Anklagen Brunos von Magdeburg gegen Heinrich IV. im "Brunonis de bello Saxonico liber". Der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe


Hausarbeit, 2012

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anklagen gegen Heinrich
2.1 Anklagen gegen Heinrichs Politik
2.2 Anklagen gegen Heinrichs Charakter
2.3 Anklagen gegen Heinrichs Glauben

3. Fazit

4. Quellen und Literaturverzeichnis
4.1 Quellen
4.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Ich will also den Krieg, den König Heinrich gegen die Sachsen führte, kurz und wahrheitsgemäß beschreiben“.1 Diesen Anspruch auf Wahrheit, den Bruno von Magdeburg in seiner Einleitung des Sachsenkrieges formulierte, will ich im Laufe meiner Arbeit genauer untersuchen. Welche Anklagepunkte bringt Bruno gegen Heinrich vor und wie glaubwürdig sind diese?

Das „Brunonis de bello Saxonico liber“ wurde Anfang 1082 von dem sächsischen Kleriker Bruno von Magdeburg fertiggestellt und beschreibt zeitgenössisch, ausgehend von den Ursachen des sächsischen Aufstandes, den Krieg von 1073 bis zur Wahl Hermann v. Salms als Gegenkönig 1081.2 Wurde diesem Buch aufgrund von Brunos sächsischem Blickwinkel und seiner Parteilichkeit für die Sachsen „jegliche[r] Quellenwert abgesprochen“3, ist man mittlerweile dazu übergegangen, ihm keine bewusste „Irreführung und Verfälschung“4 zu unterstellen und es als eine bedeutende historische Quelle zu sehen, vor allem im Hinblick auf die Beurteilung des sächsischen Standpunktes.5 Es ist jedoch immer noch nicht eindeutig geklärt, wie die Anklagen gegen Heinrich IV. zu beurteilen sind, was in den konkurrierenden Auffassungen der Forschung zum Wahrheitsgehalt der Vorwürfe ersichtlich ist: Setzt Tilmann Struve sich in seinem Aufsatz „War Heinrich IV. ein Wüstling?“ dafür ein, Brunos Ausführungen bezüglich Heinrichs Charakter als unglaubwürdig zu betrachten6, stellt Gerd Althoff heraus, dass die Vorwürfe durchaus ihre Berechtigung hätten7, wobei er das Werk als eine Ansammlung von Argumenten sieht, die gegen den König in Verhandlungen vorgebracht und in Form von Historiographie niedergeschrieben worden waren.8

Ebenfalls aus sächsischer Sicht wird der Krieg in Lampert v. Hersfelds „Annalen“ beschrieben9, auf königlicher Seite ist die „Vita Heinrici IV.“ zu nennen, die im Gegensatz zu den ersten beiden Werken nach Heinrichs Tod entstand und eine positive Lebensdarstellung zeichnet.10 Auf beide Quellen werde ich mich im Laufe meiner Arbeit mit Brunos Buch vom Sachsenkrieg berufen. Die Arbeit greift nun zunächst aus der Menge an Vorwürfen in Brunos Buch die drei wichtigsten Anklagepunkte heraus: Die Anklagen gegen Heinrichs Politik, seinen Charakter und seinen Glauben. Anschließend werde ich mit Hilfe von Sekundärliteratur und in Bezug auf weitere Quellen versuchen, den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu prüfen.

