DieGrundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisseerscheinen im Herbst 1820. Die Möglichkeit und der Zeitpunkt des Erscheinens ist gleichzeitig eine inhaltliche Grenze. Hegel vertritt in derRechtsphilosophieeine bürgerliche Ideologie und betrachtet die bestehenden Verhältnisse affirmativ. Das er die konstitutionelle Monarchie als den Höhe- und Endpunkt der Entwicklung des modernen Staates beschreibt ist auch geprägt durch die historischen Vorgänge seiner Zeit, auf die ich an gegebener Stelle konkreter eingehen werde und die ich in der Zeittafel dargestellt habe.
DieRechtsphilosophiegliedert sich in drei Abschnitte. Erster Teil: Das abstrakte Recht. In diesem Abschnitt behandelt Hegeldas Eigentumsrecht, den Vertragunddas Unrecht.Es existiert eine abstrakte Freiheit. Zweiter Teil: Die Moralität. Hier erörtert Hegel:den Vorsatz und die Schuld, die Absicht und das Wohlunddas Gute und das Gewissen.Er bestimmt das „Ich“ im Verhältnis zur Welt. Hier existiert Willkür. Dritter Teil: Die Sittlichkeit. Dieser Teil gliedert sich indie Familie, die bürgerliche Gesellschaftund denStaat.In Hegels System hat das jeweils dritte Element eines Sachverhaltes eine privilegierte Rolle in der Gesamtdarstellung. Im Kontext derRechtsphilosophieist es die Sittlichkeit dem diese Rolle zukommt. Erst in der Sittlichkeit ist die Wirklichkeit als freier Wille existent und die Verwirklichung richtig verstandener Freiheit möglich. Erst hier gibt es konkrete Freiheit.
Die Paragraphen 230 bis 249, die Inhalt dieser Hausarbeit sind, finden sich im Abschnitt über die bürgerliche Gesellschaft. In ihnen bestimmt Hegel die verschiedenen Aufgaben der Polizei innerhalb seiner Staatskonstruktion. Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktion der Polizei als Vermittler zwischen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat herauszuarbeiten und die Aufgabe dieser Vermittlung innerhalb Hegels Staatskonstruktion aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Politische Grundideen nach 1815
1.2 Vorstellung des Themas
2. Die bürgerliche Gesellschaft
2.1 Die drei Momente der bürgerliche Gesellschaft
2.2 Das System der Bedürfnisse
2.3 Die Rechtspflege
2.4 Die Polizei und die Korporation
2.4.1 Die Korporation
2.4.2 Die Polizei im Kontext der Rechtsphilosophie
3. Inhalt der § 230- 249
3.1 Zum Begriff Polizei § 230 und 231
3.2 Die Polizei als allgemeine Macht § 232 bis 234
3.3 Die Polizei als öffentliche Macht § 235 und 236
3.4 Die Polizei als Recht der bürgerlichen Gesellschaft auf die Individuen der Familien § 237 bis 242
3.5 Die Polizei als Begrenzung der ungehinderten Wirksamkeit der bürgerlichen Gesellschaft nach innen und Regelung der Expansion nach außen § 243 – 249
4. Die Polizei als Vermittler zwischen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat
4.1 Der Bezug zur Familie
4.2 Der Bezug zum Staat
4.3 Die Funktion der Polizei als Vermittler innerhalb Hegels Staatskonstruktion
5. Schlussfolgerung
5.1 Die Bedrohung des Staates durch den Pöbel
5.2 Die Idee des Staates
5.3 Fazit
6. Zeittafel
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Polizei innerhalb von G.W.F. Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts. Das primäre Ziel ist es, die Funktion der Polizei als vermittelnde Instanz zwischen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat herauszuarbeiten und ihre Bedeutung in Hegels Staatskonstruktion zu beleuchten.
- Die drei Momente der bürgerlichen Gesellschaft (System der Bedürfnisse, Rechtspflege, Polizei).
- Die spezifische Aufgabe der Polizei als ordnende Macht innerhalb des Wirtschaftslebens.
- Das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und staatlicher Notwendigkeit.
- Die Entstehung von Armut und Pöbel sowie Hegels Lösungsansätze durch Kolonisation.
- Der Zusammenhang zwischen Staatskonstruktion und historischem Kontext (Zensur/Karlsbader Beschlüsse).
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Polizei als öffentliche Macht § 235 und 236
Auch im Bereich der Wirtschaft gibt es nach Ansicht von Hegel für die öffentliche Macht Handlungsnotwendigkeiten.
§ 235: Hier bezieht Hegel sich auf Maßnahmen, die dafür Sorge tragen, dass die verschiedenen Güter auf dem Markt unter geordneten Verhältnissen vermittelt werden können. Wenn die Wirtschaft als Marktwirtschaft konzipiert ist, muss es möglich sein, Zugang zum Markt zu haben und sich auf dessen Funktionieren verlassen zu können. Doch darin erschöpft sich für Hegel die staatliche Wirtschaftspolitik noch nicht.
