Der Archaeopteryx. Vom Reptil zum Vogel

Die Bedeutung des Urvogels für die Evolutionslehre


Hausarbeit, 2017

32 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beschreibung des Brückentiers Archaeopteryx
2.1 Anatomie
2.1.1 Schädel
2.1.2 Wirbelsäule
2.1.3 Vorderextremität
2.1.4 Hinterextremität
2.1.5 Befiederung
2.2 Physiologie
2.2.1 Gehirn
2.2.2 Wachstum
2.2.3 Ernährung
2.3 Lebensraum

3 Was ist ein Vogel? Was ist ein Reptil?
3.1 Reptil
3.1.1 Amnioten-Ei
3.1.2 Reptilienmerkmale
3.1.3 Crocodilier – weite Verwandte des Urvogels
3.2 Vogel
3.3 Das Brückentier im Vergleich

4 Die Entwicklung des Fliegens
4.1 Probleme des Fliegens
4.2 Die Laufflieger oder Bodenläufer-Hypothese
4.3 Die Kletterflieger oder Baumkletterer-Hypothese
4.3.1 Arboreal-Hypothese nach Walter Bock
4.3.2 Probleme der Baumkletterer-Hypothese
4.4 Alternativen zur Flugentwicklung

5 Die Bedeutung von Archaeopteryx für die Biologie
5.1 Die erste Entdeckung des Fossils
5.2 Die historische Bedeutung des Fundes
5.3 Der Urvogel – ein Brückentier der Evolution?
5.4 Archaeopteryx – ein Dinosaurier mit Federn
5.5 Archaeopteryx – das Paradefossil

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

9 Glossar

Gender-Erklärung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser vorwissenschaftlichen Arbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschließliche Verwendung der männlichen Form geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

Abstract

Das Thema dieser Arbeit behandelt das prähistorische Lebewesen Archaeopteryx und seine Verbindung zu den Tiergruppen der Reptilien und Vögel. In den nachstehenden Kapiteln wird einerseits das Tier an sich beschrieben und erklärt, andererseits die Wichtigkeit des Fundes erläutert. Zu Beginn liegt der Fokus der Arbeit auf Archaeopteryx selbst. Seine wichtigsten Merkmale und Gemeinsamkeiten mit den heutigen Vögeln und Reptilien werden aufgezeigt. Im Mittelteil werden diese Zusammenhänge anhand einer Analyse der beiden Tierklassen selbst anschaulich gemacht. Darüber hinaus wird auch auf die Theorien der Flugentwicklung von Tieren in Bezug auf das Brückentier eingegangen, da es auch hierbei wichtige Informationen für die Wissenschaft liefert. Abschließend wird die Bedeutung von Archaeopteryx für die Evolutionslehren thematisiert und ein Überblick vom ersten Fund bis hin zur Wissenschaft des 21. Jahrhunderts gegeben.

Die komplette Arbeit stützt sich auf Literatur aus den Fachgebieten der Paläontologie und der Evolutionsforschung. Die wichtigste Erkenntnis dieser Abhandlung ist, dass der Urvogel einen der wichtigsten Funde in der Paläontologie repräsentiert, da es kaum ein besseres Fossil gibt, das die schrittweise Evolution so gut verkörpert wie er.

1 Einleitung

Nahezu jeder Mensch hat schon einmal in den Himmel geblickt und sich gefragt, wie es wohl wäre, die Fähigkeiten eines Vogels zu besitzen, zu fliegen wohin immer man auch möchte und dadurch den Begriff ‚Freiheit‘ neu zu definieren. Die Natur hat für diese Errungenschaft ein paar Millionen Jahre gebraucht, denn wie überall in der Evolution waren auch die Anfänge des Fliegens sehr bescheiden. Vor den Vögeln schafften es unter den Tieren nur die Insekten und einzelne flugfähige Saurier sich in die Lüfte zu erheben. Doch welcher war der erste Vogel auf unserer Erde, der die Fesseln der Schwerkraft überwinden konnte? Diese Frage stellten sich die verschiedensten Wissenschaftler und fanden in dem Fossil des Archaeopteryx eine plausible Antwort.

