Die Darstellung zwei verschiedener Frauenbilder mit finanzieller und sozialer Ungleichheit in der Sitcom "2 Broke Girls"


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Allgemeines zur Serie
1.2 Das Format „Sitcom“
1.3 Die Sitcom „2 Broke Girls“
1.4 Thesenvorstellung und Ziele

2. Hauptteil
2.1 Zwei verschiedene Frauenfiguren
2.1.1 Max Black
2.1.2 Caroline Channing
2.2 Finanzielle und soziale Ungleichheit
2.3 Unterschiedliches Normalverständnis

3. Zusammenfassung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Allgemeines zur Serie

„Eine Brücke verbindet zwei ungleiche Schwestern. Das weltstädtische Manhattan und das bescheidene Brooklyn, das lange wie ein Aschenputtel dagegenwirkte. Doch damit ist es jetzt vorbei.“1

Um dieses Zitat, des Online-Artikels der Rheinischen Post und die damit verbundenen Bezüge zur Serie 2 Broke Girls besser verstehen zu können, erfolgt in diesem Kapitel eine kurze Einweisung zum Inhalt und zu den Hintergrundinformationen der Serie.

2 Broke Girls oder auch Two Broke Girls ist eine US-amerikanische Sitcom mit den Schauspielern Kat Dennings und Beth Behrs in den Hauptrollen. Die Serie wird seit 2011 von Warner Bros. Televison für den Sender CBS produziert. Das Drehbuch dazu wurde von Michael Patrick King und Whitney Cummings geschrieben. Insgesamt gibt es 6 Staffeln mit je rund 24 Episoden, die ca. 20 min. betragen. Die aktuelle und 6. Staffel der Serie wird in Deutschland seit 30. Januar 2017 ausgestrahlt.2

Die Serie handelt von zwei befreundeten Kellnerinnen 'Max Black' und 'Caroline Channing'. Beide kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und beide haben Geldprobleme. Max kommt aus einfachen Verhältnissen und lebt mit ihrem Freund in einer kleinen Wohnung in Brooklyn, in New York City. Um diese finanzieren zu können, hat sie zwei Jobs: Sie arbeitet bei einer reichen Familie in Manhattan als Babysitter und als Kellnerin in einem Diner in Williamsburg, das dem Koreaner Han Lee gehört. Ihre neue Arbeitskollegin ist Caroline Channing, deren Familie zu den Reichsten der Stadt zählte. Plötzlich hat die Tochter eines erfolgreichen Unternehmers aus Manhattan, der als Betreiber eines Schneeballsystems pleite ging und verhaftet wurde, kein Geld mehr. Sie hat noch nie arbeiten müssen und macht sich bei Max anfangs nicht beliebt. Sie ist nun gezwungen, sich um ihr eigenes Einkommen zu kümmern. Aus Mitleid lässt Max Caroline und ihr Pferd Chesnut bei sich wohnen. Die beiden Frauen entwickeln einen Plan, ein Cupcake-Geschäft zu eröffnen. Um ihren Traum aber zu verwirklichen, brauchen sie jedoch 250.000 US-Dollar.3

1.2 Das Format „Sitcom“

Die Serie 2 Broke Girls gehört in das Genre der Sitcom. Um dieses Format besser verstehen zu können, werden in diesem Kapitel alle wichtigen Kennzeichen und Eigenarten beschrieben.

