Beschäftigungspolitische Aspekte der Energieproduktion


Hausarbeit (Hauptseminar), 1978

38 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wachstumstheorien und Umwelt
2.1 Die klassische politische Ökonomie
2.2 Marxistische Erklärungsansätze
2.3 Wachstum in der neoklassischen Theorie
2.4 Das Wachstumsmodell von Keynes
2.5 Das postkeynesianische Wachstumsmodell
2.6 Umwelt und neoricardianische Wirtschaftstheorie
2.7 World Dynamics Modelle
2.8 Zwischenfazit

3. Zur Problematik der Wachstumskrise
3.1 Zur Rolle der Wirtschaftswissenschaften
3.2 Neue Merkmale der Wachstumskrise
3.3 Diskrepanz zwischen Theorie und Empirie
3.4 Die Realität des Nullwachstums
3.5 Zwischenfazit

4. Gibt es einen Selbstheilungsmechanismus?
4.1 Rückkehr zur optimalen Betriebsgröße?
4.2 Strukturkrisen
4.3 Zwischenfazit

5. Umwelt und Beschäftigung – ein Fazit

6. Nachworte
6.1 Wirtschaftswachstum mit geringerem Ressourceneinsatz
6.2 Höheres Wachstum mit weniger Arbeit
6.2 Soziale Bewegungen als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung
6.3 Ausblick

7. Literatur

8. Personenverzeichnis

9. Stichwortverzeichnis

Abbildungen

Abbildung 1: Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch

Abbildung 2: Einkommensentwicklung und Umweltbelastung

Abbildung 3: Umwelt und Beschäftigung

Abbildung 4: Einteilung der Güter in der Wirtschaftswissenschaft

Abbildung 5: Gründe für ein hohes Wirtschaftswachstum

Abbildung 6: Integration von Umwelt-und Wirtschaftspolitik

Abbildung 7: Wirtschaftswachstum mit geringerem Ressourcenverbrauch

Abbildung 8: Wirtschaftswachstum und Arbeitsstunden

Abbildung 9: Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch

Tabellen

Tabelle 1: Zusammensetzung der Investitionen

Tabelle 2: Industriezweige mit eindeutiger Beschäftigungsexpansion

Vorwort zur eBook-Veröffentlichung

Die vorliegende volkswirtschaftliche Seminararbeit wurde an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main am volkswirtschaftlichen Institut von Prof. Bertram Schefold im Sommersemester 1978 erarbeitet. Es ging dabei um beschäftigungspolitische Aspekte der Energiepolitik. Das Thema Energiekrise ist aktuell, die Energiewende muss vollzogen und darf nicht ausgebremst werden. Dazu kann die Wissenschaft einiges leisten.

Eine wichtige Rolle spielte der 1968 von Industriellen und Politikern internationaler Organisationen gegründete Club of Rome. Die Studie Grenzen des Wachstums, der die Grundlagen der Umweltdiskussion beflügelte, wurde von Auto-Managern initiiert und durch den Verkauf von Autos, gewissermaßen durch die Zerstörung der Umwelt, finanziert. Von der wissenschaftlichen Methodik her wurde erstmals die Computer-Modellierung angewendet, welche schwer durch Klimaleugner widerlegt werden können.

Der Zeitgeist war beherrscht von der Studentenbewegung. Als junge Wirtschaftswissenschaftler waren wir davon schwer beeindruckt und suchten nach alternativen Antworten auf Fragen der Verteilungsungerechtigkeit, der Armut, des Hungers in der Dritten Welt und der Umweltzerstörung. Wir stellten die Systemfrage, waren aber vom real existierenden Sozialismus enttäuscht, der ebenso wie Teile der Gewerkschaftsbewegung die Umweltproblematik ignorierte oder deren Lösung erst nach der Revolution versprach. Da die sozialistische Wirtschaftsweise als Problemlösungsstrategie ausfiel, gingen wir jenseits von der Systemfrage nach Lösungen für Umweltschäden und Energiekrise. Gegen Ende der 1970er Jahre wurden Atomkraft und fossile Energieträger weder von den Gewerkschaften, noch seitens SPD ernsthaft in Frage gestellt. Die friedliche Nutzung der Kernkraft wurde propagiert. Selbst Ulrich Steger, späterer hessischer SPD-Wirtschaftsminister, warb vor seiner Läuterung noch für 33 neue Kraftwerksblöcke in der Größe von Biblis (vgl. Matthöfer 1977; Steger 1977). Das war für uns der Schrecken.

Die vorliegende Hauptseminararbeit entstand zur gleichen Zeit, als der Lehrstuhlinhaber für die Energie-Enquete-Kommission der damaligen Bundesregierung wirkte. Energiesparen ohne Komforteinbuße sollte der „historische Kompromiss“ sein (Meyer-Abich/Schefold 1981, Bauerschmidt 1977; Meyer-Abich/Schefold 1986). Wir partizipierten als Studierende in gewisser Weise von dieser Diskussion und spekulierten vom Sinneswandel der damaligen Regierungspartei SPD. Von Ausstieg aus der Atomkraft war dennoch kaum die Rede. Viele Fragen waren noch ungeklärt. Etwa die Frage, ob tatsächlich die Energieknappheit der Grund für die autofreien Sonntage 1973 war. Daher wollten wir mehr und gründeten das „Institut für radikale Ökologie“. Der Slogan „Umwelt schützen – Lohn für Nicht-Arbeit“, diente mir fortan als Richtschnur.

