Kunst als Schöpfung. Inwieweit lässt sich die Kunst mit der Schöpfung vergleichen?


Hausarbeit, 2019
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Naturbezüge

3. Schöpferische Konfession

4. Exakte Versuche im Bereich der Kunst

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Wie wird Kunst geschaffen?

Der Frage nach der Schöpfung in der organischen Welt ist bereits Goethe in seiner Metamorphosenlehre nachgegangen. Später zogen viele Künstler mit dieser Lehre Rückschlüsse auf die Schöpfung in der Kunst. Zu diesen Künstlern gehört unter anderem Paul Klee, der sich in seinen eigenen Schriften immer wieder Beispiele aus Goethes Lehre heranzog, um seine Gedanken und Vorstellungen zu verdeutlichen.

Die vorliegende Arbeit versucht zu klären, inwieweit die Kunst mit der natürlichen Schöpfung erläutert werden kann. Um den Umfang der Arbeit im vorgegebenen Rahmen zu halten, wird im folgenden nur ein Teil der wissenschaftlichen Sekundärquellen referiert. Vielmehr wird, durch Paul Klees eigene Aufsätze, eine Reduktion auf seine wesentlichen Gedanken in Bezug auf die Schöpfung und die Kunst angestrebt. In den verschiedenen Kapiteln wird detaillierter Bezug auf die Aufsätze „Schöpferische Konfession“ und „Exakte Versuche im Bereich der Kunst“ genommen. Ihren Abschluss findet die vorliegende Arbeit in den Schlussbemerkungen, die die Ergebnisse und meine eigenen Gedanken zusammenfassen.

Naturbezüge

Um die Kunst mit der natürlichen Schöpfung in Verbindung bringen zu können muss man erstmal wissen inwiefern sie Klee mit der Natur vergleicht. Da Klee die Kunst nicht als Statisches empfand, sondern als Werden, eignen sich die Wachstumsprozesse in der Natur als Anschauungsbeispiele, um das Prozesshafte in der bildnerischen Gestaltung zu erläutern. Demnach kann die Kunst durch die Natur besser veranschaulicht und erklärt werden. Impulse für diese Überlegung fand Klee in seinen Reisen. Besonders wichtig war seine erste nach Italien 1901 mit Bildhauer Hermann Heller, wo er sich selbst die Technik der Radierungen lehrte.1 In einem seiner Tagebucheinträge beschreibt er, dass er einen großen Baum nachgezeichnet hat und vergleicht anschließend die Liniengesetze des Baumes mit denen des menschlichen Körpers.2 Die natürlichen Gesetze seien allgemeingültig und könnten auf andere Objekte übertragen werden, obwohl beide Objekte in erster Linie zwei unterschiedliche sind. Die Gesetzmäßigkeiten der Natur können daher als Grundlage des entstehenden Kunstwerkes verstanden werden.

Doch wo hat die Schöpfung ihren Ursprung? Laut Klee gibt es einen sogenannten „gereizten“ Punkt von dem die Schöpfung ausgeht. Einen wirklichen Ursprung, den man erklären und auch nachvollziehen kann gibt es nicht. Der gereizte Punkt sei die Stelle, wo die Bewegung beginnt, also die Stelle, wo das Werden eines Kunstwerkes beginnt. Um diese Überlegung eingängiger zu machen, eignen sich Klees verwendete Beispiele aus der Natur. Er vergleicht den Punkt mit einem Samenkorn. Dieses ist ein winziges und unscheinbares Organ, welches durch eine geheimnisvolle Kraft in Bewegung gesetzt wird und sich dadurch entfaltet und zu einer großen Blüte wächst.3

Versucht man zu verstehen, wie eine Pflanze zu einer Pflanze heranwächst, wird deutlich, dass das Wachstum tatsächlich auf den Samenkorn zurückzuführen ist. Durch unsichtbare Kräfte wird der Samenkorn in Bewegung gesetzt und es beginnen von ihm aus Wurzeln nach unten in den Boden zu wachsen und Blüten nach oben in die Luft. Diese Kräfte können nun durch den gewachsenen Stengel immer weiter hoch in die Blüten der Pflanze streben. Für den österreichischen Publizist und Vortragsredner Rudolf Steiner war es beispielsweise wesentlich, dass man bei dem Wachstum einer Pflanze genauer auf diese nicht wahrnehmbaren Kräfte im Werden eingeht.

„Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken. Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden.“4

Das Sichtbarmachen von unsichtbaren Kräften wird im folgenden Kapitel explizit thematisiert, da dies auch einen wesentlichen Aspekt in Klees Lehre war. …...Überträgt man das Wachstum einer Pflanze auf den eines Kunstwerkes wird deutlich, dass sie identisch sind. Erst entsteht aus einem Punkt eine Linie (Samenkorn wächst zu einem Stängel), welche zu einer Fläche (Blüten bilden sich) und zum letztendlichen Werk wird (Pflanze). Die Natur ist demnach ein geeignetes Beispiel um zu erklären, wie aus einem Strich ein vollendetes Werk wird. Da man also die Kunst durch natürliche Prozesse erklären kann, ist es möglich Kunst und Natur zu verbinden. "Kunst verhält sich zur Schöpfung gleichnisartig. Sie ist jeweils ein Beispiel, ähnlich wie das Irdische ein kosmisches Beispiel ist." 5

Zu Beginn Klees Lehrzeiten waren Vergleiche mit der Natur von sehr großer Bedeutung. Im späteren Verlauf nahmen diese anfangs so wichtigen Naturbezüge jedoch ab. Man kann versuchen, diese Entwicklung mit der Veränderung der Bauhauslehrplanung in Verbindung zu bringen. Diese Vermutung ist nicht so abwegig, da sich im Zeitalter der Romantik der Blick von der Natur auf den Menschen richtete. Die unerklärliche Natur wurde durch die Wissenschaft der Menschen abgelöst. Beispiel dafür ist der unscheinbare Samenkorn, der durch irgendetwas zu einer Pflanze wächst. Die unerklärlichen Kräfte, durch die ein Samenkorn beginnt zu wachsen, können nun wissenschaftlich mit der Temperatur und dem Nährstoffgehalt im Boden begründet werden. Daher würde sich dieser Vergleich nicht mehr eignen, um das Unerklärliche des gereizten Punktes in der Kunst zu erklären.

Schöpferische Konfession

In der Schriftsammlung „Tribüne der Kunst und Zeit“ herausgegeben von Kasimir im Jahr 1920, äußerte sich Paul Klee erstmals zum künstlerischen Schaffen. In diesem Aufsatz thematisiert er die Bedeutung des Sichtbarmachens in der Kunst. Dabei entstand einer seiner wohl wichtigsten Aussagen seiner Lebenszeit: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ 6 Diese Idee versucht die Frage nach der Bedeutung und Funktion der Kunst in der Schöpfung zu klären. Der Künstler ist dazu aufgefordert nicht nur das, was man als Betrachter sieht im Kunstwerk darzustellen, sondern auch das Innere zu analysieren und sichtbar zu machen. Der Blick auf die Natur soll sich auf den Entstehungsprozess richten und nicht allein auf das Sichtbare. Nicht die Außenwelt soll für den Künstler im Fokus stehen, er soll in die Innenwelt eindringen. Da sich viele Aussagen in verschiedenen Aufsätzen von Klee finden lassen, die das Darstellen des Inneren fordern, wird deutlich dass dies ein wesentlicher Punkt in seiner Lehre war. Um dieser Forderung gerecht zu werden, benötigt es die Abstraktion in der Grafik. Die Abstraktion dient als Ausdrucksmittel zur Überwindung der wirklichkeits-bezogenen Darstellung. Sie macht Dinge sichtbar, ohne sie dabei naturgetreu nachzuahmen, indem sie das Objekt auf die minimalsten Formen reduziert. Das unterscheidet die Kunst im Wesentlichen beispielsweise von der Fotografie, welche die exakte Realität wiedergibt und keine „Märchenhaftigkeit des imaginären Charakters“ 7 enthält. Kunst unter Verwendung grafischer Elemente gibt nicht das Realistische, sondern die Abstraktion wieder. Sie ist eine eigene Schöpfung und nicht die Realität von Etwas. Nicht nur für Klee war das Innere und das Verzichten auf Reelles von größter Bedeutung. Die Forderung wurde auch von Kandinsky in „Der blaue Reiter“ unterstützt:

