Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Region: South Asia

Die Rückkehr des Totalitarismus im digitalen Gewand?

Die systemtheoretischen Auswirkungen des Sozialkreditsystems in der Volksrepublik China

Title: Die Rückkehr des Totalitarismus im digitalen Gewand?

Term Paper , 2018 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Amelie Peterson (Author)

Politics - Region: South Asia
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Kai Strittmatter behauptet in der Süddeutschen Zeitung, dass es durch die Einführung des Sozialkreditsystems zu einer „Rückkehr des Totalitarismus im digitalen Gewand“ (2017) kommt, Iwo Amelung spricht im Deutschlandfunk vom „feuchten Traum des totalitären Herrschers “ (Deutschlandfunk Kultur 2017). Doch ist der Gebrauch des höchst politisierten Begriffs des Totalitarismus angebracht? Die Aufgabe dieser Arbeit soll sein, das Potenzial der von Juan Linz entwickelten Definition totalitärer Systeme zu nutzen, um die systemtheoretischen Auswirkungen des Sozialkreditsystems zu untersuchen. Es soll festgestellt werden, ob das politische System Chinas, nach der Einführung des Sozialkreditsystems den totalitären Herrschaftssystemen zugeordnet wer-den kann. Dafür wird zunächst die theoretische Konzeption Juan Linz vorgestellt, entlang der im Folgenden die Analyse des politischen Regimes sowie der Gesellschaft verlaufen soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Totalitarismus nach Juan Linz

3 Anwendung der Typologie Linz auf die Volksrepublik China

3.1 Ein Monistisches nicht, nicht aber monolithisches Machtzentrum

3.1.1 Der Herrschaftsanspruch der Kommunistischen Partei Chinas

3.1.2 Pluralismus und Autonomie

3.1.3 Elitäres Element und Terror innerhalb der Elite

3.1.4 Die Rolle von Xi Jinping

3.2 Eine exklusive, autonome und mehr oder weniger intellektuell ausgearbeitete Ideologie

3.2.1 Der Sozialismus chinesischer Prägung

3.2.2 Der Sozialismus chinesischer Prägung unter Xi Jinping

3.2.3 Der neue Terror

3. 3 Mobilisierung der Massen

3.3.1 Massenorganisationen in der Volksrepublik China

3.3.2 Soziale Kontrolle in China

3.3.3 Die Allmacht der KPC und die durchdrungene Gesellschaft

4 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das politische System der Volksrepublik China nach der Einführung des Sozialkreditsystems den Kriterien totalitärer Herrschaftssysteme gemäß der Typologie von Juan Linz zugeordnet werden kann. Dabei steht insbesondere die systemtheoretische Analyse der Auswirkungen dieses digitalen Kontrollmechanismus auf Machtstruktur, Ideologie und gesellschaftliche Mobilisierung im Vordergrund.

  • Analyse des totalitären Modells nach Juan Linz
  • Untersuchung des Herrschaftsanspruchs und der Rolle der KPC
  • Evaluation des Sozialkreditsystems als Instrument der gesellschaftlichen Kontrolle
  • Rolle von Xi Jinping und ideologische Ausrichtung unter dem "Sinomarxismus"
  • Mobilisierung der Massen und Unterdrückung von Individualität

Auszug aus dem Buch

3.2.3 Der neue Terror

Dem chinesischen Staat stehen noch immer zahlreiche Mechanismen aus dem maoistischen Terror zur Verfügung: von „einem umfassenden Spitzelsystem über viele Varianten informeller Inhaftierungen und Gewaltanwendungen bis hin zu raffinierten elektronischen Überwachungssystemen“ (Heilmann 2017d: 399). Die Macht des chinesischen Staates fußt dennoch nicht mehr auf Gewalt und Unterdrückung. Im täglichen Zusammenleben von Staat und Gesellschaft ist die „infrastrukturelle Komponente von Macht“, also die gesellschaftlich akzeptierte Ausübung staatlicher Macht hinsichtlich der „Bereitstellung materieller und immaterieller Leistungen“ (Heilmann 2016d: 400) weitaus bedeutender geworden. Die Gesellschaft wird durch staatliche Leistungen und den damit einhergehenden Vorschriften geformt.

