Diese Hausarbeit widmet sich dem Ausbruch des Peloponnesischen Krieges und der damit einhergehenden Kriegsschuldfrage widmen. Für eine gute Quellengrundlage hat vor allem der bedeutendste Geschichtsschreiber der Antike, Thukydides, der den Konflikt als Zeitzeuge, Politiker und athenischer Heeresführer aus dem Exil wahrnahm und den Peloponnesischen Krieg ausführlich dokumentiert hat, gesorgt. Laut eigener Aussage wollte Thukydides den gesamten Krieg auf eine objektive Art und Weise darstellen, scheint aber während seinen Aufzeichnungen gestorben zu sein, da seine Schilderungen mit dem Jahr 411 abbrechen. Er ging bei seiner Beschreibung des Krieges tief, wollte den Konflikt und den Verlauf wirklich verstehen und alle Gründe für den Kriegsausbruch aufspüren. So ist er auch der erste Geschichtsschreiber, der zwischen Kriegsanlässen (diaphorai) und wahrer Ursache (alethestate prophasis) unterscheidet.
Aber auch viele andere antike Autoren haben uns Zeugnisse über den Peloponnesischen Krieg hinterlassen. Diese Arbeit wird ihre Schilderungen in den Blick nehmen und analysieren, wie die Schuldfrage in den Quellen diskutiert wurde und wie die Autoren ihre Argumente konstruiert haben. Was ist "Schuld" und wie wurde sie definiert? Wurde demjenigen die Schuld zugeschrieben, der angefangen hatte, der aggressiver war oder vielleicht doch demjenigen, der falsche Entscheidungen getroffen hatte?
Der Peloponnesische Krieg, ausgefochten zwischen Athen und Sparta, wird nicht umsonst häufig als "antiker Weltkrieg" bezeichnet, denn er zog in seinem Verlauf zwischen 431 und 404 v. Chr. nicht nur die gesamte griechische Welt, sondern auch die Reiche der Perser und Karthager in seinen Bann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangslage: Zeit der Pentekontaetie
3. Grundlegende Unterschiede der beiden Gegner
3.1 Wirtschaftliche Unterschiede
3.2 Militärische Unterschiede
3.3 Politische Unterschiede
3.4 Ideologische Unterschiede
4. Kriegsanlässe und -ursachen
4.1 Kriegsanlässe
4.1.1 Der Konflikt um Kerkyra
4.1.2 Die Schlacht von Potidaia
4.1.3 Das Megarische Psephisma
4.2 Kriegsursachen
5. Kriegspolitik und -strategien
5.1 Politik Spartas
5.2 Politik Athens
6. Die Schuldfrage in den antiken Quellen
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
8.1 Quellen/ Übersetzungen
8.2 Forschungsliteratur
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges mit dem Ziel, die Kriegsschuldfrage unter Berücksichtigung der Definitionen von "Schuld" in den antiken Quellen neu zu bewerten und die verschiedenen Perspektiven antiker Autoren zu beleuchten.
- Historischer Kontext der Pentekontaetie
- Wirtschaftliche, militärische und ideologische Gegensätze zwischen Athen und Sparta
- Analyse der konkreten Kriegsanlässe (Kerkyra, Potidaia, Megara)
- Strategien und Kriegspolitik von Athen und Sparta
- Diskurs der antiken Historiker zur Rolle des Perikles
Auszug aus dem Buch
Der Konflikt um Kerkyra
Als ersten Kriegsanlass nennt Thukydides den Konflikt um Kerkyra, der sich zwischen Athen und Spartas Bündnispartner Korinth abspielte. Korinths einstige Kolonie Kerkyra, eine der wenigen Poleis, die weder dem Seebund noch dem Peloponnesischen Bund angehörte, hatte sich von Korinth loslösen können. Das gespannte Verhältnis zwischen Mutter- und Tochterstadt drohte zu einer Krise zu werden, als 435 in Epidamnos ein Bürgerkrieg zwischen Demokraten und Oligarchen ausbrach. Die Demokraten wandten sich um Hilfe an Korinth, die Oligarchen an Kerkyra. In einem Flottenkrieg bei Leukymne siegte Kerkyra. Doch Korinth rüstete auf und verfügte nach einem Jahr über die zweitgrößte Flotte nach Athen. Die Kerkyrer wandten sich daraufhin 433 um Hilfe an Athen und wiesen in der Volksversammlung darauf hin, dass Korinth die attische Seeherrschaft bedrohen und sogar Ruderer aus dem Seebund abwerben würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Peloponnesischen Krieges ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Kriegsschuld und deren Definition in den antiken Quellen vor.
