Der Religionsunterricht vor und nach der Würzburger Synode


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff des Katechismus

3. Der Religionsunterricht vor der Würzburger Synode
3.1 Religionsunterricht speziell von 1933-1945
3.2 Religionsunterricht nach dem Zweiten Weltkrieg

4. Die Würzburger Synode

5. Der Religionsunterricht nach der Würzburger Synode
5.1 Der „neue“ Religionsunterricht im Kontext Kirche & Staat
5.2 Der „neue“ Religionsunterricht im Kontext Schule & Gesellschaft

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die folgende Seminararbeit handelt von der Veränderung des Religionsunterrichts im 20. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrzehnte kam es immer wieder zu gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen und somit änderten sich auch die Erwartungen und Bedürfnisse an die dazugehörige Bildungslandschaft. Besonders der Religionsunterricht mit seiner Doppelfunktion als Glaubens- und Wissensvermittler, musste sich ständigen Veränderungen und Anpassungen unterziehen. Diese Hausarbeit erläutert, in chronologischer Vorgehensweise, wie und welchen Veränderungen sich der Religionsunterricht unterzogen hat. Anhand von historisch prägnanten Ereignissen wird erklärt, welche didaktischen, pädagogischen aber auch theologischen Anpassungen stattfanden.

Zu Beginn wird der Begriff der „Katechese“ erklärt, um erste Eindrücke über das kirchliche Lehrverständnis zu bekommen. Nach dieser Einführung folgen zwei Beschreibungen des Religionsunterrichts, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Anschließend werden Sinn und Inhalte der Würzburger Synode um 1974 erläutert, da diese den eigentlichen Wendepunkt in der Religionspädagogik markierten und ein Öffnen der Kirche zur Gesellschaft und dem Bildungssystem darstellt.

Über die Gestaltung in Sachen Theologie, Pädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts im Kontext zu den Instanzen Staat und Schule wird in den beiden letzten Kapiteln Bezug genommen. Im letzten Kapitel wird nochmals deutlich, welchen theologischen und dennoch gesellschaftlichen Mehrwert der heutige Religionsunterricht mit sich bringt.

2. Begriff des Katechismus

Im Allgemeinen wird mit dem Begriff Katechese seit jeher die Glaubensweitergabe in Verbindung gebracht. Das mündliche Überliefern und Erklären der theologischen Glaubensinhalte bezog sich vor allem auf das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Zehn Gebote und die heiligen Sakramente. Diese Bibellehren zielten darauf ab, den Mensch auf den Taufakt und das Christsein vorzubereiten und ihn so zu einem Gläubigen im Sinne der Kirche zu machen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat zu dieser bis dato einseitigen und nüchternen Glaubensunterweisung, erstmals die Frage nach der Methodik der christlichen Unterweisung in den Vordergrund.

Das Augenmerk richtete sich nun auf die Art und Weise der Vermittlung und ein differenzierter Unterricht gewann an Bedeutung für die Verkündigungen der biblischen Lehre. Es ging nicht mehr nur um das reine Wissen über den christlichen Glauben, sondern auch vielmehr um die Verwirklichung des Glaubens in der eigenen Lebenswirklichkeit der Menschen. Dieser Sprung der Katechese, von der reinen Bibelkunde der Vergangenheit, hin zum realitätsbezogenen theologischen Lernen, nennt man das „Lehrstück-Katechismus“.1

Ziel des katechetischen Unterrichts, der frühen Dekaden des 20. Jahrhunderts, war es das eigene Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten, Mündigkeit zu schaffen und Familie, Beruf und Gesellschaft verantwortlich gegenüber zu treten.

Daher ist die Katechese, der Brückenschlag zwischen Glauben und Glaubenswilligen. Im Idealfall sollte diese Interaktion in einem Christenleben nie aufhören. Im Gegenteil, es sollte ein ständiger iterativer Prozess der Auseinandersetzung mit der theologischen Lehre sein, die dem Christ helfen soll, das eigene Leben und das Leben der Mitmenschen zu komplementieren.2

3. Der Religionsunterricht vor der Würzburger Synode

3.1 Religionsunterricht speziell von 1933-1945

In der frühen Hälfte des 20. Jahrhunderts, speziell in den Jahrzehnten von 1933 bis 1945, wurde der Religionsunterricht und damit auch der Religionslehrer regelrecht instrumentalisiert. Seine eigentlichen Aufgaben, nämlich der Vollzug der Katechese und den Dienst an der Gemeinde, speziell in der Unterrichtung und Einführung von Kindern und Jugendlichen zum christlichen Leben, wurden ihm entzogen.

Zwar war der Religionsunterricht seit dem 20.07.1933, nachdem Reichskonkordat zwischen Papst Pius XI und dem Deutschen Reich ein ordentliches und eigenständiges Schulfach, doch die Nationalsozialisten verletzten dieses Dekret zunehmend.

