Familienformen im Wandel. Was die Statistik zeigt und Heranwachsende sagen


Bachelorarbeit, 2017

71 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Familienbegriff

3. Unterschiedliche Familienformen, ihre Definition und Entwicklung
3.1. Kinderlose Lebensweise
3.1.1. Alleinlebende und Alleinstehende
3.1.2. Nichteheliche Partnerschaft/ Lebensgemeinschaft
3.1.3. Ehepartnerschaft
3.2. Zwei-Eltern Familie
3.2.1. Kernfamilie
3.2.2. Mehrgenerationenfamilie
3.2.3. Pflege-/ Adoptivfamilie
3.2.4. Regenbogenfamilie
3.2.5. Stieffamilie
3.3. Ein-Eltern Familie / Alleinerziehende

4. Befragung Heranwachsender und relevante statistische Werte
4.1. Ergebnisse der Befragung
4.1.1. Ländliche Hauptschule
4.1.2. Städtische Hauptschule
4.1.3. Städtische Realschule
4.2. Statistische Werte in Deutschland
4.2.1. Geburtenentwicklung
4.2.2. Anzahl der Eheschließungen
4.2.3. Ehescheidungen
4.3. Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen der aktuellen Statistik und Befragungsergebnissen bei Achtklässlern und Achtklässlerinnen

5. Erklärungsansätze ausgewählter Ergebnisse der Statistik und Befragung Heranwachsender
5.1. Deinstitutionalisierung
5.2. Individualisierung und Entstandardisierung von Lebensläufen
5.3. Wertewandel und Emotionalisierung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Familie“, ein im Alltag häufig verwendeter Begriff, der mit bestimmten Vorstellungen assoziiert wird. Manche Menschen würden Personen zur Familie zählen, mit denen sie verwandt sind, andere möglicherweise Personen oder sogar geliebte Haustiere, mit denen sie zusammenleben. Familie ist demnach ein weitreichender Begriff, der ebenso wie die verschiedenen Familienformen eine genaue Definition erfordert, die in Kapitel zwei und drei folgen werden.

Es ist statistisch belegt, dass in Deutschland die Zahl der Ehescheidungen erheblich abgenommen hat, hingegen die Scheidungsraten zunehmen und Frauen in ihrem Leben durchschnittlich weniger Kinder gebären (genauer Kapitel 4.2.). Doch sind diese Fakten Begründung genug, um von einem Wandel der Familienformen zu sprechen? Um diesen Sachverhalt zu klären, ist es notwendig, heutige Familienformen im Verhältnis zur Vergangenheit darzustellen und abhängige Variablen, die zum Familienbildungsprozess beitragen, zu analysieren. Das vorherrschende Familienmodell der 50er Jahre war die Normalfamilie, hier lebten verheiratete, getrenntgeschlechtliche Eltern mit mindestens einem Kind in einer Haushaltsgemeinschaft, mit einer klar definierten Rollenverteilung.

Eine Analyse des Wandels beinhaltet demnach eine Analyse der Rollen- und Haushaltssituation, sowie die Bedeutung von Ehe und Kindern. Die letzten beiden Aspekte werden anhand einer quantitativen Methode im Folgenden näher untersucht. Zur Klärung der Frage, welchen Stellenwert Familie, bzw. Ehe und Kinder heute noch haben, wird eine Gruppe Heranwachsender einmalig befragt. Um möglichst repräsentativ zu arbeiten, wird das quantitative Erhebungsverfahren einer schriftlichen Befragung gewählt (vgl. Abb. 1). Der ursprüngliche Ansatz war, jeweils zwei achte Klassen an einer Haupt-, einer Realschule und einem Gymnasium, sowohl im städtischen als auch im ländlichen Gebiet zu befragen, insgesamt also circa 240 SchülerInnen. Durch unbeantwortete Anfragen oder straffe Lehr- und Zeitpläne der Schulen, erklärten sich aber leider nur drei Schulen bereit, diese Untersuchung zu unterstützen. Daher beziehen sich die Erkenntnisse der Untersuchung nur auf eine Haupt- und Realschule im städtischen Bereich und eine Hauptschule im ländlichen Gebiet. Insgesamt wurden so 121 Personen, davon 69 männliche, 47 weibliche und fünf ohne Geschlechterangabe, schriftlich interviewt. Neben der Klassifizierung der Schulform (hier nur Hauptschule und Realschule), auch zwischen städtischem und ländlichem Gebiet differenziert, es liegt demnach eine stratifizierte Stichprobe vor. Die Grundgesamtheit stellen hierbei alle AchtklässlerInnen in Nordrhein-Westfahlen dar.

Die Auswahl fiel auf die 13-15-Jährigen SchülerinnenInnen der Schulen, da in diesem Alter damit zu rechnen ist, dass eine gewisse Vorstellung darüber besteht, wie das zukünftige Leben aussehen soll. Ein weiterer Aspekt, der zur Auswahl dieser Alterskategorie führte, ist die Annahme, dass die meisten Personen in diesem Alter noch keine/n PartnerIn haben, der/die die eigenen Zukunftswünsche möglicherweise beeinflussen könnte. Die Befragung erfolgte anonym, mit dem Zweck, dass SchülerInnen Fragen ehrlicher beantworten. Daraus resultiert allerdings auch, dass die Städtenamen in dieser Arbeit nicht veröffentlicht werden.

Als Überblick der infrastrukturellen Hintergründe werden die beiden Städte, in denen die Untersuchung durchgeführt wird, kurz verglichen. Das ländliche Gebiet ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen mit circa 30.000 Einwohnern. Die Stadt erstreckt sich über knapp 85 km[2], es existieren ausschließlich eine Haupt-, eine Realschule und ein Gymnasium, sowie drei Grundschulen. Vergleichend dazu beträgt die Einwohnerzahl im untersuchten städtischen Gebiet 350.000 mit einer Gesamtfläche von circa 169 km[2]. Nebenzwölf Hauptschulen, fünf Gesamtschulen, acht Realschulen und elf Gymnasien, gibt es in dieser Stadt acht private Schulen, 13 Berufskollegs, 14 Förderschulen, sowie eine Volkshochschule und zwei Hochschulen.

Zur Feststellung möglicher Zusammenhänge zwischen getroffenen Aussagen der Befragten und dem familiären Hintergrund bzw. der Herkunft werden, neben den eigentlich zu untersuchenden Aspekten, weitreichendere Fragen gestellt. Neben den nominalskalierten Merkmalen des Geschlechts oder der Staatsangehörigkeit, werden die SchülerInnen z.B. auch dahingehend befragt, ob sie bei beiden leiblichen Elternteilen leben, diese verheiratet sind oder aber, wie viele Geschwister sie haben. Anhand dieser Informationen wird untersucht, inwieweit z.B. die Geschwisteranzahl Einfluss auf die gewünschte eigene Kinderzahl nimmt. Darüber hinaus werden die Ergebnisse mit einer verwendeten Intervallskala zur Einschätzung, wie glücklich die eigene Kindheit ist, in Verbindung gebracht.

Die Befragung wird in den einzelnen Schulen jeweils persönlich, durch die gleiche Person, mit gleichen Erklärungen möglicher unklarer Begriffe, durchgeführt. Störvariablen, wie unaufmerksame SchülerInnen, die diese Erklärungen nicht mitbekommen oder Verständnisprobleme durch Sprachbarrieren, können nur eingeschränkt minimiert werden. Die Fragebögen sind standardisiert und die Auswertung erfolgt ausschließlich durch eine Person, wodurch eine bestmöglichste Objektivität gewährleistet wird.