Ziel dieser Arbeit ist es den Urvogel in seiner physischen Erscheinung zu beschreiben, sowie einen Überblick über seine Gemeinsamkeiten mit den rezenten Tiergruppen der Reptilien und Vögel zu geben. Weiters soll diese vorwissenschaftliche Arbeit die Entwicklung des Vogelfluges näher beleuchten und auch hier ein Rückschluss auf Archaeopteryx gezogen werden. Der letzte Abschnitt legt das Hauptaugenmerk auf die wissenschaftliche Bedeutung des Brückentieres und zeigt auf, wie bedeutsam der Fund für die heute anerkannten Evolutionslehren war.

Die für die Arbeit angewandte Methodik beschränkt sich auf den literarischen Zweig. Dadurch konnten alle Fragen problemlos abgedeckt werden, da sich der Großteil der verwendeten Werke mit ähnlichen Fragestellungen auseinandersetzt.

2 Beschreibung des Brückentiers Archaeopteryx

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der anatomischen und physiologischen Beschreibung des Urvogels. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf das Skelett und den damit verbundenen Merkmalen beider Tierklasse, sowohl Vogel als auch Reptil gelegt. Die folgenden Beschreibungen sind auf jegliche gefundene Exemplare von Archaeopteryx bezogen.

2.1 Anatomie

Der Autor Ludger Bollen beschreibt die erste Entdeckung eines Archaeopteryx Fossils, durch Carl Häberlein wie folgt:

„Was Häberlein von dem leicht verstreuten Skelett freilegte, erinnerte in der Zartheit der Knochen ein wenig an eine Flugechse. Der Schädel fehlte offensichtlich, aber ein Teil der Wirbelsäule zeichnete sich ab und mündete in einen prächtig erhaltenen, langgestreckten Reptilienschwanz. Ausgehend von den Hand- und Unterarmknochen zeichnete sich eine regelmäßige, strahlenförmige Struktur ab und noch deutlicher war sie zu beiden Seiten der Schwanzwirbel erkennbar: Jeden Zoll erinnerten diese Spuren an Abdrücke von Federn.“ (Bollen 2008, S. 34)

Alle gefundenen Exemplare des Tieres besitzen die Größe einer heutigen Krähe. Prinzipiell sind alle Knochen des Skeletts sehr zart gebaut. (vgl. Colbert 1965, S. 150-151)

„Das Skelett allein war im Wesentlichen reptilisch, aber mit einigen Merkmalen, die stark zu den Vögeln hinwiesen“ (ebd., S. 151).

2.1.1 Schädel

Jedes gefundene Exemplar von Archaeopteryx weist einen für Archosaurier typischen Schädel auf, der beispielsweise bei den heutigen Krokodilen oder Vögeln zu finden ist (vgl. ebd., S. 150-151).

In der Mitte des Schädels der Tiere ist eine Öffnung angesetzt, die sich zwischen der Augen- und Nasenöffnung befindet. Diese Öffnung bildet für den Dinosaurier die Präorbital- oder Augenöffnung, welche vor allem bei Theropoden (Fleischfressern) häufig auftritt. (vgl. Wellnhofer 2008, S. 159)