Was sich zu Anfang der 1970er Jahre ebenso abzeichnete, war das Scheitern der Konzertierten Aktion von Globalsteuerung und Keynesianismus. Dieser schaffte noch in den 1960er Jahren Wachstum und Vollbeschäftigung. Sollte dies nun alles vorüber sein? Die Erdölpreiskrise wurde zugleich interessensgeleitet genutzt, die Macht der Gewerkschaften und die Lohnsteigerungen zu beschränken. Unsere Wirtschaftsprofessoren dozierten gemäß der neoklassischen Theorie, die Löhne seien an allem Schuld. Es kam zur monetaristischen Wende, zur Angebots- und Austeritätspolitik. Träume von Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und von der Befreiung von falscher Arbeit mussten begraben werden.

Abbildung 1: Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Umwelt Schweiz: Statistiken und Analysen (2011)

Abbildung 1 zeigt, dass sich der Anstieg der Wirtschaftsleistung durch geringeren spezifischen Primärenergieverbrauch verbesserte. Heute bestehen Anzeichen dafür, dass dieser Zusammenhang schwächer wird oder sich in sein Gegenteil verkehrt.

Ein Ergebnis des Hauptseminars war die Fokussierung auf das qualitative, statt auf das rein quantitative Wirtschaftswachstum. Ein anderes Ergebnis war es, dass ich begann, über ein garantiertes Mindesteinkommen nachzudenken, welches mein Interesse seitdem nicht mehr losgelassen hat.

Der Text wurde überarbeitet und die Abbildungen aktualisiert. Damals wie heute ist er ein Plädoyer für die Energiewende, welche über Energiesteuern finanziert wird.

KUG, Herbst 2019

1. Einleitung

Die Entwicklung der Wirtschaftsgesellschaft zeigte bislang einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Energieverbrauch. Doch was passiert, wenn die ehemals billigen und frei zugänglichen natürlichen Ressourcen mit eingepreist werden müssen, weil das Wasser verseucht und die Luft verschmutzt sind, die Gletscher abschmelzen? In welcher Weise Einkommensentwicklung und Umweltbelastung korrelieren, dafür lassen sich verschiedene Annahmen treffen. Ökonometrische Modelle helfen dabei.

Häufig wird die These vertreten, dass Bruttoinlandsprodukt und der Verbrauch an Primärenergie entwickeln sich gleichförmig in die gleiche Richtung. Durch den technischen Fortschritt können Energiekosten gesenkt werden und es lässt sich fragen, brauchen wir zur Sicherung von Produktionswachstum und zur Vollbeschäftigung wirklich mehr Energie? Sind mehr Kohle- und Atomkraftwerke erforderlich, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Welchen Beitrag können erneuerbare Energien oder Energieeinsparungen spielen, klimaschädliche Energieerzeugung zu substituieren? Diese Fragen sind Teil des gesellschaftlichen Diskurses.

Lässt sich Beschäftigung, Wachstum und Umweltbelastung entkoppeln? Anhand sektoraler und globaler Analysen lässt sich zeigen, dass die Sicherung des Wohlstandes ebenso denkbar ist ohne einen großen Energiezuwachs. Abbildung 2 macht deutlich, dass verschiedene Szenarien möglich sind, verschiedene Verbräuche angenommen und Umweltbelastungen vermieden werden können.

Abbildung 2: Einkommensentwicklung und Umweltbelastung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene

Zu Grafik 1-6: Abgebildet sind mögliche Verläufe von Pro-Kopf-Einkommen (x-Achse) entsprechend eines jeweiligen Beschäftigungsgrads1 und Umweltverschmutzung bzw. Energieverbrauch (y-Achse).

Im Fall der Environmental Kuznets Curve (EKC) wird ein Zusammenhang zwischen Pro-Kopf-Einkommen eines Landes und Grad der Umweltverschmutzung hergestellt. Danach nehmen die Emissionen verschiedener Umweltschadstoffe in einer sich entwickelnden Volkswirtschaft zunächst bis zu einem Gipfel zu. Nach dem Peak sinkt der Energieverbrauch trotz steigender Beschäftigung und des steigenden Pro-Kopf-Einkommens. Ähnlich der eigentlichen Kuznets-Kurve kann die EKC auch die Form eines umgekehrten U annehmen. Denkbar ist auch die N-Form, wonach die Umweltbelastungen nach dem Abfallen wieder steigen können. Besonders umweltschädlich ist es, wenn die Umweltbelastungen exponentiell ansteigen. Die Prognose künftigen Energiebedarfs aufgrund von Extrapolationen der globalen Wirtschaft erweist sich als äußerst ungenau. Branchenspezifische Schätzungen lassen die Vermutung zu, dass die Zuwachsraten des Energiebedarfs der letzten Jahre in Zukunft zurückgehen werden (Legler/Jochem 1977). Dafür spricht, dass der Einsatz sparsamer Technik in allen Bereichen von Beleuchtungstechnik bis Prozesssteuerung weniger Energie zur Herstellung und zum Betrieb benötigt. Andererseits kann sich die Digitalisierung oder die E-Mobilität negativ auf die Energiebilanz auswirken, wenn der Energiehunger steigt.

