In diesem Theorieprojekt möchte ich die (Geschlechter-)Identitätsentwicklung des Kindes im Kindergartenalter (3-6 Jahre) thematisieren und die Bedeutung der Rolle des Vaters für diese Entwicklung herausfinden. Zunächst beschreibe ich die aktuellen Familienstrukturen, die Rollen der Eltern und den aktuellen Forschungsstand. Daraufhin gehe ich nochmal näher auf die Rolle des Vaters bei der Identitätsentwicklung ein, beschreibe welche Auswirkungen dies auf das Aufwachsen des Sohnes ohne Vater haben könnte und erläutere im Hinblick auf das Thema die Bedeutung der Geschlechteridentität. Danach befasse ich mich mit 3 Theorien, die die Entwicklung der (Geschlechter-) Identität und die Bedeutung des Vaters beleuchten sollen: der Identitätstheorie nach Lothar Krappmann, die Geschlechtertheorie von Judith Butler sowie die Theorie der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch als Konzept der Sozialen Arbeit.
Am Ende jeder vorgestellten Theorie untersuche ich diese dahingehend was sie über die (Geschlechter-)Identitätsentwicklung des Kindes aussagt und inwiefern die gewonnenen Erkenntnisse mit den zuvor in der Einleitung und Hinführung aufgestellten Behauptungen und Aussagen übereinstimmen. Im Fazit nehme ich Stellung zum Theorieprojekt und fasse die Ergebnisse zusammen und leite daraus einen Auftrag bzw. Ausblick für die Soziale Arbeit ab.
In einer Zeit in der sich die Gesellschafts- und Familienstrukturen ändern, in der Normalerwerbsbiografien brüchig sind, Frauen einer regelmäßigen Erwerbsarbeit nachgehen und Väter sich innerhalb der Familie stärker engagieren, steigt das Interesse an der Bedeutung und des Einflusses des Vaters auf die Entwicklung der Kinder. Der Einfluss der Mutter für ihr Kind ist unbestritten - von ihrer biologischen Funktion bis hin zur Rolle als Mutter und wichtige Bindungsperson. Doch wozu brauchen Kinder einen Vater und welche Rolle spielt er für die Entwicklung der Kinder?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Die Rolle des Vaters bei der Entwicklung des Kindes
2.2 Auswirkungen des Aufwachsen ohne Vater auf den Sohn
2.3 Entwicklung und Bedeutung von Geschlecht und Geschlechtsidentität
3. Soziologische Theorie zum Identitätsbegriff (Lothar Krappmann)
3.1 Zentrale Prämissen und Aussagen
3.2 Relevanz im Hinblick auf die Fragestellung
4. Geschlechtertheorie nach Judith Butler
4.1 Zentrale Prämissen und Aussagen
4.2 Relevanz im Hinblick auf die Fragestellung
5. Bewältigungstheorie nach Lothar Böhnisch
5.1 Zentrale Prämissen und Aussagen
5.2 Relevanz im Hinblick auf die Fragestellung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung der Geschlechteridentität bei Jungen im Kindergartenalter zu beleuchten und dabei insbesondere die Bedeutung der Vaterrolle zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die Abwesenheit des Vaters auf die Identitätsbildung des Sohnes auswirkt und welche theoretischen Erklärungsmodelle hierfür herangezogen werden können.
- Identitätsentwicklung im frühen Kindesalter (3-6 Jahre)
- Einfluss der Vaterabwesenheit auf die männliche Geschlechtsidentifikation
- Theoretische Perspektiven: Identität nach Krappmann, Geschlechtertheorie nach Butler, Bewältigungstheorie nach Böhnisch
- Die Rolle der sozialen Arbeit bei der Unterstützung von Familien
- Sozialisationsprozesse in modernen Familienstrukturen
Auszug aus dem Buch
4.1.3 Konzept der Performität
Wie bildet sich für Butler die Geschlechtsidentität, wenn diese nicht zwangsläufig aus dem Geschlecht folgt und das Begehren oder die Sexualität im allgemeinen nicht aus der Geschlechtsidentität zu folgen scheint, wie dies beispielsweise bei homo- oder bisexuellen Menschen der Fall ist?