2.1.2 Wirbelsäule

Im Gegensatz zu den Schädelknochen ist die Wirbelsäule aller jemals gefundenen Exemplare vollständig oder zumindest teilweise erhalten. Meist fand man die Knochen in ihrer fossilen Form im vorderen Rumpf- und Halsbereich kreisförmig nach oben gekrümmt. Wie bei allen Knochen des Brückentieres, stellte man sich auch bei den Wirbeln die Frage, ob diese eher vogelähnlich waren oder auf die Gruppe der Reptilien schließen ließen. Diese Frage wird unter anderem durch die beiden eingeschüsselten Gelenkflächen des Wirbelkörpers des Tieres beantwortet, da jene nach innen gewölbt sind, ein Merkmal, das ebenfalls theropodenartig ist und damit in diesem Bereich eine Ähnlichkeit mit den Vögel ausschließt. Bei den Schwanzwirbeln sind durchschnittlich um die 22 Stück vorhanden. Vergleicht man diese Anzahl mit denen anderer Theropoden stellt man fest, dass der Wirbelschwanz von Archaeopteryx um die Hälfte kürzer ist. (vgl. Wellnhofer 2008, S. 162)

Der knöcherne und lange Schwanz des Tieres ist, wie vieles andere auch, charakteristisch für Reptilien (vgl. Colbert 1965, S. 150-151).

2.1.3 Vorderextremität

Bei einer Analyse der vorderen und hinteren Extremitäten von Archaeopteryx ist zu erkennen, dass beide etwa gleich lang sind. Trotz vieler theropodischer Merkmale des Urvogels kann dieses Verhältnis bei kaum einem anderen Dinosaurier dieser Gruppe vorgefunden werden. (vgl. Wellnhofer 2008, S. 166)

Bei den vorderen Gliedmaßen kann man feststellen, dass diese nicht nur vergrößert sind, sondern offensichtlich auch als Flügel fungierten. Das legt die Theorie nahe, dass der Urvogel nicht nur, ähnlich dem heutigen Huhn, im Stande war zu gehen und zu rennen, sondern auch zu fliegen. (vgl. Colbert 1965, S. 150-151)

2.1.4 Hinterextremität

Die hinteren Gliedmaßen von Archaeopteryx sind stark ausgeprägt, weshalb es ihnen mühelos gelang, ihren Körper zu tragen. Sie besitzen eine Ähnlichkeit mit denen der Vögel unserer Zeit, weisen jedoch eine kurze nach hinten gerichtete und drei nach vorne gerichtete, mit Klauen versehene Zehen auf. (vgl. ebd., S. 150-151)

2.1.5 Befiederung

In der Frage, ob und wozu Dinosaurier möglicherweise Federn getragen haben, gehen die Meinungen der Forscher weit auseinander. Prähistorische Echsen, die eine Befiederung getragen hätten, wären mit diversen Vorteilen aus der damaligen Zeit hervorgestoßen. Hierbei muss beachtet werden, dass ein Federkleid nicht automatisch mit der Funktion des Fliegens gleichzusetzen ist. Forscher sind mittlerweile der Ansicht, dass es durchaus andere Aufgaben für eine derartige Körperbedeckung gegeben haben könnte. Sie könnte beispielsweise als Wärmespender fungiert oder einfach nur Schaufunktion gehabt haben, wie es auch bei den heutigen Pfauen der Fall ist. Ein Problem in der Definition bereitet das Wort ‚Feder‘ an sich, da diese in den unterschiedlichsten Funktionen und strukturellen Formen auftreten kann. Beispielsweise sind Daunen zu dem Begriff der Befiederung zu zählen, sind jedoch nicht zu vergleichen mit den Schwungfedern, die bei einigen heute lebenden Vögeln auftreten. Der Forscher Alan Feduccia betrachtet die Entstehung von Federn bei Dinosauriern als zweckmäßige Notwendigkeit. In seinen Hypothesen behauptet er, dass es evolutionär nur Sinn machen würde, eine Befiederung zu entwickeln, wenn damit auch das Medium Luft erobert werden konnte. Andererseits gibt es Kritiker gegen diese Ansicht, welche auf die wärmeisolierende Wirkung der Federn anspielen. Hierbei wird das Argument vorgelegt, dass bei Jungtieren der Vögel ein Gefieder aus Daunen vorkommt. Dieses ist nicht geeignet für den Flug, sondern hat die Aufgabe das Tier warm zu halten. (vgl. Bollen 2008, S. 178-179)