2. Anklagen gegen Heinrich

2.1 Anklagen gegen Heinrichs Politik

„Denn er wollte sie [die Sachsen] nicht etwa nur wieder unter seine königliche Gewalt bringen – was leicht ohne Krieg hätte geschehen können -, sondern sie ganz und gar aus der Zahl der Menschen auslöschen.“11 12 Diesem hier angedeuteten Konflikt wird in Brunos Buch vom Sachsenkrieg eine zentrale Stellung eingeräumt, wobei Bruno die Fronten klar definiert: Auf der einen Seite die Sachsen, auf der anderen der König mit seinen Ministerialen, gegen die Bruno eindeutig Stellung bezieht. Auch den Krieg sieht er willkürlich von Heinrich provoziert. So soll er sogar die Ausrottung der Fürsten und die Versklavung aller Sachsen geplant haben.13 Begründet ist dieser Vorwurf im Verhalten des Königs, der die Fürsten entgegen aller Tradition von den Beratungen ausschloss und stattdessen, wenn überhaupt, Ministeriale konsultierte.14 Dies erzeugte aber ein zusätzliches Konfliktpotential,15 da er Leute, die ehemals unfrei waren, den Fürsten vorzog.16 Er verletzte mit seiner Politik Regeln, „die den Zeitgenossen wichtig waren“.17 Dieses Verhalten wurde nun, da niemand über die Pläne ihres Herrschers informiert war, zu dessen Ungunsten ausgelegt, es wurden ihm die schlimmsten Absichten unterstellt, ohne dass diese gerechtfertigt zu sein brauchten18, wobei der Zweck dieser Anklagen wohl auch darin lag, den Aufstand der Sachsen zurechtfertigen.

Einer der Anklagepunkte, die Bruno nun gegen die Handlungen Heinrichs vorbringt und auch als Hauptursache des Sachsenaufstandes angesehen wird19, wie der Rede Ottos von Nordheim, einem sächsischen Fürsten, entnommen werden kann, richtet sich gegen seine Politik des Burgenbaus in Sachsen. Anfangs von der sächsischen Bevölkerung in der Annahme eines „kindische[n] Spiel[s]“20 unterstützt, offenbarten die Burgen, besetzt mit plündernden Lakaien, ihren wahren Zweck, die Sachsen zu unterdrücken und ihnen ihr Land zu stehlen. Heinrich hingegen sah sich im Recht, wollte er doch mit Hilfe der Burgen Reichsgut, das im Laufe der salischen Herrschaft verloren gegangen war, sei es durch Schenkung, sei es durch „Diebstahl“, zurückgewinnen.21 Es erhob sich jedoch Widerstand in der sächsischen Bevölkerung, die zum einen die Unrechtmäßigkeit seines Verhaltens betonte, zum anderen an der Behandlung durch die Helfer des Königs, „die aus der Unfreiheit aufgestiegen waren“22, aber freie Männer zu „knechtischer Arbeit“23 zwangen, Anstoß nahmen.

In der Forschung stieß Brunos Anschuldigung lange Zeit auf Widerstand, sah man Heinrichs Vorgehen doch als rechtmäßig an, dies änderten jedoch neuere Untersuchungen24, die ergaben, „dass Verluste von Königsgut im fraglichen Raum kaum in größerem Umfang nachzuweisen sind.“25

Auf Basis dieser Erkenntnis kann man nun nicht umhin, in Brunos Vorwürfen eine gewisse Berechtigung zu sehen.

2.2 Anklagen gegen Heinrichs Charakter

26 Bereits nach der Einleitung beginnt Bruno, ausgehend von der Kindheit Heinrichs, in der jener schon „aufgebläht von königlichem Hochmut kaum mehr auf die mütterlichen Ermahnungen hörte“27, das Bild eines verderbten Herrschers zu zeichnen. Ins Jugendalter herangewachsen und von den Schranken Annos von Köln befreit, „entsagte [der König] völlig dem Tugendpfad und beschloss, nur noch seinen Begierden zu folgen“28. Die Ursache für den schlechten Charakter sieht Bruno in der Person Adalberts von Bremen, der sich Heinrich als Ratgeber zur Seite stellte, nicht um diesen zu einem tugendhaften Herrscher zu erziehen, „sondern um den Keim des Lasters noch mit dem Tau des Schmeichels zu benetzen“29, um ihn also ganz und gar zu verderben.

Die heutige Forschung schließt sich Brunos Meinung über die Bedeutung Adalberts für die Entwicklung des jungen Königs an, die dem Erzbischof einen großen Anteil an der Entwicklung Heinrichs bescheinigt30 und „eine auffällige Gemeinsamkeit zwischen König und Erzbischof, insbesondere was Verhaltensweisen betrifft, die einen Bruch der Konventionen bedeuten“31, feststellt. Aus diesen Gemeinsamkeiten lässt sich auch Brunos Abneigung gegenüber Adalbert und dessen schlechter Einfluss erklären, da Heinrich u.a. die Idee des Burgenbaus und sein Verhalten gegenüber Adligen von jenem übernahm.32 Auch dem Vorwurf des schlechten Charakters wird in der Forschung eine Berechtigung eingeräumt, „den Anforderungen, die die Königsethik an den Herrscher stellte - nämlich Vorbild für das Volk zu sein -, wurde der Salier sicher nicht gerecht.“33

[...]


1 Brunos Sachsenkrieg in: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. , hg. v. Schmale, F.-J./Schmale-Ott, I. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe, Bd. 12), Darmstadt 52006, cap. 1, S. 195.

2 Vgl. Franz–Josef Schmale /Irene Schmale-Ott: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe, Bd. 12, Darmstadt 52006, S. 28f.

3 Ebd., S. 29.

4 Ebd., S. 29.

5 Vgl. ebd., S. 28ff.

6 Vgl. Tilmann Struve: War Heinrich IV. ein Wüstling? Szenen einer Ehe am salischen Hofe, in: Münsch, Oliver/Zotz, Thomas (Hg.): Scientia veritatis. Festschrift für Hubert Mordek zum 65. Geburtstag, Ostfildern 2004, S. 273-288.

7 Vgl. Gerd Althoff: Heinrich IV. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 2006.

8 Vgl. Gerd Althoff /Stephanie Coué: Pragmatische Geschichtsschreibung und Krisen, in: Keller, Hagen/Grubmüller, Klaus/Staubach, Nikolaus (Hg.): Pragmatische Schriftlichkeit im Mittelalter. Erscheinungsformen und Entwicklungsstufen (Akten des internationalen Kolloquiums, 17. – 19. Mai 1989), München 1992, S. 95-129, hier S. 102ff.

9 Vgl. Wilfried Hartmann: Der Investiturstreit (Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 21), München ³2007, S. 19.

10 Vgl. Schmale: Quellen Kaiser Heinrich IV., S. 40-45.

11 Bruno, cap. 36, S. 241.

12 Zum Folgenden: Vgl. Bruno, cap. 16-25, S. 213-229.

13 Vgl. Althoff: Heinrich IV., S. 261.

14 Vgl. ebd., S, 261.

15 Vgl. Hartmann: Investiturstreit, S. 20.

16 Vgl. Althoff: Heinrich IV., S. 267.

17 Ebd., S. 291.

18 Vgl. ebd., S. 261.

19 Vgl. ebd., S. 92.

20 Ebd ., cap. 16, S. 213.

21 Vgl. Althoff: Heinrich IV., S. 92.

22 Hartmann: Investiturstreit, S .20.

23 Bruno, cap. 16, S. 213.

24 Vgl. Althoff: Heinrich IV., S.92.

25 Ebd., S. 92.

26 Zum Folgenden: Vgl. Bruno, cap.1, S. 195f.

27 Ebd ., cap. 1, S. 195.

28 Ebd., cap. 1, S. 197.

29 Ebd., cap. 5, S. 201.

30 Vgl. Althoff: Heinrich IV., S. 293f.

31 Ebd., S. 298.

32 Vgl. ebd., S. 295ff.

33 Egon Boshof: Die Salier, Stuttgart/Berlin/Köln ³1995, S. 196.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Anklagen Brunos von Magdeburg gegen Heinrich IV. im "Brunonis de bello Saxonico liber". Der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V502274
ISBN (eBook)
9783346039736
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Heinrich IV, Bruno, Sachsenkrieg, Brunonis de bello Saxonico liber, Investiturstreit
Arbeit zitieren
Wolfgang Schlagbauer (Autor), 2012, Anklagen Brunos von Magdeburg gegen Heinrich IV. im "Brunonis de bello Saxonico liber". Der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502274

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