Bitcoin als eigenständige Währung?


Bachelorarbeit, 2016

42 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aspekte einer eigenständigen Währung
2.1 Geld und Währung
2.2 Geldverfassung und Währungspolitik
2.3 Moderne IT-Technologie: Elektronisches Geld vs. virtuelle Währungen

3 Bitcoin, das digitale Zahlungsnetzwerk
3.1 Merkmale und die Technik dahinter
3.2 Entwicklung und aktuelle Ereignisse

4 Bitcoin im Vergleich mit eigenständigen Währungen
4.1 Vergleich der geldtheoretischen Aspekte
4.2 Ausgewählte Aspekte der Blockchain-Technologie
4.3 Folgerung

5 Schlussbetrachtung

IV Literaturverzeichnis

V Anhang

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Zusammensetzung von Zentralbankgeld

Abbildung 2 P2P-Netzwerk Modell

Abbildung 3 Bitcoin Price Index von Juli 2010 bis März 2016

Abbildung 4 Volumen der weltweiten täglichen Transaktionen mit verschiedenen Zahlungssystemen im Vergleich; Stand 10. August 2014

Abbildung 5 Bitcoin Preis Index von April 2015 bis März 2016 in US-Dollar

Abbildung 6 Vergleich der Privatsphäre bei herkömmlichen Währungen(oben) und bei Bitcoin (unten)

Abbildung 7 Anzahl an erzeugten Bitcoins von Beginn bis Januar 2016

Abbildung 8 Anzahl von Bitcoins über die Jahre

Abbildung 9 Bitcoin Network Statistiken; Stand 12.04.2016

Abbildung 10 Volatilität in Prozent von verschiedenen Währungen mit dem US-Dollar als Basis im Durchschnitt der letzten 60 Jahre

Abbildung 11 Anzahl täglicher Transaktionen mit Bitcoin (inklusive Handel mit Bitcoin) seit Erschaffung

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Als Antwort auf die weltweite Finanzkrise mit dem Höhepunkt im Jahr 2008 erschuf eine Person oder Gruppe mit dem Künstlernamen Satoshi Nakamoto das Konzept Bitcoin. Es beschreibt ein dezentrales, digitales Bezahlungssystem, das Transaktionen direkt vom Sender zum Empfänger ermöglicht. Mithilfe der durch Bitcoin etablierten Blockchain-Technologie sollen die Vorteile von (Fiat-)Währungen1 übernommen und Schwachpunkte ausgebessert werden. Zum Beispiel soll durch Kryptographie das bisher benötigte Vertrauen in die Handlung der Finanz-Institute überflüssig werden – das Bitcoin-Netzwerk beinhaltet keine derartigen Drittanbieter. Die bisherige Herausforderung der Wertstabilität soll mithilfe einer begrenzten Menge an möglichen Bitcoin-Einheiten gelöst werden.

In den Anfangsjahren 2009 bis 2012 war die Ausbreitung von Bitcoin noch gering. Erst durch die stetig wachsende Community und dem dadurch generierten Medienecho wurde den Bitcoin-Einheiten ein monetärer Wert zugesprochen - Es folgten einige (Kurs-)Höhen, aber auch Rückschläge. Das Open-Source-Projekt befindet sich seitdem in stetiger Weiterentwicklung, um seinen Standpunkt als Finanz-Innovation in der zunehmenden digitalen Welt zu etablieren.

Behörden und Finanzinstitute sind sich allerdings noch nicht einig, wie Bitcoins aufsichtlich2 eingeordnet werden. In den USA wird ermittelt, ob Bitcoin als Währung/Geld, als Wert oder Handelsgut gesehen werden soll.3 Nach der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist Bitcoin „als Finanzinstrument in der Form von Rechnungseinheiten“4 zu betrachten. Bitcoins werden üblicherweise nicht gekauft, um sie als Geldanlage zu nutzen, wie beispielsweise ein Eigentumshaus. Aus diesem Grund ist für den Autor die Behandlung von Bitcoin als Ware oder Handelsgut nicht plausibel. Da Bitcoins ausschließlich digital existieren und keinen speziellen Nutzen wie eine Dienstleistung hat, ist auch die Definition als Wert nicht sinnvoll. Die hauptsächliche Verwendung des Bitcoin-Systems dient im Sinne der BaFin-Definition dem Kauf und Verkauf von Gütern. Damit konkurriert es mit dem herkömmlichen (gesetzlichen) Zahlungsmittel für Güter – der Währung. Bitcoin wird bereits von Enthusiasten für den Kauf und Verkauf genutzt. Ist jedoch auch eine allgemein anerkannte Nutzung von Bitcoin in Betracht zu ziehen bzw. möglich? In der vorliegenden Arbeit wird analysiert, ob Bitcoin eine eigenständige Währung darstellen kann. Als Maßstab dienen starke (Fiat-)Währungen, wie der Euro und US-Dollar.

Um eine kontextuelle Einordnung von Bitcoin vorzunehmen, werden zunächst die geldtheoretischen Grundlagen einer modernen Währung erläutert. Die Leitfragen des ersten Kapitels sind daher: Was ist Geld und wann wird es zu einer Währung? Wie gestaltet sich das Geldwesen bei herkömmlichen Währungen und wie wird es gesteuert? Welchen Einfluss hat moderne IT-Technologie auf Geld?

Anschließend wird das Wesen von Bitcoin als digitales Zahlungsnetzwerk in Bezug auf Merkmale und Technik beschrieben. Im zweiten Kapitel werden folgende Fragen geklärt: Was ist Bitcoin? Wie funktioniert ein dezentrales Bezahlungssystem? Welche Ereignisse gab es seit der Erschaffung von Bitcoin und wie verhielt sich bisher der Wechselkurs zu herkömmlichen Währungen?

Das letzte Kapitel dient zur Klärung der Forschungsfrage „Bitcoin als eigenständige Währung?“. Zuerst werden die in Kapitel 1 erläuterten Aspekte einer eigenständigen Währung mit den Eigenschaften von Bitcoin verglichen. Erfüllt Bitcoin alle Funktionen von Geld und alle Anforderungen an eine Währung? In welchem Maße erfüllt es die Anforderungen? Zusätzlich wird die Eignung und Existenz von Bitcoin sowohl als elektronisches Geld als auch als virtuelle Währung, und die daraus resultierenden Folgen, geprüft. Die Blockchain-Technologie wird anschließend als alleinstehende Finanz-Innovation betrachtet und ein möglicher Einsatz, unabhängig von Bitcoin, diskutiert. In der Folgerung werden die Zwischenergebnisse des Vergleichs präsentiert und mithilfe verschiedener Expertenaussagen eine abschließende Aussage über die Möglichkeit von Bitcoin als eigenständige Währung getroffen.

2 Aspekte einer eigenständigen Währung

2.1 Geld und Währung

Geld ist das in einer Gesellschaft anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel.5 Geld erhält also erst einen Wert, wenn es gesetzlich als Zahlungsmittel akzeptiert ist. Man spricht auch von der Neutralität des Geldes: Geld allein ist neutral und wertlos. Es wird erst wertvoll gegenüber einer Ware oder Dienstleistung, die man erwerben will. Geld erfüllt verschiedene Funktionen. Als vorrangiger Zweck ersetzt Geld als Zahlungs-bzw. Tauschmittel den direkten Naturaltausch. Es erleichtert dadurch den Tauschvorgang, indem nicht mehr wie in früheren Zeiten Ware gegen Ware getauscht wird, sondern Ware gegen die entsprechende Geldeinheit, die in den meisten Fällen deutlich „handlicher“ ausfällt. Um Güter wertig und vergleichbar zu machen, dient Geld als Recheneinheit und Vergleichsmaßstab für die Menge von Lohnarbeit, Waren und Dienstleistungen, die damit entlohnt bzw. erworben werden kann. Damit Kauf und Verkauf nicht immer zum selben Zeitpunkt stattfinden müssen, fungiert Geld als Wertaufbewahrungsmittel. Geld speichert den Gegenwert eines Gutes und ermöglicht so eine Zeitüberbrückung bis zum gewünschten Konsum. Um diese Funktionen zu erfüllen, muss Geld vor allem wertbeständig sein. Was bei Edelmetallen wie Gold durch die Seltenheit in Verbindung mit dem Herstellungsaufwand gegeben ist, wird bei Geld durch Vertrauen erreicht. Die Europäische Zentralbank fasst zusammen: „Geld wird nur akzeptiert, wenn alle Besitzer von Geld darauf vertrauen können, dass es seinen Wert behält.“6

Geld kann verschiedene Formen annehmen. Zum einen ist es als Papiergeld bzw. Banknote im Umlauf. Es stellt ein „[…] schriftlich fixiertes Versprechen dar, dass eine Person einer anderen Person einen bestimmten Betrag schuldet.“7 Zum anderen existiert Geld heutzutage auch in bargeldloser, unverbriefter und nicht-stofflicher Form, Giralgeld genannt. Um damit zu wirtschaften, ist kein konkretes Geld erforderlich. Das bloße Zahlungsversprechen auf dem Girokonto in Form eines Zahlungseingangs und Guthabens ist ausreichend. Notwendig ist nur ein Medium zum Abrufen der Information, wie eine Giro-Karte. Da die Information ausreicht, spricht man von virtuellem Geld. Trotz zunehmender Virtualisierung von Geld, sind gesetzliche Zahlungsmittel weiterhin ausschließlich Münzgeld und Banknoten, also Bargeld.

Die Währung eines Landes ist die konkrete Geldeinheit, die der Staat zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Die Währungseinheiten dürfen ausschließlich von der Zentralbank emittiert werden (z.B. Münzen und Noten der EZB für das Europäische Währungsgebiet). Zur Währung zählt somit nur das Bargeld. Andere Formen von Geld, wie das Giralgeld, erfüllen zwar ebenfalls die Geldfunktion, werden aber nicht staatlich bereitgestellt und zählen somit nicht zur Währung.

2.2 Geldverfassung und Währungspolitik

Geld unterliegt rechtlichen und institutionellen Regelungen. Ein Land fasst die Gesamtheit seiner Regelungen unter der Geldverfassung (oder auch Geldwesen) zusammen. Ein grundlegender Aspekt einer modernen Geldverfassung ist die Stellung der Zentralbank (ZB) als zentrales Organ zur Steuerung der Wirtschaftspolitik. Die Maßnahmen zur Regulierung des Geldwesens werden in der Währungspolitik zusammengefasst. Es existieren heutzutage zwei Denkweisen, warum sich dieses Organ in modernen Volkswirtschaften etabliert hat.

Zum einen besteht die marktrevolutorische Sichtweise. Sie beschreibt die Konzentration des Geldwesens in den Händen einer Zentralbank durch einen Evolutionsprozess des Bankensystems, der zur Übertragung einzelwirtschaftlicher Entscheidungskompetenzen auf eine zentrale regulierende Institution als Bank der Banken geführt hat. Zwei Gründe dafür seien zum einen die Tendenz zum natürlichen Monopol in der Banknotenproduktion, aber auch eine grundlegende Furcht vor Bankenpaniken. Beide Gründe haben sich allerdings in der Historie meistens nicht gesondert herausgestellt.8

Zum anderen geht man in der staatskonstruktivistischen Sichtweise davon aus, dass „Zentralbanken als Ergebnis staatlicher Regulierungen des Bankensystems oder öffentlicher Privilegierungen einzelner Geschäftsbanken [, wegen] fiskalischer oder allgemein-politischer Motive […]“9 entstanden sind.

Insgesamt hat sich historisch, vor allem in Europa, gezeigt, dass Zentralbanken eher als Ergebnis staatlicher Eingriffe, verbunden mit größtenteils fiskalischem Interesse des Staates, und somit durch staatskonstruktivistische Positionen, gegründet wurden.10 Die staatlichen Eingriffe in das Geldwesen werden unter der Währungspolitik zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Zusammensetzung von Zentralbankgeld

Quelle: Deutsche Bundesbank

Die institutionierende Währungspolitik, umgangssprachlich Geldpolitik genannt, beschreibt die nationalen Maßnahmen zur Stabilisierung des Geldwesens. Die Zentralbank kann diese Maßnahmen aufgrund ihrer Monopolstellung auf die Emission von Zentralbankgeld, das allgemein anerkannte Tauschmittel des Landes, durchführen. Zum Zentralbankgeld gehören das Bargeld und Einlagen bei der ZB von Geschäftsbanken in Form von Sichtguthaben (siehe Abbildung 1).