Die Feder selbst hat sich im Laufe der Jahre in ihrer Funktionsweise weiterentwickelt und nahm für Dinosaurier definitiv die unterschiedlichsten Verwendungszwecke an. Beispielsweise dienten die ersten Federn in ihrer simplen Struktur vermutlich eher als Wärmeisolator, als für einen aktiven Flug. Durch die sich entwickelnde Pigmentierung der Feder war es möglich, sich perfekt zu tarnen und mit der Umgebung zu verschmelzen. Bei Archaeopteryx trat erstmals eine simple Form von asymmetrischen Schwungfedern auf, die darauf hinweist, dass der Urvogel tatsächlich zumindest ansatzweise fähig war zu fliegen. (vgl. ebd., S. 184)

Durch die Funde konnte festgestellt werden, dass Archaeopteryx an Hand- und Unterarmknochen mit Flugfedern ausgestattet war und auch auf seinem restlichen Körper Federn trug. Besondere Beachtung verdient hierbei der Schwanz (Abb.1), da dieser einzigartiger Weise auf beiden Seiten mit Federn bestückt war. (vgl. Colbert 1965, S. 150-151)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Rekonstruktion des Federschwanzes von Archaeopteryx (Wellnhofer 2008, S. 176)

2.2 Physiologie

„Unter dem Begriff der Physiologie versteht man die Lehre von den Grundlagen […] der Lebensvorgänge.“ (Wellnhofer 2008, S. 176)

Bei Wirbeltieren wird in diesem Bereich der Forschung besonderes Augenmerk auf Funktion der Atmung, der Ernährung, der Muskeln, der Fortpflanzung usw. gelegt. Da es jedoch quasi unmöglich ist, Weichteilreste (welche man für derartige Untersuchungen bräuchte) in Fossilien zu finden, ist ein direkter Rückschluss auf tatsächliche physiologische Vorgänge oft nicht möglich. Speziell bei Archaeopteryx wird versucht die Lebensweise anhand der heutigen Vögel beziehungsweise Archosaurierverwandten zu rekonstruieren. (vgl. ebd., S. 176)

2.2.1 Gehirn

Das Gehirn des Urtieres weißt verschiedenste Merkmale eines frühen Vogels auf. Betrachtet man das Volumen beziehungsweise die Größe des Gehirns stellt man fest, dass es zwar noch im Bereich der rezenten Vögel liegt, es aber in diesem Aspekt nur mehr sehr wenige Gemeinsamkeiten gibt. Das bedeutet Archaeopteryx kann hierbei gerade noch zu den Verwandten der Vögel gezählt werden. Bei der Analyse des Gehirnaufbaus sind sich Forscher sicher, dass es Ähnlichkeiten mit den heutigen Archosaurierverwandten, zu denen auch die Vögel zählen, gibt. Es lässt sich also sagen, dass Archaeopteryx in Bezug auf sein Gehirn mit den Vögeln verwandt ist, auch wenn es nicht gleich weit entwickelt war. Der Urvogel steht in dieser Hinsicht auf einer frühen evolutionären Stufe, die sich bis zu den heutigen Vögeln verfolgen lässt. (vgl. ebd., S. 179)

2.2.2 Wachstum

Dreimal langsamer als bei den heute lebenden Vögeln, war das Wachstum von Archaeopteryx. Das Tier brauchte laut Forschern über zweieinhalb Jahre, bis es ausgewachsen war. Demnach ist es wahrscheinlicher, dass die Verwandtschaft in diesem Bereich bei den Sauriern liegt. (vgl. www.spiegel.de, 16. August 2016)