„Die in dieser Art aufgefaßte und im Bilde fixierte äußere Hülse des Gegenstandes und das gleichzeitige Streichen der gewohnten aufdringlichen Schönheit entblößen am sichersten den inneren Klang des Dinges. Gerade durch diese Hülse bei diesem Reduzieren des „Künstlerischen" auf das Minimum klingt die Seele des Gegenstandes am stärksten heraus, da die äußere wohlschmeckende Schönheit nicht mehr ablenken kann. (...) Und hier sind diese abstrahierten oder abstrakten Formen (Linien, Flächen, Flecken usw.) nicht selbst als solche wichtig, sondern nur ihr innerer Klang, ihr Leben. So wie in der Realistik nicht der Gegenstand selbst oder seine äußere Hülse, sondern sein innerer Klang, Leben wichtig sind. Das zum Minimum gebrachte „Gegenständliche" muß in der Abstraktion als das am stärksten wirkende Reale erkannt werden .“ 8

Es gibt verschiedene grafische Elemente (Punkte, Linien, flächige und räumliche) und je mehr von diesen in der Darstellung gebraucht werden, desto abstrakter und weniger realistisch wird das Werk.9

Im gleichen Aufsatz gibt es eine Beschreibung einer Reise ins Land der besseren Erkenntnis. Mit dieser Illusion soll einem veranschaulicht werden, wie die Formenelemente wirken und welche Ausdrucksmöglichkeiten einem geboten werden. Beispielsweise stellt eine Wellenlinie einen Fluss dar oder eine Zickzacklinie einen Blitz. Auch ein Konflikt von zwei Menschen kann durch eine zunächst einzelne Linie, die dann zu 2 selbstständig führenden Linien wird, dargestellt werden. Durch Konstellationen verschiedener grafischer Elemente werden diese zu konkreten Dingen zweiter und dritter Dimension vereinigt. Dabei war die Erhaltung der Essenz für Klee wesentlich „ Die Elemente sollen erkennbare Formen ergeben, nur ohne sich dabei zu opfern.“ 10 Gleichzeitig wachsen durch die verschiedenen Konstellationsmöglichkeiten die Variations- und Ausdrucksmög-lichkeiten, welche Klee als „ formale Symphonie“ bezeichnet.11 Diese unendlichen Möglichkeiten bringen einen dazu zu sehen, dass es nicht nur die eine Realität des Einen gibt.12 Ein Apfel besteht z. B. aus einem Kreis und einem Stängel, jedoch besteht eine Kirsche aus denselben Komponenten. Ordnet man die selben Komponenten jedoch anders an, so wird erkennbar, ob es sich um einen Apfel oder eine Kirsche handelt.

[...]


1 vgl. PK Biografie: Art Direction GmbH, Biografie: Paul Klee (12.12.2018)

2 vgl. Klee: Tagebuch 1988 , Nr.366, S. 110.

3 vgl. Klee: Wachstum regt sich, S.40 (18.01.2019)

4 Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der Ho ̈ heren Welten? (1904), Dornach 1935, S.64.

5 Klee, Zitat (1874-1940) (18.01.2019)

6 Klee: Schöpferische Konfession, in: Tribüne der Kunst und Zeit, Berlin 1920, I. (21.12.2018)

7 Klee: SK 1920, I. (21.12.2018)

8 Kandinsky: Die große Abstraktion - die große Realistik, in: Der blaue Reiter, München 1965 ( 18.01.2019)

9 Vgl. Klee: SK 1920, I. (21.12.2018)

10 Klee: SK 1920, III. (21.12.2018)

11 Vgl. Klee: SK 1920, III. (21.12.2018)

12 Vgl. Klee: SK 1920, V. (21.12.2018)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kunst als Schöpfung. Inwieweit lässt sich die Kunst mit der Schöpfung vergleichen?
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Designgeschichte & angewandte Kunst
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V502280
ISBN (eBook)
9783346031716
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kunst, schöpfung, inwieweit
Arbeit zitieren
Rebecca Pajares Hammacher (Autor), 2019, Kunst als Schöpfung. Inwieweit lässt sich die Kunst mit der Schöpfung vergleichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502280

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