Gibt es eine Wirtschaftsweise, welche die Umwelt schont ohne Arbeitslosigkeit hervorzurufen? Gibt es weniger Wirtschaftswachstum ohne Komforteinbußen? Wie reagiert der Sozialstaat auf diese Herausforderungen? Diese Fragen werden hier untersucht.

2. Wachstumstheorien und Umwelt

2.1 Die klassische politische Ökonomie

Zentrale Fragestellung der Wirtschaftstheorien ist die Suche nach den Bestimmungsgründen für die Verteilung des Wohlstands und des Wirtschaftswachstums.

Der klassische Ökonom David Ricardo geht davon aus, dass die Grenzen des Wachstums dann erreicht sind, wenn infolge des abnehmender Bodenqualität keine anbaufähigen Landgebiete zur Verfügung stehen oder durch geringere Grenzerträge nutzbar gemacht oder Nahrungsmittel aus anderen Volkswirtschaften billig importiert werden können. Wirtschaftswachstum und Beschäftigung wird erzielt durch die bei der Akkumulation des Kapitals realisierten Profite, aus denen eine bestimmte Investitionssumme resultiert. Die Profitrate richtet sich vor allem nach der Höhe der Lohnkosten, die durch die Preise der Nahrungsmittel bestimmt sind. Dem hingegen sinken nach Thomas Malthus die Grenzerträge des Bodens aufgrund des Bevölkerungswachstums.

Das Wachstumsmodell der Klassiker basiert auf der Annahme des Zustandes einer stationären Wirtschaft als Ende des wirtschaftlichen Wachstumsprozesses. Steigende Nominallöhne, steigende Grundrenten, aber sinkende Profite, dadurch Beendigung der Nettoinvestitionen kennzeichnen diesen Zustand.

2.2 Marxistische Erklärungsansätze

Ein Fallen der Profitrate war innerhalb der klassischen Nationalökonomie eine geläufige Vorstellung. Adam Smith, David Ricardo und Mill stellten sich vor, dass unter bestimmten Gegebenheiten einer stationären Volkswirtschaft die Profitrate allmählich sinken müsste. Karl Marx begründet, ganz in der Tradition der klassischen Theorie, das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Dabei grenzt er sich von der klassischen Vorstellung ab, dass die Profitrate deshalb sinkt, weil Bodenschätze immer knapper werden. Bei Smith kritisiert er die Aussage, dass der Profitratenfall unmittelbar auf die Konkurrenz unter den Unternehmen zurückführt. Der Profit kann nicht daher stammen, dass die Kapitalisten untereinander tauschen, untereinander Waren kaufen und verkaufen, untereinander Geld leihen und verleihen. Was der eine gewinnt, verliert der andere. Nach Marx ist es die Logik des Kapitals selbst, welche zu dem Gesetz führt.

Wichtigste Bausteine marxistischer ökonomischer Theorie sind die klassische Arbeitswertlehre, die Thesen zur Konzentration, die industrielle Reservearmee, sowie die Annahme des tendenziellen Falls der Profitrate. Die Profitrate muss tendenziell fallen, weil die organische Zusammensetzung des Kapitals ansteigt. Mehrwert kann nur aus Lohnarbeit generiert werden. Der Wert der angewandten Maschinerie wird nur via Abschreibungen in den Produktionswert übertragen. Für die Kapitalisten in ihrer Gesamtheit kann durch Kauf und Verkauf von Maschinen und ihrer Leistungen kein neuer Wert, schon gar kein Mehrwert, gebildet werden. Mehrwert kann nur gebildet werden, weil Lohnarbeiter ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen und dies unter der Bedingung, dass sie diesen einen Mehrwert schaffen.

Die Lohnarbeiter schaffen den Mehrwert, indem sie ihre Ware, die Arbeitskraft, zu ihrem Wert an die Kapitalisten verkaufen. Für die Kapitalisten rentiert sich dieses Geschäft nur, wenn die Lohnarbeiter länger arbeiten, mehr Produkte herstellen, als zu ihrer eigenen Selbsterhaltung notwendig. Die geleistete unbezahlte Mehrarbeit, das Mehrprodukt, ist eine Gratisleistung an die Kapitalisten, bewertet ist es der Mehrwert.

Die Theorie des Zusammenbruchs des Kapitalismus basiert gleichfalls auf der Arbeitswertlehre und dem Absinken der Gewinne. Das Produkt der Arbeit für den Mehrwert eignet sich die Kapitalistenklasse an, die auf die eine oder andere Art ihre Kontrolle über die Produktionsmittel aufrechterhält.