Vermutet wird, dass Ehe als Institution heute einen deutlich geringeren Stellenwert hat und immer mehr Personen in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben. Es wird gemutmaßt, dass der Stellenwert der Familie, bzw. der Ehe im ländlichen Gebiet größer ist, da dort mehr SchülerInnen selbst in traditionellen Familienformen aufwachsen. Des Weiteren besteht die Annahme, dass die Zahl der Mehrgenerationenfamilie gesunken ist, und vorwiegend im ländlichen Bereich wiederzufinden ist. In Zeiten beruflicher und politischer Unsicherheit wird jedoch erwartet, dass die Familie als sicherer Zufluchtsort weiterhin eine große Bedeutung hat. Des Weiteren wird angenommen, dass Karriere- und Konsumwünsche sowohl bei Frauen als auch bei Männern dazu führen, dass die Geburt eigener Kinder aufgeschoben wird oder erst gar kein Kinderwunsch besteht. Neben einem Anstieg des Erstheiratsalters, wird also auch von einem Anstieg des Alters, bei der Geburt des ersten Kindes ausgegangen, welches möglicherweise parallel zum Bildungsstand ansteigt. Die vorherrschende Erwartung ist also eine Entwicklung zu weniger normierten und institutionalisierten Familienformen, also eine Änderung der in der Vergangenheit vorherrschenden Strukturen der Normalfamilie.

Anhand einer übersichtlichen Darstellung der verschiedenen Familienformen und ihrer statistischen Entwicklung, sowie der Auswertung der Befragungsergebnisse bei AchtklässlerInnen, werden diese Hypothesen untersucht und anhand von Theorien Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

2. Der Familienbegriff

Bevor auf die unterschiedlichen Familienformen und deren möglichen Strukturänderungen eingegangen werden kann, ist zunächst grundsätzlich zu klären, was Familie im Allgemeinen bedeutet. Der Begriff Familie beschreibt eine in der Gesellschaft gelebte spezifische Lebensform. Mit klar formulierten Kriterien ist die Familie von anderen möglichen Lebensformen abzugrenzen. Rosemarie Nave-Herz nennt als ersten Punkt die „biologisch-soziale Doppelnatur“ (2015:15). Damit ist gemeint, dass Personen innerhalb der Familie genetisch miteinander verbunden sind und den Selbigen dadurch automatisch die „Sozialisationsfunktion“, sprich Erziehung (ebd.), als Aufgabe übertragen wird. Als zweites Kriterium, um Familie von anderen Lebensformen abzuheben, erkennt Nave-Herz ein „besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis“ innerhalb der Familie (ebd.), da dort jeder eine bestimmte Rolle zu erfüllen hat, entsprechend derer die verschieden Akteure miteinander interagieren. Demnach nimmt ein Junge nur dann die Rolle des Sohnes bzw. Bruders ein, wenn auch die Rollen der Eltern bzw. die des Geschwisterkindes existiert. Daraus folgt der dritte Punkt: Hier spricht Nave-Herz von einer „Generationsdifferenzierung“ (ebd.). Die Eltern, bestehend aus Mutter und/oder Vater, bilden dabei die eine Generation und das Kind/ die Kinder eine Andere. Die verschiedenen Rollen entstehen demnach grundsätzlich erst durch einen „biologischen Tatbestand“ (Nave-Herz 2015: 43). Die Rolle des Vaters unterscheidet sich jedoch biologisch von jener der Mutter.

Diese biologische Differenz rechtfert letzten Endes eine soziale Differenzierung der Rollen in der Gesellschaft, indem z.B. Mutter und Vater durch „[…] Zuschreibung von Eigenschaften und Fähigkeiten […]“ unterschiedliche Aufgaben zugeteilt werden (Nave-Herz 2015: 43 zit. nach Popitz 1972: 8). Die historisch klassische Aufgabenverteilung ließ dem Mann als Ehemann und Vater die Rolle des Ernährers zukommen, der „für die ökonomische Sicherheit zu sorgen“ hatte (Nave- Herz 2015: 14, vgl. Parsons 1964). Die Frau, in Form der Ehefrau und Mutter, war „[…] für den Haushalt und vor allem für die Pflege und Erziehung der Kinder verantwortlich“ (ebd.). Die „Mitgliedschaft“ der einzelnen Rollen in der Familie ist dabei unkündbar (Huinink 2009). Ausschließlich die „[…] Elternschaftsbeziehungen können rechtlich beendet werden […]“ (ebd.), wenn ein Kind beispielsweise durch eine Adoption in eine neue Familie wechseln würde. Durch Trennung und Scheidung verändert „[…] sich [hingegen] Familienmitgliedschaften und -strukturen […]“ (ebd). Inwieweit sich diese Rollenbilder im Laufe der Zeit verändert haben, wird in dieser Arbeit im weiteren Verlauf noch erläutert.

Konkret umfasst der Begriff Familie heute eine „Eltern-Kind-Gemeinschaft“ (ebd.). Eingeschlossen sind „Ehepaare, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder alleinerziehende Mütter und Väter […], die mit ledigen Kindern in einem Haushalt zusammenleben. Die Kinder können leibliche Kinder, Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder von beiden oder von einem der beiden Elternteile sein.“ (ebd.)

Zusammenfassend ist Familie eine „generationsübergreifende Solidaritätsgemeinschaft“ (Nave-Herz 2015:40), deren Existenz durch rechtliche Grundlagen, Traditionen und Normen gerechtfertigt ist. Da diese Definition von mindestens zwei Generationen ausgeht, zählen „[…] eheliche und nichteheliche Partnerschaften […]“ (Peuckert 2012: 163) ohne Kinder, streng genommen nicht zu Familien. Ehe und Familie ist nach Artikel 6, Absatz 1 des Grundgesetztes besonders geschützt (vgl. GG Artikel 6). Beispiele familienpolitischer Maßnahmen wie Kindergeld oder Erziehungsurlaub verdeutlichen die politische Wertschätzung der Familie. Des Weiteren sind im Bürgerlichen Gesetzbuch rechtliche Grundlagen in Bezug auf beispielsweise Adoption (vgl. BGB §1741) und Pflegschaft (vgl. BGB §1688) klar formuliert. Es wird also u.a. festgelegt, wer eine Familie gründen darf. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist per Gesetz als solidarisch und rücksichtsvoll vorgeschrieben (vgl. BGB §1618a). Bei Missachtung dieses Paragraphen können demnach rechtliche Schritte eingeleitet werden und den Eltern beispielsweise, „[…] zur Sicherung des Kindeswohls das Sorgerecht entzogen werden.“ (Huinink 2009) Familie beruht auf Traditionen und Normen in dem Sinne, dass es in unserer Gesellschaft ein traditionelles „Normalitätsmuster […] im Hinblick auf den Familienbildungsprozess und auf die Rollenzusammensetzung […]“ gibt (Nave-Herz 2015:18), von dem sich schließlich alle weiteren Familienformen ableiten lassen.

