Globalisierung, Technischer Fortschritt und Ungleichheit

Erklärung von Einkommens- und Beschäftigungsdifferenzen und deren Bedeutung für unsere heutige Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik


Seminararbeit, 2017
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorien, Modelle und Ansätze
2.1 Adam Smith und die Theorie der Ungleichheit
2.2 Zwei Hauptfaktoren: Technologischer Fortschritt und Handel
2.3 Skill-biased technical Change and North-South Trade
2.4 Interaktion von Handel und technischem Fortschritt
2.5 Neuste Ansätze zum Thema Ungleichheit

3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Technologie und Faktorpreise in einer Ein-Gut-Ökonomie

Abbildung 2: Wenn Technologie nicht die Erklärung sein kann

Abbildung 3: Ein möglicher Test für die Technologie-Geschichte

Abbildung 4: Technologie and Faktorpreise in einer kleinen Ökonomie

Abbildung 5: Steigendes relatives Angebot erfordert steigende Nachfrage

1 Einleitung

Die Präsenz des Themas Ungleichheit und ihres Ursprungs hat im Zeitverlauf nicht nachgelassen und scheint heute aktueller denn je. Eine Erklärung von Einkommens- und Beschäftigungsdifferenzen ist von immenser Bedeutung für unsere heutige Volkswirtschaft und die Wirtschaftspolitik. Die Aktualität und Bedeutung einer Analyse zeigt sich in den vergangenen, sowie präsenten Krisen, mit der sich die Wirtschaftspolitik konfrontiert sieht. Probleme auf dem Arbeitsmarkt wie eine massiv steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland oder die Spreizung der Löhne der USA in den 80er und 90er Jahren sind nur ein Beispiel.Somit ergeben sich mehrere Fragen: Was sind die Ursachen für Ungleichheit? Welche Rolle spielen technischer Fortschritt und Globalisierung bzw. Handel? Wie sind sie zu gewichten? Fehlt es der Ungleichheit an Legitimation oder gilt: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ (Peter Tauber, CDU-Generalsekretär, 2017).

Diese Arbeit richtet sich nach der chronologischen Reihenfolge, in welcher die Werke der Ökonomen angesiedelt sind. Angefangen vom Ursprung der Theorie zu Einkommensdifferenzen, über die Diskussion der beiden Hauptfaktoren Handel und Technologie als getrennte Faktoren, bis hin zum Modell, in dem die beiden Parameter miteinander interagieren, soll ein geschlossenes Gesamtbild entsteht.

Im ersten Abschnitt wird der erste Ansatz von Adam Smith zum Thema Ungleichheit (1776) näher beleuchtet. Smith geht noch von 2 anderen Faktoren aus. Auf der einen Seite, die Beschaffenheit der Tätigkeit. Auf der anderen Seite die Einflussnahme von staatlichen Institutionen. Der zweite Abschnitt widmet sich dem deutlich jüngeren Aufsatz „Technology, Trade, and Factor Prices“ von Paul Krugman (1999), indem er den Handel und den technologischen Fortschritt als die beiden Hauptfaktoren ansieht. Für Krugman ist der technologische Fortschritt der bedeutendere Faktor von den beiden. Anhand von mikroökonomischen Modellen führt er in die Thematik ein und erläutert die Bedeutung der beiden Inputfaktoren im Hinblick auf die letzten Dekaden des 20. Jhd. Dabei betrachtet er die Einflüsse jedoch voneinander unabhängig. Im dritten Abschnitt wird ein Aufsatz von Nathalie Chusseau (2008) untersucht, indem sie erläutert, dass die beiden Faktoren möglicherweise nicht so einfach getrennt betrachtet werden können. Ihr Standpunkt fußt auf Basis zahlreicher früherer Werke. Sie beschreibt einen Mechanismus, indemdiebeidenInputfaktorenmiteinanderinteragieren.DervierteAbschnitt untersucht den Standpunkt von John van Reenen (2011), der diese Interaktion weiter ausführt und im Gegensatz zu Krugman seine Erkenntnisse anhand aktueller Daten des 21. Jhd. belegt. Letztlich werden im fünften Abschnitt die aktuellen Theorien zum Thema Ungleichheit skizziert, in denen betroffene Gruppen und die Gründe genauer identifiziert werden.

2 Theorien, Modelle und Ansätze

2.1 Adam Smith und die Theorie der Ungleichheit

Bereits im Zuge der entstehenden Nationalökonomie hat Adam Smith in seinem Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“ (1776) erste Theorien zu Einkommens- ungleichheit aufgestellt. Anlass dafür gab ihm die schon damals ausgeprägte Ungleichheit zwischen den Löhnen verschiedener Berufsgruppen in England. Dabei unterscheidet er zwischen zwei Einflussfaktoren. Einerseits die Beschaffenheit einer Tätigkeit und andererseits die Wirtschaftspolitik, die in den Markt eingreift. Dabei kritisiert er staatliche Eingriffe nicht nur als mitverantwortlich für existierende Ungleichheit, sondern bezeichnet sie sogar als Hauptverursacher (vgl. Smith 1776, S. 106).