Während noch zu Beginn einer solchen Klassengesellschaft Produktionsverhältnisse vorteilhaft für die Entwicklung der Reproduktion sind, so schlagen diese Verhältnisse allmählich in Fesseln der Produktivkräfte um. Die Folge davon ist eine Epoche sozialer Revolutionen, infolge dessen sich die Produktionsverhältnisse ändern. Damit wälzen sich auch der ganze Überbau, die juristischen, sozialen, politischen und allgemein kulturellen Bedingungen allmählich um. Der tendenzielle Fall der Profitrate ist, verursacht durch die steigenden Ausgaben der Kapitalisten für laufende Vorleistungen und Maschinen (organische Zusammensetzung des Kapitals), für Marx die wichtigste Ursache der Krisenanfälligkeit des Kapitalismus (MEW, Band 25, S. 221 ff).

Dem tendenziellen Fall der Profitrate tritt das Kapital mit dem Übergang von der relativen Mehrwertproduktion zur absoluten Mehrwertproduktion gegenüber, d.h. es versucht die Lohnquote im Verhältnis zur Profitquote zu senken (vgl. Sohn-Rethel 1973: 122 f.) Dies ist nur im faschistischen oder antidemokratischen Atomstaat möglich.

Nach Karl Marx ist die Verelendung verantwortlich für den tendenziellen Fall der Profitrate. Aber wie sollen schlecht ausgebildete, verelendete Arbeiter teure und komplizierte Maschinen bedienen können? Wenn man den Kapitalkoeffizienten heranzieht, wird klar, dass der tendenzielle Fall der Profitrate nicht aus der besseren Technik, sondern wegen gesunkener Profitquote resultiert. Also nur dann, wenn die Arbeiter höhere Löhne durchsetzen können. Dass die Lohnexplosion verantwortlich an der Profitklemme sein kann, sagt Marx nicht.

2.3 Wachstum in der neoklassischen Theorie

Die neoklassische Wachstumstheorie fragt danach, wie wirtschaftliches Wachstum entsteht und dauerhaft sein kann. Dabei geht es um die Allokation von Ressourcen in einer gegebenen Situation. Dieses Problem des optimalen Mitteleinsatzes wurde in der Folge vorwiegend auf der mikroökonomischen Ebene betrachtet, wobei eine Substitution der Produktionsfaktoren als möglich angesehen wurde. Dabei wird kein konstanter Kapitalkoeffizient, sondern entsprechend der nutzentheoretischen Betrachtung eine variable Profitrate angenommen. Und das heißt für unsere Fragestellung, dass es immer bessere, arbeitssparende, Ressourcen schonende Maschinen gibt. Eine Rückkehr zur alten Technik wird ausgeschlossen. Wenn die externen Kosten der Produktion (Umweltzerstörung) eingepreist wird, dann schon dies auch die Umwelt. Maschinen ersetzen die Arbeitskraft. Erhöht die OPEC den Rohölpreis arabischer Staaten, kann sich Fracking in Alaska lohnen .

Wirtschaftliches Wachstum wird v.a. durch den technischen Fortschritt erklärt. Beschreiben lässt sich das so, dass es am Einsatz von originären Faktoren (wie natürlichen Ressourcen und menschlicher Arbeitskraft) und produzierten Faktoren (wie Maschinen und erlerntem Fähigkeiten) geht. Es gibt mithin die Tendenz, Arbeit durch Kapital zu ersetzen. Es ist aber auch der umgekehrte Fall denkbar, dass Unternehmen zunächst, bei steigenden Löhnen, zu einer arbeitssparenden Produktionstechnik wechseln, und dann, wenn die Löhne noch weiter steigen, "paradoxerweise" wieder zur ursprünglichen Technik "zurück wechseln". Die Rückkehrmöglichkeit zur alten Technik (Reswitching) lässt sich jedoch im Rahmen der neoklassischen Theorie nicht darstellen.

Die Annahme einer gemeinsamen Wachstumsrate der Investition, der Bevölkerung und des technischen Fortschritts ist empirisch nicht haltbar (Geserich 1980). Wie Abb. 3 zeigt, gibt es unterschiedliche Konstellationen. Schon in der Theoriegeschichte stellte sich die Neoklassik als unbrauchbarer Versuch dar, Verteilung und Beschäftigung zu erklären.

Abbildung 3: Umwelt und Beschäftigung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Edler/Blazejczak (2014)

Eine zweite Kritik ergibt sich aus der Kapitalkontroverse. Die neoklassische Antwort auf die Verteilung von Profitrate und Reallohnsatz innerhalb ihres Gleichgewichtssystems von Angebots-Nachfrage-Funktionen wird durch die Grenzproduktivitätstheorie versucht zu lösen. In der Cambridge (USA)-Cambridge (UK)-Debatte ging es um aggregierte Produktionsfunktion.

Konsequenz: die Erklärung, dass sinkende Reallohnsätze die Beschäftigung erhöhen, hat keine theoretische Basis mehr. Übertragen auf die Fragestellung der Hausarbeit ergäbe sich damit zweierlei: Einmal die Rückkehrmöglichkeit zur alten Ressourcen verschlingende, umweltschädliche Technik. Voraussetzung dafür dürfte die Schaffung eines Niedriglohnsektors sein. Zweitens: Sinkende Reallohnsätze, bzw. Rückkehr zur alten Technik, erhöhen die Beschäftigung nicht.