3. Unterschiedliche Familienformen, ihre Definition und Entwicklung

Durch sich unterscheidende „Rollenzusammensetzungen und Familienbildungsprozesse […]“ entstehen neben der bereits angedeuteten Kern-/ Normalfamilie andere Familientypen, die allerdings keine vollkommenen Neuerscheinungen sind (Nave-Herz 2015:16, 23). Mit dem Begriff der Rollenzusammensetzung ist beispielsweise die Kombination aus Eltern, bestehend aus Mutter und Vater und ihren Kindern gemeint. Familienbildungsprozesse wären zum Beispiel die Geburt oder Adoption der Kinder oder Scheidung oder Trennung der Eltern. Unter Einbezug der rechtlichen Voraussetzungen für eine Familienbildung, wie z.B. der Tatsache, dass „[…] Nichteheliche Lebensgemeinschaften ein Kind nicht zusammen adoptieren [dürfen], jedoch ein[/e] Partner[In] allein […]“ schon (Nave-Herz 2015: 16), ergeben sich schlussendlich 18 verschiedene Familienformen (vgl. Abb. 2). Erläutert und untersucht werden im Folgenden die Zusammensetzungen der gängigsten Lebensformen und inwieweit sich ihre Strukturen und ihre Präsenz in der Gesellschaft verändert haben.

3.1. Kinderlose Lebensweise

Alleinlebende und Partner, die keine Kinder haben, bilden laut der klassischen Definition keine Familie. Um die Veränderungen der Lebensformen in der Gesellschaft zu untersuchen, werden im Folgenden aber auch diese Typen berücksichtigt. Denn „Kinderlose private Lebensformen“ hat es immer schon gegeben, allerdings ist ihr Anteil in der Gesellschaft deutlich gestiegen (Peuckert 2012: 23).

3.1.1. Alleinlebende und Alleinstehende

In der amtlichen Statistik wird zwischen Alleinstehenden und Alleinlebenden unterschieden. Als Alleinstehend werden Menschen bezeichnet, die ohne PartnerIn und Kinder in einem Ein- oder Mehrpersonenhaushalt wohnen (vgl. Stat. Bundesamt 2017a). Der aktuelle Familienstand ist dabei nicht relevant, das bedeutet, es gibt keine Unterscheidung dahingehend, ob die alleinstehende Person ledig, getrenntlebend oder zum Beispiel verwitwet ist. Wenn Alleinlebende in einem Mehrpersonenhaushalt leben, dann ausschließlich mit „Nichtverwandten“ oder „nicht gradlinig beziehungsweise [S]eiten[…]verwandten“, wie z.B Onkel oder Cousin (Stat. Bundesamt 2017a). Zum Verständnis, sobald Personen mit leiblichen Kindern in einem Haushalt leben, zählen sie nicht mehr zur Gruppe der Alleinstehenden.

Als Alleinlebende wird eine Unterkategorie der Alleinstehenden bezeichnet, nämlich die Alleinstehenden, die in einem Einpersonenhaushalt leben. Der Familienstand ist hierbei ebenfalls nicht relevant (vgl. Erler 1996: 37). Nach Stein (1983) gibt es zwei Kategorien, die das Alleinleben, auch Partnerlosigkeit genannt, genauer typisieren. Zum einen, die Freiwilligkeit, also ob die genannte Lebensform „[…] freiwillig gewählt oder erzwungen […]“ ist und zum anderen die zeitliche Dauer, also ob die Partnerlosigkeit „[…] zeitlich befristet oder unbefristet […]“ ist (Peuckert 2012: 79 zit. nach Stein 1983: 27ff). Kombiniert ergeben sich daraus vier verschiedene Typen (vgl. Abb. 3). Als Ambivalente werden Alleinstehende bezeichnet, die einer festen Beziehung grundsätzlich nicht abgeneigt gegenüberstehen, sich aber aufgrund von anderen vorgeschobenen Wünschen (z.B. berufliche Karriere) oder erst kürzlich beendeter Partnerschaft (u.a. nach Tod und Scheidung), zeitweilig bewusst für das Alleinsein entscheiden (ebd.). Zu den Hoffenden zählen laut Stein (1983) Menschen, die sich eine feste Partnerschaft wünschen, aber derzeit alleinstehend sind (ebd.). Als „echte Singles“ werden die Überzeugten betitelt (ebd.). Sie möchten alleine sein und das unbefristet. Gezwungener Maßen entscheiden sich vor allem ältere Menschen für eine dauerhafte Partnerlosigkeit, da sie nach mehrmaligen Versuchen ihre Suche nach einem Partner aufgegeben haben, diese Gruppe wird als Resignierende bezeichnet (ebd.). Die Grenzen in diesem Modell werden als fließend beschrieben. So besteht die Möglichkeit, dass aus einer ambivalenten Person irgendwann eine hoffende wird (ebd.).

Bei den „echten Singles“ wird zusätzlich zwischen den „Asketische Singles“, die sowohl ohne Partnerschaft, aber auch ohne sexuelle Aktivität leben und dem „Swinging Single“, der zum Teil mehrere unverbindliche sexuelle Kontakte pflegt, unterschieden. Schätzungsweise zählen 3% der Menschen zwischen 25 und 55 Jahren zu dieser Gruppe (Peuckert 2012: 80 zit. nach Burkart 2008). In einigen Definitionen werden Singles generell als „Partnerlose[…] oder „flüchtig Gebundene[…]“ betitelt (Peuckert 2012: 80 zit. nach Schmidt et al. 2006; Baas et al. 2008). Demnach wäre im Alter von 37 und 40 Jahren jeder Vierte in Deutschland partnerlos, also „nicht emotional an einen festen Partner […]“ gebunden (Deml 2010: 92). Die Zahl der Alleinlebenden in einem Einpersonenhaushalt ist von 15,6 % im Jahr 1996 auf 19,6% im Jahr 2011 gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Alleinstehenden in Mehrpersonenhaushalten minimal von 1,9% auf 2,1% (Mikrozensus 2011: 7). Insgesamt lebten in Deutschland im Jahr 2005 11,2 Millionen Partnerlose im Alter zwischen 18 und 69 Jahren, das sind „[…] 20% der altersgleichen Bevölkerung (Parship 2005: 3).

3.1.2. Nichteheliche Partnerschaft/ Lebensgemeinschaft

Als nichteheliche Partnerschaft bzw. Lebensgemeinschaft (NEL) wird das Zusammensein und Zusammenleben von einem unverheirateten Paar (vgl. Peuckert 2012: 77) bezeichnet. Da die Paare, die in einer „Living-Apart-Together“ (LAT) Beziehung leben, keine Haushaltgemeinschaft bilden, zählen sie streng genommen nicht zu den nichtehelichen Lebensgemeinschaften (Peuckert 2012: 98). Nichteheliche Partnerschaften gelten häufig als Vorläufer für eine Ehe und Nachwuchs. Aber auch nach einer Scheidung, Trennung oder Verwitwung ist diese Lebensform eine zahlreich gewählte Option (vgl. Peuckert 2012: 102). Des Weiteren gibt es Paare, die bewusst auf eine Eheschließung verzichten, weil diese in ihren Augen „[…] an zwingender Notwendigkeit zur Erfüllung bestimmter elementarer Bedürfnisse oder als materielle Versorgungsinstitution […] an Bedeutung verloren […]“ hat (Peuckert 2012: 2; 19f).