Bei der Sitcom, auch Situation-Comedy genannt, handelt es sich um eine typisch amerikanische Form der Fernsehunterhaltung, die seit 1990 auch im deutschen Fernsehprogramm verstärkt zu finden ist.4 Situationskomik bezeichnet die humorvolle Auseinandersetzung mit einer momentan vorliegenden Situation durch einen Beteiligten, häufig kommt dies bei Serien zum Ausdruck. Ein Kennzeichen der Sitcom ist daher, die ständige und schnelle Abfolge von Gags, Pointen und komischen Momenten. Ein typisch äußeres Kennzeichen dieses Formats, ist die Aufzeichnung im Studio. Die Darsteller agieren auf einer sogenannten 'Guckkastenbühne'. Daraus folgt eine Beschränkung der Schauplätze auf wenige und oft wiederkehrende Orte. Ein weiteres typisches Element der Sitcom, ist ihr Schauplatz, der in den meisten Fällen im häuslichen Umfeld der Figuren angelegt ist. So sind es meistens ein Wohnzimmer oder eine Küche, in denen die Figuren sich treffen, Dialoge führen und dadurch unterschiedliche Normalfelder öffnen.5 An diesem Punkt wird auch die typische Fähigkeit, den Zuschauern ein Gefühl von Geselligkeit zu vermitteln, sichtbar. Aber auch Außenschauplätze, wie Straßenecken, Gartenanlagen oder Hinterhöfe werden als Kulissen nachgebaut. Da die Zuschauer rund um die Uhr auf die Serien und ihre Figuren zugreifen können, entsteht eine Art familiäre Beziehung zwischen den beiden. Des Weiteren wird die Geselligkeit durch die Wiederholungsstruktur der Sitcom bestärkt. Dies ist an den immer gleichen Schauplätzen oder auch ähnlich ablaufenden Gesprächsformaten der Figuren erkennbar. Aus diesem Grund ist auch zu berücksichtigen, dass Sitcoms auf eine Ausstrahlung in Staffeln mit mehreren Folgen konzipiert sind.6 Ein weiterer markanter Punkt ist das fiktive Publikum, dessen eingespieltes Gelächter oder aber auch Klatschen die humoristischen Momente der Fernsehserien hervorheben soll. Dies bedarf einer sorgfältigen Planung, denn alle Lacher müssen genau kalkuliert sein und auf die Zuschauer abgestimmt eingesetzt werden können.7 Eine Folge beträgt meistens 20-24 min. Laufzeit und hat einen typischen Aufbau: Prolog, auch Teaser genannt, Vorspann, Handlung und Abspann. Manchmal gibt es einen Nachklapp, auch Tag, der aber nichts mit dem Ende der Handlung zu tun hat.

1.3 Die Sitcom „2 Broke Girls“

Brooklyn wirkt wie eine Mischung aus Klein- und Weltstadt. Die Höhe der Häuser entspricht eher europäischen Maßen, niedriger als in Manhattan. In vielen Straßenzügen sieht man die gepflegten Reihenhäuser aus braunen Ziegeln, die im 19. Jahrhundert entstanden sind. Junge Paare mit Kinderwagen gehören zum Bild der ruhigen, gediegeneren Straßenzüge. Doch biegt man um die Ecke, so kann sich das Bild schon wieder komplett ändern. Es riecht nach fremden Welten und anderen Kulturen. Die Geschäfte verkaufen afrikanische Kleidung oder bieten eine ähnliche Gewürzauswahl an wie ein Händler auf einem syrischen Markt. Auf der Fifth Avenue finden sich kleine Cafés und Boutiquen – große Ketten sucht man hier vergeblich.8

