In vorliegender Arbeit argumentiere ich dafür, dass Geschmack stark durch Sozialisierung geprägt wird und zeige infolgedessen, was wir gesellschaftlich und individuell aus dieser Einsicht lernen können.
Der Inhalt gliedert sich dabei in fünf Sektionen. Die Erste besteht aus der Einleitung, woraufhin in der zweiten Sektion die für die Arbeit zentralen Begriffe definiert werden. Die folgenden beiden Sektionen bilden den Hauptteil der Arbeit. Mit der dritten Sektion erfolgt die Rechtfertigung des entlang der Hausarbeit verfolgten Arguments:
(P1) Geschmack wird stark geprägt durch Vorurteile.
(P2) Vorurteile entstehen durch Sozialisierung.
(K) Also wird Geschmack stark durch Sozialisierung geprägt.
In der vierten Sektion werden die Implikationen dieser Erkenntnis diskutiert, die sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene auftreten und wirken können. Im Vordergrund steht dabei das Austreten aus dem persönlichen, eingeschränkten Sichtfeld und die Entwicklung von Empathie für unterschiedliche Lebensverläufe, -umfelder und Ansichten, um mehr Verständnis zu schaffen und vorschnelle, unrechte und unbegründete Verurteilung zu mindern.
Die fünfte und letzte Sektion bildet das Fazit, in welchem zentrale Ergebnisse zusammengetragen, und weiterführende Gedanken zur Rolle von Vor- und Geschmacksurteilen in der Gesellschaft dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Geschmack
2.2 Vorurteile
2.3 Sozialisierung
3 Argument
3.1 P1: Geschmack wird geprägt durch Vorurteile
3.2 P2: Vorurteile entstehen durch Sozialisierung
3.3 K: Also wird Geschmack stark durch Sozialisierung geprägt
4 Implikationen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen ästhetischem Geschmack, Vorurteilen und Sozialisierung, um aufzuzeigen, dass Geschmack kein rein individuelles oder naturgegebenes Merkmal ist, sondern maßgeblich durch soziale Prägung geformt wird.
- Der Ursprung ästhetischer Geschmacksurteile
- Die Rolle von Vorurteilen bei der Wahrnehmung
- Sozialisierung als prägende Kraft des Lebensstils
- Implikationen für Empathie und gesellschaftliches Zusammenleben
Auszug aus dem Buch
3.2 (P2) Vorurteile entstehen durch Sozialisierung
Nach Lakoff und Johnson haben Menschen das Grundbedürfnis nach Kategorisierung von Dingen, Situationen und Personen, um das Gefühl von Ordnung und Kontrolle über ihr Leben zu haben. Aufgrund dessen tendiert man dazu, Vorurteile zu hegen und künstliche Grenzen zu ziehen. (Vgl. ebd. 2003: 25) Bei der Kategorisierung von Menschen, Situationen oder Gegenständen, werden bestimmte Eigenschaften betont und andere heruntergespielt oder ignoriert:
Wenn man seiner besten Freundin aufgeregt den Mann, den man auf der Party am Wochenende kennen gelernt hat, beschreibt, spricht man vielleicht vom „tollen, selbstbewussten, sexy Typen, der den gleichen Humor hat“. Man tut das, weil diese Beschreibung die Aspekte beinhaltet, die für jemanden bei einem Mann von Bedeutung sind. Darüber, dass derselbe Mann in gerade eine schwere Trennung durchlebt, ein sehr seltenes Auto fährt und seine Masterarbeit über neurolinguistische Programmierung schreibt, hat er einen auch informiert. Man hat diese Informationen aber vergessen oder gar nicht bewusst aufgenommen, weil sie durch die konditionierte Fokussierung auf die anderen Aspekte herausgefiltert wurden und vernachlässigt sie in der Beschreibung.