2. Die Ausgangslage: Zeit der Pentekontaetie: Dieses Kapitel erläutert die 50 Jahre vor Kriegsausbruch, geprägt durch den Aufstieg Athens und den zunehmenden Dualismus zu Sparta.
3. Grundlegende Unterschiede der beiden Gegner: Es werden die divergenten wirtschaftlichen, militärischen, politischen und ideologischen Rahmenbedingungen zwischen den beiden Hauptakteuren detailliert gegenübergestellt.
4. Kriegsanlässe und -ursachen: Die Arbeit analysiert die spezifischen Konflikte um Kerkyra, Potidaia und Megara sowie die tieferliegenden Ursachen des Kriegsausbruchs nach Thukydides.
5. Kriegspolitik und -strategien: Dieses Kapitel untersucht die unterschiedlichen strategischen Ansätze der spartanischen Landmacht und der athenischen Seemacht kurz vor und zu Beginn des Krieges.
6. Die Schuldfrage in den antiken Quellen: Es wird analysiert, wie antike Autoren Perikles einerseits als Kriegstreiber sahen, während Thukydides die Schuld bei Sparta verortete.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine eindeutige Zuweisung eines Hauptschuldigen aus heutiger Sicht nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Peloponnesischer Krieg, Athen, Sparta, Kriegsschuld, Thukydides, Perikles, Pentekontaetie, Megarisches Psephisma, Seebund, Kriegsanlässe, Kriegsursachen, Antike, Machtpolitik, Geschichtsschreibung, Bündnispolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Kriegsschuldfrage des Peloponnesischen Krieges und analysiert, wie antike Autoren den Ausbruch des Konflikts bewerteten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Ausgangslage, den strukturellen Unterschieden zwischen Athen und Sparta, den konkreten Anlässen sowie der Rolle des Perikles.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen neuen Blickwinkel auf die Definition von "Schuld" in den antiken Quellen zu werfen und die verschiedenen Argumentationsmuster zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse der antiken Geschichtsschreibung, insbesondere unter Verwendung von Thukydides, Plutarch und Aristophanes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Pentekontaetie, die militärischen und politischen Unterschiede, die eskalierenden Anlässe (Kerkyra, Potidaia, Megara) und die Strategien der Kontrahenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Peloponnesischer Krieg, Kriegsschuld, Thukydides, Perikles und das Megarische Psephisma.
Warum spielt das Megarische Psephisma eine so zentrale Rolle?
In der antiken Literatur wird die Weigerung des Perikles, dieses Handelsverbot aufzuheben, von vielen Autoren als der entscheidende Akt angesehen, der zum Kriegsausbruch führte.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise des Thukydides von anderen antiken Autoren?
Während viele andere Autoren Perikles für den Kriegsausbruch verantwortlich machen, verortet Thukydides die Schuld bei Sparta, da dieses den Friedensvertrag durch den Angriff auf Plataiai verletzte.
Inwiefern beeinflussten innenpolitische Prozesse die Sicht auf Perikles?
Die Prozesse gegen Perikles' Umfeld (z.B. Phidias, Anaxagoras) führten bei zeitgenössischen Autoren zu der Vermutung, Perikles habe den Krieg gesucht, um von diesen innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Die Kriegsschuldfrage des Peloponnesischen Krieges. Die Geschichtsschreibung des Thukydides, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504088