Dieses Zitat spiegelt die Welt, in der sich Max und Caroline befinden, sehr gut wider. Bereits hier wird der Kontrast zwischen den beiden unterschiedlichen Welten deutlich. Der Aspekt der verschiedenen Kulturen wird hier aufgegriffen, dieser spielt in der Serie 2 Broke Girls ebenfalls eine wichtige Rolle. Nicht nur Max und Caroline kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Milieus, sondern auch die weiteren Figuren der Serie, unter anderem Mitarbeiter des Diners in Williamsburg. Hier treffen verschieden Kulturen geballt aufeinander, dies bietet eine Menge Konfliktpotenzial. Han Lee, der Besitzer des Diners, ist koreanischer Herkunft. Er wird von den anderen Mitarbeitern manchmal als 'Asiate' bezeichnet, entweder um ihn zu ärgern oder Stereotype zu verdeutlichen. Seine geringe Körpergröße gibt ebenfalls häufig Anlass zu Hohn und Spott, nicht selten wird er für ein Kind gehalten. Er trägt häufig Pullunder, die noch zusätzlich zu seinem kindlichen Aussehen beitragen. Er arbeitet hart daran, das Diner auf den Weg des Erfolgs zu bringen und sich in Amerika zu integrieren.9 Earl, ein ehemaliger Jazz-Musiker, ist der Kassierer des Diners und von afrikanischer Herkunft. Er weiß genau, was sich im Diner abspielt und kennt die Geheimnisse aller Angestellten. Der fröhliche, schwarze, alte Mann, der gut mit Max befreundet ist, sorgt im Diner auch für gute Stimmung und schafft es diese immer aufzuheitern. Oleg, der Koch des Diners, ist von russischer Herkunft und aufgrund seiner sexistischen Sprüche bekannt. Mit diesen versucht er bei Max und Caroline zu punkten, jedoch ohne Erfolg. Im Verlauf der Serie kommt noch eine weitere Figur hinzu. Sophie Kachinsky ist eine Nachbarin von Max und Caroline. Sie stammt ursprünglich aus Polen und hat sich in Williamsburg eine eigene Reinigungsfirma aufgebaut. Sie hat eine meist fröhliche und humorvolle Art, kann jedoch aber auch sehr impulsiv reagieren. Später ist sie mit Oleg liiert. Das Diner gehört zu einem der wichtigen Schauplätze der Serie dazu. Hier findet das Hauptgeschehen statt, die verschiedenen Figuren treffen hier aufeinander, was den familiären und geselligen Charakter der Serie widerspiegelt.

Zu den weiteren Schauplätzen zählen die Wohnung von Max, insbesondere die Küche und das Sofa, ihre Terrasse und zahlreiche Straßenecken. Im weiteren Verlauf der Serie, kommen noch diverse Schauplätze dazu, wie z.B. der gemeinsame Cupcake-Laden von Max und Caroline. Die Dialoge der Figuren werden mittels eingespielter Lacher unterstrichen und hervorgehoben. Ziel der Sitcom nämlich, ist der Versuch die Zuschauer zum Lachen zu bringen.10 Des Weiteren kommen diverse andere Nebendarsteller und bekannte Gastdarsteller, wie z.B. Martha Stewart und Kim Kardashian vor, um das Interesse der Zuschauer zu behalten und ggfs. zu steigern. Die Serie richtet sich nach dem typischen Aufbaumuster der Sitcom. Zu Beginn gibt es einen Teaser, d.h. es wird eine relativ kurze Szene gezeigt, die mit einem Gag endet. Hier wird meist das Thema der jeweiligen Folge angerissen. Danach folgt ein Vorspann, bei dem die Hauptfiguren der Serie, durch Einblenden der Namen der jeweiligen Schauspieler, vorgestellt werden. Untermalt wird dies durch die Erkennungsmusik der jeweiligen Sitcom. Das Opening der Serie 2 Broke Girls, wird mit der Titelmusik Second Chance von Peter Bjorn und John eingeleitet. Der Titel dieses Liedes, deutet schon auf die zweite Chance, in diesem Fall der Traum der beiden Frauen von einem eigenen Cupcake-Laden, hin. Der wichtige Faktor Geld spielt schon hier eine Rolle. Das Geldsymbol taucht zu Beginn auf, indem es den Buchstaben 'S' von Girls ersetzt. Nach der eigentlichen Handlung, folgt auch hier ein Abspann, der ebenfalls mit Musik untermalt ist. Zum Schluss wird das aktuelle Guthaben der beiden eingeblendet und bildet somit mit dem Anfang, den Rahmen der Episode. Das Bild der Brooklyn Bridge, das auch im Opening gezeigt wird, symbolisiert die Grenze zwischen Groß- und Kleinstadt. Des Weiteren symbolisiert die Brücke die Verbindung zweier Welten, in diesem Sinne die Verbindung zwischen Max und Caroline. Das unterschiedliche Aussehen der beiden ist ein Leitmotiv, das sich durch die ganzen Folgen zieht und auch in den weiteren Kapiteln dieser Arbeit herausgearbeitet werden soll.