2.2.3 Ernährung

Archaeopteryx hatte, im Gegensatz zu Vögeln, keinen Hornschnabel, sondern Kieferknochen, die mit Zähnen bestückt waren. In diesem Merkmal ist der primitive Vogel also eher zu den kleineren theropoden Dinosauriern zu zählen. Es kann ausgeschlossen werden, dass er sich von Fischen ernährt haben könnte. Das liegt daran, dass er flugtechnisch nicht dazu fähig sein konnte über Gewässer zu fliegen, um die darin beheimateten Lebewesen herauszufischen. Andererseits schließen Wissenschaftler auch die Option aus, dass er an Land auf Beutezug nach kleineren Reptilien oder Säugetieren gegangen ist. Dies wäre mit der Form seines Kiefers nicht möglich gewesen, denn seine Zähne waren zu kurz und zu aufrecht. Bis heute ist nicht eindeutig erwiesen, wovon sich Archaeopteryx ernährte. Es ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, dass er Insekten fraß. Einerseits wären das Umfeld und der damalige Lebensraum dafür geschaffen gewesen, da es genügend Nahrungsangebot in diesem Sektor gab. Andererseits sprechen auch die Zähne des Urvogels für diese Theorie, da er mit Leichtigkeit den Chitinpanzer eines Insekts aufbeißen konnte und somit fähig war, dass eiweiß- und fettreiche Nahrungsangebot optimal zu nutzen. (vgl. Wellnhofer 2008, S. 193-194)

2.3 Lebensraum

Die Urvogelexemplare wurden im heutigen Deutschland (Solnhofen) gefunden. Die Flora und Fauna gestaltete sich in diesem Teil der Erde jedoch vor 150 Millionen Jahren anders als heute. Zurzeit der Oberjura lag das Gebiet Solnhofen im subtropischen Klimagürtel unseres Planeten und stellte mit einer mittleren Jahrestemperatur von 28-30 °C keinen Vergleich mit dem heutigen Deutschland dar. Das Klima war sehr trocken, es gab keine fixen Süßwasserquellen und die Tiere waren auf die saisonalen Monsunzeiten angewiesen. Die Vegetation an Land war auf lange Trockenzeiten angepasst. Vorwiegend war die Landschaft von buschartigen Pflanzen geprägt, die alle nicht viel mehr als 3 Meter in die Höhe wuchsen. Dieses Buschwerk bot Archaeopteryx vermutlich alles, was er zum Leben benötigte. Es bot Schutz vor Feinden, einen idealen Nistplatz und diente außerdem als schattenspendender Schlaf- und Ruheplatz. Abgesehen davon waren unter den Büschen wahrscheinlich genügend Insekten, zu finden. Außerdem stellten diese geeignete Startplätze für die Gleit- und Segelflüge des Urvogels dar. Das unterstützt auch die Theorie, dass Archaeopteryx hauptsächlich am Boden lebte und damit vergleichbar mit den Hühnervögeln von heute ist. Die Tatsache, dass die Fossilien in Kalkplatten gefunden wurden, lässt darauf schließen, dass die Lebewesen unter Wasser konserviert wurden, was durch selten vorkommende starke Stürme erklärt werden kann. Diese müssen es geschafft haben das Tier von seinem natürlich Lebensraum ‚wegzuwehen‘. Diese Theorie würde auch erklären, warum bislang nur sehr wenige Exemplare von Archaeopteryx gefunden wurden. (vgl. ebd., S. 195-196)

3 Was ist ein Vogel? Was ist ein Reptil?

Das folgende Kapitel widmet sich der Frage, welche Gemeinsamkeiten beziehungsweise welche Unterschiede es zwischen den rezenten Vögeln und Reptilien gibt. Durch die Analyse der für die jeweilige Tiergruppe typischen Merkmale wird im Folgenden versucht, ein Bezug auf das Brückentier beider Spezies herzustellen. Damit der Vorgang der Evolution und deren einzelne Stufen leichter zu verstehen sind, zeigt die folgende Abbildung eine Zusammenfassung der Erdgeschichte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Spirale der Erd- und Lebensgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der Wirbeltiere (Wellnhofer 2008, S. 20)