§ 236: Hegel fordert eine Marktregulierung, die einer: „...mit Bewusstsein vorgenommenen Regulierung.“7 entspricht. Mithin eine geschickte Steuerungspolitik, die die Marktgesetze so gebraucht, dass sich die Interessen von Konsumenten und Produzenten auch in sozialer Hinsicht die Waage halten und Angebot und Nachfrage dem wirklichen Bedarf entsprechen. Ebenfalls ist es im Interesse der Allgemeinheit, dass die produzierten Waren staatlich untersucht und kontrolliert werden. Es ist nicht Aufgabe der einzelnen Unternehmen oder gar Individuen, Verhältnisse zu überschauen, die über ihren eigentlichen Horizont hinausgehen, aber dennoch Einfluss haben können. In den Anmerkungen zu § 236 vergleicht Hegel zunächst die Extrempositionen eines ökonomischen Liberalismus mit dem einer zentral gesteuerten Wirtschaftstätigkeit. Er befürwortet prinzipiell Gewerbe- und Handelsfreiheit. Jedoch kann es nicht den individuellen Interessen der Wirtschaft allein überlassen werden, ihre eigenen Zeiträume zum Ausgleich der Interessen zu bestimmen, währenddessen davon betroffene Personen darunter leiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der politischen Strömungen im 19. Jahrhundert und der historischen Entstehung von Hegels Rechtsphilosophie.
2. Die bürgerliche Gesellschaft: Erläuterung der Struktur der bürgerlichen Gesellschaft in ihre drei Momente und der begrifflichen Definition der Polizei bei Hegel.
3. Inhalt der § 230- 249: Detaillierte Analyse der von Hegel in diesen Paragraphen definierten polizeilichen Aufgabenbereiche, von der öffentlichen Ordnung bis zur Armenfürsorge.
4. Die Polizei als Vermittler zwischen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat: Untersuchung der Vermittlungsfunktion der Polizei zwischen den gesellschaftlichen Sphären und dem Staat.
5. Schlussfolgerung: Kritische Reflexion der Bedeutung des Pöbels und der Idee des Staates in Hegels System.
6. Zeittafel: Chronologische Übersicht der geschichtlichen Ereignisse, die den Kontext der Abfassung der Rechtsphilosophie prägten.
Schlüsselwörter
Hegel, Rechtsphilosophie, Polizei, bürgerliche Gesellschaft, Staat, Vermittlung, Sittlichkeit, Pöbel, System der Bedürfnisse, Arbeit, Kapital, Freiheit, Armenfürsorge, Kolonisation, Karlsbader Beschlüsse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft, insbesondere die Rolle der Polizei als notwendiges Regulativ zur Sicherung der öffentlichen Ordnung und zur Vermittlung zwischen den Ständen und dem Staat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Dialektik der bürgerlichen Gesellschaft, die Entstehung materieller Armut (Pöbel), die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft und das Verhältnis von Freiheit und staatlicher Autorität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den speziellen Hegelschen Polizeibegriff zu entschlüsseln und zu zeigen, wie dieser als Scharnier zwischen dem egoistischen Streben in der bürgerlichen Gesellschaft und der sittlichen Ordnung des Staates fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textimmanente Analyse der Grundlinien der Philosophie des Rechts, ergänzt durch historische Kontextualisierung der Entstehungszeit um 1820.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Paragraphen 230 bis 249 sowie die Untersuchung der Polizei als Vermittlungsinstanz, die die Interessen von Familie und bürgerlicher Gesellschaft auf den Staat ausrichtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sittlichkeit, Vermittlung, bürgerliche Gesellschaft, Pöbel, staatliche Ordnung und die Dialektik zwischen Freiheit und Zwang.
Wie unterscheidet sich Hegels Polizeibegriff vom heutigen Verständnis?
Hegel versteht unter Polizei nicht die heutige Verbrechensbekämpfung, sondern ein weites Feld der Innenpolitik, das auch Wirtschaftslenkung, Infrastrukturvorsorge und soziale Fürsorge umfasst.
Warum spielt der Begriff "Pöbel" eine so zentrale Rolle für Hegel?
Für Hegel stellt der Pöbel eine existentielle Bedrohung dar, da er aus einer Masse besteht, die den Bezug zur bürgerlichen Gesellschaft und zur staatlichen Ordnung verloren hat, was staatliches Eingreifen unumgänglich macht.
Welche Lösung bietet Hegel für die industrielle Verelendung an?
Hegel sieht die systematische Kolonisation als eine, wenn auch nur vorübergehende, „Lösung“ an, um den durch Überproduktion und Armut verursachten sozialen Druck nach außen zu verlagern.
- Citation du texte
- Monika Skolud (Auteur), 2005, Die Polizei als Vermittler zwischen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat - In: G.W.F. Hegel: Grundlinien der Phiolosophie des Rechts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50381