Welche Relevanz haben soziale Disparitäten im Hinblick auf die Inskription an der Hochschule für österreichische Studierende von heute im Vergleich zur Zeit der Bildungsexpansion in den 1960er-Jahren? Diese Forschungsfrage wurde in der vorliegenden Arbeit neben der Aufarbeitung der Quellen- und Forschungsliteratur zur Thematik mit Hilfe einer empirischen Untersuchung geklärt.
Die jüngsten Erhebungen der STATISTIK AUSTRIA, der österreichischen Bundesanstalt für Statistik, lassen erkennen, dass die Anzahl an Studierenden an österreichischen Universitäten weiterhin im Wachsen begriffen ist. Im Studienjahr 2017/2018 waren insgesamt 303.757 Studierende inskribiert. Davon waren von den inländischen ordentlichen Erstimmatrikulierten 55,8% Frauen und 44,2 % Männer. Die Studierendensozialerhebung der IHS, dem Institut für höhere Studien, aus den Jahren 2014/15 wiederum zeigt, dass 28% der Befragten mindestens einen Elternteil mit Hochschulabschluss haben – bei weiteren 33 % haben die Elternteile die Matura als höchste Schulbildung, und bei den restlichen 39 % liegt die höchste Schulbildung der Eltern unter dem Maturaniveau. Zu der kleinsten Gruppe unter den StudienanfängerInnen gehören die Kinder aus Akademikerfamilien.
Faktisch ist zu sehen, dass soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft bestehen, die sich auch im tertiären Bildungswesen widerspiegeln. Die soziale Herkunft spielt ebenso wie ein Migrationshintergrund eine Rolle, wenn es darum geht, sich für ein Studium zu inskribieren. Dieses Phänomen der sozialen Ungleichheit beim Bildungserwerb lässt sich, wie die Literatur deutlich macht, hauptsächlich durch zwei Erklärungsansätze erläutern, nämlich durch den kulturellen Reproduktionsansatz auf der einen Seite und den „Rational-Choice“-Ansatz auf der anderen.
Das Bildungswesen ist trotz seiner Diversität sozial selektiv, denn bereits nach der Grundschule entstehen soziale Ungleichheiten, die im Verlauf der Bildungskarrieren noch verstärkt werden. Kinder aus sozioökonomisch niedrigeren Schichten besuchen mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit das Gymnasium als Kinder aus höheren Schichten. Kinder aus der Arbeiterschicht weisen eine eher geringere Wahrscheinlichkeit auf, die Hochschulzugangsberechtigung zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1 Zielsetzung der Bachelorarbeit
- 1.2 Aufbau der Bachelorarbeit
- 2. Theoretische Basis
- 2.1 Soziale Herkunft und soziale Disparitäten
- 2.2 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
- 2.3 Bildungsexpansion
- 2.3.1 Ursachen der Bildungsexpansion
- 2.3.2 Exkurs zum historischen Hintergrund der Bildungsexpansion
- 2.3.3 Folgen der Bildungsexpansion
- 2.4 Effekte der sozialen Ungleichheit im Bildungsweg
- 2.5 Soziale Ungleichheit und der Übergang ins Studium
- 3. Empirischer Teil
- 3.1 Forschungsdesign
- 3.1.1 Erhebungs- und Auswertungsmethode
- 3.1.2 Kriterien des Fragebogens
- 3.1.3 Stichprobe
- 3.1.4 Hypothese
- 3.1.5 Aufbau des Fragebogens
- 3.2 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
- 4. Beantwortung der Forschungsfrage
- 5. Fazit
- 5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
- 5.2 Limitationen der Untersuchung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit analysiert die soziale Ungleichheit im tertiären Bildungssektor in Österreich. Dabei wird der Fokus auf die Frage gelegt, ob Chancengleichheit bei der Hochschulinskription tatsächlich gegeben ist, insbesondere im Vergleich zur Zeit der Bildungsexpansion.
- Soziale Herkunft und ihre Auswirkungen auf den Zugang zur Hochschulbildung
- Die Rolle von Bildungsexpansion und deren Folgen für soziale Ungleichheit
- Analyse von Primär- und Sekundäreffekten der sozialen Herkunft auf den Bildungsweg
- Die Bedeutung von institutionellen Strukturen und Regelungen des Bildungssystems
- Empirische Untersuchung der sozialen Disparitäten bei der Hochschulinskription
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in die Thematik ein und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Bachelorarbeit. Kapitel 2 befasst sich mit der theoretischen Grundlage, indem es soziale Herkunft, soziale Disparitäten und Bildungsexpansion im Detail beleuchtet. Hier werden auch die Primär- und Sekundäreffekte der sozialen Herkunft sowie die Folgen der Bildungsexpansion untersucht. Kapitel 3 präsentiert den empirischen Teil der Arbeit, der das Forschungsdesign, die Erhebungs- und Auswertungsmethode, die Stichprobe, die Hypothese und den Aufbau des Fragebogens beschreibt. Des Weiteren werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung dargestellt und interpretiert. Kapitel 4 befasst sich mit der Beantwortung der Forschungsfrage, während Kapitel 5 ein Fazit zieht und die Ergebnisse zusammenfasst. Zudem werden Limitationen der Untersuchung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Bildungsexpansion, tertiäres Bildungswesen, Hochschulinskription, soziale Herkunft, Bildungsweg, empirische Untersuchung, Österreich, Disparitäten, Zugang zur Hochschule, Studienanfänger.
Häufig gestellte Fragen
Besteht in Österreich echte Chancengleichheit beim Hochschulzugang?
Die Arbeit zeigt, dass soziale Herkunft und Bildungshintergrund der Eltern nach wie vor eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für ein Studium spielen.
Was versteht man unter primären und sekundären Herkunftseffekten?
Primäre Effekte beziehen sich auf die schulische Leistung; sekundäre Effekte auf die Bildungsentscheidungen der Eltern, die oft unabhängig von der Leistung getroffen werden.
Wie hat die Bildungsexpansion der 1960er Jahre die Situation verändert?
Obwohl die Gesamtzahl der Studierenden massiv gestiegen ist, blieb die soziale Selektivität im Bildungswesen in hohem Maße bestehen.
Welche Rolle spielt der "Rational-Choice"-Ansatz in der Bildung?
Dieser Ansatz erklärt Bildungsentscheidungen als Kosten-Nutzen-Abwägung, bei der Kinder aus niedrigeren Schichten das Risiko eines Scheiterns oft höher bewerten.
Wie viele Studierende in Österreich stammen aus Akademikerfamilien?
Laut Studierendensozialerhebung haben etwa 28% der Befragten mindestens einen Elternteil mit Hochschulabschluss; Kinder aus Akademikerhaushalten sind damit eine Minderheit unter den Anfängern.
Führt ein Migrationshintergrund zu zusätzlicher Benachteiligung?
Ja, die Arbeit identifiziert den Migrationshintergrund neben der sozialen Herkunft als einen Faktor, der die Wahrscheinlichkeit einer Hochschulinskription beeinflusst.
- Quote paper
- Emina Malkic (Author), 2019, Chancengleichheit im tertiären Bildungssektor? Relevanz sozialer Disparitäten bei der Hochschulinskription, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503102