Besonders für Adolf Hitler stand die Erziehung zum vaterländischen und staatsbürgerlichen Pflichtbewusstsein im Vordergrund. Er nutze die damaligen pädagogischen Erkenntnisse, um sie seinen eigenen nationalsozialistischen Zielen dienbar zu machen. Mit zunehmender Machtexpansion der Nationalsozialisten, sank auch der Anteil am katholischen Religionsunterricht auf den Stundentafeln. Der biblisch und an Nächstenliebe ausgerichtete Religionsunterricht war in dieser Zeit des 20. Jahrhunderts vom Regime schlicht nicht mehr erwünscht.3

3.2 Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach 1945, speziell in der Wiederaufbauphase Deutschlands, wurde der Religionsunterricht im Grundgesetz verankert und in das staatlich organisierte Schulsystem eingegliedert. Ab dieser Phase wurden wieder die kirchlichen und biblischen Inhalte des Christentums gelehrt. Der Fokus lag nun wieder auf einem Erziehen und begleiten der Jugendlichen hin zu den christlichen Wer ten.4 Die Qualität des Unterrichts stieg zwar aufgrund didaktischer und pädagogischer Erkenntnisse, doch waren die Inhalte und Strukturen noch immer sehr katechetisch ausgerichtet und zielten immer noch zu stark auf die reine Glaubensweitergabe und Erschließung kirchlicher Glaubensüberzeugungen ab.5

So kam es, dass die Stimmen nach einem individuellerem und pluralistischem Religionsunterricht lauter wurden. Die Kirche als Institution, war nicht schuld am Verfallen des biblisch-religiösem Wissens, sondern die deutsche Nachkriegsgesellschaft wollte sich von diesen überholten und altmodischen Anschauungen lösen.

Es wurde von der Kirche verlangt sich kritisch mit der Historie auseinander zusetzen und sich an den Realproblemen der Gesellschaft und Schüler zu orientieren.6

Religionsunterricht sollte also nicht mehr als reine Katechese in der Schule vollzogen werden und brauchte daher eine neue Akzeptanz aus der Gesellschaft heraus. Aus diesen Bedürfnissen wuchs der Druck auf die Kirche darauf zu reagieren und die deutschen Bischöfe nahmen sich dieser Probleme in der im nächsten Abschnitt erläuterten Würzburger Synode an.

4. Die Würzburger Synode

Die Würzburger Synode, welche von 1972 – 1975 gehalten wurde, ist der Versuch die Inhalte des 2. Vatikanischen Konzils in der Bundesrepublik Deutschland zu verfestigen.7 In diesem Konzil sollte zum einen der theologische Reformgeist, sowie ein politischer und gesellschaftlicher Diskurs geführt werden. Ursprung dieser Ansätze sind u.a. die 68er-Bewegungen, das Aufbegehren gegen Autorität, der antikirchliche Zeitgeist, hohe Abmeldezahlen des Religionsunterrichts, sowie die teilweise Abschaffung der Bekenntnisschulen.

Aus dieser Ausgangssituation erarbeiteten die Bischöfe des Konzils das s. g. Konvergenzmodell, welches theologische Kernaspekte mit Gesellschaftlichen Forderungen und einer gemeinsamen Verantwortung von Staat und Kirche miteinander verbindet. Mit diesem Modell, löste sich die Kirche von einer 170-jährigen Tradition der reinen Gemeindekatechese, mit dem Ziel den Religionsunterricht methodisch, didaktisch, kritisch und reflektierend zu gestalten. Fragen nach dem Sinn des Lebens oder nach der Existenz Gottes oder was kommt nach dem Tod stehen nun im Zentrum des Unterrichts.

Dieser „aufgeklärte“ Religionsunterricht soll die jungen Menschen motivieren ihr Leben selbst religiös bestimmen zu können und nach ihrem persönlichen Glauben zu verwirklichen.8

„Für die schulische Praxis zeitigte dieser Beschluss bedeutsame Auswirkung bis in die didaktische und methodische Konzeptionen hinein, insofern er dazu anhielt, immer neu beides zu berücksichtigen und aufeinander zu beziehen, die Situation der Schülerschaft auf der einen und die Glaubensüberlieferung auf der anderen Seite. Vor allem in der Korrelations- und Symboldidaktik fand das seinen konzeptionellen Niederschlag.“9

Die Herausforderung liegt also darin, dass der Religionsunterricht in die Verantwortung der Schule gestellt wird, dennoch aber die Katechese von Kirchenseite her wahrgenommen wird, indem sie die mit der „missio canonica“10 ausgestatteten Lehrkräfte stellt .11

[...]


1 Langer, Wolfgang: Religionsunterricht in einer „nachchristlichen Gesellschaft“, hg. v. R. W. Keck, Bd. 22, Hildesheim 1985, S. 21-23.

2 Nastainczyk Wolfgang: Katechese: Grundfragen und Grundformen, hg. v. Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1 983, S. 47f.

3 Stoodt, Dieter: [Die Zeit des Nationalsozialismus] Religionsunterricht, in: Theologische Realenzyklopädie, hg. v. Gerhard Müller, Bd. 29, Berlin/New York 1998, S. 39.

4 Stoodt, Dieter: [Nach dem zweiten Weltkrieg] Religionsunterricht, in: TRE, Bd. 29, 1998 S. 39.

5 Ebd. S. 40.

6 Ebd. S. 41.

7 Läpple, Alfred / janson, Udo: Kleine Geschichte der Katechese, München 1981, S. 188.

8 Weidmann, Fritz: Religionsunterricht in Vergangenheit und Gegenwart, in: Didaktik des Religionsunterricht, 2002, S. 37-72.

9 Mette, Norbert: Religionspädagogik. Religionsunterricht in der Schule, Düsseldorf 1994, S. 209.

10 „missio canonica“ ist die amtliche Lehrerlaubnis der katholischen Kirche.

11 Lehmann, Karl:Schulischer Religionsunterricht und Gemeindekatechese, in: Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Offizielle Gesamtausgabe II, hg. v. Dr. Schlund, Freiburg im Breisgau, 1977, S.52.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Religionsunterricht vor und nach der Würzburger Synode
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Religionsdidaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V502930
ISBN (eBook)
9783346079275
ISBN (Buch)
9783346079282
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Religion, Religionsunterricht, Schule, Synode, Würzburg, Religionsdidaktik
Arbeit zitieren
Maximilian von Westerheide (Autor), 2013, Der Religionsunterricht vor und nach der Würzburger Synode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502930

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