Mit dem Sozialkreditsystem perfektioniert die KPC diesen Mechanismus: sie bestimmt Spielregeln und Rahmen des Sozialkreditsystems im Sinne des Sinomarxismus, was, von der Gesellschaft befolgt, zu einem besseren, gerechteren, vertrauensvolleren und harmonischeren China führen soll (vgl. Strittmatter 2017a). Dadurch wandert die Kontrolle des Staates von außen nach innen. Die Gesellschaft soll nicht nur so handeln, wie es den Vorgaben des Staates entspricht, sondern sie soll von sich aus so handeln wollen. Ziel ist es, nicht mehr über das System und die in ihm manifestierten, aus dem Sinomarxismus heraus formulierten Regeln sprechen zu müssen, da es von den Bürgern in ihr Verhalten übernommen wurde und der Gedanke sich nicht systemkonform zu verhalten gar nicht erst aufkommt.

Unterschreitet der Punktestand einer Person eine gewisse Grenze, wird er zum „Objekt signifikanter Überwachung“ und muss im Rahmen der „Verwarnungs- und Bestrafungsmechanismen für Vertrauensverbrecher“ (ebd.) mit Sanktionen wie dem Verbot der Ausreise, der Einschränkung des Internetzugangs, dem Verlust des Arbeitsplatzes und sozialer Ächtung rechnen. Der Bürger wird somit zum „Komplizen seiner eigenen Überwachung“ (Assheuer 2017) und vom Staat effektiv und äußerst subtil zur Einhaltung seiner Gesetze wie Regeln gezwungen und kann seine Entscheidungen nicht mehr frei treffen, das kommt einer neuen Form des Terrors gleich. Es kommt zu einer Transformation des Bürgers hin zu einem den parteipolitischen Idealen entsprechenden Untertan.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Einführung des Sozialkreditsystems in China als Reaktion auf gesellschaftliches Misstrauen und verknüpft diese mit der theoretischen Debatte um eine "Rückkehr des Totalitarismus".

2 Der Totalitarismus nach Juan Linz: Dieses Kapitel erläutert die Kriterien totalitärer Systeme nach Juan Linz, darunter das monistische Machtzentrum, die exklusive Ideologie sowie die Mobilisierung der Massen.

3 Anwendung der Typologie Linz auf die Volksrepublik China: Das Hauptkapitel prüft systematisch, inwieweit das chinesische politische Regime die von Linz definierten Merkmale totalitärer Herrschaft erfüllt.

3.1 Ein Monistisches nicht, nicht aber monolithisches Machtzentrum: Der Abschnitt analysiert den absoluten Herrschaftsanspruch der KPC und die Rolle der Führungselite, die durch Intransparenz und parteiinterne Disziplinierung geprägt ist.

3.1.1 Der Herrschaftsanspruch der Kommunistischen Partei Chinas: Es wird dargelegt, wie die KPC als absolute Kontrollinstanz agiert, bei der Partei und Staat nahezu ununterscheidbar miteinander verschmolzen sind.

3.1.2 Pluralismus und Autonomie: Dieser Teil beschreibt, dass politischer Pluralismus in China nicht existiert, da alle gesellschaftlichen Organisationen der Kontrolle der KPC unterliegen.

3.1.3 Elitäres Element und Terror innerhalb der Elite: Der Abschnitt behandelt das Nomenklatura-System und die Mechanismen, mit denen die Partei ihre Führungskader kontrolliert und selektiv diszipliniert.

3.1.4 Die Rolle von Xi Jinping: Hier wird die erneute Machtkonzentration unter Xi Jinping sowie der damit verbundene Personenkult untersucht.

3.2 Eine exklusive, autonome und mehr oder weniger intellektuell ausgearbeitete Ideologie: Das Kapitel analysiert die Rolle der Ideologie zur Legitimierung der KPC-Herrschaft und deren ideologische Anpassungsfähigkeit.

3.2.1 Der Sozialismus chinesischer Prägung: Es wird die Genese der Ideologie aus Marxismus, Leninismus, Maoismus und traditionellen Werten wie der Harmonie beschrieben.