Von 1996 bis 2012 ist die Anzahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland um 45% gestiegen (vgl. Nave-Herz 2015: 18 zit. nach BIB 2014). 1996 lebten ca.1,8 Millionen gleich- und getrenntgeschlechtliche Paare in Deutschland, 2015 bereits eine Millionen mehr (vgl. Stat. Bundesamt 2017o). Zwar ist die nichteheliche Partnerschaft hier unter dem Hauptpunkt „Kinderlose Lebensweise“ zu finden, dennoch sind Kinder auch bei dieser Lebensform durchaus üblich. Der Anteil der Kinder in nichtehelichen Lebensgemeinschaften ist sogar gestiegen. Waren es 1996 noch 28%, lebten 2015 schon 33% der NEL mit Kindern in einem Haushalt (vgl. Stat. Bundesamt 2017o). Im früheren Bundesgebiet leben deutlich mehr NEL, als in den neuen Bundesländern, wobei der Anteil der NEL mit Kindern im Osten prozentual höher ist (vgl. Peuckert 2012: 101 vgl. Stat. Bundesamt 2010). 2002 lebten im Westen beispielweise ca. 1,7 Millionen NEL, davon 25% mit Kindern, im Osten nur 552.000 NEL, dafür aber die Hälfte mit Kindern (vgl. Abb. 4). Parallel zur Steigerung der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland allgemein, steigt also auch der Anteil derer, die in dieser Lebensform Kinder haben. Obwohl nichteheliche Partnergemeinschaften in Deutschland weder ein Kind zusammen adoptieren noch vom medizinischen Fortschritt der Reproduktionsmedizin Gebrauch machen können (vgl. Nave-Herz 2015: 16). Resultierend aus der genannten Zunahme folgt eine „[…] Abnahme der Eheschließungsziffern […]“ (Nave-Herz 2015: 22, genauer Kapitel 4.3.2.).

Generell unterliegt die Lebensform der nichtehelichen Partnerschaft einem zeitlichen Wandel, der nach Möhle (1999) und Matthias-Bleck (2006) in drei Phasen zu gliedern ist. Die erste Phase bezieht sich auf die vorindustrielle Zeit, in der viele Menschen wie verheiratete Paare lebten, ohne tatsächlich verheiratet zu sein. Im Jahr 1871 waren 60% der Bevölkerung ledig, davon lebten nicht alle in einer nichtehelichen Partnerschaft, dennoch zeigt diese Prozentzahl, wie niedrig im Verhältnis der Anteil der verheirateten Paare war (vgl. Peuckert 2012: 97 zit. nach Möhle 1999; Matthias-Bleck 2006). Erklärt wird die hohe Zahl der Unverheirateten mit dem vorliegenden Heiratsverbot für die untere Sozialschicht (ebd.). Eine, für die Armen der Gesellschaft charakteristische Lebensweise des nichteheliches Zusammenlebens mit nichtehelichen Kindern, wird auch als „wilde[…] Ehe“ bezeichnet (ebd.). In der zweiten Phase, ab 1871, gab es keine „Heiratseinschränkungen“ mehr, demnach stieg die Zahl der Eheschließungen und die nichteheliche Lebensgemeinschaft erlebte eine Phase der „Deinstitutionalisierung“ (ebd., genauer Kapitel 5.1.). Ökonomisches Kapital, welches erst nach dem zweiten Weltkrieg zur Zeit des „Wirtschaftswunders“ ausreichend vorhanden war, begrenzte eine weitere Zunahme der Heiratszahlen. Nichteheliche Partnerschaften waren in der Gesellschaft nicht anerkannt und wurden zum Teil sogar „[…] rechtlich und sozial […]“ sanktioniert (ebd.). Mitte der 1960er Jahre begann dann schließlich die dritte. Phase, in der die nichteheliche Lebensgemeinschaft institutionalisiert wurde. Steigende Akzeptanz, der Wunsch eine Beziehung nach eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zu gestalten und die fehlende Notwendigkeit einer Eheschließung förderten diesen Prozess. Dennoch war die NEL weiterhin häufig nur ein Abschnitt im Verlauf einer Beziehung, eine spätere Heirat war durchaus üblich (ebd.).

3.1.3. Ehepartnerschaft

Nach Rüdiger Peuckert ist die

„[…] Ehe in unserer Gesellschaft […] eine rechtlich legitimierte, auf Dauer angelegte Beziehung zweier ehemündiger, verschiedengeschlechtlicher Personen. Eine vertraglich vereinbarte zeitliche Begrenzung der Ehe ist ausgeschlossen. […] Nach § 1353 Abs. 1 BGB sind die Ehegatten einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet und tragen füreinander Verantwortung“ (2012: 29f.).

Seit dem 01.10.2017 muss allerdings ergänzend hinzugefügt werden, dass sich diese Definition auch auf gleichgeschlechtliche Paare bezieht (vgl. Mair et al. 2017). Wie bereits zuvor erwähnt ist die Ehe, ebenso wie die Familie, vom Staat besonders geschützt (vgl. GG Artikel 6, Absatz 1). Mit Hilfe politischer Maßnahmen, wie Ehegattensplitting und Elterngeld, wird die Eheschließung besonders unterstützt. Das Ehegattensplitting ermöglicht es verheirateten Partnern/Partnerinnen, „[…] zwischen verschiedenen Steuerklassen zu wählen und die Steuerlast so auf beide zu verteilen“ (Toller 2014). Bei der Steuerklasse drei ist die Steuerlast geringer, als beispielsweise bei der Steuerklasse fünf. So kann also der/die HauptverdienerIn die günstigere Steuerklasse wählen, das Einkommen des/der ZuverdienerIn fällt dann unter die höhere Einkommenssteuerklasse (ebd.). Ein Ehegattensplitting rentiert sich also nur bei deutlichen Einkommensunterschieden zwischen den Partnern, nämlich dann, wenn die „[…] Steuerersparnis in Klasse drei […] regelmäßig höher aus[fällt], als die zusätzliche Steuerlast in Klasse fünf“ (ebd.). Diese Maßnahme unterstützt also auch heute noch eine klassische Rollenverteilung in der Familie, bei einer der beiden Ehegatten deutlich weniger verdient, als der Andere. Und diese Person ist in 12% der Fällen nach wie vor die Frau (vgl. Stat. Bundesamt 2015).

Das traditionelle Ehemodell geht von einem gemeinsamen Wohnsitz und einem gemeinsamen finanziellen Haushalt aus, indem der Mann der „hauptsächliche[…] oder alleinige[…] Versorger und […] [die] Frau […] zuständig für den Haushalt […]“ ist (Peuckert 2012: 21f; Bühler-Niederberger 2011: 19). Peuckert differenziert und definiert unterschiedliche Varianten der Ehe. Abweichend von dem genannten traditionellen Modell gibt es die „Computer-Ehe“ (Peuckert 2012: 21 vgl. Peuckert 1989). Hier sind die PartnerInnen zwar verheiratet, leben aber beispielsweise aufgrund beruflicher Gründe räumlich getrennt voneinander. Bei der „egalitären Ehe“ hingegen haben die PartnerInnen nicht nur den gleichen Wohnsitz, sondern sind in ihren Rollen auch vollkommen gleichgestellt (ebd.). Das typische Haupternährer- oder Hausfrauenehemodell gibt es in dieser Partnerschaft nicht. Ebenfalls abweichend von der typischen Rollenverteilung ist das Modell der „Hausmänner-Ehen/Familien“ (ebd.). Diese sind allerdings eher selten und meist nur für einen zeitlichen Übergang. Des Weiteren gibt es die „sexuell nichtexklusiven Paargemeinschaften“, in denen mindestens „[…] ein Partner […] sexuelle Kontakte zu einer Person außerhalb der Partnerschaft [unterhält].“ (ebd.). Zu guter Letzt existieren auch „transkulturelle Familie“, bei der entweder ein/e PartnerIn eine ausländische Staatsangehörigkeit hat („binationale Paare“) oder beide PartnerInnen nichtdeutsche Staatsbürger sind („Migrantenfamilien“). (Peuckert 2012: 22)

Eine „[…] Schwangerschaft, ein […] Kinderwunsch[…] oder […] [das] Vorhandensein[…] von Kindern […]“ sind die häufigsten Gründe einer Eheschließung (Nave-Herz 2015:19). Daher spricht Nave-Herz von einer „kinderorientierten Ehegründung“ in Deutschland (ebd.). Die Zahl der Eheschließungen nimmt allerdings immer weiter ab. Im Jahr 1950 heirateten noch 750.452 Menschen, mit geringen Schwankungen sinkt diese Zahl stetig. 2015 gingen nur noch 400.115 Partner den Bund der Ehe ein (vgl. Stat. Bundesamt 2017b, genauer Kapitel 4.2.3.).

3.2. Zwei-Eltern Familie

Der Begriff „Zwei-Eltern-Familie“ impliziert das Vorhandensein von zwei Eltern, gleich- oder getrenntgeschlechtlich, die zusammen durch biologische Verwandtschaft, Adoption, Stiefelternschaft oder Pflegschaft die Elternschaft für mindestens ein Kind übernehmen. Wie bereits eingangs erwähnt, wird eine Konstellation aus Partnern/Partnerinnen erst dann zu einer Familie, wenn Kinder vorhanden sind. Um biologisch als Eltern bezeichnet zu werden, ist keine Eheschließung notwendig. Für eine „soziale Elternschaft“ zweier Partner, wie Adoption oder Pflegschaft, ist diese in Deutschland aber dringend erforderlich (Peuckert 2012: 382 zit. nach Steinbach 2008; Nave-Herz 2015: 16). Dennoch entscheidet sich auch heute noch ein Großteil der Menschen vor der Geburt ihres ersten Kindes für eine Heirat. In Deutschland sind ca. 73% der Eltern verheiratet, die mindestens ein Kind unter 18 Jahren haben (Nave-Herz 2015: 24 zit. nach Stat. Jahrbuch 2013:51; vgl. Abb. 5; genauer Kapitel 4.2.3.)

3.2.1. Kernfamilie

Die Kernfamilie gilt in Deutschland immer noch als „Ideal“ (Nave-Herz 2015: 25). Daher wird sie auch heute noch als Normalfamilie bezeichnet. Das der Norm entsprechende Leitbild einer Familie ist traditionell das der „bürgerlichen Kleinfamilie“, welches vier Kriterien beinhaltet (Peuckert 2012: 8). Zum einen die dauerhafte Verbindung zwischen den Eltern untereinander, aber auch der Eltern mit dem/den Kind/ern (ebd.). Zweitens das Vorhandensein von zwei leiblichen Eltern, wodurch die Familie erst als vollständig gilt (ebd.). Drittens eine Ehepartnerschaft zwischen den Eltern und viertens eine klar definierte Rollenverteilung, in der der „Mann als Ernährer und […] [die] Frau als Mutter und Hausfrau […]“ agiert (ebd.). Zusammenfassend ist eine Kernfamilie also eine biologische Zwei-Eltern-Familie mit formaler Eheschließung, klarer Rollenverteilung und einer gemeinsamen Haushaltsführung. Vor allem in den 50er Jahren war diese Familienform besonders angesehen und verbreitet. Diese Zeit, bis Mitte der 60er Jahre, wurde daher auch „Golden Age of Marriage“ genannt, da hier so viele Ehepartnerschaften wie nie geschlossen wurden (Peuckert 2012: 11).

Die Anzahl der Ehepartnerschaften mit Kindern ist zwar von 1996 bis 2007 in Gesamtdeutschland von 81,4% auf 73,8% gesunken, dieser Familientyp ist jedoch gegenüber den anderen immer noch am dominantesten. Im Westen sind anteilmäßig mehr Ehepaare zu finden als im Osten, wohingegen z.B. Lebensgemeinschaften oder Alleinerziehende mit Kindern in den neuen Bundesländern häufiger anzutreffen sind. (vgl. Abb. 5). Deutlich verändert haben sich die internen Strukturen einer Normalfamilie (Nave-Herz 2015: 64f.). Heutzutage weichen Familien dieses Modells immer mehr von der typischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ab. Der Mann ist nicht mehr nur Ernährer, sondern übernimmt zunehmend auch die Rolle des Vaters, in der er mehr und intensiver die Zeit mit seinen Kindern verbringt, die Zeit der Schwangerschaft bewusster miterlebt und sich stärker einbindet (ebd.). Die Rede ist von einem „neuen Mann und neuen Vater“. (Peuckert 2012: 2) Die Frau hingegen gilt nicht mehr nur als reine, vom Mann abhängige, Hausfrau, sie ist auch immer häufiger selbst erwerbstätig. Waren im Jahr 1996 nur rund 55% aller Mütter erwerbstätig, waren es 2011 schon 60,1%, wobei im Laufe der Jahre auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigung zugenommen hat (vgl. Keller; Haustein 2012: 4). Gleichbleibend ist jedoch, dass die Erwerbsarbeit von Müttern umso geringer ist, desto jünger das Kind ist (ebd.).

3.2.2. Mehrgenerationenfamilie

Anders als bei der Kernfamilie, die sich nur auf zwei Generationen, nämlich die der Eltern und die des Kindes bezieht, ist die Mehrgenerationenfamilie ein Haushalt mit mindestens drei Generationen (vgl. Peuckert 2012: 594). Demnach wird bei der Großfamilie die Kernfamilie durch Großeltern, oder einem Großelternteil, ergänzt. Die Generationen sind hierbei nicht unbedingt biologisch miteinander verbunden, es kann sich „auch um Stief-, Adoptiv-, Pflege- oder Schwiegerbeziehungen handeln.“ (ebd.; Stat. Bundesamt 2016b: 5) Damit eine Mehrgenerationenfamilie theoretisch möglich ist, ist eine „hohe Lebenserwartung“ der Großeltern und ein „niedriges Erstheiratsalter“ der Eltern und Großeltern eine demographische Voraussetzung (vgl. Peuckert 2012: 594). Diese Begebenheiten fanden sich vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In den darauffolgenden Jahren ist der Anteil der Mehrgenerationenfamilien immer weiter gesunken (ebd.). Gab es im Jahre 1972 im früheren Bundesgebiet 768.000 Drei- und Mehrgenerationenhaushalte, waren es 1995 nur noch 351.000 und 2015 sogar circa 40% weniger, mit nur noch 209.000 (ebd.).

Der Anteil der Mehrgenerationenfamilien ist zudem stark abhängig von der Gemeindegröße: Je mehr Einwohner eine Gemeinde hat, desto geringer ist der Anteil (Stat. Bundesamt 2016b: 5). Neben den typischen Mehrgenerationenfamilien, bei denen z.B. Großeltern zur Kernfamilie ergänzend in einem Haushalt vertreten sind, existieren auch „multilokale Mehrgenerationenfamilie[n]“ (Nave-Herz 2015: 40). Dabei bilden die Beteiligten eine „generationsübergreifende Solidaritätsgemeinschaft“, die aber in verschiedenen Haushalten leben.“ (Huinink 2009) Insgesamt wachsen in Deutschland 60% aller Kinder zwischen fünf und sechs Jahren mit drei oder vier Großelternteilen auf (ebd.). In der erwähnten mehrgenerationalen Solidaritätsgemeinschaften nehmen die beteiligten Personen, neben den üblichen Rollen in einer Kernfamilie (Mutter, Vater, Sohn, Tochter) weitere Rollen ein. Eine Mutter ist z.B. zusätzlich die Tochter, und die Kinder dieser mittleren Generation zusätzlich Enkel der Großelterngeneration (vgl. Nave-Herz 2015: 40). Einen rechtlichen Anspruch „haben Großeltern auf den Umgang mit ihren Enkeln in Deutschland […] [im Übrigen] nicht automatisch (Nave-Herz 2015: 42). Erst nach einem erbrachten Nachweis, dass der Umgang dem Wohl des Kindes dient, kann dieser rechtlich durchgesetzt werden (ebd.).

3.2.3. Pflege-/ Adoptivfamilie

Bei einer (Voll-)adoption wird ein Kind, von einem Ehepaar oder einer alleinstehenden Person „angenommen“ (Peuckert 2012: 394). Die annehmenden Eltern ersetzen bei einer Adoption also die biologischen Eltern, sie werden daher als „soziale Eltern“ bezeichnet (Peuckert 2012: 21). Das adoptierte Kind hat damit die „rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes der annehmenden Eltern bzw. des annehmenden Elternteils“ und die abgebenden Eltern keinerlei Rechte oder Pflichten mehr (Peuckert 2012: 394). Unter dem Aspekt des fortführenden Kontakts zwischen Kind und abgebenden Eltern werden drei Kategorien unterschieden. Zum einen die „Inkognito-Adoption“, bei der durch nicht vorhandenes Wissen der leiblichen Eltern über den Aufenthaltsort des Kindes eine mögliche Kontaktaufnahme nicht vorgesehen ist (ebd.). Als zweites die „halboffene Adoption“, bei der zwischen den beteiligten Personen über eine Vermittlungsstelle kommuniziert werden kann (ebd.). Und als letztes die „offene Adoption“, abgebende, annehmende Eltern(teile) und das adoptierte Kind lernen sich hierbei persönlich kennen (ebd.). Bei allen Varianten hat das adoptierte Kind ab dem 16. Lebensjahr einen Anspruch auf Informationen über die leiblichen Eltern (ebd.). Je nachdem wer die annehmenden Eltern sind, wird zwischen drei weiteren Adoptionsarten differenziert. Die „Fremdadoption (oder Nichtverwandtenadoption)“, bei der kein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Kind und einem aufnehmendem Elternteil besteht. Der „Verwandtenadoption“, bei der ein annehmendes Elternteil mit einem leiblichen Elternteil verwandt ist (Peuckert 2012: 395). Und als drittes die „Adoption durch Stiefeltern“, hier wird das Kind von dem/der neuen EhepartnerIn eines Elternteils adoptiert (ebd.).

In Deutschland sinken die Zahlen der Adoptionen, bis auf wenige Schwankungen stetig. Im Jahre 1991 wurden noch 7.124 Kinder oder Jugendliche adoptiert, 2015 nur noch 3.812, also fast 54% weniger (vgl. Stat. Bundesamt 2017d). Von den insgesamt 3.812 Adoptionen, waren die meisten Annahmen durch Stiefeltern (60,83%), am zweihäufigsten Fremdadoptionen (35,73%) und am wenigsten vertreten Verwandtenadoptionen (3,44%) (Stat. Bundesamt 2016a: 5, vgl. Abb. 6). Der hohe Anteil der Adoptionen durch Stiefeltern geht mit der „steigenden Anzahl von Ehescheidungen, der Zunahme der Wiederverheiratungen Geschiedener mit Kindern und der steigenden Zahl nichtehelich geborener Kinder […]“ einher (Peuckert 2012: 395). Der Rückgang der Adoptionen allgemein wird nicht auf ein mangelndes Interesse, ein Kind zu adoptieren zurückgeführt, sondern auf die Tatsache, dass es weniger vermittelbare Kinder gibt (ebd.). Gründe dafür sind wiederum die gestiegene Planbarkeit einer Geburt durch verbesserte Verhütungsmethoden und häufig durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche (ebd.). Die leiblichen Mütter der zur Adoption freigegebenen Kinder sind meistens ledig, die Kinder wurden also zum Großteil nichtehelich geboren, und gehören meistens der unteren sozialen Schicht mit einer schlechten oder keiner Berufsausbildung an (Peuckert 2012: 396 f.).

Neben der Adoption gibt es für Eltern, die ihre Kinder nicht selbst aufziehen wollen oder können, die Möglichkeit, ihr Kind in eine Pflegschaft zu geben. Durch diese Variante bleibt das Sorgerecht meistens bei den leiblichen Eltern, welches jedoch auch häufig durch das Jugendamt übernommen wird. Die Pflegeeltern haben somit keinerlei Verfügungsrecht, innerhalb der ersten zwei Jahre können sowohl die leiblichen Eltern als auch das Jugendamt das Pflegschaftsverhältnis widerrufen (vgl. Peuckert 2012: 396). Die Vollzeitpflegschaft ist neben der Heimunterbringung oder anderen betreuten Wohnformen die zweithäufigste Kinder-/Jugendhilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses. 1991 lebten 48.017 Kinder in einer Pflegefamilie und 68.190 Kinder in einer betreuten Wohnform. 2015 stieg die Zahl der Pflegschaftskinder um 48,91%, der Heimkinder nur um 19,24% (Stat. Bundesamt 2017e).

3.2.4. Regenbogenfamilie

Als Regenbogenfamilie wird die Zusammensetzung zweier gleichgeschlechtlicher/ homosexueller Partner, die zusammen ein Kind großziehen, bezeichnet. Unabhängig davon, ob das Kind leiblich, adoptiert oder in Pflege ist, wird diese Lebensform als Familie klassifiziert (vgl. Nave-Herz 2015: 16). Homosexuelle wiederum sind Personen, die sich „als homosexuell Empfindende identifizieren, das gleiche Geschlecht begehren und gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren“ (Peuckert 2012: 573 zit. nach Mascher: 2005: 162). Ein offizielles Zusammenleben durch eine „öffentlich bekundete sexuelle Beziehung“ ist allerdings erst seit dem Jahre 2001 möglich (Nave-Herz 2015: 126). Zusammenlebende homosexuelle Paare zählen in Deutschland allerdings nach wie vor zur Minderheit, ihr Anteil beträgt gerade mal 0,2 % in Bezug zu allen Hauhalten (ebd.). Da nicht alle Homosexuellen ihre sexuelle Orientierung öffentlich machen oder nicht offiziell mit einem/einer gleichgeschlechtlichen PartnerIn zusammenleben, handelt es sich bei statistischen Daten zu diesem Thema häufig um Schätzungen oder realitätsferne Werte, die häufig zu niedrig sind (ebd.). Laut dem Mikrozensus 2012 lebten in Deutschland „73.000 gleichgeschlechtlich zusammenlebende Lebensgemeinschaften“, 57% davon sind Schwule, 43% Lesben (Nave-Herz 2015: 127). Laut einer Studie im Jahre 2008 bezeichneten sich 4% der Männer und 3% der Frauen der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands als homosexuell (vgl. Peuckert 2012: 574 vgl. Volz/ Zulehner 2009).

Wie bereits erwähnt, gilt auch bei dieser Lebensform, dass gleichgeschlechtliche Partner soziologisch erst dann als Familie bezeichnet werden, wenn Kinder vorhanden sind. Die meisten homosexuellen Paare bleiben jedoch kinderlos. In Deutschland leben je nach Quelle nur rund 7.000 bis 13.000 Kinder in einer Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern, davon 92% in Familien mit zwei Frauen (vgl. Nave-Herz 2015: 128; Peuckert 2012: 584). Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Paare ihre potentiellen Kinder vor „diskriminierenden Erlebnissen“ (Nave-Herz 2015: 128f.), von denen fast die Hälfte befragter Kinder berichtet, beschützen wollen. Als weiteres Argument wurde bisher angeführt, dass in Deutschland keine Fremdadoption für homosexuelle Paare möglich sei. Allein eine Adoption des Stiefvaters/ der Stiefmutter war erlaubt, unter der Voraussetzung, dass beide biologischen Elternteile zustimmten (vgl. Nave-Herz 2015: 130). Seit dem 01. Oktober 2017 können homosexuelle Paare in Deutschland heiraten (Mair/ Sindram/ Bräutigam 2017). Die gleichgeschlechtliche Ehe ist somit der getrenntgeschlechtlichen Ehe gleichzusetzen (ebd.). Daraus resultiert, dass auch homosexuelle EhepartnerInnen ab sofort Kinder adoptieren können, wodurch mit einem Anstieg der Anzahl gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern gerechnet werden kann (ebd.).

3.2.5. Stieffamilie

„Stief“ hat im Althochdeutschen die Bedeutung, dass etwas “verwaist“ oder „hinterblieben“ ist (Bmfsfj 2013: 5) Vor allem in den früheren Generationen, als ein Elternteil, beispielsweise die Mutter, durch Geburtenkomplikationen verstarb, bedeutete diese Vorsilbe, dass ein „[…] Stiefelternteil ein fehlendes Elternteil ersetzt“ (ebd.; Nave-Herz 2015: 121). Heute ist das Wort „ersetzen“ nicht mehr ganz zutreffend, da häufig beide leiblichen Elternteile noch am Leben sind und der neue Stiefelternteil erweiternd hinzukommt, passender wäre der Begriff „ergänzen“. Eine weitaus gängigere Definition formulierte Döring im Jahr 2002:

„Eine Stieffamilie ist eine um Dauer bemühte Lebensgemeinschaft, in die mindestens einer der Partner[Innen] mindestens ein Kind aus einer früheren Partnerschaft mitbringt, wobei das Kind bzw. die Kinder zeitweise auch im Haushalt des jeweils zweiten leiblichen Elternteils leben kann bzw. können“ ((Bmfsfj 2013: 6 zit. nach Döring 2002:50).

Auch Begriffe wie „multiple Elternschaften“ bei rekonstruierten Familien werden häufig verwendet (Peuckert 2012: 21). Kriterien, um eine Stieffamilie zu identifizieren, sind also zum einen Kontinuität, zum anderen das Vorhandensein von mindestens einem Kind und die zumindest zeitweise gegebene gemeinsame Haushaltsführung. Wenn beide Elternteile nach der Trennung einen/eine neuen/neue PartnerIn heiraten, sind mehrere Haushalte Teil einer Stieffamilie. Der Haushalt, bei dem das Kind überwiegend Zeit verbringt, wird als „primäre Stieffamilie (oder Alltagsfamilie)“ bezeichnet, der anderen Haushalt wird demnach als „sekundäre Stieffamilie (oder Wochenendsfamilie)“ betitelt, diese Bezeichnungen sind dabei nicht zwangsläufig kohärent zu der Sorgerechtsregelung (Peuckert 2012: 383). Krähenbühl differenziert fortführend unter dem Aspekt des „vorherigen Familienstades des wiederverheirateten leiblichen Elternteils […]“(Nave-Herz 2015: 121, vgl. Abb. 7). Zum einen gibt es die „Stiefmutter-Familien“, hier heiratet der leibliche Vater nach der Trennung oder dem Tod der Ehefrau eine neue, kinderlose Frau (ebd.). Bei der „Stiefvater-Familie“ geht die Mutter einen neuen Ehebund mit einem Mann ein, der selbst noch keine Kinder hat, nachdem sie von ihrem ehemaligen Ehepartner getrennt, oder er verstorben ist (ebd.). Wenn eine Frau mit einem nichtehelichen Kind einen Mann heiratet, der nicht der leibliche Vater des Kindes ist, wird die Familienform als „legitimierte Stieffamilie“ (ebd.) bestimmt. Nach Bien ist bei diesen drei Formen von einer „einfachen Stieffamilie“ die Rede (Peuckert 2012: 383 vgl. Bien et al. 2002).

Heiraten allerdings zwei Menschen, die Kinder aus ihren früheren Ehen mit in die Haushaltsgemeinschaft einbringen, wird von einer „zusammengesetzten Stieffamilie gesprochen (ebd.). Bekommen die Eltern der neuen Stieffamilie zusätzlich noch ein oder mehrere Kinder, wird dieses Lebensmodell auch „komplexe Stieffamilie“ genannt, entwickelt sich diese aus einer zusammengesetzten Familie, wird diese als Patchworkfamilie bezeichnet (ebd.; Nave-Herz 2015:121). Des Weiteren spricht Bien von einer „mehrfach fragmentierte[n] Stieffamilie“, wenn sich die Familienzusammensetzung durch erneute Scheidung oder Tot mit erneuter Wiederheirat mehr als einmal ändert (Peuckert 2012: 383 vgl. Bien et al. 2002). Darüber hinaus wird zwischen ehelichen und nicht ehelichen Stieffamilien unterschieden (ebd.).

Da sich die neuen Stieffamilien also aus bereits bestehenden Familienformen entwickeln, wird bei dieser Lebensform die Formulierung „Systemerweiterung“, statt „Systemneubildung“ bevorzugt (Nave-Herz 2015: 123). Die Stiefelternrolle erweitert demnach die anderen Familienrollen. Dies führt u.a. dazu, dass häufig nicht bekannt ist, welche Rollenerwartungen an die Stiefeltern gestellt werden (Nave-Herz 2015: 125). Zudem erweitert sich auch der Kreis der Verwandten, z.B. Stiefgroßeltern, Stiefcousinen etc. (Nave-Herz 2015: 125 vgl. Steinbach 2008). Peuckert (2012) nutzt den Begriff der „fragmentierten Elternschaft“, da ergänzend zur biologischen Elternschaft, die soziale Elternschaft durch ein Stiefelternteil hinzukommt (Peuckert 2012: 382).

Wie bereits erwähnt, gab es auch schon zur damaligen Zeit Stieffamilien. Aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung und resultierender hohen Müttersterblichkeit waren im 16. und 18. Jahrhundert in England und Frankreich beispielsweise knapp 30% aller Familien Stieffamilien (vgl. Peuckert 2012: 382). Ein Großteil derer waren also Stiefmütter-Familien. Heute überwiegen die Stiefväter-Familien „[…] im Verhältnis 80 zu 20 […]“ (Nave-Herz 2015: 122, vgl. Familien-Survey des Deutschen Jugendinstituts). Sind Stieffamilien heutzutage eher frei gewählt und hauptsächlich nach Scheidung oder Trennung vorzufinden, hatte bis ins 20. Jahrhundert die Wahl dieser Familienform häufig den Grund des wirtschaftlichen Überlebens (Peuckert 2012: 382). Stieffamilien sind in Deutschland in Vergleich zu Familienformen wie der Kernfamilie oder Alleinerziehenden mit 10% in Gesamtdeutschland am wenigsten vorhanden (Bmfsfj 2013: 10; vgl. Abb. 8).

3.3. Ein-Eltern Familie / Alleinerziehende

Ein-Eltern-Familie, umgangssprachlich auch „unvollständige Familie“ oder „broken home“ genannt, bezeichnet eine Familienform, bei der eine Mutter oder ein Vater mit mindestens einem minderjährigen Kind, „[…] für dass sie die alltägliche Erziehungsverantwortung besitzen […]“, in einem Haushalt, ohne einen/ eine Ehe-/LebenspartnerIn, leben (Peuckert 2012: 346). In diesem Zusammenhang wird von „alleinerziehende[n] Eltern“ gesprochen, bei der eine Unterscheidung zwischen „Mutter- und Vater-Familien“ erfolgt (Nave-Herz 2012: 106). Die vorausgehende Definition schließt dabei nicht aus, dass der ehemalige/die ehemalige PartnerIn des/ der Alleinerziehenden sich weiterhin regelmäßig um das Kind/ die Kinder kümmert und Kontakt pflegt. Daher wird der Begriff „Ein-Eltern-Haushalt“ häufig bevorzugt (Peuckert 2012: 346). Unter 500 Befragten Alleinerziehenden Haushalten, hatte „[…] jedes zweite Kind Kontakt zum anderen leiblichen Elternteil“ (Peuckert 2012: 346 vgl. Schneiteret al. 2001). Ahrons (1979) bezeichnet diese Verbindung von zwei Haushalten durch ein gemeinsames Kind als „binukleares Familiensystem“ (Peuckert 2012: 346 zit. nach Ahrons 1979). Von 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern, waren 2009 in Deutschland 19% Alleinerziehende Mütter/Väter (vgl. Abb. 9). Die Anzahl der Alleinerziehenden ist in den letzten Jahren weiter gestiegen, 1996 existierten ca. 1,3 Millionen, 2009 ca.1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland (Stat. Bundesamt 2010: 7). Dagegen ist die Gesamtzahl an Familien ohne ein alleinerziehendes Elternteil mit minderjährigen Kindern, die 1996 noch bei 9,4 Millionen Familien lag, bis 2009 um 13% gesunken (ebd.). Der Anteil der intakten Familien mit Kindern ist also geringer, der Anteil der Alleinerziehenden aber gleichzeitig gestiegen.

In Ostdeutschland ist die Zahl der vollständigen Familien insgesamt von 1996 bis 2010 um knapp 37% gesunken, der Anteil der alleinerziehenden Familien aber im Verhältnis dazu um ca. 9% gestiegen. In den alten Bundesländern ist die Gesamtzahl der intakten Familien nur um 6% gesunken, der Anstieg der Alleinerziehenden beträgt in Bezug auf die Gesamtzahl 5% (vgl. Abb. 10). 2010 waren von 1,6 Millionen Alleinerziehenden 90% Mütter, vor allem von Kleinstkindern und 10 % Väter (vgl. Peuckert 2012: 347; Nave-Herz 2015: 118).

Alleinerziehende können ledig, geschieden/getrenntlebend oder verwitwet sein, die Lebensform an sich ist aber meistens temporär (vgl. Peuckert 2012: 345). Den größten Anteil unter den Alleinerziehenden haben Geschiedene/ Getrenntlebende mit 59% (Stand 2009), im Vergleich zu 1996 sind das 3% weniger (Peuckert 2012: 350 vgl. Stat. Bundesamt 2005; 2009c; 2010a; 2011d;). Der Anteil der ledigen Alleinerziehenden ist seit 1996 hingegen um 7% gestiegen, ist aber immer noch 24% weniger, als der Anteil der geschiedenen Alleinerziehenden und 29% höher als der Anteil der verwitweten Alleinerziehenden (vgl. Abb.11).

4. Befragung Heranwachsender und relevante statistische Werte

4.1. Ergebnisse der Befragung

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Untersuchung, klassifiziert nach Schulform und Wohnort, dargestellt. Anschließend wird auf relevante statistische Daten, die kurz vorgestellt werden, vergleichend Bezug genommen.

Die Ergebnisse der Studie sind im Anhang hauptsächlich mit Prozentangaben und z.T. als durchschnittliche Mittelwerte zusammengefasst. In digitaler Form stehen die operationalisierten Daten, mögliche Variablen sowie alle Aussagen der SchülerInnen per CD zur Verfügung. Im weiteren Verlauf folgen Vergleichshinweise zu befragten Personen, denen eine bestimmte Zahl zugeordnet wird, beispielweise „Pers. 16.2.1.“ . Die erste Zahl ergibt sich aus der zufällig zugeordneten Nummer an einer bestimmten Schulform, an einem bestimmten Wohnort. Die zweite Zahl bezieht sich auf die Schulform (Hauptschule 1, Realschule 2), die dritte Zahl auf eine Unterscheidung zwischen Dorf(1) und Stadt (2). Die genannte Zahl bezieht sich also auf den 16. Fragebogen in einer ländlichen Realschule.

Zur Analyse des heutigen Verständnisses von Ehe konnten die SchülerInnen einen kurzen Text verfassen. Um diese Antworten auszuwerten, wurden bestimmte Kategorien gebildet, deren Kriterien nun kurz erläutert werden. Eine Kategorie wird als Solidaritätsgemeinschaft zusammengefasst, dazu zählen Begründungen, die Wörter wie „Treue“ (vgl. u.a. Pers. 26.1.1.), „zusammen“/“Zusammenhalt“ (vgl. u.a. Pers. 6.1.1.), „Partner“ (vgl. u.a. Pers. 2.1.1.; 2.2.2), „Vertrauen“ (vgl. u.a. Pers. 21.1.1.) oder „Ehrlichkeit“ (vgl. u.a. 6.1.1.) beinhalten. Des Weiteren bezieht sich diese Kategorie auf Aussagen bzw. Annahmen durch Ehe nicht alleine sein zu müssen (vgl. u.a. Pers. 15.1.1.) oder auch in harten Zeiten einen Partner an seiner Seite zu haben (vgl. u.a. Pers. 3.1.1.).

Unter dem Oberbegriff Verbindlichkeit werden Aussagen zusammengefasst, die z.B. beinhalten, durch Ehe das gesamte Leben mit einem Partner verbringen zu können (vgl. u.a. Pers. 2.1.1., Pers. 5.1.1.; Pers. 7.2.2.), in diesem Zusammenhang ist von etwas „feste[m]“ (Pers. 13.1.1.) die Rede. Es besteht die Annahme, dass PartnerInnen durch Ehe „halt [erst] zusammen […]“ (Pers. 38.1.1.) und an eine Person „gebunden“ (Pers. 15.2.2.) sind.

Alle Antworten, die Wörter, wie Familie oder Kinder oder Aussagen wie, Ehe bedeutet „ein[e] Familie [zu] gründe[n][…]“ (Pers. 2.2.2.) oder „bedeutet […] Eltern zu sein“ (Pers. 8.2.2.), beinhalten, werden zur Kategorie Familie gezählt.

Antworten, die zu den fünf weiteren Kategorien Liebe, Glück, Zukunft, Sicherheit und Haushalt zugeteilt wurden, implizierten diese Ausdrücke wörtlich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Familienformen im Wandel. Was die Statistik zeigt und Heranwachsende sagen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
71
Katalognummer
V502250
ISBN (eBook)
9783346031679
ISBN (Buch)
9783346031686
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Familienformen, Umfrage, SchülerInnen, Liebe
Arbeit zitieren
Cathrin Esser (Autor), 2017, Familienformen im Wandel. Was die Statistik zeigt und Heranwachsende sagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502250

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