Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Einfluss grenzüberschreitender Kulturprojekte auf die Herausbildung einer regionalen Identität. In Europa gab es im Laufe der vergangenen Jahrhunderte unzählige kriegerische Auseinandersetzungen, welche die Menschen und Nationalstaaten, ihre Ideologien und Ansichten stark und über Generationen nachhaltig geprägt haben. Der SaarLorLux Raum ist ein Paradebeispiel für diese Intensität der europäischen Geschichte der letzten Jahrhunderte. In der Schnittstelle zwischen germanischer und römischer Einflusssphäre ist diese Region seither vielfach als Kriegsschauplatz missbraucht worden. Die europäische Einigung ist in diesem Kontext eine der historisch längsten Phasen der persönlichen Freiheit, des Wohlstands und des Friedens. Sie gilt daher als große Chance insbesondere für die "im Herzen Europas" liegende Großregion SaarLorLux.
Der Schwerpunkt politikwissenschaftlicher Arbeiten bezüglich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit allgemein, sowie im Besonderen am Beispiel des SaarLorLux-Raumes, liegt vorwiegend auf der politischen Dimension. Es wird vor allem untersucht, inwiefern es gelungen ist, aus der wirtschaftsräumlichen Kooperationsidee der "Montanunion" ein politisches Gebilde "Großregion SaarLorLux" zu entwickeln. Die Maßnahmen, Konzepte und Strategien der Zusammenarbeit zwischen den Nachbarregionen werden zudem thematisiert. Zuletzt geht es aus einem historisch-deskriptiven Blickwinkel oft um die institutionelle Dimension, vorwiegend um die Schaffung von grenzüberschreitenden Institutionen, Behörden, Kommissionen, regelmäßigen Tagungen und Gipfeln sowie deren Zusammenarbeit und daraus abgeleitete Ziel-Ergebnis Evaluationen.
In der vorliegenden Arbeit werden diese Fragen angesichts des limitierten Umfanges weitestgehend ausgeblendet. Durch die Konzentration in der Literatur auf die politisch-institutionelle sowie wirtschaftliche und juristische Dimension gibt es zudem einen besonderen Bedarf an Arbeiten und Analysen, die sich auf den kulturellen Aspekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Großregion SaarLorLux beziehen. Es wird daher vielmehr um die Analyse der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im kulturellen Bereich gehen, sowie um die Frage, wie sich diese Zusammenarbeit auf das Regionalbewusstsein der Grenzbewohner auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlegung
2.1 Regionale, interregionale und grenzüberschreitende Identität
2.2 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
2.2.1 Probleme von Grenzregionen und Motive für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit
2.2.2 Die Euregio als besonderer Typ der Grenzregion und die INTERREG-Initiative
2.3 Großregion SaarLorLux
3. Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Praxis: Analyse des Fallbeispiels SaarLorLux
3.1 Die Praxis der Zusammenarbeit: Projektbeispiele
3.1.1 Luxemburg und die Großregion – Kulturhauptstadt 2007
3.1.2 Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum Perl
3.1.3 Interregionaler Wissenschaftspreis
3.1.4 CMGR - Kooperation für Musik in der Großregion
3.1.5 Netzwerk der Naturparke in der Großregion
3.1.6 Trilingua
3.2 Die Sprache als Barriere
3.3 Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt und die besondere Rolle Luxemburgs
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss grenzüberschreitender Kulturprojekte auf die Herausbildung einer regionalen Identität innerhalb der Großregion SaarLorLux. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob und wie gezielte Kooperationen in den Bereichen Kultur und Bildung dazu beitragen können, das Regionalbewusstsein der Grenzbewohner zu stärken und mentale Barrieren abzubauen.
- Theoretische Grundlagen regionaler Identität und grenzüberschreitender Zusammenarbeit
- Analyse der Großregion SaarLorLux als Modellraum für europäische Integration
- Evaluation von sechs spezifischen Projektbeispielen aus Kultur, Bildung und Wissenschaft
- Die Rolle der Sprache als Barriere und identitätsstiftender Faktor
- Wirtschaftliche Verflechtungen und der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Luxemburg und die Großregion – Kulturhauptstadt 2007
„Vier Länder, drei Sprachen, fünf Regionen mitten in Europa – zum ersten Mal ist eine Großregion zur Kulturhauptstadt Europas gewählt worden: Luxemburg. Rund ein Drittel der 450 Projekte und über 5000 Veranstaltungen sind grenzüberschreitend“ (Meier 2006).