Butler charakterisiert in „Von der Innerlichkeit zu den Performanzen der Geschlechtsidentität“ (Butler 1991, S. 198) den Terminus der Performativität und erläutert auf dessen Basis die Entstehung der Geschlechter und der Geschlechtsidentitäten. Als Ausgangspunkt ihrer Theorie der Gender Performativität stützt Butler sich auf ein von Foucault, in „Überwachen und Strafen“ entwickeltes Konzept. Butler versteht Foucaults Konzept als eine Umformulierung, der von Nietzsche formulierten Lehre von der Verinnerlichung, in „ein Modell der Einschreibung.“ Sie erklärt, dass nach diesem Modell Körper entstehen, welche die normativen Erwartungen der Gesellschaft und dessen Gesetze reflektieren. Körper entstehen durch die Produktion der Seele, die permanent auf die Körper eingeschrieben wird und durch dessen dauerhafte Wiederholung internalisiert wird (vgl. Butler 1991, S. 198f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Identitätsentwicklung im Kindergartenalter und die Relevanz der Vaterrolle, eingebettet in einen theoretischen Diskurs.
3. Soziologische Theorie zum Identitätsbegriff (Lothar Krappmann): Dieses Kapitel analysiert Identität als dynamische Leistung im Interaktionsprozess und führt zentrale Fähigkeiten wie Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz ein.
4. Geschlechtertheorie nach Judith Butler: Die Arbeit beleuchtet Butlers Kritik an der biologischen Determiniertheit von Geschlecht und führt das Konzept der Gender-Performativität ein.
5. Bewältigungstheorie nach Lothar Böhnisch: Hier wird die Handlungsfähigkeit des Individuums in entgrenzten Lebensverhältnissen in den Fokus gerückt, besonders im Kontext der vaterlosen Sozialisation von Jungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bestätigt die Wichtigkeit der väterlichen Präsenz für die Identitätsfindung und reflektiert die Anwendbarkeit der Theorien in der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Geschlechteridentität, Vaterlosigkeit, Identitätsentwicklung, Jungen, Sozialisation, Performitivität, Identitätsbalance, Lebensbewältigung, Kindheit, Geschlechterrolle, Soziale Arbeit, Interaktion, Bindung, Männlichkeit, Gender.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Identitätsentwicklung von Jungen im Kindergartenalter und der zentralen Rolle, die Väter dabei einnehmen.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Felder sind die geschlechtsspezifische Sozialisation, die Auswirkungen von Vaterabwesenheit und die theoretische Auseinandersetzung mit Identitäts- und Geschlechterkonzepten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu verstehen, wie die Identität von Jungen ohne anwesende Väter entsteht und welche psychologischen sowie soziologischen Mechanismen dabei wirken.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um ein Theorieprojekt, das auf einer Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Theorien (Krappmann, Butler, Böhnisch) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei genannten Haupttheorien, deren kritische Prüfung und ihre Relevanz für die Fragestellung der Arbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechtsidentität, Performativität, Bewältigungshandeln, Vaterabwesenheit und Identitätsbalance.
Was versteht Lothar Böhnisch unter der „Umwegidentifikation“ bei Jungen?
Dies beschreibt den Prozess, bei dem Jungen aufgrund der Abwesenheit des Vaters eine Identität durch die Abwertung und Distanzierung von weiblichen Attributen der Mutter aufbauen.
Wie unterscheidet Judith Butler zwischen biologischem Geschlecht und sozialem Geschlecht?
Butler hinterfragt diese Trennung stark und argumentiert, dass auch das biologische Geschlecht diskursiv konstruiert ist und sich nicht eindeutig vom sozialen Geschlecht (Gender) trennen lässt.
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- Carsten Friebis (Autor), 2015, Jungen ohne Väter. Entwicklung der Geschlechteridentität im Kindergartenalter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504086