Im laufenden Seminar „Arbeitsmarktsegmentation, Erwerbsverläufe- und Erwerbsorientierungen“ befasst man sich mit der Struktur von Arbeitsmärkten und setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit heutige Arbeitsmarktstrukturen Veränderungen unterliegen. Mit der Ausbildung und dem anschließenden Eintritt in Beschäftigungsverhältnisse durch so genannte „ports of entry“, erhält man Zugang zu verschiedenen Teilarbeitsmärkten. Die Besetzung dieser Eingangsstellen erfolgt im Wesentlichen nach Marktbedingungen. Der weitere Karriereweg bestimmt sich dann aber nach den Regeln des internen Arbeitsmarktes. Doch wie kam es zur Entstehung dieser internen Märkte und was beinhalten sie? Wo sind sie anzutreffen und sind sie noch immer aktuell? Grundlegende Fragen die zuerst beantwortet werden wollen, wenn man sich dann weiter mit den Strukturveränderungen gegenwärtiger Arbeitsmärkte befassen will. Spricht man vom internen Arbeitsmarkt, so muss dieser nicht dem Arbeitsmarkt innerhalb einer Firma gleichgesetzt werden. Die geografischen und institutionellen Grenzen eines internen Arbeitsmarktes können sehr verschieden sein und somit können sie durchaus mehrere Firmen umfassen. Interne Arbeitsmärkte brachten als Folgeerscheinung das Phänomen der betriebszentrierten Arbeitsmarktsegmentation mit sich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der dreigeteilte Arbeitsmarkt
2.1 Spezialfall: Betriebszentrierte Arbeitsmarktsegmentation
3 Die Entwicklung betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation
3.1 Notwendige Bedingungen
3.2 Historischer Ablauf
3.2.1 Der Wohlfahrtsstaat
3.2.2 Der traditionelle Sektor weicht dem modern- kapitalistischen Sektor
3.2.3 Die Entstehung von Großbetrieben
3.2.4 Die Ausbreitung interner Märkte
3.2.5 Schließung interner Arbeitsmärkte als Folge von Vollbeschäftigung
4 Zusammenfassung und kritische Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung betriebszentrierter interner Arbeitsmärkte in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei die theoretische Basis vor allem die Arbeiten von Burkhart Lutz bilden. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Bedingungen und Mechanismen, die zur Ausbildung dieser spezifischen Form der Arbeitsmarktsegmentation führten und wie sich interne Arbeitsmärkte in historischen Konstellationen etablieren und verfestigen konnten.
- Theorie der Arbeitsmarktsegmentation und Differenzierung der Arbeitsmärkte
- Einfluss wohlfahrtsstaatlicher Konstellationen auf Arbeitsmarktstrukturen
- Die Rolle von Großbetrieben und technologischem Wandel
- Entwicklung personalpolitischer Strategien zur Bindung von Fachkräften
- Verfestigung interner Arbeitsmärkte durch arbeitsrechtliche und tarifpolitische Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Notwendige Bedingungen
Aus betrieblichen Arbeitssystemen vom Typ des internen Marktes, die unmittelbarer Ausdruck von betrieblichen Interessen sind, entwickelt sich eine betriebszentrierte Form der Arbeitsmarktsegmentation, die dem Betrieb den Zugriff zum externen Arbeitsmarkt und dessen Arbeitskräfte erschwert und somit gegen bisher bestehende betriebliche Interessen verstößt. „Die Veränderung betrieblicher Verhältnisse - nachhaltig verstärkte Bindung des Betriebes an die einzelne Arbeitskraft, weitgehende Verbindlichkeit interner Allokations- und Gratifikationsregeln, aber auch Reduzierung der Machtsymmetrie zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die den Betrieben nicht einfach aufgezwungen werden (können), setzen vor allem die Mitwirkung betrieblicher Politiken und Praktiken zwingend voraus“ (Lutz 1987, S.143). Lutz interpretiert die Entstehung betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation als Ergebnis eines historischen Prozesses, der nur unter besonderen gesamtwirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Bedingungen einsetzen und ablaufen konnte.
So entwickelt sie sich vor allem in Situationen, die durch tiefgreifende Veränderungen sowohl in sozio- ökonomischen als auch in politisch- institutionellen Verhältnissen geprägt sind. Charakteristisches Merkmal betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation ist, wie so oft erwähnt, dass sich auf gesellschaftlicher Ebene die Machtsymmetrie zwischen Beschäftigern und Beschäftigten deutlich abgeschwächt hat. Nachhaltig stärkeres Gewicht von Arbeitnehmerinteressen bei der Regelung des Arbeitsverhältnisses ist eine unverzichtbare Bedingung dafür, dass der Arbeitsmarkt und die Beschäftigungsverhältnisse einer Volkswirtschaft von Momenten betriebszentrierter Segmentation geprägt sind (Lutz 1987, S.145).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Arbeitsmarktstrukturen ein und erläutert die Relevanz des Segmentationsansatzes sowie die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2 Der dreigeteilte Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen des Segmentationsansatzes und unterscheidet zwischen unstrukturierten, berufsfachlichen und betriebsinternen Arbeitsmärkten.
