Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political systems in general and in comparison

Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Transformationssystemen vor dem Hintergrund des kollektivistischen Erbes

Title: Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Transformationssystemen vor dem Hintergrund des kollektivistischen Erbes

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jan Trützschler (Author)

Politics - Political systems in general and in comparison
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Begriff der Zivilgesellschaft hat im Zuge des Zusammenbruchs des Ostblocks eine Renaissance erfahren. Er wurde zum Leitbegriff antitotalitärer Bürgerbewegungen und zum Symbol eines demokratischen Leitbilds. Dies scheint Grund genug, sich mit der Zukunft der Zivilgesellschaft in den nunmehr postsozialistischen Transformationssystemen auseinanderzusetzen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Chancen zivilgesellschaftlicher Entwicklungen in den jungen Demokratien, unter besonderer Berücksichtigung deren sozialistischen Erbes, abzuschätzen.
Hierzu erfolgt zunächst der Versuch einer Bestimmung des Begriffs der Zivilgesellschaft aus den unzähligen vorhandenen Definitionen. Anschließend gilt es, die in der Transformationsforschung vorherrschende Auffassung über die Funktion der Zivilgesellschaft beim Systemwechsel herauszuarbeiten. In einem zweiten Schritt geht es darum, den sozialistischen Kollektivbegriff als eine der Zivilgesellschaft entgegengesetzte, vergangene aber durchaus noch wirkungsmächtige Organisationsform zu rekonstruieren, um so in einem dritten und letzten Schritt von der Kompatibilität bzw. Inkompatibilität der beiden Begriffe auf die Chancen zivilgesellschaftlicher Entwicklungen im postsozialistischen Systemen schließen zu können.
Wie sich aus der Vorgehensweise ablesen lässt, beschränkt sich diese Arbeit auf eine rein begriffliche Analyse. Empirisch anders lautende Teilbefunde können zugunsten der Aufdeckung genereller Entwicklungslinien ebenso wenig berücksichtigt werden, wie mögliche Unterschiede zwischen einzelnen postsozialistischen Systemen. Bei der Bestimmung des Kollektivbegriffs stützen sich die Ausführungen, in Ermangelung aktueller Literatur, auf eine historische Rekonstruktion mittels sozialistischer Primärquellen. Auch hier wird auf eine Ausdifferenzierung nationaler Unterschiede verzichtet. Herangezogen wurde in erster Linie soziologische Literatur aus der ehemaligen DDR. Allerdings dürften die Abweichungen in Anbetracht der ideologischen Hegemonie der damaligen Sowjetunion in diesem Zusammenhang tatsächlich kaum von Bedeutung sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Die institutionelle Verortung von Zivilgesellschaft zwischen Bereichs- und Interaktionslogik

2. Das Antriebsmoment der Zivilgesellschaft zwischen Tugend und Interesse

2.1 Die neorepublikanische Rezeption: Zivilgesellschaft als Ausdruck von Bürgertugend

2.2 Die liberale Rezeption: Zivilgesellschaft als Austragung von Interessenkonflikten

2.3 Die reflexive Perspektive: Zivilgesellschaft als Verschmelzung von Tugend und Interesse

3. Der Zivilgesellschaftsbegriff der Transformationsforschung

4. Die Zivilgesellschaft im Transformationsprozess

4.1 Liberalisierungsphase und Aufschwung der Zivilgesellschaft

4.2 Demokratisierungsphase und Boom der Zivilgesellschaft

4.3 Konsolidierungsphase und Abschwung der Zivilgesellschaft

5. Sozialistisches Kollektiv und demokratische Zivilgesellschaft

5.1 Das sozialistische Kollektiv: Eine Begriffsgeschichte

5.2 Das Individuum im Sozialismus

5.3 Individuum und Kollektiv

5.4 Kollektiv und Gesellschaft

6. Die Konsequenzen für die postsozialistischen Zivilgesellschaften

6.1 Das Tugendmotiv und das kollektivistische Erbe

6.2 Das Interessenmotiv und das kollektivistische Erbe

III. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft in postsozialistischen Transformationssystemen unter expliziter Berücksichtigung des sozialistischen Erbes. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern der sozialistische Kollektivbegriff als historisch wirkmächtige Sozialisationsinstanz mit den Anforderungen einer demokratischen Zivilgesellschaft kompatibel ist oder diese Entwicklung nachhaltig behindert.

  • Begriffliche Bestimmung von Zivilgesellschaft (bereichs- vs. interaktionslogisch)
  • Analyse der theoretischen Strömungen der Zivilgesellschaft (neorepublikanisch, liberal, reflexiv)
  • Rekonstruktion des sozialistischen Kollektivbegriffs als Sozialisationsmodell
  • Untersuchung der Transformationsphasen und der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure
  • Bewertung des kollektivistischen Erbes für postsozialistische Zivilgesellschaften

Auszug aus dem Buch

2.2 Die liberale Rezeption: Zivilgesellschaft als Austragung von Interessenkonflikten

Habermas hat mit der demokratischen Radikalisierung des politischen Liberalismus in seinem deliberativen Ansatz den derzeit einflussreichsten liberalen Beitrag zur Zivilgesellschaftsdebatte geleistet. Hier steht der seine Interessen rational vertretende und damit die Zivilgesellschaft konstituierende Bürger im Zentrum einer Theorie, die, im Gegensatz zum Neorepublikanismus, einen negativen Freiheitsbegriff zum Ausgangspunkt nimmt und somit der Zivilgesellschaft einen eher korrigierenden als agierenden Charakter zuschreibt. Der Staat gilt im deliberativen Ansatz als prinzipiell offen für gesellschaftliche Einflüsse. Diese artikulieren sich in der Öffentlichkeit, oder besser gesagt, in verschiedenen miteinander konkurrierenden Teilöffentlichkeiten, die untereinander in ständigen Aushandlungsprozessen stehen und somit jene deliberative Öffentlichkeit formieren, die Habermas zugleich als Zivilgesellschaft versteht.