Fünf Umstände wirken sich auf die Beschaffenheit der Tätigkeit aus (vgl. Smith 1776, S. 106f): An erster Stelle steht die Qualität der Arbeit, d.h. wie bequem bzw. unbequem sie ist. Zweitens die Komplexität der Tätigkeit. Desto schwieriger eine Arbeit, desto höheres Können erfordert sie. Als dritten Punkt nennt Smith die Dauerhaftigkeit bzw. Beständigkeit einer Beschäftigung. Viertens ist das Vertrauen der Bevölkerung in einen Beruf von Bedeutung. Fünftens die Wahrscheinlichkeit, mit einer Tätigkeit Gewinn zu erzielen bzw. Erfolg zu haben.

Smith belegt seine Thesen mit Beobachtungen verschiedener Berufe und ihrer Löhne (vgl. Smith 1776, S. 106-127). Durch die Umstände sind die Einkommensunterschiede zu erklären und auch zu legitimieren. Ein gut bezahlter Arzt hat die Berechtigung mehr zu verdienen als ein einfacher Mienenarbeiter (vgl. Smith 1776, S. 122).

Smith beschreibt den zweiten Einfluss auf Ungleichheit als Manipulation des Marktes durch den Staat (vgl. Smith 1776, S. 127f). Durch die künstliche Veränderung von Konkurrenz oder Regulierung der Beschäftigung übt der Staat schädlichen Einfluss auf den Markt aus. Das führt zu veränderten Löhnen, wie sie im natürlichen Zustand nicht vorzufinden wären (vgl. Smith 1776, S. 127-154).

Das Ergebnis ist also eine fundamentale Kritik an der Einflussnahme des Staates auf den Markt. Durch eine solche Manipulation wird die ‚unsichtbare Hand‘, die den sich selbst regulierenden Markt in seiner natürlichen Form beschreibt, angegriffen und dem Markt geschadet. Doch ist es fraglich, ob man den Einfluss wirklich so einfach abbilden kann. Es gilt zu untersuchen, welche Faktoren genau für eine wachsende Ungleichheit verantwortlich sind und ob sich Smiths Theorien über schädliche Markteingriffe in aktueller empirischer Betrachtung stützen lassen.

Eine grafische oder algebraische Darstellung setzt Smith bei seiner Erklärung nicht ein, womit spätere Ansätze klare Vorteile aufweisen. Smith beruft sich auf empirische Daten, indem er seine Argumentation mit Beobachtungen von Lohndifferenzen im damaligen England untermauert (vgl. Smith 1776, S. 106). Diese kommen zwar nicht mit dem Ausmaß heutiger statistischer Auswertungen gleich, doch zieht Smith, für damalige Verhältnisse, bereits erstaunlich viele und genaue Daten zur Hilfe. Seine Ergebnisse lassen somit fundierte Thesen zu, die es im jüngeren Kontext zu überprüfen gilt.

2.2 Zwei Hauptfaktoren: Technologischer Fortschritt und Handel

Die Betrachtung Smiths ist jedoch mehr als 200 Jahre alt und es ist fraglich, wie sich der Diskurs verändert hat. Zum Ende des 20. Jhd. spiegeln unter anderem die Werke von Feenstra und Hanson (1997) und Krugman (2000) eine veränderte Debatte zum Thema Ungleichheit wider. Es sind jedoch keine Weiterentwicklung zu Smiths Theorien, sondern sind grundlegend neue Ansätze. Sie beschäftigen sich mit den Einflussfaktoren, die in der Forschung als die wichtigsten angesehen werden: Der technische Fortschritt und der Handel. Der Handel gilt es einer der elementarsten Bestandteile der sog. Globalisierung und jeder Einfluss des Handels ist im Folgenden synonym mit einem Einfluss der Globalisierung zu verstehen.

Krugman geht auf die Faktoren genauer ein und untersucht die Wirkung vom technologischen Fortschritt und vom Handel auf den Markt. Er beschreibt in seinem ersten Modell (Abb. 1) die Folgen des technischen Fortschritts bei einem Gut. Für dieses Gut werden hoch qualifizierte Arbeit S und gering qualifizierte Arbeit U verwendet. Die Folgen des technischen Fortschritts zeigen sich durch eine nach innen bewegte Isoquante von II zu I’I‘. Sollte der relative Lohn erhalten bleiben so sei diese in der Steigung der neuen Isoquante zu finden, wo sie OE schneidet. Die Veränderung wird von ww zu w’w‘ dargestellt. Hier würde dies also bedeuten, dass der relative Lohn von qualifizierten Arbeitern steigt (vgl. Krugman 2000, S.53f).

Abbildung 1: Technologie und Faktorpreise in einer Ein-Gut-Ökonomie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Krugman (2000), S. 54

Die Veränderung ist jedoch abhängig von dem Einfluss auf die Faktoren. Sollte bspw. Hicks-Neutralität vorliegen, würde keine Veränderung der Löhne eintreten. Es ist jedoch wichtig, wie die höhere Produktivität durch technologischen Fortschritt abgebildet wird bzw. ob das Modell mit einer gestiegenen Produktivität im Einklang ist. Das Modell stellt diese Situation unter bestimmten Umständen falsch dar (Abb. 2).