2.4 Das Wachstumsmodell von Keynes

Im keynesschen Wachstumsmodell lassen sich Argumente für bestimmte politische Interventionen in den Marktmechanismus (Wettbewerbs-, Umwelt-, Verteilungspolitik) finden.

Die Frage des Wachstum ist bei John M. Keynes zentral. Als Triebfeder des Wachstums werden die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage und die Investitionen gesehen („ investment-driven “), um das Versagen des Preisbildungsmechanismus auf den Gütermärkten zu kompensieren. Der Staat müsse in diesem Fall durch geeignete Maßnahmen für eine ausreichende Güternachfrage sorgen. Folgerichtig wird das Saysche Gesetz, wonach sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage schafft, nicht akzeptiert. Vielmehr gilt die effektive Nachfrage als Wachstumsmotor.

Keynes entwickelte bereits 1930 die Vision einer Zukunft, in der die Menschen den gesellschaftlich erarbeiteten und dadurch enorm gewachsenen Wohlstand in erster Linie einfach nur noch genießen, anstatt durch gleichbleibende Arbeitsleistung immer weiter zu wachsen. Für das Jahr 2030 avisierte Keynes damals eine durchschnittliche Arbeitszeit von etwa 15 Stunden in der Woche, die genügen sollten, um allen ein ausreichend gutes Leben zu ermöglichen. Was den wachsenden gesellschaftlichen Wohlstand angeht, war Keynes‘ Vision äußerst treffsicher. Was Themen wie soziale Ungleichheit und Umweltzerstörung angeht, ist das anders. Auch müsste es um einen anderen Begriff von Wohlstand gehen, der sich nicht mehr nur materiell versteht und allein am stetigen Wachstum des BIP orientiert ist. Ziel wären eine Abkehr vom Wachstumsparadigma und umweltschonende Investitionen.

2.5 Das postkeynesianische Wachstumsmodell

Keynes fragt nicht nach der Art des Wachstums. Dies ist auch im postkeynesianischen Wachstumsmodell nicht anders. Im Harrod-Domar Modell, der Weiterentwicklung des keynesianischen Modells, wird dem Einkommenseffekt der Investitionen, d.h. der Bedeutung der Profite, die wesentliche Bedeutung beigemessen. Dies steht im Gegensatz zum Klassischen Modell, wo der Kapazitätseffekt, d.h. der Produktionsmöglichkeiten, der Hauptpunkt der Analyse ist.

Die postkeynesianische Wachstumstheorie bezieht sich auf das Harrod-Domar-Modell und deren Weiterentwicklung durch Kalecki, Robinson und anderen. Harrod (1939) und Domar (1946) leiten aus der keynesianischen Beschäftigungstheorie Bedingungen für ein Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren ab. Sie suchen nach Wegen für ein makroökonomisches Gleichgewicht. Für die Vertreter des postkeynesianischen Wachstumsmodells handelt es sich um instabile Gleichgewichte. Demzufolge fordern sie bei einer Abweichung vom Wachstumspfad einen stabilisierenden Eingriff vom Staat durch antizyklische Fiskalpolitik.

Die wichtigste wirtschaftspolitische Implikation des Modells besteht in der außerordentlichen Bedeutung der angenommenen Gleichheit von Spar- und Investitionsfunktion. Die Hypothesen des postkeynesianischen Modells behaupten, die Wachstumsrate des Produkts und des Kapitalstocks sei gleich. Diese durchschnittliche, einheitliche Wachstumsrate ergebe sich aus dem Bevölkerungszuwachs und aus dem technischen Fortschritt.

Wirtschaftliches Ungleichgewicht entsteht nur dann, wenn der 'Goldenen Regel der Akkumulation' nicht entsprochen wird, d.h. dass aller Profit investiert und alle Arbeitseinkommen konsumiert werden. Über den Multiplikatoreffekt wächst dann das Einkommen (Y).

Neben den Annahmen einer gleichgewichtigen Wachstumsrate kann es auch in der tatsächlichen Wachstumsrate zu säkularen Instabilitäten kommen. Diese sollen dann durch staatliche Steuerung, d.h. Investitionsanreize des Staates, behoben werden. Koordinierende Staatseingriffe werden im Harrod-Domar Modell empfohlen, um Krisen zu vermeiden.

Wachstum wird nur bei Forcierung der Investitionen erreicht, d.h., je höher der Profitanreiz ist, desto mehr wird investiert. Das heißt, dass die Unternehmer es selbst in der Hand haben, durch Festlegung ihrer Ausgaben über ihre Einkommen zu entscheiden; oder in den Worten von Nicholas Kaldor: „ Capitalists earn what they spend, and workers spend what they earn “. Als Wachstumsbremse hat sich seit Ende der 1960er Jahre weltweit der Anstieg der Geldlöhne erwiesen, welche den Stachel der Gewinnerwartung erschlaffen ließ.

2.6 Umwelt und neoricardianische Wirtschaftstheorie

Gemäß der Neoklassik führen steigende Löhne dazu, dass die Kapitalisten Produktionstechniken wählen, die weniger Arbeit benötigen, dafür mehr Produktionsmittel wie Maschinen. Die Kapitalisten weichen also der teurer werdenden Arbeit aus und wählen dafür Techniken, die zum Ausgleich mehr Produktionsmittel benötigen. Sie substituieren Arbeit durch „Kapital“.