Zivilgesellschaft gilt in diesem Zusammenhang also als die ausgetragene Interessenkonkurrenz der verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereiche und Privatpersonen. Ihr Einfluss auf den Staat resultiert daraus, dass sie dem Politischen durch ihre Diskursivität Rationalität und Legitimität verleiht. Sie fungiert somit als rationales Korrektiv auf staatliche Entscheidungen, ohne allerdings über tatsächliche politische Macht im Sinne einer republikanischen Selbstregierung zu verfügen. Vielmehr tritt die deliberative Zivilgesellschaft, in der sich staatliche Macht und gesellschaftliche Interesse permanent überkreuzen, als Vermittler zwischen beiden Polen auf. Sie kommuniziert staatliche Notwendigkeiten in die Gesellschaft und umgekehrt gesellschaftliches Interesse in den Staat. Insofern kann ihr Wirken mehr als Selbstgesetzgebung den als Selbstregierung beschrieben werden. Während neorepublikanische Ansätze eine Politisierung der Gesellschaft propagieren, lässt sich die Formel der deliberativen Theorie wohl am besten als Vergesellschaftung der Politik beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit, zivilgesellschaftliche Entwicklungschancen in postsozialistischen Systemen vor dem Hintergrund der sozialistischen Vergangenheit kritisch zu untersuchen.

II. Hauptteil: Dieser Teil definiert theoretische Ansätze zur Zivilgesellschaft, analysiert Transformationsprozesse und rekonstruiert den sozialistischen Kollektivbegriff, um dessen Kompatibilität mit demokratischen Strukturen zu prüfen.

III. Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das zivilgesellschaftliche Potenzial in postsozialistischen Systemen aufgrund des kollektivistischen Erbes, welches die Artikulation von Partikularinteressen behindert, als kritisch und wenig vielversprechend zu bewerten ist.

Schlüsselwörter

Zivilgesellschaft, Transformation, Postsozialismus, Kollektiv, Sozialisation, Bürgertugend, Interessenkonflikte, neorepublikanisch, deliberativ, Kollektivismus, Transformationsforschung, Systemwechsel, Gemeinwohlorientierung, DDR, Politische Kultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen für eine funktionierende Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung des Zivilgesellschaftsbegriffs, die Analyse von Transformationsphasen sowie die detaillierte Untersuchung des sozialistischen Kollektivbegriffs als wirkmächtige historische Sozialisationsinstanz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Kompatibilität des sozialistischen Kollektiverbes mit demokratischen Zivilgesellschaftsstrukturen zu beurteilen und einzuschätzen, ob dieses Erbe zivilgesellschaftliche Entwicklungen in den jungen Demokratien eher fördert oder behindert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin oder der Autor nutzt eine rein begriffliche Analyse. Dabei erfolgt eine historische Rekonstruktion des sozialistischen Kollektivbegriffs anhand von Primärquellen, insbesondere soziologischer Literatur aus der ehemaligen DDR.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Institutionelle Verortung, Motive wie Tugend vs. Interesse), die Einordnung der Transformationsforschung, die Phasen des Transformationsprozesses sowie die historische Rekonstruktion des Kollektivbegriffs und dessen Folgen für das Individuum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Zivilgesellschaft, Transformation, Kollektivismus, Sozialisation, Bürgertugend sowie das Spannungsfeld zwischen Partikularinteressen und Gemeinwohlorientierung.

Wie wirkt sich das "kollektivistische Erbe" auf das heutige Politikverständnis aus?

Die Arbeit argumentiert, dass das Erbe zu einer "verabsolutierten Moralisierung" des Politischen führt, was eine Entpolitisierung zur Folge hat, da politische Fragen als moralisch eindeutig lösbar umgedeutet werden und der Spielraum für die Artikulation von Interessen fehlt.

Warum ist laut der Arbeit eine neorepublikanische Zivilgesellschaft im Postsozialismus kaum realisierbar?

Ein Tugenddiskurs im neorepublikanischen Sinne erfordert eine autonome Definition des Gemeinwohls durch die Bürger. Da postsozialistische Gesellschaften jedoch an eine von außen durch eine universelle moralische Instanz determinierte Gemeinwohlorientierung gewöhnt sind, ist eine solche Autonomie derzeit nicht gegeben.

Excerpt out of 30 pages  - scroll top

Details

Title
Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Transformationssystemen vor dem Hintergrund des kollektivistischen Erbes
College
Martin Luther University  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Lokale Politik und Sozialkapital im internationalen Vergleich
Grade
1,0
Author
Jan Trützschler (Author)
Publication Year
2005
Pages
30
Catalog Number
V50317
ISBN (eBook)
9783638465601
Language
German
Tags
Zivilgesellschaft Transformationssystemen Hintergrund Erbes Lokale Politik Sozialkapital Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Trützschler (Author), 2005, Die Zivilgesellschaft in den postsozialistischen Transformationssystemen vor dem Hintergrund des kollektivistischen Erbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50317
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  30  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint