Bernhard von Clairvaux wurde von Eugen III. für die Predigt des zweiten Kreuzzugs eingesetzt, weil der Papst selbst wegen Turbulenzen in Rom verhindert war. Alle weiteren Kreuzprediger erhielten ihre Vollmacht von Bernhard. Bernhards Predigten und Briefe gingen mit den Äußerungen Eugens III. über den zweiten Kreuzzug stets „Hand in Hand“. Bernhards Schrift an die Tempelritter, De laude novae militiae, jedoch wurde bisher nur in Bezug auf den Templerorden interpretiert - das heißt als Ermunterung nach innen und Mitgliederwerbung nach außen.
Ihre Bedeutung für die Entstehung des Templerordens ist in der Forschung unumstritten. Doch sie enthält auch Elemente der Kreuzzugswerbung. Deshalb soll hier untersucht werden, ob diese Schrift inhaltlich und formal nicht nur in den Kontext des Templerordens gehört, sondern ob sie sich auch in die Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug einordnen lässt.
Diese Frage soll anhand eines Vergleichs mit dem Kreuzzugsaufruf Eugens III., Quantum predecessores, beantwortet werden. Im Zuge dieses Vergleichs sollen zunächst De laude novae militiae und Quantum predecessores quellenkritisch kurz vorgestellt werden. Anschließend soll untersucht werden, welche inhaltlichen und formalen Gesichtspunkte des Kreuzzugsaufrufs Eugens III. sich in Bernhards Schrift an die Tempelritter wiederfinden, damit abschließend beurteilt werden kann, inwieweit es sich bei ihr um Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Über die Quellen
2.1.1 De laude novae militiae
2.1.2 Quantum predecessores
2.2 Vergleich der Quellen
2.2.1 Die Adressaten der Kreuzzugswerbung
2.2.2 Der Umgang mit der Vergangenheit
2.2.3 Schilderung der gegenwärtigen Zustände
2.2.4 Die Bedeutung der Stadt Jerusalem und ihrer Umgebung
2.2.5 Die Rolle der Bibel
2.2.6 Beichte und Ablass
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Bernhard von Clairvaux‘ Schrift De laude novae militiae neben ihrer Funktion für den Templerorden auch als Element der Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug interpretiert werden kann, indem sie diese quellenkritisch mit dem Kreuzzugsaufruf Quantum predecessores von Papst Eugen III. vergleicht.
- Analyse der Schrift De laude novae militiae als Werbetext
- Vergleich mit dem offiziellen Kreuzzugsaufruf Quantum predecessores
- Untersuchung inhaltlicher und formaler Parallelen der Kreuzzugspropaganda
- Rolle der Bibel als Legitimationsinstanz für militärische Vorhaben
- Vergleich der Zielgruppenansprache und Motivationsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Adressaten der Kreuzzugswerbung
Die Inscriptio von Quantum predecessores besagt, dass neben König Ludwig VII. von Frankreich auch die Fürsten und alle Gläubigen Frankreichs im Allgemeinen adressiert sind: et universis Dei fidelibus per Galliam constitutis. Im Laufe des Textes wird jedoch deutlich, dass Papst Eugen III. nicht alle gläubigen Franzosen zu einem Kreuzzug aufruft, sondern eine bestimmte Gruppe von Personen. Er spricht besonders die Reicheren und Adligen an: maxime potentiores et nobiles sollen sich für den Kampf gegen die Ungläubigen rüsten. Er ermahnt in der Dispositio zwar mittels einer dreiteiligen Klimax (commonemus, rogamus atque precipimus) die Gesamtheit, jedoch spricht er schon zu Beginn der Urkunde in Erinnerung an die Taten der Väter von precipue Francorum regni fortissimi et strenui bellatores. Da diese bellatores als Vorbilder für die Kreuzfahrer dienen sollten, lässt sich schlussfolgern, dass Eugen III. neben den Reichen und Mächtigen vor allem auch die Tapfersten und die Tüchtigen der Franzosen erreichen wollte, damit der Kreuzzug nicht nur finanziert, sondern auch erfolgreich durchgeführt werden konnte.