3.2.2 Der Sozialismus chinesischer Prägung unter Xi Jinping: Dieser Abschnitt beleuchtet die Renaissance der Ideologie unter Xi und das utopische Ziel der "nationalen Wiedergeburt".

3.2.3 Der neue Terror: Die Analyse zeigt auf, wie das Sozialkreditsystem als subtiles Instrument der Überwachung fungiert, das staatliche Kontrolle von außen nach innen verlagert.

3. 3 Mobilisierung der Massen: Der Abschnitt erörtert die Rolle von Massenorganisationen und das Ziel der KPC, eine totale Politisierung der Gesellschaft zu erreichen.

3.3.1 Massenorganisationen in der Volksrepublik China: Die Funktion von Massenorganisationen als Transmissionsriemen zwischen KPC und Gesellschaft wird hier untersucht.

3.3.2 Soziale Kontrolle in China: Der Text beschreibt den historischen Wandel von danwei-Strukturen hin zu flächendeckenden digitalen Überwachungstechnologien.

3.3.3 Die Allmacht der KPC und die durchdrungene Gesellschaft: Hier wird die Zensur von Medien und die Einschränkung von Freiheitsrechten durch die KPC kritisch analysiert.

4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das chinesische System nach der Einführung des Sozialkreditsystems der Definition totalitärer Systeme nach Linz weitgehend entspricht.

Schlüsselwörter

Totalitarismus, Juan Linz, Sozialkreditsystem, Kommunistische Partei Chinas, KPC, Xi Jinping, Sinomarxismus, digitale Überwachung, Massenmobilisierung, politische Herrschaft, soziale Kontrolle, Ideologie, Autonomie, Machtmonopol, Menschenrechte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das politische System der Volksrepublik China und analysiert, ob es durch die Implementierung des digitalen Sozialkreditsystems als totalitäres Herrschaftssystem eingestuft werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen des Totalitarismus, die Machtstruktur der KPC, die Rolle der Ideologie (Sinomarxismus) sowie moderne Überwachungstechnologien und soziale Kontrolle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Anwendung der Typologie totalitärer Systeme nach Juan Linz auf das heutige China, um festzustellen, ob das Regime nach der Einführung des Sozialkreditsystems totalitären Kriterien entspricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine systemtheoretische Analyse, bei der das chinesische Regime und die Gesellschaft systematisch anhand der Kriterien der Typologie von Juan Linz untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des monistischen Machtzentrums, der ideologischen Grundlagen sowie der Mechanismen zur Mobilisierung der Massen und der sozialen Kontrolle.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Totalitarismus, Sozialkreditsystem, KPC, Überwachung, Machtmonopol, digitale Transformation und die politische Strategie unter Xi Jinping.

Wie genau verändert das Sozialkreditsystem die Machtdynamik zwischen Staat und Bürger?

Das System fungiert als "Infrastruktur der Macht", indem es Kontrolle von einer äußeren Unterdrückung in ein verinnerlichtes Verhalten wandelt, sodass Bürger zu Komplizen ihrer eigenen Überwachung werden.

Welche Rolle spielt der Personenkult um Xi Jinping in diesem Kontext?

Xi Jinping nutzt eine Machtagglomeration und einen Personenkult, um die politische Führung zu zentralisieren und das System ideologisch auf seine Person und das Ziel der "nationalen Wiedergeburt" auszurichten.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die Rückkehr des Totalitarismus im digitalen Gewand?
Subtitle
Die systemtheoretischen Auswirkungen des Sozialkreditsystems in der Volksrepublik China
College
University of Regensburg
Grade
1,3
Author
Amelie Peterson (Author)
Publication Year
2018
Pages
20
Catalog Number
V504146
ISBN (eBook)
9783346049025
ISBN (Book)
9783346049032
Language
German
Tags
China Sozialkreditsystem Xi Jinping Totlitarismus Juan Linz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Amelie Peterson (Author), 2018, Die Rückkehr des Totalitarismus im digitalen Gewand?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504146
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint