Die Präsenz des Themas Ungleichheit und ihres Ursprungs hat im Zeitverlauf nicht nachgelassen und scheint heute aktueller denn je. Eine Erklärung von Einkommens- und Beschäftigungsdifferenzen ist von immenser Bedeutung für unsere heutige Volkswirtschaft und die Wirtschaftspolitik. Die Aktualität und Bedeutung einer Analyse zeigt sich in den vergangenen, sowie präsenten Krisen, mit der sich die Wirtschaftspolitik konfrontiert sieht. Probleme auf dem Arbeitsmarkt wie eine massiv steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland oder die Spreizung der Löhne der USA in den 80er und 90er Jahren sind nur ein Beispiel. Somit ergeben sich mehrere Fragen: Was sind die Ursachen für Ungleichheit? Welche Rolle spielen technischer Fortschritt und Globalisierung bzw. Handel?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorien, Modelle und Ansätze
2.1 Adam Smith und die Theorie der Ungleichheit
2.2 Zwei Hauptfaktoren: Technologischer Fortschritt und Handel
2.3 Skill-biased technical Change and North-South Trade
2.4 Interaktion von Handel und technischem Fortschritt
2.5 Neuste Ansätze zum Thema Ungleichheit
3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen von Einkommensungleichheit durch eine chronologische Analyse ökonomischer Theorien, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von technologischem Fortschritt und Globalisierung bzw. Handel liegt. Ziel ist es, ein geschlossenes Gesamtbild zu erarbeiten, das die isolierte Betrachtung von Faktoren überwindet und deren Interaktion in einem gemeinsamen Mechanismus aufzeigt.
- Historische Perspektive der Ungleichheitstheorie (Adam Smith)
- Analyse der Hauptfaktoren: Technischer Fortschritt und internationaler Handel
- Mechanismen der Interaktion von SBTC (Skill-biased technical Change) und NST (North-South Trade)
- Bedeutung aktueller empirischer Daten für die Modellbildung
- Differenzierung betroffener Gruppen und Sektoren in der heutigen Volkswirtschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Adam Smith und die Theorie der Ungleichheit
Bereits im Zuge der entstehenden Nationalökonomie hat Adam Smith in seinem Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“ (1776) erste Theorien zu Einkommensungleichheit aufgestellt. Anlass dafür gab ihm die schon damals ausgeprägte Ungleichheit zwischen den Löhnen verschiedener Berufsgruppen in England. Dabei unterscheidet er zwischen zwei Einflussfaktoren. Einerseits die Beschaffenheit einer Tätigkeit und andererseits die Wirtschaftspolitik, die in den Markt eingreift. Dabei kritisiert er staatliche Eingriffe nicht nur als mitverantwortlich für existierende Ungleichheit, sondern bezeichnet sie sogar als Hauptverursacher (vgl. Smith 1776, S. 106).
Fünf Umstände wirken sich auf die Beschaffenheit der Tätigkeit aus (vgl. Smith 1776, S. 106f): An erster Stelle steht die Qualität der Arbeit, d.h. wie bequem bzw. unbequem sie ist. Zweitens die Komplexität der Tätigkeit. Desto schwieriger eine Arbeit, desto höheres Können erfordert sie. Als dritten Punkt nennt Smith die Dauerhaftigkeit bzw. Beständigkeit einer Beschäftigung. Viertens ist das Vertrauen der Bevölkerung in einen Beruf von Bedeutung. Fünftens die Wahrscheinlichkeit, mit einer Tätigkeit Gewinn zu erzielen bzw. Erfolg zu haben.
Smith belegt seine Thesen mit Beobachtungen verschiedener Berufe und ihrer Löhne (vgl. Smith 1776, S. 106-127). Durch die Umstände sind die Einkommensunterschiede zu erklären und auch zu legitimieren. Ein gut bezahlter Arzt hat die Berechtigung mehr zu verdienen als ein einfacher Mienenarbeiter (vgl. Smith 1776, S. 122).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die anhaltende Relevanz der Ungleichheitsthematik ein und skizziert den chronologischen Aufbau der Untersuchung von klassischen Theorien bis zu modernen Interaktionsmodellen.