Bahnbrechendes leistete Piero Sraffa. Er verstand sein Modell als Kritik an neoklassischen Modellen. Sein Modell führte zur „ reswitching “-Debatte. Sraffa entwickelte eine Theorie der Produktionspreise. Sein Ansatz ist, dass jede Ware zu ihrer Produktion Waren in einer bestimmten Menge benötigt. Für jede Ware kann somit eine Gleichung aufgestellt werden, in der aufgeführt wird, welche anderen Waren in welchen Mengen zu ihrer Herstellung notwendig sind. Wenn dies für jede Ware geschehen ist, erhält man ein Gleichungssystem, das angibt, in welchem Verhältnis die verschiedenen Waren getauscht werden müssen. Ist eine Ware der Numéraire, dann sind alle Preise gegeben. Allerdings hat das Gleichungssystem noch einen „Freiheitsgrad“, so dass eine Größe, etwa der Lohn, festgelegt werden muss. Geht man beispielsweise davon aus, dass die Arbeiter einen bestimmten Warenkorb kaufen müssen, damit sie ihre Arbeitskraft erhalten können (Subsistenzlohn), dann ist diese Festlegung erfolgt. Als „Restgröße“ verbleibt der Profit und eine Profitrate lässt sich dann auch ausrechnen, die umso niedriger ist, je höher der Lohnsatz festgelegt wird. Werden die Profite voll reinvestiert in mehr Arbeitskräfte und mehr Produktionsmittel oder anders ausgedrückt, wird das Mehrprodukt jedes Mal voll zur Erweiterung des gesamtwirtschaftlichen Produktionsumfanges genutzt, dann wächst die Wirtschaft mit einer Rate, die gleich hoch ist wie die Profitrate (vom Konsum der Unternehmer wird auch abgesehen). Beträgt die Profitrate etwa 3 Prozent, dann werden jedes Jahr 3 Prozent mehr Arbeitskräfte eingestellt und es wird von allem 3 Prozent jährlich mehr produziert.

Bei Sraffa muss die Profitrate sinken, wenn die Löhne steigen. Dasselbe hatte schon David Ricardo behauptet. Deshalb wird die Konzeption von Sraffa auch als neoricardianisch bezeichnet. Bei Marx können dagegen sowohl die Löhne sinken, als auch die Profitrate, wenn etwa der Kapitalaufwand für Produktionsmittel entsprechend stark zunimmt.

Sraffa bleibt gedanklich in der Welt der komparativ-statischen Analyse verfangen. Verschiedene Volkswirtschaften mit einer bestimmten Produktionstechnik werden miteinander verglichen. Wird eine neue Technik eingesetzt, so wird untersucht, wie sich diese technische Neuerung auf eine Volkswirtschaft auswirkt. Beim Einsatz einer kapitalintensiveren Technik wächst eine Volkswirtschaft schneller mit einer immer höhere „Profitrate“.

Bei Marx ist dagegen es umgekehrt und die Einführung neuer Techniken nie abgeschlossen. Ständig werden alte Anlagen durch technischen Fortschritt entwertet, was die Profitrate mindert, immer größere Teile des Profits dienen nicht mehr der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze, sondern dem vermehrten Einsatz von Produktionsmitteln je Arbeitsplatz. Diese Dynamik kann von Sraffa-Modellen nicht erfasst werden.

Für meine Fragestellung ist die Erkenntnis entscheidend, dass sich durch einen Wandel in der Energiepolitik die Produktionskosten fallen und die Profitraten verbessern können.

2.7 World Dynamics Modelle

Im Auftrag des 1968 gegründeten Club of Rome, und finanziert durch die Volkswagenstiftung erarbeiteten Dennis und Donella Meadows die 1972 veröffentlichte Studie Grenzen des Wachstums. Erstmals wurde eine in den Folgejahren verfeinerte Computersimulation verwendet, welche die ersten Ergebnisse prinzipiell bestätigt. Beim dynamischen Weltmodell von Meadows werden verschiedene Faktoren gegenübergestellt (Nahrungsmittelproduktion, Rohstoffvorräte, Umweltverschmutzung, Industrieproduktion) und in mehreren Computerdurchläufen getestet.

Der Computerfachmann Forrester lieferte die systemtheoretischen Grundlage von Grenzen des Wachstums, jener Studie, die zum zentralen Schluss kommt, dass die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht sein werden (vgl. Meadows 1972). Sie begründen dies mit Zunahme der Weltbevölkerung, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, geringe Nahrungsmittelproduktion und Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen. Aus den Modellaussagen folgt, dass das Weltsystem am Anfang des kommenden Jahrhunderts zusammen brechen wird, wenn die Zielsetzungen nicht geändert werden. Den Kollaps zu vermeiden, bedeutet, das Wirtschaftswachstum umgehend in ein Nullwachstum umzuwandeln.