Die Maßnahmen der Geldpolitik umfassen die Anordnung zur Haltung einer Mindestreserve (1), die Kreditvergabe an Banken (2) und die Regulierung der Zinsen (3).

(1) Die Geschäftsbanken sind dazu angehalten, für Liquiditätszwecke eine Mindestreserve bei der Zentralbank zu halten. Sie sollen das Geldmarktsystem stabilisieren (Stichwort Bank-Run) und gleichzeitig eine konstante Nachfrage im Interbanken-Zahlungsverkehr nach Zentralbankgeld bzw. nach Reserven bei der Zentralbank erzeugen. Die Nachfrage entsteht durch die Eigenschaft der ökonomischen Finalität von Zentralbankgeld. Denn bei Schecks, Überweisungen etc. werden lediglich Ansprüche an den Besitzer des Bezahlungssystems gestellt, welche überwiegend die Geschäftsbanken sind. Sie rechnen wegen der Mindestreservepflicht einen Teil der Ansprüche mit Einlagen bei der Zentralbank ab. Ansonsten besteht ein gewisses Kredit- und Liquiditätsrisiko. Ökonomische Finalität ist dabei von rechtlicher Finalität zu unterscheiden, denn letztere können auch andere Zahlungsmittel bieten.
(2) Das Transaktionsvolumen des Geldes einer modernen Volkswirtschaft ist deutlich größer als der vorhandene Bargeldbestand. Die Deckung der Geldnachfrage erfolgt durch den Prozess der Geldschöpfung mittels Kreditvergabe. Für die Liquiditätsversorgung des Finanzsektors vergibt die ZB mithilfe der Offenmarktgeschäfte und ständigen Fazilitäten kurzfristige Kredite an die Geschäftsbanken (Schöpfen von Zentralbankgeld). Die Banken wiederrum vergeben Kredite an Nichtbanken (aktive Schöpfung von Geschäftsbankengeld). Die passive Geschäftsbankengeldschöpfung erfolgt durch Einlagen der Banken bei der ZB und der Nichtbanken bei den Banken.
(3) Die Menge des geschöpften Geldes bestimmt die ZB indirekt durch den Leitzins. Zinsen bestimmen allgemein die Kosten von Geld bzw. von Krediten. Der Leitzins bestimmt die Kosten, die für Geschäftsbanken anfallen, um Zentralbankgeld (in Form von Krediten bzw. Einlagen) zu halten. Der Leitzins bestimmt dadurch indirekt die Konditionen der Kreditvergabe von Geschäftsbanken an Nichtbanken. „Hohe Zinsen […] machen Sparen attraktiver und verteuern kreditfinanzierte Anschaffungen“11, was mit weniger Konsum und einem Rückgang des Preisniveaus einhergeht. Konträr dazu schaffen „niedrige Kreditzinsen […] Anreize, Investitions- oder Konsumkredite aufzunehmen“12, wodurch der Konsum angeregt wird.

Das Ziel der geldpolitischen Maßnahmen ist im Fall der Europäischen Zentralbank (EZB) ein stabiler Geldwert, und damit Preisstabilität, im Euro-Raum. Die Preisstabilität bezieht sich dabei immer auf die Verbraucherpreise und wird anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessen. Der Anstieg sollte nicht über zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen.13 Durch hohe Preisstabilität wird auch eine hohe inländische Kaufkraft erreicht, da die Inflation im Inland geringer als die Inflation im Ausland ansteigt und die Währung dadurch wertiger wird.

Die funktionelle Währungspolitik beschreibt die internationalen Maßnahmen zur Stabilisierung des Geldwesens. Volkswirtschaften mit einer unterschiedlichen Währung regeln ihre Beziehung zwischen den Währungen mit einer Währungsordnung. Sie umfasst die drei Module Konvertibilität, Wechselkursgestaltung und Institutionelle Ausgestaltung.