Der Spiegelredakteur beginnt mit diesen Worten einen Artikel und grenzt die gesamte Tragweite der Bedeutung dieser Veranstaltung treffend ein. Dabei werden vor allem zwei Besonderheiten deutlich: Erstmals ist nicht eine Stadt sondern eine gesamte Region „Kulturhauptstadt“ und eng damit verbunden wird durch diese Neuerung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Großregion SaarLorLux stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Während dieser einjährigen kulturellen Veranstaltung gab es 555 Projekte mit insgesamt über 5.000 Einzelveranstaltungen in Luxemburg und der Großregion. Etwa 3,3 Mio. Besucher beteiligten sich an diesen Projekten und Veranstaltungen (vgl. SaarLorLux 2008: 1). Die Zielsetzungen der Kulturhauptstadt Luxemburg und Großregion 2007 (ECOC, European Capital of Culture) fasste Robert Garcia, der Generalkoordinator von Luxemburg und Großregion, Kulturhauptstadt Europas 2007, zu Beginn des Jahres 2007 wie folgt zusammen: „Das Jahr 2007 wird kein Sammelsurium aus allen nur irgendwie passenden Veranstaltungen der Großregion sein. Das Programm antwortet klar auf die zwei Zielsetzungen dieser besonderen europäischen Initiative: das kreative Potenzial einer Stadt und einer (großen) Region aufzuzeigen – mit einem speziell für das Kulturjahr herausgearbeiteten Mehrwert –, und diese „bodenständige“ Kreation mit dem Besten zusammenzuführen, was die Kunstszenen Europas und der Welt zu bieten haben.“ (Garcia zit. in SaarLorLux 2008: 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der Großregion SaarLorLux ein und formuliert die zentrale Fragestellung hinsichtlich des Einflusses von Kulturprojekten auf die regionale Identität.
2. Theoretische Grundlegung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Region und Identität sowie die Dynamiken und Motive grenzüberschreitender Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union.
3. Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Praxis: Analyse des Fallbeispiels SaarLorLux: Der Hauptteil analysiert sechs konkrete Projektbeispiele und untersucht die Bedeutung von Sprache sowie den Arbeitsmarkt für das Zusammenwachsen der Region.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass grenzüberschreitende Projekte ein entscheidendes Fundament für die regionale Integration und Identitätsbildung bilden.
Schlüsselwörter
Großregion, SaarLorLux, regionale Identität, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Kulturprojekte, INTERREG, Europäische Integration, Regionalbewusstsein, Mehrsprachigkeit, Grenzpendler, Euregio, Kulturhauptstadt 2007, Schengen-Lyzeum, Identitätsbildung, Grenzraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von grenzüberschreitenden Kulturprojekten auf die Entwicklung eines regionalen Zusammengehörigkeitsgefühls in der Großregion SaarLorLux.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die theoretischen Grundlagen der Identität, die Strukturen der grenzüberschreitenden Kooperation sowie die praktische Analyse von Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie kulturelle Projekte dazu beitragen, bei den Bewohnern der Grenzregion eine gemeinsame regionale Identität zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Sekundärliteratur und verwendet ein "Most Similar Case Design", um vergleichbare kulturelle Projekte und Kooperationen gezielt auszuwählen und zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit sechs Projekten, wie etwa der Kulturhauptstadt 2007 oder dem Schengen-Lyzeum, sowie mit der Rolle von Sprache und dem Arbeitsmarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Großregion, regionale Identität, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Mehrsprachigkeit und Europäische Integration.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der regionalen Identitätsbildung?
Sprache wird sowohl als mögliche Barriere identifiziert, deren Überwindung jedoch als Schlüsselkompetenz für die grenzüberschreitende Kommunikation und Identitätsstiftung angesehen wird.
Wie bewertet der Autor die Rolle Luxemburgs?
Luxemburg wird als wirtschaftliches Zentrum und "Konjunkturlokomotive" beschrieben, das durch seine gelebte Mehrsprachigkeit eine Vorbildfunktion für die gesamte Großregion einnimmt.
- Quote paper
- Bajram Dibrani (Author), 2013, Welchen Einfluss haben grenzüberschreitende Kulturprojekte auf die Herausbildung einer regionalen Identität?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502873