2.1 Spezialfall: Betriebszentrierte Arbeitsmarktsegmentation: Hier wird das Konzept von Burkhart Lutz als Spezialform der Segmentation näher beleuchtet und anhand von fünf zentralen Merkmalen charakterisiert.
3 Die Entwicklung betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation: Das Kapitel analysiert die historischen und ökonomischen Prozesse, die den Wandel hin zur betriebszentrierten Segmentation in der westdeutschen Wirtschaft ermöglicht haben.
3.1 Notwendige Bedingungen: Es werden die gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen herausgearbeitet, die für das Entstehen dieser Arbeitsmarktform zwingend erforderlich sind.
3.2 Historischer Ablauf: Der Abschnitt skizziert den zeitlichen Verlauf und die Entwicklung der relevanten Strukturen seit der Nachkriegszeit.
3.2.1 Der Wohlfahrtsstaat: Untersuchung der wohlfahrtsstaatlichen Konstellation und deren stabilisierende Wirkung auf Nachfrage und Lohnniveau.
3.2.2 Der traditionelle Sektor weicht dem modern- kapitalistischen Sektor: Beschreibung der Verdrängung traditioneller Strukturen durch die Modernisierungs- und Wachstumsphase des Wohlfahrtsstaates.
3.2.3 Die Entstehung von Großbetrieben: Analyse der Bedeutung des quantitativen und qualitativen Wachstums der Großbetriebe für die neue Arbeitsmarktstruktur.
3.2.4 Die Ausbreitung interner Märkte: Zusammenfassung der Faktoren, die zur flächendeckenden Verbreitung interner Arbeitsmärkte in den 1960er Jahren führten.
3.2.5 Schließung interner Arbeitsmärkte als Folge von Vollbeschäftigung: Darstellung der institutionellen und politischen Prozesse, die zur finalen Verfestigung interner Arbeitsmärkte bis in die 1970er Jahre beitrugen.
4 Zusammenfassung und kritische Bewertung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Argumentation von Burkhart Lutz und bewertet die Zukunftsfähigkeit betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation unter geänderten wirtschaftlichen Bedingungen.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarktsegmentation, betriebszentrierte Segmentation, interner Arbeitsmarkt, Burkhart Lutz, Arbeitskräftebindung, Vollbeschäftigung, wohlfahrtsstaatliche Konstellation, Humankapitalinvestition, Stammbelegschaft, Randbelegschaft, Arbeitsplatzstabilität, Qualifikationsbedarf, institutionelle Verstärkereffekte, Segmentationsansatz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Struktur von Arbeitsmärkten und untersucht insbesondere die Entstehung und Funktionsweise der sogenannten „betriebszentrierten Arbeitsmarktsegmentation“ in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen den Segmentationsansatz, die Unterscheidung zwischen internen und externen Arbeitsmärkten, die Rolle der betrieblichen Personalpolitik sowie die Auswirkungen des Wohlfahrtsstaates auf die Arbeitsmarktstruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen und durch welche Mechanismen sich interne Arbeitsmärkte herausgebildet haben und wie die spezifische Form der betriebszentrierten Arbeitsmarktsegmentation historisch entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretisch-historischen Analyse und stützt sich maßgeblich auf die Basisliteratur von Burkhart Lutz („Eine theoretisch-historische Skizze zur Entstehung betriebszentrierter Arbeitsmarktsegmentation“).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Stadien, von den Bedingungen des Wohlfahrtsstaates über den Niedergang des traditionellen Sektors und die Entstehung von Großbetrieben bis hin zur Ausbreitung und Schließung interner Arbeitsmärkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Arbeitsmarktsegmentation, betriebszentrierte Segmentation, interne Arbeitsmärkte, Stammbelegschaft, Arbeitskräftebindung und wohlfahrtsstaatliche Konstellation.
Wie unterscheidet Lutz zwischen internen Märkten und betriebszentrierter Segmentation?
Ein interner Arbeitsmarkt existiert laut Lutz bereits, wenn bestimmte Merkmale wie klare Eintrittsstellen und Aufstiegsmuster gegeben sind. Betriebszentrierte Arbeitsmarktsegmentation geht darüber hinaus, indem zusätzlich eine wechselseitige Bindung zwischen Betrieb und Arbeitnehmer sowie eine gesamtwirtschaftliche Relevanz vorliegen.
Welche Rolle spielt die „Stammbelegschaft“ in diesem Modell?
Die Stammbelegschaft ist das zentrale Element der internen Arbeitsmärkte, die aufgrund ihrer für das Unternehmen wichtigen Qualifikationen eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und Karrierechancen genießt, während die Randbelegschaft zur Flexibilisierung bei Schwankungen dient.
Wie bewertet der Autor die Zukunft der betriebszentrierten Arbeitsmarktsegmentation?
Der Autor schließt sich Lutz’ Einschätzung an, dass dieses Modell flexibel genug ist, um sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und somit trotz Erosion des Normalarbeitsverhältnisses auch in Zukunft bestehen bleiben wird.
- Quote paper
- Kathleen Keitel (Author), 2005, Die Entwicklung interner Arbeitsmärkte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50346