Die Konvertibilität beschreibt die Austauschbarkeit der Währung, also ob und in welchem Maße Währungen gegenseitig austauschbar sind. „Die Austauschmöglichkeit kann einseitig oder zweiseitig sein. Dürfen Währungen nur von Ausländern getauscht werden, spricht man von Ausländer-Konvertibilität, dürfen nur Inländer tauschen, handelt es sich um eine Inländer-Konvertibilität.“14 Liegen keine Beschränkungen in Höhe und Richtung des Tausches vor, existiert zwischen den entsprechenden Währungen volle Konvertibilität, wie es z.B. beim Euro der Fall ist.

Die Wechselkurse zwischen zwei Währungen können fest oder flexibel sein. Bei flexiblen Wechselkursen wird der Kurs durch Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt bestimmt. Wird eine Währung vermehrt nachgefragt und somit gekauft, steigt deren Kurs - die Währung wird aufgewertet (Kursanstieg). Wird sie weniger nachgefragt, sinkt auch der Wert und die Währung wird abgewertet (Kursrückgang). Die gleiche Logik gilt auch für ein sinkendes bzw. steigendes Angebot einer Währung auf dem Devisenmarkt. Da das Verhalten auf dem Devisenmarkt nicht immer vorhersehbar ist, besteht bei flexiblen Wechselkursen ein gewisses Kursrisiko, das zu Unsicherheit führen kann. Dafür fungieren sie als automatische Stabilisatoren bei Nachfrageschocks und ermöglichen geldpolitische Autonomie.

Im Gegensatz dazu werden feste Wechselkurse durch politische oder administrative Beschlüsse festgelegt. Der Kurs wird dabei von der Regierung bzw. Notenbank bestimmt. Bei Änderungen von Nachfrage und Angebot auf dem Devisenmarkt muss die Notenbank mittels Stützungskäufen bzw. –verkäufen intervenieren, um eine Auf- bzw. Abwertung der Währung auszugleichen. Dafür ist bei festen Wechselkursen das Kursrisiko durch Vermeidung von Schwankungen gering und die Stabilität durch Planbarkeit hoch.15

Die institutionelle Ausgestaltung beschreibt die Ordnung und Organisation des Währungssystems, speziell der Zentral- oder Notenbank. Sie kann als Einrichtung der Regierung von ihr abhängig oder von der Regierung getrennt und unabhängig sein. Außerdem gibt es verschiedene Formen der Einbindung einer Notenbank in das supranationale oder internationale Währungssystem.

Neben den vorherrschenden Geldverfassungen mit einer ZB als oberste Instanz des Geldwesens existieren auch Alternativen. Sie werden als Laissez Faire (dt.: „treiben lassen“) Geldverfassungen bezeichnet. Die Bezeichnung wurde vermutlich durch die gemeinsamen Grundbedingungen der Laissez Faire Verfassungen abgeleitet: Es gibt keine staatliche Zentralnotenbank (die Basisgeld produziert); Geschäftsbanken können ohne Beschränkungen gegründet werden; Geschäftsbanken unterliegen keinerlei Regulierungen hinsichtlich der von ihnen angebotenen und nachgefragten Finanztitel; Zinssätze werden nicht staatlich kontrolliert (weder direkt noch indirekt durch die Geldpolitik); Es existiert weder eine staatliche Einlagenversicherung noch für Geschäftsbanken die Verpflichtung zur Haltung von Mindestreserven. In der Literatur werden zwischen drei Laissez Faire Arten unterschieden, wobei aber nur die erste historisch schon eingesetzt wurde:

(1) Beim modernen Free Banking Ansatz produziert jede Bank ihre eigenen, in derselben Recheneinheit nominierte, Banknoten und Bankdepositen. Die Banknotenproduktion ist also privaten Geschäftsbanken übertragen, die im Wettbewerb miteinander stehen. Es besteht dafür eine gemeinsame Geldbasis, deren Umfang aber politisch nicht beeinflussbar ist, wie z.B. Gold.16
(2) Der Währungswettbewerb beschreibt eine Geldverfassung mit in unterschiedlichen Recheneinheiten nominierten Banknoten. Jede Bank produziert dementsprechend ihr eigenes Basisgeld, das ohne die Grundlage eines Reservemediums auskommt. Diese Verfassung ist ressourcensparender als der Free Banking Ansatz, allerdings entstünden auch für jedes Gut Preise in unterschiedlichen Recheneinheiten.17
(3) In der Geldverfassung der New Monetary Economics gibt es dagegen gar kein einlösbares Basisgeld. Es bestehen als Zahlungsmittel nur noch „Forderungen gegenüber Geschäftsbanken, die in derselben, staatlich definierten Recheneinheit nominiert sind. […] Als Rechenmittel fungiert ein reiner numéraire, der […] physisch nicht existiert. […] Die Geschäftsbanken investieren die ihnen zufließenden Mittel in Ertrag bringende Aktiva. Sie begleichen Zahlungssaldi untereinander durch Austausch eines bilateral zwischen ihnen vereinbarten Aktivums (Gold, Platin, Wertpapiere usw.), wobei die Bewertung dieser Aktiva in Einheiten des gesetzten numéraires erfolgt.“18