1.4 Thesenvorstellung und Ziele

Max Black und Caroline Channing sind nicht nur optisch zwei unterschiedliche Frauen, sondern sie kommen beide aus verschiedenen sozialen Schichten und Milieus. Sie haben beide eine andere Vorgeschichte und haben damit eine soziale und finanzielle Ungleichheit. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den beiden unterschiedlichen Frauenfiguren und ihrem jeweiligen Frauenbild, das wie der finanzielle und soziale Aspekt, genauer untersucht und analysiert werden soll. Diese Punkte werden mithilfe von mehreren, unterschiedlichen theoretischen Ansätzen aus dem Bereich der Gender Studies analysiert, belegt und es wird geschaut, inwiefern diese auf die beiden Frauen zutreffen. Veranschaulicht wird dies anhand von Szenenbeispielen. Ziel dieser Arbeit ist es, das jeweilige Frauenbild genau herauszuarbeiten, dieses anhand von Szenenbeispielen zu belegen und mit den theoretischen Ansätzen zu verknüpfen. Des Weiteren soll gezeigt werden, wie die beiden Figuren mit ihrer finanziellen Situation klarkommen und wie sich dies in ihrem sozialen Verhalten ausdrückt. Das Inhaltliche der Serie, das zur Analyse und zum Verständnis dieser Arbeit benötigt wird, wurde bereits zu Beginn herausgearbeitet und kommt an ausgesuchten Stellen wieder zum Vorschein. Gegen Ende wird das unterschiedliche Normalverständnis der beiden herausgearbeitet, jedoch nicht im Detail.

2. Hauptteil

2.1 Zwei verschiedene Frauenfiguren

Mit den beiden Protagonistinnen Max Black und Caroline Channing treffen in 2 Broke Girls nicht nur optisch gänzlich verschiedene junge Frauen aufeinander, sondern auch darüber hinaus zwei charakterliche Gegensätze. Die dunkel-lockige, stabil gebaute Max lebt schon seit ihrer Kindheit in Verhältnissen nahe der Armutsgrenze und wurde schon früh von ihrer Mutter im Stich gelassen.11 Die schlanke, blonde Caroline wurde von ihrem Vater bestens behütet und ist in der wohlhabenden Gesellschaft New Yorks aufgewachsen und konnte somit jegliche Privilegien nutzen.12 Da sie durch den Finanzbetrug ihres Vaters plötzlich verarmt, muss sie schließlich selbst Geld verdienen und mit ihrer jetzigen Situation klarkommen. Mit der Begegnung der beiden prallen zwei Welten aufeinander, aus deren Konflikten sich der Inhalt der gesamten Sitcom generiert. In den folgenden Kapiteln werden die beiden Figuren im Detail analysiert.

2.1.1 Max Black

Schon in der ersten Folge der ersten Staffel zeigt sich den Zuschauern ein klares Bild von Max: Braunhaarig, selbstbewusst, dominant und mit großer Oberweite. Ein absoluter Männertraum. Sie ist für ihre Schlagfertigkeit und freche, vulgäre Sprache bekannt. Ihr kräftig gebauter Körper unterstreicht die Wirkung ihres Charakters. Da sie in ärmeren Verhältnissen aufgewachsen ist und schon immer auf sich allein gestellt war, weiß sie, was es bedeutet viel und hart zu arbeiten, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Ihr kurviger und weiblicher Körper wird besonders durch ihre üppige Oberweite hervorgehoben. Sie präsentiert stolz, was sie zu bieten hat und versteckt ihre Oberweite keineswegs. Dies wird einerseits durch die kurze Uniform und den tiefen Ausschnitt zum Ausdruck gebracht. Des Weiteren trägt sie ein Namensschild auf Brusthöhe, das sie bewusst angebracht hat, damit der Blick anderer direkt auf ihren Ausschnitt fällt. Aufgrund ihrer weiblichen Vorzüge, wird sie deshalb zum Objekt der Begierde für viele Männer. Oleg hat schon von Beginn an ein Auge auf Max geworfen bzw. ein Auge auf ihre Brüste. Sie weist ihn sofort zurecht, dies zu unterlassen.13 Später wird sie abermals von ihm angegraben und mit einem Spruch seinerseits angemacht.14 In dieser kurzen Szene werden viele Blicke seinerseits, aber auch von Max gewechselt. Dieser Aspekt lässt sich gut mit der Theorie von Laura Mulvey beschreiben. Sie beschreibt den 'aktiven Blick', der den Zuschauern suggeriert bzw. geliefert wird, als grundsätzlich männlich konnotiert.15 Dies wird daran deutlich, dass häufiger der weibliche Körper gezeigt wird als der Männliche. Damit werden Frauen zu Objekten der männlichen 'Skopophilie' gemacht. Die Skopophilie beschreibt die 'Lust am Schauen'16, die in diesem Fall auf Oleg zutrifft. Des Weiteren beschreibt Mulvey, dass die Frau das Bild und der Mann der Träger des Blickes ist. Die Lust am Schauen wird in einen aktiven, männlichen Blick und in einen passiven, weiblichen Blick geteilt.17 Der skopophilische Instinkt passt genau zu Oleg, da er Max als sexuelles und erotisches Objekt ansieht. Somit wird hier der aktive, männliche Blick bei Oleg deutlich und der passive, weibliche bei Max. Der passive Aspekt ist bei Max jedoch nicht gänzlich zutreffend, da sie die Blicke und Sprüche von Oleg nicht einfach so hinnimmt, sondern ihre Meinung äußert und sich so verteidigt. Ein wichtiger und bedeutender Aspekt der Serie ist, dass Max gerne Cupcakes bäckt. Sie bäckt diese in der Küche ihrer Wohnung und bringt sie ins Diner, um sie dort anschließend zu verkaufen. Dadurch erhofft sie sich, noch ein wenig Geld nebenher zu verdienen. Nicht nur Cupcakes symbolisieren ein süßes, verspieltes und mädchenhaftes Bild, auch die Wohnung und die Küche, in der Max bäckt, sind weiblich konnotiert und waren schon früher das Reich der Frau, in der alle mütterlichen und häuslichen Pflichten erfüllt wurden. Des Weiteren kommt Max mütterliche und verantwortungsbewusste Seite bei ihrem Zweitjob als Babysitterin zum Vorschein.18 Trotz ihrer weiblichen Eigenschaften verkörpert Max nicht das Bild einer Frau, die es liebt einkaufen zu gehen oder sich ihre Nägel machen zu lassen, wie es bei Caroline der Fall ist. Max verdeutlicht Caroline, dass sie nicht ihr 'Schätzchen' ist und sie Max eher als 'Kerl' sehen solle.19 Durch diese Aussage wird deutlich, dass Max gerne in die Rolle eines Mannes schlüpfen will und daher weit entfernt ist von den weiblichen Vorlieben Carolines und ihrer Vorstellung von einer 