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Hunger im Hochmittelalter. Ein regionales Ausnahmephänomen oder permanent zu knappe Nahrungsmittel?

Title: Hunger im Hochmittelalter. Ein regionales Ausnahmephänomen oder permanent zu knappe Nahrungsmittel?

Term Paper , 2018 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Philipp Müller (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein Mensch, der kaum Nahrung sieht, andere Dinge im Sinn hat, als der Nachwelt zu hinterlassen, wie es zu dieser Situation kam und in welchem Zustand man sich befindet. Das macht es für heutige Historiker entsprechend schwer, gesicherte Informationen über Anzahl und Ausmaß von Hungersnöten sowie über die allgemeine Ernährungslage vergangener Zeiten zu erhalten. Daraus ließe sich ein tieferes Verständnis für politische, wirtschaftliche aber auch kulturelle Entwicklungen erlangen. Ernst Schubert hat 2006 genau dies versucht und dargelegt, inwiefern der Zugang zu Nahrungsmitteln und deren Breite den Lauf der Geschichte des Mittelalters beeinflusst hat. So nachvollziehbar seine Argumente und Belege dabei für das Früh- und Spätmittelalter sind, so diskussionswürdig sind sie für das Hochmittelalter. Die Jahre 1000-1300 sind im Vergleich zu den anderen Jahrhunderten des Mittelalters geprägt von einer relativen Armut schriftlicher Quellen, gerade in Bezug auf das allgemeine Thema Ernährung.

Anne Schulz konstatiert das genaue Gegenteil. Sie versucht dem Mangel schriftlicher Quellen verstärkt durch archäologische Belege und Bildquellen entgegenzukommen, um daraus Erkenntnisse für die Versorgung im Mittelalter zu erlangen. Vor allem aber für das Hochmittelalter zeichnet sie dabei ein gänzlich anderes Bild und spricht von einer ausreichend guten Ernährung mit lediglich temporär und regional auftretenden Hungerkrisen, da nur so die vielen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen des Hochmittelalters erklärbar wären. Demgegenüber steht Schubert mit der Meinung, dass im ganzen Mittelalter eine permanent zu kurze Nahrungsdecke vorherrschte und gerade das 12. Jahrhundert das Jahrhundert der Hungerkrisen schlechthin war. Wie es zu diesen doch sehr konträren Forschungsmeinungen kommen kann, soll in dieser Arbeit genauer untersucht werden. Dafür werden die verschiedenen Argumente für beide Positionen, auch die von anderen Historikern, gegenübergestellt und anhand einer Quelle erläutert. Diese ist von Rodulfus Glaber, einem Chronisten aus dem 11. Jahrhundert, der eine Hungerkrise im heutigen Frankreich beschreibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Methodische Probleme

Quellenanalyse

These 1: Im Hochmittelalter herrschte eine permanent zu kurze Nahrungsdecke

These 2: es gab regional & zeitlich begrenzte Wellen von Hunger

Synthese

Fazit

Quelle

Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die konträren Forschungsmeinungen zur Ernährungslage im Hochmittelalter, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, ob es sich bei Hunger um ein permanentes Phänomen oder lediglich um regional und zeitlich begrenzte Krisen handelte.

  • Analyse der widersprüchlichen Thesen von Schubert und Schulz zur mittelalterlichen Versorgungslage.
  • Untersuchung von Rodulfus Glabers Chronik als historisches Zeugnis für Hungerkrisen.
  • Methodische Auseinandersetzung mit den Begriffen "Hunger", "Mangel" und "Nahrungsdecke".
  • Bewertung von archäologischen Funden (Skelettanalysen) im Vergleich zu schriftlichen Chroniken.
  • Diskussion der Auswirkungen von Klima, Kriege und sozialer Absicherung auf die Ernährung.

Auszug aus dem Buch

Einleitung

„Die Hungernden schreiben selten Geschichte und die Historiker sind selten hungrig“1. Mit diesen provokanten Worten wurde vor fast 30 Jahren auf die Problematik der fast ungeschriebenen Geschichte des Hungers hingewiesen und gleichzeitig festgestellt, wie schwierig ein Zugang zu dieser Geschichte ist. Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein Mensch, der kaum Nahrung sieht, andere Dinge im Sinn hat, als der Nachwelt zu hinterlassen, wie es zu dieser Situation kam und in welchem Zustand man sich befindet. Das macht es für heutige Historiker entsprechend schwer, gesicherte Informationen über Anzahl und Ausmaß von Hungersnöten sowie über die allgemeine Ernährungslage vergangener Zeiten zu erhalten, um daraus ein tieferes Verständnis für politische, wirtschaftliche aber auch kulturelle Entwicklungen zu erhalten. Schubert hat 2006 genau dies versucht und dargelegt, inwiefern der Zugang zu Nahrungsmitteln und deren Breite den Lauf der Geschichte des Mittelalters beeinflusst hat. So nachvollziehbar seine Argumente und Belege dabei für das Früh- und Spätmittelalter sind, so diskussionswürdig sind sie für das Hochmittelalter.