Aus Bernhard von Clairvaux‘ Schrift De laude novae militiae lässt sich ebenfalls herauslesen, welche Zielgruppe er als Kämpfer – in diesem Fall Tempelritter- für den Nahen Osten bevorzugt. Im Gegensatz zu Eugen III., der vor allem die tapfersten Männer und die Nobilität anspricht (s. o.), hält Bernhard es für am vorteilhaftesten, Verbrecher in den Osten zu schicken. Die Entfernung von Räubern, Ehebrechern etc. gehe für die Gesellschaft mit zweifachem Vorteil einher: Sie würden den Westen nicht mehr belasten und hülfen dem Osten. Darüber hinaus würden sie von Gegnern (oppugnatores) Christi zu Verteidigern (propugnatores) Christi. Gemessen an Quantum predecessores entspricht diese Argumentation Bernhards folglich nicht der üblichen Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug, da diese sich an die Reichen und Mächtigen, nicht aber an Verbrecher richtete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Ausgangslage ein, stellt Bernhard von Clairvaux und Papst Eugen III. vor und definiert die Fragestellung der Arbeit bezüglich des Vergleichs der beiden Quellenschriften.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine quellenkritische Vorstellung der Texte und einen detaillierten Vergleich von Zielgruppen, historischen Argumenten, der Schilderung gegenwärtiger Krisen, der Bedeutung Jerusalems, der Verwendung der Bibel sowie der Regelungen zu Beichte und Ablass.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass trotz einiger Unterschiede in der Zielgruppenansprache und der rhetorischen Gestaltung eine deutliche inhaltliche Übereinstimmung besteht, die De laude novae militiae als Teil der Kreuzzugswerbung erkennbar macht.
4. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf, die für die Analyse der Kreuzzugsthematik und der Schriften herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Bernhard von Clairvaux, Eugen III., De laude novae militiae, Quantum predecessores, Kreuzzugswerbung, Zweiter Kreuzzug, Tempelritter, Jerusalem, Heilige Stätten, Bibelzitate, Ablass, mittelalterliches Rittertum, Kreuzzugsaufruf, Edessa, Glaubenslegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Verbindung zwischen der Schrift De laude novae militiae von Bernhard von Clairvaux und dem offiziellen Kreuzzugsaufruf Quantum predecessores von Papst Eugen III.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Themen sind Kreuzzugspropaganda, die Rolle der Tempelritter, die Bedeutung Jerusalems und die Legitimation des Kampfes gegen Ungläubige im 12. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit Bernhards Schrift über die Tempelritter in den Kontext der Werbung für den zweiten Kreuzzug eingeordnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine vergleichende Quellenanalyse an, bei der zwei bedeutende Texte in Hinblick auf inhaltliche und formale Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede untersucht werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Adressaten der Aufrufe, den Bezug zur Vergangenheit, die Darstellung der Zustände im Osten, die Rolle der Bibel zur Legitimation und die theologischen Anforderungen an die Kreuzfahrer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreuzzugswerbung, Bernhard von Clairvaux, Tempelritter, Quantum predecessores und religiöse Rechtfertigung.
Warum unterscheidet Bernhard bei der Zielgruppe zwischen Verbrechern und Eugen III. zwischen Adligen?
Bernhard verfolgt ein reformatorisches Ziel: Er möchte die Gesellschaft des Westens durch die Entsendung von Sündern entlasten, während der Papst primär auf militärische Schlagkraft und finanzielle Unterstützung durch den Adel setzt.
Welche Rolle spielt die Bibel in beiden Schriften?
In beiden Texten dient die Heilige Schrift als höchste Autorität, um den Kreuzzug moralisch zu legitimieren und die Kämpfer zu motivieren, indem auf alttestamentarische Vorbilder verwiesen wird.
- Quote paper
- Tanja Otto (Author), 2015, Bernhard von Clairvaux‘ Schrift "De laude novae militiae" als Kreuzzugswerbung. Vergleich mit dem Aufruf Eugens III. von 1145/46, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502907