2.3 Moderne IT-Technologie: Elektronisches Geld vs. virtuelle Währungen

Die Zahlungssysteme befinden sich seit der stark zunehmenden Digitalisierung im Wandel. Unter dem Begriff Zahlungsverkehrsinnovation werden neue, teils vollständig digitale Systeme, zusammengefasst. Indes muss zwischen elektronisch gespeichertem Geld (e-money) und digitalen Instanz-unabhängigen Geldeinheiten (virtuelle Währungen) unterschieden werden.

Die Europäische Zentralbank definiert elektronisches Geld „as an electronic store of monetary value on a technical device that may be widely used for making payments to undertakings other than the issuer without necessarily involving bank accounts in the transaction as prepaid bearer instrument “19.

Dabei handelt es sich also um elektronische Bezahlsysteme, die nicht zwingend eine herkömmliche Bank-Instanz als vorausbezahlte Inhaberinstrumente (Guthaben auf dem Konto) benötigen.

Elektronisches Geld hat zwei Erscheinungsformen20. Die kartenbasierten Produkte sind Guthaben auf vorausbezahlten bzw. aufgeladenen Plastikkarten (mit Chip oder Magnetstreifen), auf denen die entsprechenden Geldeinheiten gespeichert sind. Die softwarebasierten Produkte (auch Netzgeld genannt) sind ausschließlich elektronisch gespeicherte Geldeinheiten, die mithilfe von Telekommunikationsnetzwerken (z.B. über das Internet) übertragen werden. Die Grenzen können allerdings auch verschwimmen, z.B., wenn kartenbasierte Produkte auf softwarebasierte Produkte übertragen werden. Vollmer stellt bereits vor 10 Jahren eine Verbreitung von elektronischem Geld fest und prognostiziert bereits bedingt durch die zunehmende Verwendung von IT eine stetig wachsende Verwendung.21 Mit der Verbreitung von elektronischem Geld erhalte auch die Frage nach der Funktionsfähigkeit einer Laissez Faire Geldverfassung an Bedeutung.22 Eine zentrale Instanz für die Notenemission, wie eine ZB, ist bei e-money hinfällig. In Kapitel 2.3 wurde bezüglich der Alternativen Geldverfassungen erläutert, dass der Wegfall dieser Instanz eine Grundvoraussetzung des Laissez Faire Systems ist. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass durch den elektronischen Handel die Funktion des Geldes als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel überflüssig wird und nur noch die Funktion als Recheneinheit bestehen bleibt23.

Damit e-money das Bargeld in seiner Funktion ersetzen kann, muss es einige Voraussetzungen erfüllen: (1) E-Money muss im erhöhten Maße fälschungssicher sein. Dazu gehört vor allem der Schutz vor Manipulation, was ein allgegenwertiges Risiko in digitalen Systemen ist. (2) Die E-Geldeinheiten müssen teilbar, in andere Währungen konvertierbar und umlauffähig sein, ähnlich wie die Rechen- und Tauschmittelfunktion von Geld. (3) Bei digitalen Bezahlungssystemen darf es nicht zu einer Mehrfachausgabe, bekannt als Double-Spending, kommen. Das bedeutet, dass es nicht gleichzeitig mehr als einmal übertragen und damit endlos vervielfacht werden darf - bei herkömmlichen Währungen überwacht das meist eine eigene Instanz. (4) Der Preis bzw. die Kosten dürfen für den Nutzer nicht zu hoch sein, darunter zählen sowohl Transaktionsgebühren als auch transaktionsunabhängige Kosten, wie die Beschaffung erforderlicher Hardware/Software. (5) Eine Transaktion sollte nur eine geringe Zahlungsverzögerung aufweisen. (6) Die Benutzung des Systems muss einfach und nachvollziehbar sein. (7) Das System muss hochverfügbar sein. (8) E-money muss dem Nutzer Anonymität gewähren. Das bedeutet, dass es unverfolgbar, unverknüpfbar und vom Herausgeber signiert sein muss. Diese Bedingung hat für Zahler und Empfänger gleichermaßen Bedeutung. Wirtschaftssubjekte haben einen grundsätzlichen Bedarf an Anonymität, nicht nur wegen Illegalität, sondern auch für unerwünschte nachträgliche Rechenschaft für legale Transaktionen.

