Es wird erstmals ein Modell für den Aufbau, die Sicherung und die Stabilisierung von längerfristigen Living-Apart-Together (LAT)-Beziehungen vorgestellt und diskutiert. Anhand von kommentierten Einzelfallbeispielen werden Beziehungsaufgaben erläutert, die zur Sicherung von überdauernden LAT-Beziehungen erforderlich sind. Dabei wird Bezug genommen auf beziehungstheoretische Grundlagen und psychologische Forschungen, die das LAT-Modell stützen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Nähe-Distanz-Konflikte in Partnerschaften als zentrale Trennungsursachen
LAT-Beziehungen aus kulturhistorischer Perspektive
LAT bei indigenen Stämmen in Ghana, auf Sumatra und in Peru
LAT im Europa des 18., 19. und 20. Jahrhunderts
Bettina von Arnim
George Sand
Alexandra Kollontai
Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir
Das LAT-Modell
LAT-Typen
Verbreitung von LAT in Deutschland
Typische Merkmale von LAT-Beziehungen
Stabilität von LAT-Beziehungen
Psychologische Studien zum Living-Apart-Together
Das beziehungsbezogene Grundbedürfnis-Modell
Das Grundbedürfnis-Modell von Epstein
Das Grundbedürfnis nach Bindung
Das Grundbedürfnis nach Kontrolle und Orientierung
Das Grundbedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
Das Grundbedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
Grundbedürfnisbefriedigung und psychische Konsistenz: Das Grundbedürfnismodell von Grawe
Psychische Grundbedürfnisse und Paarbeziehungen
Bedingungs- und Anforderungsprofil für längerfristige LAT-Beziehungen
Feinfühlige Nähe-Distanz-Modellierungen in LAT-Beziehungen
Getrenntes Wohnen und Haushalten
Zur Prävention von psychischen (Über-)Sättigungseffekten
Die innere Kündigung der Beziehung als Warnzeichen einer bevorstehenden Trennung
Die Bedeutung einer kreativen Besuchsgestaltung für eine positive Entwicklung von LAT-Beziehungen
Appetenzgenerierung und –erhaltung als zentrale Zielsetzung der Besuchsgestaltung
Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse nach Selbstwerterhöhung und Lustgewinn
Die Phase des produktiven Alleinseins
Autonomie und Verbundenheit
Regelmäßiges und konstruktives Beziehungsmonitoring der Beziehungsentwicklung
Frühwarnsystem zum Erkennen und Vermeiden von Beziehungsstörungen
Steuerung der Beziehungsentwicklung
Kosten-Nutzen-Analyse
Exkurs: Zur Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Sexualität in LAT-Beziehungen
LAT und Bindungsstil
Bindungstheoretische Grundlagen
Zum Zusammenspiel unterschiedlicher Bindungstypen in LAT-Beziehungen
LAT mit Kindern
Das LAT-Modell aus der Sicht seiner Kritiker
Der Egoismus-Vorwurf
Mangelnde Bindungsbereitschaft/Bindungsunfähigkeit
Instabilität von LAT-Beziehungen
LAT als Normabweichung
Das Kostenargument
LAT als Beziehungsexperiment
Ein praktikables Basismodell für LAT-Beziehungen
Konsistenztheorie
Grundbedürfnistheorie
Motivationstheoretische Vorstellungen
Bedingungs- und Anforderungsprofil für LAT-Beziehungen
Vorschläge zum längerfristigen Erhalt von LAT-Beziehungen bei Paaren
Beziehungsaufbau
Beziehungssicherung
Längerfristige Aufrechterhaltung der Beziehung
Zusammenfassung und abschließende Bemerkungen
Literaturhinweise
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel des vorliegenden Werkes ist es, die beziehungspsychologischen Hintergründe von sogenannten „Living-Apart-Together“ (LAT)-Beziehungen zu untersuchen und ein fundiertes Modell für deren Gestaltung und längerfristigen Erhalt zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie es gelingen kann, eine Paarbeziehung dauerhaft und zufriedenstellend zu führen, ohne dass die Partner in einem gemeinsamen Haushalt zusammenleben, und welche spezifischen Kompetenzen hierfür erforderlich sind.
- Kulturhistorische und moderne Perspektiven auf das Phänomen des Getrennt-Zusammenlebens.
- Analyse psychischer Grundbedürfnisse (Bindung, Kontrolle, Selbstwert, Lustgewinn) in der Paardynamik.
- Bedeutung von Nähe-Distanz-Regulierung, Besuchsgestaltung und Alleinsein für die Beziehungsstabilität.
- Methoden der Beziehungsprävention, insbesondere durch ein systematisches Beziehungsmonitoring.
Auszug aus dem Buch
Die innere Kündigung der Beziehung als Warnzeichen einer bevorstehenden Trennung
Insgesamt entstehen in Folge solcher sich oftmals wiederholender Sättigungs- und Übersättigungserlebnisse ein beträchtlicher partnerbezogener Überdruss, affektive Aversionen gegen den Partner und ein starker Widerwillen gegen den frustrierenden Beziehungsalltag sowie schließlich, vergleichbar der inneren Kündigung im Berufsleben, die ein- oder beiderseitige innere Aufkündigung der Beziehung als eine Verabschiedung vom psychologischen Beziehungsvertrag, der zunächst ein allmählicher Rückzug auf sich selbst vorangegangen ist.
Wenn dieser Zustand einer sehr hohen Beziehungsunzufriedenheit, möglicherweise nach vielen gescheiterten Wiederannäherungsversuchen und einem längeren Prozess des Zögerns und des vergeblichen Hoffens auf eine positive Beziehungsveränderung erreicht ist, wird dem Partner vielfach mit zunehmender Gleichgültigkeit und Respektlosigkeit begegnet oder die Partner reagieren aufeinander situativ oftmals und zunehmend häufiger mit ärgerbedingter Gereiztheit oder Resignation.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt als moderne Lebensform und definiert deren Relevanz vor dem Hintergrund zunehmender Trennungsraten in klassischen Partnerschaften.
LAT-Beziehungen aus kulturhistorischer Perspektive: Dieses Kapitel zeigt auf, dass das Getrennt-Zusammenleben kein rein zeitgenössisches Phänomen ist, sondern historisch und bei verschiedenen indigenen Völkern bereits existierte.
Das LAT-Modell: Hier werden grundlegende Typen und Merkmale von LAT-Beziehungen sowie deren psychologische Stabilität im Vergleich zu klassischen Lebensformen dargelegt.
Das beziehungsbezogene Grundbedürfnis-Modell: Das Kapitel führt die theoretischen Grundlagen der Grundbedürfnispsychologie nach Epstein und Grawe ein, um das Funktionieren von Paarbeziehungen wissenschaftlich zu erklären.
Bedingungs- und Anforderungsprofil für längerfristige LAT-Beziehungen: Dieser Abschnitt erarbeitet konkrete Beziehungsaufgaben, wie Nähe-Distanz-Modellierung und kreative Besuchsgestaltung, um das Gelingen von LAT-Partnerschaften sicherzustellen.
LAT und Bindungsstil: Hier wird der Einfluss individueller Bindungsmuster (sicher, vermeidend, ängstlich) auf die Dynamik und Kompatibilität in LAT-Beziehungen analysiert.
LAT mit Kindern: Es wird kritisch erörtert, inwiefern die LAT-Lebensform mit der Erziehung von Kindern vereinbar ist und vor welchen Herausforderungen Eltern hierbei stehen.
Das LAT-Modell aus der Sicht seiner Kritiker: Das Kapitel setzt sich mit häufigen Vorwürfen wie Egoismus, Instabilität und mangelnder Bindungsbereitschaft gegenüber LAT-Paaren auseinander.
LAT als Beziehungsexperiment: Hier wird das Konzept als eine bewusste Suche nach alternativen Beziehungsformen beschrieben, die über den Status eines reinen Übergangsphänomens hinausgeht.
Ein praktikables Basismodell für LAT-Beziehungen: Das Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zu Konsistenz und Grundbedürfnisbefriedigung zusammen, um ein praxistaugliches Modell für Anwender zu erstellen.
Vorschläge zum längerfristigen Erhalt von LAT-Beziehungen bei Paaren: Dieser Hauptteil bietet konkrete Handlungsempfehlungen für die Phasen des Aufbaus, der Sicherung und der langfristigen Aufrechterhaltung einer stabilen Beziehung.
Schlüsselwörter
Living-Apart-Together, LAT-Beziehung, Beziehungspsychologie, Nähe-Distanz-Regulation, Grundbedürfnisse, Partnerschaftsqualität, Beziehungsmonitoring, Bindungsstile, Autonomie, Verbundenheit, Paartherapie, Beziehungsstabilität, Alleinsein, psychische Konsistenz, Konfliktlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch untersucht die beziehungspsychologischen Grundlagen von Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt, bekannt als Living-Apart-Together (LAT), und bietet ein Modell für deren erfolgreiche Gestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die psychischen Grundbedürfnisse von Partnern, die Bedeutung von Nähe-Distanz-Regulierungen, die Rolle von Bindungsstilen sowie Methoden für eine nachhaltige Beziehungsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Ziel ist es, das Experimentierstadium von LAT-Beziehungen zu überwinden und ein fundiertes Anforderungsprofil zu erstellen, das Paaren hilft, diese Lebensform längerfristig und zufriedenstellend zu praktizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf persönlichkeitspsychologische Motivationstheorien, die Konsistenztheorie nach Klaus Grawe und bindungstheoretische Konzepte, um ein praktikables Basismodell für Partnerschaften zu entwerfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem konkreten Bedingungs- und Anforderungsprofil, dem Aufbau von Beziehungsmonitoring, der kreativen Besuchsgestaltung und der Analyse von Fallbeispielen zur Konfliktbewältigung.
Was charakterisiert die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Nähe-Distanz-Regulation, Beziehungsmonitoring, psychische Grundbedürfnisse und Beziehungsstabilität.
Wie bewertet der Autor die Vereinbarkeit von LAT-Beziehungen und Kindern?
Der Autor steht LAT-Beziehungen mit Kindern kritisch gegenüber und rät von dieser Form ab, da sie die Anforderungen an eine stabile Kindesentwicklung und eine reibungslose arbeitsteilige Betreuung kaum erfüllen kann.
Welche Bedeutung kommt dem Beziehungsmonitoring zu?
Das Beziehungsmonitoring dient als Frühwarnsystem, um beziehungsschädigende Routinen oder Sättigungseffekte frühzeitig zu erkennen und durch bewusste Steuerungsprozesse wieder eine positive Beziehungsdynamik herzustellen.
- Arbeit zitieren
- Dr. Bodo Klemenz (Autor:in), 2019, Living-Apart-Together. Modell und Vorschläge für die längerfristige Praxis einer eigenständigen Lebensform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503638