3.1 Reptil

Wie bei den Vögeln, wird auch bei den Reptilien davon ausgegangen, dass diese nicht einfach so auf der Bildfläche der Erdgeschichte erschienen sind, sondern, dass sie sich über Jahrmillionen aus einer anderen Spezies weiterentwickelt haben. Diese Spezies sind die Amphibien. (vgl. Colbert 1965, S. 90)

3.1.1 Amnioten-Ei

Einer der größten Unterschiede, zwischen Reptilien und Amphibien ist das Erscheinen des sogenannten ‚Amnioten-Eies‘. Bei Tieren, die in einem solchen Ei geboren werden, verläuft die Entwicklung vom Embryo zum Erwachsenen direkt. Nach der Befruchtung muss das Muttertier das Ei lediglich an einer geeigneten Stelle ablegen. Durch große Dottervorkommen innerhalb des Eies ist die Weiterentwicklung des Embryos gewährleistet. Die Schutzhülle ist fest genug um den Inhalt des Eies zu schützen und trotzallem geeignet für den Durchtritt von Sauerstoff und Austritt von Kohlendioxyd zur Atmung. Durch diese Erfindung der Natur war es den Tieren möglich, ihre Jungen an Land auf die Welt zu bringen. Damit war der Bund mit dem Wasser gebrochen und die Lebewesen konnten sich frei auf dem Land bewegen, ohne sofort zu einem Gewässer zurückzukehren. Durch das Amnioten-Ei waren die Reptilien geboren. (vgl. ebd., S. 90-91)

3.1.2 Reptilienmerkmale

Im Gegensatz zu den meisten Amphibien weisen die Gliedmaßenknochen der an Land lebenden Tieren ein fortgeschritteneres Stadium auf und sind allgemein schlanker. Eines der womöglich bedeutendsten und auffallendsten Merkmale ist aber die äußerste Hautschicht, die Epidermis. Die Reptilien haben, im Gegensatz zu den Amphibien, in diesem Bereich einen entscheidenden Vorteil: Durch die hornige Epidermis, die meistens eine Form von gefaltenen und einander überdeckenden Schuppen annimmt, sind die Tiere an Land vor dem direkten Austrocknen geschützt. (vgl. ebd., S. 93-94)

3.1.3 Crocodilier – weite Verwandte des Urvogels

Durch die Verwandtschaft von Archaeopteryx mit den Archosauriern und damit mit den heutigen Krokodilen, ist es durchaus von Vorteil die Merkmale der Crocodilier zu beleuchten, um dadurch besser nachvollziehen zu können, zu welcher Richtung der Urvogel tendierte. Der folgende Stammbaum veranschaulicht die Verwandtschaft der Tiere.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die verwandtschaftliche Stellung von Archaeopteryx innerhalb der Reptilien (Wellnhofer 2008, S. 213)

Die Gruppe der rezenten Krokodile weist über die gesamte Zeitgeschichte einige charakteristische Züge auf. Der mit scharfen Zähnen ausgerüstete lange Kiefer, die kurzen aber kräftigen Gliedmaßen, die mit Schwimmhäuten ausgestatteten Füße und ein mit Muskeln bepackter Schwanz, der beim Schwimmen als Hauptantrieb fungiert, sind nur ein paar jener typischen Merkmale. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Crocodilier mit den Reptilien verwandt sind, ist aber die äußere Hautschicht. Diese ist durch eine schwere Panzerung bis zu den Seiten des Körpers hinweg bestückt und kann teilweise massive Knochenschilder oder hornige äußere Platten besitzen. (vgl. Colbert 1965, S. 190)