'klassischen guten Freundin'. Dieser Aspekt lässt sich mit der Theorie von Mary Anne Doane beschreiben. Ihr zufolge gibt es keine 'echte' Weiblichkeit20, es handle sich immer nur um eine Maskerade, die den Wunsch nach Männlichkeit verstecken solle bzw. nach Joan Riviere den Besitz genau dieser und die Angst vor der Strafe, sollte dies öffentlich werden.21 Diese Maskerade werde verwendet, da Weiblichkeit nur in Relation zur Männlichkeit bestehe und an sich leer sei. Sie könne nur durch eben diese Maske, durch Kleidung und nebensächliche Gesten aufrechterhalten werden.22 Gleichzeitig handle es sich dabei aber auch um den Widerstand gegen das patriarchale System und um den Versuch, die nötige Distanz herzustellen, da Frauen sich selbst zu nahe stünden, als dass sie sich verstehen könnten.23 Durch Max Aussage kommt der Wunsch nach Männlichkeit zum Vorschein. Eine weitere Eigenschaft, die Max auszeichnet ist, dass sie keine Gefühle zulässt, diese auch nicht öffentlich zeigt und auf die Gefühle anderer nicht reagiert. In der Folge 'Shopping-Krieg' wird Caroline von ihren Gefühlen übermannt und fängt daraufhin an zu weinen. Max lässt sie stehen und geht weg, ohne auf ihre Gefühle zu reagieren. Sie erklärt Caroline, dass sie gelernt habe, nur noch 'innerlich' zu reagieren.24 Ihre Art Gefühle nicht nach 'außen' zu zeigen, hängt mit ihren schwierigen Familienverhältnissen zusammen. Sie ist in ärmeren Verhältnissen und ohne Vater aufgewachsen, ihre Mutter hat sich nicht richtig um sie gekümmert, da diese ein Alkohol- und Drogenproblem hat. Ihre Vorgeschichte hat Max 'abgehärtet' und sie hat gelernt, auf Dinge nur noch innerlich zu reagieren. Seine Gefühle nach außen hin zu zeigen oder über diese zu sprechen, ist eine Eigenschaft, die eher weiblich konnotiert ist. Im Gegensatz zu Frauen, die häufig ihre Gefühle zeigen und auf verschiedene Dinge emotional reagieren, zeigen Männer, in den meisten Fällen, diese nicht nach außen, sondern reagieren wie Max nur 'innerlich'. Die beschriebenen weiblichen und männlichen Aspekte, die bei Max miteinander vermischt sind, lassen sie aus diesem Grund nicht nur einer Kategorie der Frau zuordnen, sondern auch der Kategorie des Mannes. Da aus diesen Gründen Max sich nicht nur in eine Geschlechterrolle einfinden kann, gilt sie laut Judith Butler als 'anders'. Judith Butler ist der Meinung, dass alles Geschlechtliche gesellschaftlich konstruiert sei. Dies bedeutet, dass es auch eine Geschlechterrolle gibt, die gesellschaftlich konstruiert und anerkannt ist und jeder, der diesem biologischen Geschlecht angehört, versuche, freiwillig diese Rolle zu erfüllen. Damit verweist sie auf Foucaults These, dass jedes System seine Subjekte selbst generiere.25 Jeder, der sich aus verschiedenen Gründen nicht in diese Geschlechterrolle einfinden kann, gilt als 'anders'. Des Weiteren wehrt sie sich auch gegen die Vorstellung einer Kategorie der 'Frau', da jede Frau anders sei und man diese große Gruppe nicht verallgemeinern dürfe. Gegen diese Verallgemeinerung spreche auch, dass die Geschlechteridentität, die allen Frauen zu eigen sein sollte, in jedem politischen und kulturellen Kontext anders wahrgenommen bzw. dargestellt werden kann.26 Ebenso sei es nicht möglich, von der einen Unterdrückung der Frau zu sprechen, die überall gleich sei, da auch diese verschiedene Formen annehmen könne.27 Max spiegelt ein spezielles Frauenbild wider, das durch ihr Anderssein gekennzeichnet ist. Auch auf Caroline treffen die ein oder anderen Sachen zu, die im nächsten Kapitel genauer analysiert werden.