Im Gegensatz zu e-money sind virtuelle Währungen an keinen realen monetären Wert gebunden. Die EZB definiert sie „as a digital representation of value, not issued by a central bank, credit institution or e-money institution “24. Die Einheiten der virtuellen Währungssysteme (VCS) sind ausschließlich digital vorhanden und werden nicht von einem Institut aus dem Bankensektor erzeugt. VCS werden in drei Arten unterteilt.25 Die erste Art sind geschlossene VCS, die nicht mit Real-Geld verbunden sind. Hierunter zählen vor allem sogenannte Ingame-Währungen in Computerspielen. Sie haben als einzige der drei Arten keinen wirtschaftlichen Einfluss. Die nächste Stufe stellen VCS dar, die als „Einseitige Systeme“ bezeichnet werden, da die virtuellen Währungseinheiten für den Kauf von virtuellen oder realen Gütern verwendet werden, aber nicht mit anderen Nutzern oder zurückgetauscht werden kann. Dazu zählen unter anderem die Amazon Coins oder auch alle typischen Bonusprogramme wie Lufthansa Miles&More. Die wirtschaftlich-einflussreichste Art sind „Zweiseitige VCS“, wo die virtuelle Währungseinheit für den Kauf von virtuellen oder realen Gütern verwendet werden oder auch zu flexiblen Wechselkursen gegen reales Geld getauscht werden kann. Diese Art unterteilt sich nochmals in zentrale Systeme, wo aufgrund der zentralen Verwaltung kein kryptographischer Aufwand anfällt, und dezentrale Systeme, die auch als sogenannte Kryptowährungen bezeichnet werden.

[...]


1 Fiat-Währungen sind Währungen, bei denen die Geldeinheiten keinen eigenen (Tausch-)Wert besitzen. Der Wert der Geldeinheiten wird ausschließlich durch die Regierung gesichert.

2 „aufsichtlich“ im Sinne von „Aufsicht“; Quelle: BaFin

3 Vgl. (o.V., BTC-Echo, kein Datum)

4 (Münzer, 2013)

5 Vgl. (Springer Gabler Verlag (Herausgeber), kein Datum)

6 Vgl. (Deutsche Bundesbank, kein Datum)

7 Vgl. (Wildmann, 2007, S. 110)

8 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 28 ff.)

9 Vgl. ebenda

10 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 41)

11 (Deutsche Bundesbank, kein Datum)

12 ebenda

13 (Europäische Zentralbank, 2004)

14 (Wildmann, 2007, S. 191)

15 Vgl. (Wildmann, 2007, S. 191 ff.)

16 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 43 f.)

17 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 44 f.)

18 (Wildmann, 2007, S. 45)

19 (Europäische Zentralbank, 1998, S. 5)

20 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 46)

21 Vgl. ebenda

22 Vgl. (Vollmer, 2004, S. 45)

23 Vgl. ebenda, S.46

24 (Europäische Zentralbank, 2015, S. 4)

25 Vgl. (Europäische Zentralbank, 2015, S. 6 f.)

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Bitcoin als eigenständige Währung?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
42
Katalognummer
V503070
ISBN (eBook)
9783346047366
ISBN (Buch)
9783346047373
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bitcoin, Geldtheorie, Geldpolitik, Weltwährung
Arbeit zitieren
Marcel Kleber (Autor), 2016, Bitcoin als eigenständige Währung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503070

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