3.2 Vogel

Im folgenden Kapitel wird der physische Aufbau der rezenten Vögel in Bezug auf den Urvogel Archaeopteryx behandelt. Hierbei ist es notwendig zu wissen, dass Vögel Wirbeltiere mit Federn sind. Dieses Merkmal ist in der Natur unserer Zeit ausschlaggebend für die Definition eines Vogels. Betrachtet man andere Tiergruppen und Spezies wird deutlich, dass ein Federkleid ein exklusives Attribut der Vögel ist. Warmblütigkeit, Zweibeingkeit und der Hornschnabel sind weitere Eigenheiten, welche die beflügelten Lebewesen auszeichnen. Anders als bei den Federn, kommen diese jedoch auch bei anderen Spezies vor. Beispielsweise sind Säugetiere ebenso Warmblüter und Schnabeltiere besitzen bekannterweise einen Hornschnabel. Selbst der aktive Flug in der Luft kann nicht allein den Vögeln angerechnet werden, da es durch den Fortschritt der Evolution bereits fast alle Tiergruppen soweit geschafft haben, diesen zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dennoch bleibt der Vogelflug eines ihrer markantesten Charakteristika. (vgl. Bergmann 1987, S. 16)

Wird das Augenmerk nicht auf die groben Merkmale der Vögel, sondern auf das Innere dieser Tiere gelegt, ist festzustellen, dass im anatomischen Aufbau dieser Geschöpfe einige spezielle und einzigartige Eigenschaften liegen, die sonst bei keinem anderen Wirbeltier zu finden sind: der Besitz von pneumatisierten (hohlen) Knochen beispielsweise, der dabei hilft, das Fluggewicht zu verringern und das Fliegen dadurch erleichtert. Auch ein an die Lungen angeschlossenes Luftsacksystem, das eine effektive äußere Atmung gewährleistet und die sogenannte ‚Syrinx‘, welche ein unterer Kehlkopf ist, der sich an der Verzweigung der Luftröhre in die Bronchien befindet und dafür zuständig ist, die charakteristische Vogelstimme zu erzeugen, sind bei keinem anderen heute existierenden Lebewesen zu finden. Zusammenfassend ist es demnach möglich, Vögel als mit Federn bestückte, gleichwarme Verwandte der Reptilien zu definieren. (vgl. ebd., S. 17)

3.3 Das Brückentier im Vergleich

Durch die aufgezeigten typischen Eigenschaften von Vögeln und Reptilien, sowohl in der heutigen Zeit, als auch vor Millionen von Jahren, wird versucht, möglichst viele Ähnlichkeiten zu Archaeopteryx herzustellen. Durch solche Untersuchungen und Studien soll geklärt werden, zu welcher der zwei Spezies der Urvogel eher zuzuordnen ist. (vgl. ebd., S. 20-21)

Der Forscher de Beer führte im Jahre 1954 eine genaue Analyse an den zu der Zeit bereits gefundenen Archaeopteryx Fossilien durch und konnte dabei diverse Merkmale beider Tiergruppen feststellen (Abb. 4). Wie in der Abbildung zu sehen, stellte er in diesem Vergleich die Vögel und Reptilien sowie den Urvogel selbst in eine direkte Gegenüberstellung. Er kam zu dem Schluss, dass das prähistorische Lebewesen überwiegend reptilische Merkmale aufweist. Das heißt aber nicht, dass Archaeopteryx automatisch zu den Reptilien zu zählen ist, denn es wäre falsch eine solche Hypothese auf Grund zahlenmäßiger Überlegenheit der Indizien aufzustellen. Hierbei ist es wichtig zu hinterfragen, um welche Eigenschaften es sich handelt und wie schwer eben diese in einer solchen Forschung wiegen. (vgl. ebd., S. 20)

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Der Archaeopteryx. Vom Reptil zum Vogel
Untertitel
Die Bedeutung des Urvogels für die Evolutionslehre
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V502156
ISBN (eBook)
9783346050434
Sprache
Deutsch
Schlagworte
archaeopteryx, reptil, vogel, bedeutung, urvogels, evolutionslehre
Arbeit zitieren
Christoph Hoffmann (Autor), 2017, Der Archaeopteryx. Vom Reptil zum Vogel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502156

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