Abbildung 2: Wenn Technologie nicht die Erklärung sein kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Krugman (2000), S. 55

Hier repräsentiert der Punkt E den alten und E‘ den neuen Einsatz von Inputfaktoren. Durch den entsprechenden neuen relativen Lohn w’w‘ würde die neue Isoquante weiter außen liegen. Das ist jedoch inkonsistent mit gegebener Situation, da alte technologische Möglichkeiten erhalten bleiben. D.h. die neue Isoquante kann die alte weder schneiden, noch außerhalb von ihr liegen. Somit würde das gegebene Modell keine durch Handel erklärte Lohnveränderung erklären (vgl. Krugman 2000, S. 55f.).

Anhand einer empirischen Annäherung (Abb. 3) zeigt Krugman, dass die Darstellung mit dem Hick’s Modell anhand eines Guts zwar möglich ist, dies aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass die technische Herangehensweise korrekt ist (vgl. Krugman 2000, S. 56).

Abbildung 3: Ein möglicher Test für die Technologie-Geschichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Krugman (2000), S. 56

Im zweiten Modell stellt Krugman die Folgen des technischen Fortschritts bei mehreren Gütern vor (Abb. 4). Anlass hierfür waren Aussagen, dass technischer Fortschritt auf die Faktorpreise bzw. Löhne in Ökonomien mit mehreren Sektoren Einfluss nehmen würde. Folglich sind nun zwei Isoquanten vorhanden: Die des X- Sektors XX und die des Y-Sektors YY. Der technische Fortschritt würde in Sektor X zu einer Verschiebung der Isoquante nach innen zu X’X‘ führen und den relativen Lohn erhöhen. Das Modell würde den Ergebnissen des vorherigen Ein-Gut Modells widersprechen. Es wäre nicht der Einfluss auf die Faktoren, sondern der Sektor des Wandels entscheidend (vgl. Krugman 2000, S. 57-59).

Abbildung 4: Technologie and Faktorpreise in einer kleinen Ökonomie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Krugman (2000), S. 57

Die Vielzahl von Annahmen im Modell, wie bspw. fixe Faktorpreise und uniliteraler technologischer Fortschritt erklärt Krugman jedoch für höchst unrealistisch. Deshalb nähert er sich einem simultanen Fortschritt innerhalb einer geschlossenen Volkswirtschaft an. Er verwendet die Annahmen von einer fixen Faktorverteilung und einer Cobb-Douglas Produktionsfunktion. Ein Hicks-neutraler technischer Fortschritt hätte zwar keine Auswirkungen auf die Löhne, aber ein Wandel mit Einfluss auf die Faktoren, würden auch die Löhne verändern. Die Erweiterung führt also zu den gleichen Ergebnissen wie das Ein-Gut-Modell. Die fixe Faktorverteilung ist nicht entscheidend, da sie das Ergebnis nicht verändern würde (Krugman 1999, S. 59f). Jedoch ist zu betrachten, was passiert, wenn die Annahme der Cobb- Douglas Produktionsfunktion abgeschwächt wird. In einer großen Volkswirtschaft mit Einfluss auf den Weltpreis würde der Aufpreis für qualifizierte Arbeit steigen. Der Effekt wäre jedoch nicht eindeutig. Krugman beschreibt, dass bei entsprechender empirischer Betrachtung ebenfalls keine klaren Rückschlüsse auf den Einfluss von technologischem Fortschritt auf die Ungleichheit bzw. Lohndifferenzen möglich seien (Krugman 2000, S. 61).

Die Modelle beschreiben zwar einen deutlichen Einfluss von technischem Fortschritt, aber sind nicht eindeutig auf welche Art und Weise er wirkt. Krugman widmet sich im Anschluss dem Einfluss von Handel auf die Ungleichheit. Hierbei geht er näher auf den Zeitraum der letzten Dekaden des 20. Jhd. ein. In Verbindung mit dem Stolper-Samuelson Theorem und eigener früherer Arbeiten, beschreibt er, dass Handel zwar in jeden Fall auf die Ungleichheit von hoch entwickelten Ländern Einfluss hat, jedoch nur relativ gering ausfällt (Krugman 2000, S. 65). Auch bei differenzierterer Betrachtung lässt Krugman keinen anderen Schluss zu (vgl. Krugman 2000, S. 66-69).

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Globalisierung, Technischer Fortschritt und Ungleichheit
Untertitel
Erklärung von Einkommens- und Beschäftigungsdifferenzen und deren Bedeutung für unsere heutige Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Seminar Wirtschaftspolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V502417
ISBN (eBook)
9783346048950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Technischer Fortschritt, Ungleichheit
Arbeit zitieren
B.Sc. Nathan Kuriewicz (Autor), 2017, Globalisierung, Technischer Fortschritt und Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502417

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