Ein weiteres Modell kommt mit leicht veränderten Parametern zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Im Modell von Mesarovic-Pestel wird die Erde als ein System unterschiedlicher Regionen gesehen, die zwar miteinander verbunden, aber separat zu beurteilen sind. Kultur, Tradition und Entwicklung sind regional zu unterschiedlich für eine einheitliche Betrachtung. In den einzelnen Regionen erfolgt der Zusammenbruch daher aus verschiedenen Gründen zu unterschiedlichen Zeiten. Ein einheitlicher Zeitpunkt ist unrealistisch. Nur weltweltweite Maßnahmen zur Krisenbewältigung können helfen. Die Lösung ist eine organisches und auf die Region abgestimmtes Wachstumsstrategie, um die Krisen zu bewältigen. Die Maßnahmen dürfen allerdings nicht verzögert werden, sonst sind tödliche Folgen unvermeidbar (Mesarovic/Pestel 1974).

Die Kritik der meisten Ökonomen an den World Dynamics Modellen richtet sich an die angenommene Verknappung der Ressourcen. Was ist vom Argument zu halten, dass die Preise wegen Verknappung der Rohstoffe als Verteilungsmechanismus fungieren, so dass sich eine endgültige Erschöpfung verhindert lasse. Wenn ehemals frei zur Verfügung stehende Güter (z.B. Wasser) mit hohem Kostenaufwand erst reproduziert werden müssen, oder es zu einer zunehmenden Verknappung der Rohstoffe kommt, dann werden die Schäden preislich kalkuliert und die Preise steigen vor dem Hintergrund der Gewinnmaximierungsbedingung (vgl. Schneider/Schulz 1976). Ebenso ist zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen zur Beschränkung des Wachstums zumindest in der westlichen Welt erst gar nicht als Zielgrößen postuliert werden müssen (Geserich 1980).

Außerdem wird an den World Dynamics Modellen kritisiert, dass der historische Ansatz von Malthus an überholt sei. Das Bevölkerungswachstum ist nicht durch die endliche Nahrungsmittelproduktion begrenzt. Zweitens wird behauptet, eine Überschusskrise mit entsprechender Nachfragelücke löste einen Selbstzerstörungsmechanismus aus (vgl. Forrester, Gay W.: 1972). Diese Annahmen sind zweifelhaft und irreführend.

Drittens lautet eine Kritik, dass Forrester vergeblich versuche, die abnehmende Erträge bzw. Grenznutzen des Bodens aufzuzeigen (Robinson/Eatwell: 1977: 52 ff).

Die Studien Grenzen des Wachstums von Meadows et al. lösten ein Umdenken insbesondere in den westlichen Staaten aus. Verstärkt durch die politisch motivierte Erdölpreiskrise von 1973 kam es zur Umweltbewegung. Beides bedingten die Entwicklung neuer Technologien, erhöhter Energieeffizienz und einem „qualitativen Wachstum“ mit stärkerer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Umweltverschmutzung.

2.8 Zwischenfazit

Welche Folgen hat es, wenn die Ressourcen knapp und teuer werden? Dazu gibt es unterschiedliche wirtschaftstheoretische Ansätze. In der klassischen Wirtschaftstheorie werden die Preise von den Produktionskosten bestimmt. Sollten sich die Kosten erhöhen, sinkt die Profitrate. Während hier der Produktionsfaktor Boden noch eine Rolle spielt, wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der neoklassischen Theoriefamilie der Boden meist zum Kapital gerechnet. So wird von zwei Produktionsfaktoren, Arbeit und Kapital, ausgegangen. Insbesondere in der Umwelt- und Ressourcenökonomik wird aber auch die Bedeutung von Natur bzw. Rohstoffen als Teil des Faktors Boden untersucht.

Als vorläufiges Fazit lässt sich festhalten, dass qualitatives Wachstum oder der Umweltgedanke weder bei Keynes, noch beim postkeynesianischen Wachstumsmodell eine Rolle spielt. Investitionen für den Klimaschutz lassen sich zwar nicht ausschließen, genießen aber per se keine Priorität. Nullwachstum ist für Keynesianer eher ein Zeichen eines wirtschaftlichen Ungleichgewichts.

Gemäß der neoricardianischen Theorie erhöhen Umweltschäden die Produktionskosten und die Profitrate fällt. In den Kostenrahmen müssten die externen Kosten eingepreist werden. Die Internalisierung externer Effekte soll die volkswirtschaftlich relevante Fehlallokation (Marktversagen) beseitigen. Das Verursacherprinzip kann als Leitbild der Umweltpolitik (umweltpolitische Leitbilder) dienen. Dies lässt sich durch unterschiedliche Instrumente erreichen. Bei einer geringen Anzahl Beteiligter und einem guten Informationsstand der Beteiligten sind Verhandlungslösungen möglich (Coase-Theorem). Nimmt die Anzahl der Beteiligten zu, so bieten sich Ökosteuern und Zertifikate an.

Der Verbrauch fossiler Ressourcen, die nur begrenzt zur Verfügung stehen, schadet langfristig dem Wirtschaftswachstum und dem Wohlstand. Besser für wachsenden Wohlstand ist der steigende Einsatz von erneuerbaren Energien, klimaschonender Mobilität, besserer Gesundheitsvorsorge sowie Techniken zur Herstellung von sauberem Trinkwasser.

