Eine besondere und einzigartige Tier-Mensch Beziehung wird in dem Roman "Der Goldtfaden" von Georg Wickram thematisiert und in dieser Arbeit genauer betrachtet. Lewfried, der Protagonist des Romans, entwickelt eine spezielle Bindung zu dem Löwen Lotzmann. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung der Rolle und der Funktion des Löwen im Goldtfaden. Die Löwe-Mensch Beziehung wird genauer analysiert wobei der Fokus auf dem Löwen Lotzmann liegt.
Er gilt als „König der Tiere“ und ist aufgrund seiner Stärke, seiner gewaltigen Mähne, seinem lauten Gebrüll und seiner symbolprägenden Eigenschaften wie Mut, Kraft, Tapferkeit, Macht, aber auch Wildheit ein weitverbreitetes Symboltier: Der Löwe. Der Löwe ist ein Tier, dem die Menschen schon immer eine besondere Bedeutung beilegten. Die Faszination der Menschen für den Löwen besteht nicht erst seit des spannenden und rührenden Walt Disney Zeichentrickfilms Der König der Löwen, sondern reicht bis in die Antike zurück. Er ist eines der größten Landraubtiere und zur Gattung der Großkatzen zuzuordnen. Seine goldgelbe Farbe, die strahlenartige Mähne und seine Kraft deuten auf einen Bezug zum Licht, somit ist der Löwe auch ein Symbol des Lichts.
Die Beziehung zum Licht drückt sich auch in der ihm zugeschriebenen Eigenart aus, niemals die Augen zu schließen. Des Weiteren steht der Löwe als Sinnbild und Symbol für herrschaftliche Macht und Gerechtigkeit. Neben seiner Stärke werden ihm vermehrt positive Herrschertugenden zugeschrieben und somit die Königlichkeit der Natur des Löwen hervorgehoben. Der ‚König der Tiere’ ist nicht nur in metaphorischem Sinne, sondern auch tatsächlich ein Verwandter des menschlichen Königs, dem ‚König der Menschen’. Aus diesem Grund greift er diesen auch nicht an, da ein Löwe niemals einen wahren König verwundet. Nicht nur positive Eigenschaften sind dem Löwen zuzuordnen, sondern auch negative. Reißenden Löwen bei Löwenkämpfen oder Jagden bringen die bedrohlichen und strafenden Mächte eines Löwen zum Vorschein.
Der Löwe ist ein mächtiges, stolzes Tier und facettenreicher Symbolträger, bei dem nicht zu vergessen ist, dass es sich hierbei um ein Raubtier handelt.
Die Tier-Mensch Beziehung war im Mittelalter sehr ausgeprägt. Durch die Tierhaltung wurden die Menschen in einen engen Kontakt mit den Tieren gebracht. Sowohl Nutz-, als auch Haustiere wurden verehrt und die Menschen bewunderten die Stärke, Geschicklichkeit, Treue und Wachsamkeit ihrer Lebensgenossen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Inhalt des „Goldtfadens“
3 Der Löwe im Wandel der Zeit
3.1 Der Löwe im alten Orient und in Ägypten
3.2 Der Löwe in der Antike
3.3 Der Löwe im Mittelalter
4 Analyse der Rolle und Funktion des Löwen im "Goldtfaden"
4.1 Der Löwe als Symboltier im Auftakt des Romans
4.1.1 Der Löwe als friedliches Tier
4.1.2 Der Löwe als Name und Muttermal
4.2 Der Löwe im Verlauf des Romans
4.2.1 Der Löwe als Zootier und Begleiter
4.2.2 Der Löwe und die Liebe
4.2.3 Der Löwe als wildes Tier
5 Resümierende Schlussbemerkungen und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Figur des Löwen im Roman "Der Goldtfaden" von Georg Wickram, um dessen spezifische Rolle und Funktion innerhalb der Handlung sowie seine Bedeutung als Symboltier zu klären und in den Kontext der mittelalterlichen Tier-Mensch-Beziehungen einzuordnen.