[...]


1 Verfasser unbekannt: „Wo New York gemütlich ist.“ Brooklyn mach Manhattan Konkurrenz (16.10.10). In: RP online, http://www.rp-online.de/leben/reisen/brooklyn-macht-manhattan-konkurrenz-aid-1.2409947, Datum des Zugriffs: 02.04.2017.

2 Vgl. Wikipedia Eintrag zu „2 Broke Girls“ (Seite am 31.03.2017 zuletzt geändert), https://de.wikipedia.org/wiki/2_Broke_Girls#cite_note-12, Datum des Zugriffs: 02.04.2017.

3 Vgl. Ebd.

4 Vgl. Eva-Felicitas Bonk: Flexibler Normalismus im Comedy Format. Normalitäten und A-Normalitäten in amerikanischen Sitcoms. In: Literatur und Medien, Bd. 8, hg. von Volker Wehdeking, Gunter E. Grimm u. Rolf Parr, Marburg 2016, S. 47.

5 Vgl. Bonk: Flexibler Normalismus 2016, S. 48.

6 Vgl. Ebd., S. 49.

7 Vgl. Ebd., S. 47.

8 Verfasser unbekannt: „Wo New York gemütlich ist.“ Brooklyn macht Manhattan Konkurrenz (16.10.10). In: RP online, http://www.rp-online.de/leben/reisen/brooklyn-macht-manhattan-konkurrenz-aid-1.2409947, Datum des Zugriffs: 02.04.2017.

9 Vgl. 2 Broke Girls. Reboot in Brooklyn, R.: James Burrow, Staffel 1, Folge 1, USA 2011.

10 Vgl. Bonk: Flexibler Normalismus 2016, S. 48.

11 Vgl. Ebd., S. 53.

12 Vgl. Ebd.

13 Vgl. 2 Broke Girls. Reboot in Brooklyn, R.: James Burrow, Staffel 1, Folge 1, USA 2011, TC: 00:00:06 – 00:05:40.

14 Vgl. Ebd.

15 Vgl. Laura Mulvey: Visuelle Lust und narratives Kino. In: Texte zur Theorie des Films, hg. von Franz-Josef Albersmeier, Stuttgart 2003, S. 397.

16 Vgl. Ebd., S. 393.

17 Vgl. Ebd., S. 397.

18 Vgl. 2 Broke Girls. Reboot in Brooklyn, R.: James Burrow, Staffel 1, Folge 1, USA 2011, TC: 00:13:07- 00:14:55.

19 Vgl. 2 Broke Girls. Shopping-Krieg, R.: John Fortenberry, Staffel 1, Folge 3, USA 2011, TC: 00:17:30-00:18:14.

20 Vgl. Mary Anne Doane: Femmes Fatales. Feminism, Film Theory, Psychoanalysis, New York/London 1991, S. 34.

21 Vgl. Ebd., S. 25.

22 Vgl. Ebd., S. 34.

23 Vgl. Ebd., S. 19.

24 Vgl. 2 Broke Girls. Shopping-Krieg, R.: John Fortenberry, Staffel 1, Folge 3, USA 2011, TC: 00:06:10- 00:06:54.

25 Vgl. Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt am Main 2003, S. 16.

26 Vgl. Ebd., S. 16-19.

27 Vgl. Ebd., S. 18f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung zwei verschiedener Frauenbilder mit finanzieller und sozialer Ungleichheit in der Sitcom "2 Broke Girls"
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V504129
ISBN (eBook)
9783346051967
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, frauenbilder, ungleichheit, sitcom, broke, girls, fernsehserie, gender studies
Arbeit zitieren
Michaela Lampe (Autor), 2017, Die Darstellung zwei verschiedener Frauenbilder mit finanzieller und sozialer Ungleichheit in der Sitcom "2 Broke Girls", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504129

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