Dieser Filter wird weder willkürlich noch absichtlich angewendet. Er besteht aus einem vielschichtigen Konstrukt aus Vorurteilen, deren Existenz man sich intellektuell meist nicht bewusst ist. Man hält das Aufgenommene, das dieser Filter aus Vorurteilen übriglässt, für die Wahrheit, die nicht hinterfragt werden muss – wenn auch für seine eigene, individuelle Wahrheit. Er bestimmt was man aufnimmt, ignoriert, wie man die Welt begreift und mit wem oder was man sich identifiziert, wie man seine Umwelt kategorisiert. Alles, was man erfährt, wird davon geformt. Im Alltag denkt und handelt man mehr oder weniger automatisch entlang dieser Wahrheit bzw. der Gedankenmuster, aus denen sie sich ergibt. Deren Struktur jedoch ist nicht gottgegeben oder angeboren – sie wird geprägt und ist abhängig von dem Umfeld, in dem man aufwächst und in dem man sich langfristig befindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie ästhetischer Geschmack durch Identitätsbildung und Sozialisierung beeinflusst wird, und umreißt den Aufbau der Argumentation.
2 Definitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Fachbegriffe Geschmack, Vorurteile und Sozialisierung präzise definiert, um eine theoretische Grundlage für die Analyse zu schaffen.
3 Argument: Der Hauptteil erläutert schrittweise, wie Geschmack durch Vorurteile geprägt ist, diese Vorurteile aus der Sozialisierung resultieren und folglich Geschmack ein Produkt der Sozialisierung darstellt.
4 Implikationen: Das Kapitel diskutiert, wie die Erkenntnis über die soziale Bedingtheit des Geschmacks individuelles Handeln und gesellschaftliche Empathie positiv beeinflussen kann.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Argumente zusammen und betont die Notwendigkeit, Vorurteile zu hinterfragen, um ein toleranteres gesellschaftliches Zusammenleben zu fördern.
Schlüsselwörter
Geschmack, Vorurteile, Sozialisierung, Ästhetik, Identität, Kategorisierung, Lebensstil, Pierre Bourdieu, Empathie, Gesellschaft, Wahrnehmung, Wertvorstellungen, Filtermechanismen, Weltanschauung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie unser ästhetischer Geschmack, der oft als Ausdruck unserer Identität wahrgenommen wird, in Wirklichkeit stark durch soziale Prägungen und Vorurteile geformt ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Geschmack als ästhetisches Urteilsvermögen, die psychologische Funktion von Vorurteilen als Filter der Realität und der soziologische Prozess der Sozialisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Geschmack ein Produkt von Sozialisierung ist, und zu erarbeiten, welche Erkenntnisse wir daraus für ein verständnisvolleres Miteinander gewinnen können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine argumentationslogische Struktur, die durch die Definition zentraler Begriffe und den Rückbezug auf soziologische Theorien (insbesondere Pierre Bourdieu) gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil rechtfertigt die These, dass Geschmack durch Vorurteile geprägt ist und diese Vorurteile wiederum durch die Sozialisierung eines Menschen entstehen, wobei Kategorisierungsprozesse eine Schlüsselrolle spielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Geschmack, Vorurteile, Sozialisierung, ästhetische Urteilskraft, Identitätsbildung, Empathie und soziale Prägung.
Welche Rolle spielen Vorurteile bei der Geschmacksbildung?
Vorurteile fungieren laut der Autorin als unbewusste Triebfedern, die uns helfen, Dinge und Menschen schnell zu kategorisieren, was wiederum unsere ästhetischen Vorlieben maßgeblich mitbestimmt.
Wie kann das Verständnis über Sozialisierung Vorurteile mindern?
Durch das Einnehmen einer Metaperspektive auf die eigene Sozialisierung erkennt man, dass auch andere Menschen aus bestimmten Umfeldern handeln; dies fördert Empathie und kann die Abwertung des Fremden mindern.
- Arbeit zitieren
- Julia Held (Autor:in), 2019, Geschmack und Vorurteile als Produkt der Sozialisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502449