- Historische Entwicklung des Löwensymbols von der Antike bis zum Mittelalter
- Symbolik des Löwen als Begleiter und Lotse des Protagonisten Lewfried
- Untersuchung der wunderbaren Geburt und der mythischen Dimensionen des Löwen
- Analyse der löwenhaften Tugenden im Kontext des ritterlichen Aufstiegs
- Der Löwe als handlungswirksame Instanz und Beschützer des Helden
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Der Löwe als friedliches Tier
Die ersten beiden Kapitel, der Auftakt des Romans, weisen das dichteste Bedeutungsgeflecht um die Figur des Löwen auf. Noch vor der Geburt des Helden im zweiten Kapitel, treten im Roman seine leiblichen Eltern, seine zukünftigen Pflegeeltern, der Löwe und auch indirekt der König auf. Lewfried wird als Sohn des Hirtenpaares Erich und Felicitas geboren, ein Paar, das sich auch durch seine immense Fruchtbarkeit auszeichnet: Erich ist von Gott „mit vil kinden, sön und töchtern“35 beschenkt worden, die später von Kaufleuten aufgezogen werden. Doch schon vor der Geburt des letzten Sohnes wird deutlich, dass es sich bei diesem nicht um ein gewöhnliches Kind handeln wird. Erich, der gute, fromme und treue Arbeiter hat die Aufgabe das Vieh auf dem Feld zu hüten, als sich ihm ein „[…] seltzam wunder, so dann zůvor niemans vormals erhört was“36 begab. Seine beiden Hunde fangen an zu bellen und Erich läuft schnell zu seiner Herde:
Als er mitten under die herdt kompt, so ersicht er einen grausammen grossen leuwen in mitten under seiner härdt, von welchem anblick er nit wenig schrecken empfing. Der leuw aber in gantz mit güte ansehen und mit demütiger geberd empfieng, seinen schwantz auff die erden klopffen gleich einem hund, so sich gegen seinem herren demütig und dienstbar beweist. Davon Erich in sonder verwunderung kam, nit wol gedencken kund, wes er sich halten solt. Also schied der leuw gantz fridsam von ihm, ließ auch das füch gantz unverletzt.37
Der Löwe wird in dieser Eingangsszene als grausamer und großer Löwe beschrieben, der sich jedoch ganz ruhig und ‚friedsam’ verhält und weder den Hirten Erich noch seine Herde angreift oder verletzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Symbolik des Löwen als „König der Tiere“ und Darstellung der Forschungsfrage zur Rolle des Löwen im Roman "Der Goldtfaden".
2 Inhalt des „Goldtfadens“: Kurze Zusammenfassung des Romans, der den sozialen Aufstieg eines Hirtensohnes zum Fürsten thematisiert.
3 Der Löwe im Wandel der Zeit: Historischer Abriss über die Bedeutung des Löwenbildes in der Antike und dem Mittelalter als Vorbereitung für die Romananalyse.
4 Analyse der Rolle und Funktion des Löwen im "Goldtfaden": Hauptteil der Arbeit, der die konkreten Funktionen des Löwen als Symboltier und Begleiter im Handlungsverlauf untersucht.
5 Resümierende Schlussbemerkungen und Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die vielfältigen Funktionen des Löwen als Symbol, Begleiter und Lotse für den Protagonisten hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Georg Wickram, Der Goldtfaden, Löwensymbolik, Mittelalter, Tier-Mensch-Beziehung, Lewfried, ritterlicher Aufstieg, König der Tiere, Symbolik, Literaturwissenschaft, Germanistische Mediävistik, Herrschaftssymbol, Begleiter, Lotse, Muttermal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und Bedeutung des Löwen in Georg Wickrams Roman "Der Goldtfaden" und analysiert dessen Einbindung in das soziale und symbolische Gefüge des Werkes.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Neben der literarischen Analyse stehen die historische Bedeutung des Löwenbildes seit der Antike, die Tier-Mensch-Beziehung im Mittelalter sowie die symbolische Legitimation des Aufstiegs des Helden Lewfried im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Figur des Löwen Lotzmann als Symbolträger, Begleiter und Lotse im Roman detailliert zu analysieren und seine handlungswirksame Funktion für den Werdegang des Protagonisten zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse mit einem historischen Exkurs zur Ikonographie des Löwen, um die Symbolik des Tieres im Textkontext fundiert zu deuten.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Löwen im Romanauftakt sowie in seinen verschiedenen Rollen als Zootier, Begleiter in Liebesangelegenheiten und als wildes Tier in Gefahrensituationen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Löwensymbolik, der Roman "Der Goldtfaden" von Georg Wickram, Mittelalter, Heldentum, soziale Mobilität und die Tier-Mensch-Beziehung.
Welche Bedeutung hat das Muttermal in Form einer Löwentatze?
Das Muttermal fungiert als physische Manifestation der besonderen Verbindung zwischen dem Löwen und dem Helden, was dessen Bestimmung zu höherem Stand und Herrschaft legitimiert.
Inwiefern erfüllt der Löwe eine Vaterfunktion für den Protagonisten?
Der Löwe erscheint zur Geburt des Helden und fungiert in der Inszenierung des Romans als mythischer Vater, der den Aufstieg des Hirtensohnes symbolisch vorwegnimmt und legitimiert.
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- Michaela Lampe (Author), 2017, Lotse, Begleiter, Symbol? Die Rolle und Funktion des Löwen in Georg Wickrams "Der Goldtfaden", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504062