2 Theorien, Modelle und Ansätze: Dieses Hauptkapitel analysiert kritisch die ökonomischen Konzepte von Adam Smith, Paul Krugman, Nathalie Chusseau und John Van Reenen hinsichtlich der Faktoren Handel und technischer Fortschritt.
2.1 Adam Smith und die Theorie der Ungleichheit: Dieses Kapitel stellt die klassischen Erklärungsansätze von Smith vor, die Ungleichheit primär durch die Art der Tätigkeit und staatliche Markteingriffe begründen.
2.2 Zwei Hauptfaktoren: Technologischer Fortschritt und Handel: Dieses Kapitel behandelt die mikroökonomischen Modelle von Krugman, in denen technischer Fortschritt und Handel als wesentliche, meist isoliert betrachtete Treiber von Lohndifferenzen identifiziert werden.
2.3 Skill-biased technical Change and North-South Trade: Dieses Kapitel beleuchtet Chusseaus Ansatz, der eine genauere Unterscheidung zwischen der Angebots- und Nachfrageseite sowie die Interaktion der Faktoren SBTC und NST fordert.
2.4 Interaktion von Handel und technischem Fortschritt: Dieses Kapitel diskutiert Van Reenens Erweiterung des Modells um endogenen technischen Fortschritt und die ökonomische Polarisierung der Arbeitsmärkte.
2.5 Neuste Ansätze zum Thema Ungleichheit: Dieses Kapitel fasst aktuelle Forschungsansätze zusammen, die insbesondere Lohndifferenzen zwischen Firmen und die indirekten Auswirkungen des Handels untersuchen.
3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Dieses Fazit resümiert, dass technischer Fortschritt und Handel nicht als unabhängige Faktoren, sondern als interagierende Mechanismen für Ungleichheit betrachtet werden müssen.
Schlüsselwörter
Einkommensungleichheit, Technischer Fortschritt, Handel, Globalisierung, Skill-biased technical Change, North-South Trade, Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarkt, Lohndifferenzen, Modellbildung, Endogener technischer Fortschritt, Polarisierung, Fachkräftemangel, Arbeitsproduktivität, Einkommensverteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für Einkommensungleichheit und wie sich das Verständnis der treibenden Faktoren im Laufe der ökonomischen Ideengeschichte gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der technologische Wandel, der Einfluss des internationalen Handels auf die Löhne und die historische Entwicklung ökonomischer Modelle zur Erklärung von Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Seminararbeit?
Das Ziel ist es, ein geschlossenes Gesamtbild zu erstellen, das zeigt, wie technischer Fortschritt und Handel miteinander interagieren, anstatt sie nur isoliert zu betrachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Literatur- und Modellanalyse, um die Theorien verschiedener Ökonomen (von Smith bis zu aktuellen Ansätzen) einzuordnen und zu vergleichen.
Was wird im theoretischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Modelle wie der "Skill-biased technical Change" und der "North-South Trade" sowie die Kritik an deren Annahmen durch modernere Ansätze detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Einkommensungleichheit, SBTC, NST, Arbeitsmarktpolarisation und ökonomische Modellbildung.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "getrennten Faktoren" und "Interaktion" eine solche Rolle?
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die isolierte Betrachtung von Handel und Technik die Realität verzerrt, da technischer Fortschritt oft durch Handel angestoßen wird.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Adam Smith von modernen Ökonomen wie Krugman?
Während Smith Ungleichheit durch die Beschaffenheit der Tätigkeit und staatliche Eingriffe erklärte, fokussiert Krugman mathematisch fundiert auf Technologiewirkungen und Handelsströme.
Welchen Stellenwert nimmt die Legitimation von Ungleichheit im Fazit ein?
Der Autor weist darauf hin, dass die Frage nach der Legitimation in der modernen Diskussion vernachlässigt wird und ein Rückbezug auf ethische Überlegungen sinnvoll sein könnte.
- Arbeit zitieren
- Nathan Kuriewicz (Autor:in), 2017, Globalisierung, Technischer Fortschritt und Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502417