3. Zur Problematik der Wachstumskrise

3.1 Zur Rolle der Wirtschaftswissenschaften

Bisher wurde versucht zu begründen, warum die Wirtschaftstheorie nur schwer mit den neuen Thesen des aus Umweltgründen begrenzten Wachstums zurechtkommt. Unter ökonomischem Wachstum lässt sich die globale Mehrung des Reichtums bzw. des Wohlstandes verstehen. Dabei wird die rein quantitative Zunahme des Sozialproduktes als Erfolgsmesser verwendet. Es ist bemerkenswert, dass Wirtschaftswachstum stets als Ziel staatlicher Wirtschaftspolitik und nicht als Ergebnis bzw. Rahmenbedingungen fungiert.

Statt nach den Gründen und der Begründungen für Wirtschaftswachstum zu fragen, oder ob es wünschenswert sei, lautet die Problemstellung der herkömmlicher Ökonomie, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit dieser Prozess störungsfrei und gleichgewichtig abläuft. „Anwachsen des Bruttosozialproduktes muss gut sein, unabhängig davon, was angestiegen ist und wer - wenn überhaupt jemand- davon einen Nutzen hatte. Die Vorstellung, dass es sich um krankhaftes Wachstum handeln könnte, um ungesundes, zerstörerisches oder schädliches Wachstum ist für ihn eine widernatürliche Vorstellung der man nicht nachgehen darf.“ (Schumacher 1977:43)

Wachstum lässt sich beschäftigungspolitisch begründen, als Grundlage für die Sicherung der Arbeitsplätze. Wachstum, gleichgestellt mit der rein quantitativen Errichtung neuer Produktionsanlagen ist nur möglich, wenn diese Produktionsanlagen der nötigen Energiemenge zur Verfügung steht. Was bedeutet nun eine Forderung nach mehr Energie? Wie die Empirie zeigt, heißt mehr Energieverbrauch auch gleichzeitig mehr Maschinen vorrangig für Rationalisierungsinvestitionen, da menschliche Arbeitskraft teurer ist als maschinelle. (Frage nach Wirtschaftlichkeit). Somit erscheint die These Vollbeschäftigung durch Wachstum als Widerspruch in sich selbst.

Die Wirtschaftswissenschaften liefern Kriterien dafür, was wirtschaftlich und was unwirtschaftlich ist. Wirtschaftlichkeit wird dabei rein quantitativ in monetären Einheiten, dem Geld gemessen und jedes Gut hat seinen Preis. Geld und Profit sind der höchste aller Werte in der ökonomischen Sichtweise. Im Umkehrschluss heißt dies, dass nichts wert ist, was keinen Preis hat, auch wenn es lebensnotwendig ist und sinnlos, selbst wenn es einen Geldwert besitzt. Und dazu gehört die Natur, sofern sie ein freies Gut ist.

Natur gehört zu den freien Gütern und kann, muss aber nichts kosten. Das mag ein Grund dafür sein, dass qualitatives Wachstum einen schweren Stand hat. In der Abbildung sind die Begriffe aufgeführt. Es wird deutlich, dass ein Teil der wirtschaftlich notwendigen Güter entweder erst hergestellt oder für die Zwecke der Güterproduktion erst in einen bearbeitbaren Zustand gebracht werden müssen. Die Kategorie eines Gutes bezeichnet Gegenstände, Umstände oder Rechte, die auf eine in Geldeinheiten bewertete wirksame Nachfrage stoßen oder stoßen müssen.

Abbildung 4 enthält eine schematische Übersicht über die theoretische Einteilung der Wirtschaftsgüter, wie sie in vielen Lehrbüchern so oder so ähnlich zu finden ist.

[...]


1 Beschäftigungsgrad (Def.): Auslastungsgrad des in einer Volkswirtschaft vorhandenen Erwerbspersonenpotenzials, d.h. Zahl der im Inland Beschäftigten (oder Erwerbstätigen) in Prozent des Erwerbspersonenpotenzials.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Beschäftigungspolitische Aspekte der Energieproduktion
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Volkswirtschaftliches Institut insb. Wirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Ökonomische Probleme der Energieproduktion
Note
2,0
Autoren
Jahr
1978
Seiten
38
Katalognummer
V504064
ISBN (eBook)
9783346047571
ISBN (Buch)
9783346047588
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Seminararbeit wurde an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main am volkswirtschaftlichen Institut im Sommersemester 1978 eingereicht. Es ging dabei um beschäftigungspolitische Aspekte der Energiepolitik. Das Thema Energiekrise ist aktuell, die Energiewende darf nicht ausgebremst werden. Dazu kann die Wissenschaft einiges leisten. Der Text wurde durchgesehen, leicht revidiert und die Abbildungen aktualisiert. Damals wie heute ist die Arbeit ein Plädoyer für die Energiewende, welche über Energiesteuern zu finanzieren ist.
Schlagworte
Beschäftigung, Energie, Keynes, Kaldor, Lohndynamik, Atomenergie, Umwelt, Grenzen des Wachstums, Wirtschaftstheorie, Wirtschaftsstile
Arbeit zitieren
Klaus-Uwe Gerhardt (Autor)Malte Gerhardt (Lektor), 1978, Beschäftigungspolitische Aspekte der Energieproduktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504064

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