel benannt, weshalb verschiedene Sterbehilfeorganisationen deutsche Sterbewillige dahingehend beraten, den assistierten Suizid in der Schweiz zu wählen. Und rein faktisch hat ein regelrechter Sterbehilfetourismus in der Schweiz längst Formen angenommen.
Die Legalisierung der Sterbehilfe wird teilweise hochemotional und brisant erörtert. Beteiligt sind in erster Linie Betroffenen- und Patientenverbände, Ärzte und Vertreter ärztlicher Standesorganisationen. Da das Thema nicht nur medizinische Aspekte hat, sondern auch ethische, erheben die Kirchen und Glaubensorganisationen ihrerseits moraltheologische und medizinisch-ethische Einwände. Die Beteiligung großer gesellschaftlicher Gruppen bewirkt zwangsläufig, dass sich Vertreter der politischen Gremien und Parteien ebenfalls sehr kontrovers an der Diskussion beteiligen. Die demografische Entwicklung und Überalterung unserer Gesellschaft werden voraussichtlich dazu beitragen, dass die Diskussion um die Erlaubnis der aktiven Sterbehilfe an Brisanz nicht verlieren, sondern eher zunehmen wird.
Inhaltsverzeichnis
Hinweise zur besseren Lesbarkeit
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Theoretischer Teil
2.1 Methodik der Literatursuche
2.2 Sterbehilfemethoden, Palliativmedizin, Patientenverfügung
2.2.1 Aktive Sterbehilfe
2.2.2 Beihilfe zum Suizid
2.2.3 Passive Sterbehilfe
2.2.4 Indirekte Sterbehilfe
2.2.5 Palliativmedizinische Versorgung
2.2.6 Patientenverfügung
2.3 Deutsche Geschichte der Sterbehilfe und Rechtsgrundlagen
2.4 Jüngste Gesetzgebungsinitiativen und Urteile
2.5 Rechtslage in der Schweiz
2.6 Schweizerische und deutsche Sterbehilfeorganisationen
2.6.1 EXIT
2.6.2 DIGNITAS
2.6.3 Sterbehilfe Deutschland e. V.
2.6.4 DIGNITAS-Deutschland e. V.
2.7 Ethische und moralische Erwägungen zur Sterbehilfe
2.7.1 Definition Ethik
2.7.2 Moralethische Gesichtspunkte
2.7.3 Medizinethische Gesichtspunkte
2.7.4 Religiöse Gesichtspunkte
3 Empirischer Teil
3.1 Konzeption der empirischen Untersuchung
3.1.1 Untersuchungsmethode
3.1.2 Aufbau des Fragebogens
3.1.3 Herleitung der Fragen
3.1.4 Teilnehmer
3.1.5 Pilotierung des Fragebogens
3.1.6 Durchführung der Untersuchung
4 Ergebnisse
4.1 Ergebnisse aus früheren Fremdstudien
4.2 Ergebnisse der Häufigkeiten
4.3 Ergebnisse der Kreuzungen
4.4 Ergebnisse der Abhängigkeiten
5 Diskussionsteil
6 Schlussteil
6.1 Kritische Betrachtung der eigenen Methoden
6.2 Fazit
6.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht, ob in Deutschland eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe oder der Suizidbeihilfe nach dem schweizerischen Modell befürwortet wird, und analysiert dabei das Meinungsbild in Bezug auf ethische, moralische und demografische Einflussfaktoren.
- Vergleichende Analyse der Rechtslage zur Sterbehilfe in Deutschland und der Schweiz.
- Untersuchung der Akzeptanz verschiedener Sterbehilfeformen in der Bevölkerung mittels quantitativer Umfrage.
- Evaluation der Bedeutung von Patientenverfügungen und Palliativmedizin als Alternativen.
- Analyse von Zusammenhängen zwischen sozioökonomischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Bildung) und der Einstellung zur Sterbehilfe.
Auszug aus dem Buch
2.2.6 Patientenverfügung
Durch das am 01.09.2009 in Kraft getretene Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts wurde das Rechtsinstitut der Patientenverfügung in Deutschland erstmals gesetzlich geregelt. Was ist überhaupt eine Patientenverfügung? Der Gesetzgeber hat den Begriff legal definiert in § 1901a Absatz 1 BGB enthalten ist: „(1) Hat ein einwilligungsfähiger Volljähriger für den Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustands, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt (Patientenverfügung), … “
Die Patientenverfügung ist demnach eine schriftliche, d. h. unterschriebene „Willensbekundung eines einwilligungsfähigen Volljährigen, mit der er Entscheidungen über die Einwilligung oder Nichteinwilligung in noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustandes, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe für den späteren Fall der Einwilligungsunfähigkeit trifft.“ Mit dem Begriff Patientenverfügung werden sowohl die Urkunde bezeichnet als auch sämtliche darin getroffenen Verfügungen des Patienten hinsichtlich bestimmter medizinischer Maßnahmen im Krankheitsfall. Sie dient dem Patienten dazu, „im Bereich der medizinischen Versorgung sein Selbstbestimmungsrecht vorausschauend und planend durch eine erst in der Zukunft wirkende verbindliche Verfügung auszuüben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte um die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe ein, definiert die Forschungsfrage und erläutert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Theoretischer Teil: Hier werden grundlegende Sterbehilfemethoden definiert, die historische Entwicklung in Deutschland sowie die Rechtslage in der Schweiz dargestellt und die ethischen sowie religiösen Aspekte der Debatte beleuchtet.
3 Empirischer Teil: Dieses Kapitel beschreibt die Konzeption, den Aufbau des Fragebogens und die Durchführung der empirischen Online-Umfrage zur Meinungsbildung.
4 Ergebnisse: Hier werden die Resultate der Umfrage präsentiert, inklusive der statistischen Auswertung der Häufigkeiten, Kreuzungen der Variablen und der Analyse von Abhängigkeiten.
5 Diskussionsteil: Die gewonnenen Erkenntnisse werden interpretiert und in den Kontext der eingangs aufgestellten Hypothesen sowie der bestehenden Debatte gesetzt.
6 Schlussteil: Dieses Kapitel reflektiert kritisch die gewählte Methodik, zieht ein Fazit der Gesamtarbeit und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Bereich der Sterbehilfe.
Schlüsselwörter
Aktive Sterbehilfe, Beihilfe zum Suizid, Patientenverfügung, Palliativmedizin, Selbstbestimmung, Sterbehilfeorganisationen, Schweiz, Deutschland, Ethik, Euthanasie, Umfrage, Statistik, Medizinökonomie, Lebensende, Rechtslage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe und der Suizidbeihilfe nach schweizerischem Vorbild in Deutschland gesellschaftlich befürwortet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die verschiedenen Sterbehilfeformen, rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland und der Schweiz, die Rolle der Palliativmedizin und Patientenverfügungen sowie ethisch-moralische Sichtweisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob die deutsche Bevölkerung eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe sowie der Suizidbeihilfe nach dem schweizerischen Modell befürwortet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative empirische Untersuchung in Form einer Online-Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse anschließend statistisch ausgewertet und mit Fremdstudien verglichen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl eine theoretische Fundierung zu Sterbehilfearten und Ethik als auch den empirischen Teil zur Auswertung des Fragebogens und die Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Aktive Sterbehilfe, Beihilfe zum Suizid, Patientenverfügung, Palliativmedizin, Selbstbestimmung, Euthanasie und Ethik.
Welche Rolle spielt das schweizerische Modell für die Untersuchung?
Das schweizerische Modell dient als Vergleichs- und Referenzpunkt, da dort die Suizidbeihilfe unter bestimmten Voraussetzungen straffrei ist, was als Grundlage für die Untersuchung einer möglichen deutschen Gesetzesänderung genutzt wird.
Wie bewerten die Befragten die Rolle der Patientenverfügung?
Die Umfrage zeigt, dass die Patientenverfügung als sehr wichtiges und bewährtes Instrument zur Sicherung des Patientenwillens am Lebensende angesehen wird und die Mehrheit der Teilnehmer eine solche bereits besitzt oder plant.
Was sagen die Ergebnisse zum Dammbruchargument aus?
Die Mehrheit der Befragten teilt die Sorge nicht, dass eine Legalisierung zu voreiligen Entscheidungen führt, wobei jedoch ein beachtlicher Teil der Teilnehmer dennoch Bedenken hinsichtlich potenzieller Missbräuche äußert.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Hane (Autor:in), 2019, Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501813