Die Jahre 1000–1300 sind im Vergleich zu den anderen Jahrhunderten des Mittelalters 500–1000 und 1300–1500 geprägt von einer relativen Armut schriftlicher Quellen, gerade in Bezug auf das allgemeine Thema Ernährung2. Allein diese Feststellung würde nach dem eingangs zitierten Satz zu der Erkenntnis führen, dass in dieser Zeit die Menschen besonders stark gehungert haben müssen – eine Meinung, die auch Schubert so vertritt –, wenn nicht Schulz in ihrer Arbeit das genaue Gegenteil konstatieren würde.

Sie versucht dem Mangel schriftlicher Quellen verstärkt durch archäologische Belege und Bildquellen entgegenzukommen, um daraus Erkenntnisse für die Versorgung im Mittelalter zu erlangen. Vor allem aber für das Hochmittelalter zeichnet sie dabei ein gänzlich anderes Bild und spricht von einer ausreichend guten Ernährung mit lediglich temporär und regional auftretenden Hungerkrisen, da nur so die vielen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen des Hochmittelalters erklärbar wären. Demgegenüber steht Schubert mit der Meinung, dass im ganzen Mittelalter eine permanent zu kurze Nahrungsdecke vorherrschte und gerade das 12. Jahrhundert das Jahrhundert der Hungerkrisen schlechthin war.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Sektion stellt die konträren Forschungsansätze von Schubert und Schulz zur Ernährung im Hochmittelalter vor und begründet die Relevanz der Untersuchung.

Methodische Probleme: Hier werden zentrale Begriffe wie „Hunger“, „Mangel“ und „Nahrungsdecke“ definiert und die Schwierigkeit der Quelleninterpretation im mittelalterlichen Kontext erörtert.

Quellenanalyse: Der Abschnitt befasst sich mit dem Bericht des Chronisten Rodulfus Glaber über eine Hungerkrise und hinterfragt dessen historische Glaubwürdigkeit und Intention.

These 1: Im Hochmittelalter herrschte eine permanent zu kurze Nahrungsdecke: Dieses Kapitel fasst Schuberts Argumente zusammen, die eine dauerhafte Unterversorgung und Nahrungsknappheit als Normalzustand postulieren.

These 2: es gab regional & zeitlich begrenzte Wellen von Hunger: Hier werden die Gegenargumente von Schulz präsentiert, die auf Basis archäologischer und historischer Daten zyklische statt permanente Krisen annehmen.

Synthese: In diesem Kapitel werden beide Positionen zusammengeführt und kritisch bewertet, um ein differenzierteres Bild der Ernährungssituation zu gewinnen.

Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine pauschale Aussage zur Ernährungslage unmöglich ist und schlägt eine neue, regional-differenzierte Betrachtungsweise vor.

Schlüsselwörter

Hochmittelalter, Hunger, Hungersnöte, Nahrungsdecke, Ernährung, Rodulfus Glaber, Quellenanalyse, Mangelernährung, Archäologie, Historische Anthropologie, Lebensstandard, Versorgungslage, Agrargeschichte, Sozialgeschichte, Historische Demographie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ernährungssituation im Hochmittelalter und der historischen Debatte darüber, ob die Bevölkerung in dieser Zeit unter einer permanenten Nahrungsknappheit litt oder ob Hunger lediglich ein zeitlich und regional begrenztes Ausnahmephänomen war.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Interpretation von mittelalterlichen Quellen, die Auswertung von archäologischen Skelettbefunden, die Rolle von Kirchenreformen und die gesellschaftlichen Strukturen, die Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit hatten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine Synthese der gegensätzlichen Forschungsmeinungen von Historikern wie Ernst Schubert und Anne Schulz, um die Plausibilität der jeweiligen Thesen anhand von Quellen und moderner Forschung zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und eine exemplarische Quellenkritik (am Beispiel des Chronisten Rodulfus Glaber), um die Stärken und Schwächen der vorliegenden Forschungsansätze herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Klärung von Begrifflichkeiten, die detaillierte Vorstellung der zwei gegensätzlichen Thesen sowie eine kritische Synthese, die sowohl schriftliche als auch archäologische Evidenz gegenüberstellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind das Hochmittelalter, die Nahrungsdecke, Hungerkrisen, Mangelernährung sowie die historische Quellenkritik.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Chronisten Rodulfus Glaber?

Der Autor ordnet Glabers Bericht als stark christlich gefärbte Darstellung ein, die weniger eine objektive Dokumentation als vielmehr eine didaktische Erzählung zur Bestrafung sündhaften Verhaltens durch Gott darstellt.

Warum ist die archäologische Forschung in dieser Debatte wichtig?

Archäologische Funde wie Skelettanalysen bieten eine von schriftlichen Überlieferungen unabhängige Datenbasis, um physische Spuren von Mangelernährung oder Kindersterblichkeit im Hochmittelalter zu untersuchen.

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Details

Title
Hunger im Hochmittelalter. Ein regionales Ausnahmephänomen oder permanent zu knappe Nahrungsmittel?
College
University of Cologne  (Historisches Institut)
Course
Alltag im Mittelalter
Grade
1,7
Author
Philipp Müller (Author)
Publication Year
2018
Pages
20
Catalog Number
V502624
ISBN (eBook)
9783346042750
ISBN (Book)
9783346042767
Language
German
Tags
Hunger Mittelalter Hunger im Mittelalter Hochmittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Müller (Author), 2018, Hunger im Hochmittelalter. Ein regionales Ausnahmephänomen oder permanent zu knappe Nahrungsmittel?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502624
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