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Das postfaktische Phänomen als neue Form der politischen Lüge?

Title: Das postfaktische Phänomen als neue Form der politischen Lüge?

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Amelie Peterson (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im Anschluss an die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 2016: „Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen alleine den Gefühlen“ (zit. nach Tagesspiegel 2016). Doch ist das postfaktische Phänomen auch eine neue Form der politischen Lüge? Die Aufgabe dieser Arbeit soll sein, das postfaktische Phänomen entlang der von Hannah Arendt entwickelten Unterscheidung von Wahrheit, Meinung und Lüge zu untersuchen. Hierbei soll überprüft werden, ob es sich beim postfaktischen Phänomen um eine politische Lüge im Sinne Hannah Arendts handelt. Die Behandlung der Forschungsfrage beschränkt sich auf demokratische Systeme. Hierfür werden zunächst Wahrheit, Lüge und Meinung beschrieben und voneinander abgegrenzt. Anschließend wird das postfaktische Phänomen definiert und entlang der zuvor erarbeiteten Einordnung untersucht.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Wahrheit

2.1 Die Tatsachen- und Vernunftwahrheit

2.2 Der despotische Charakter der Wahrheit

3 Die Meinung

4 Die Lüge

4.1 Die traditionelle und organisierte Lüge

4.2 Revision in Permanenz

5 Postfaktisches Sprechen, eine neue Form der politischen Lüge?

6 Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das postfaktische Phänomen unter Anwendung der von Hannah Arendt entwickelten Differenzierungen von Wahrheit, Meinung und Lüge. Ziel ist es zu analysieren, ob es sich bei dieser gegenwärtigen Entwicklung um eine politische Lüge im Arendtschen Sinne handelt, wobei die Untersuchung explizit auf demokratische Systeme fokussiert ist.

  • Unterscheidung von Wahrheit, Meinung und Lüge bei Hannah Arendt
  • Differenzierung zwischen traditioneller und organisierter Lüge
  • Analyse der Diskursverschiebung im postfaktischen Zeitalter
  • Die Rolle der Wirklichkeit für den Bestand demokratischer Systeme
  • Verhältnis zwischen Populismus, Wahrheit und politischer Kommunikation

Auszug aus dem Buch

4.2 Revision in Permanenz

Die organisierte Lüge ist ein recht neues Phänomen. Die Strategie, die Realität durch Fiktion zu ersetzen, ist nicht auf totale Herrschaften begrenzt, sie wird auch in demokratischen Systemen zur Anwendung gebracht (Grunenberg 2000: 37).

Durch die Übernahme von Werbetechniken „tief in die innenpolitischen Propagandamethoden der Staaten“ (WaP 80) werden Meinungen und Ansichten den Bürgern mithilfe derselben Verfahren wie Konsumprodukte vermarktet. Das organisierte Lügen bedient sich des „image-makings", das „die politische Propaganda verfertigt, […] [und] nicht wie ein Porträt dem Original schmeicheln [soll], sondern es ersetzt“ (WaP 76). Die für den nach innen gerichteten Gebrauch angepassten Images werden äußerst wirksam durch die modernen Techniken und Medien verbreitet und stellen eine ernst zu nehmende Gefahr für die „Erfahrungswirklichkeit“ (WaP 80) der Bürger dar. Realität werden die Images, indem sie „in den Kreislauf der öffentlichen Kommunikation gepumpt werden, fortan Bestandteil des Diskurses sind und irgendwann als »Fakten« selbst zu ihren Urhebern zurückfließen“ (Bussemer 2004: 72), die meist die ersten Opfer der eigenen Fiktion sind. Nach Arendt geht die selbstzerstörerische „Steigerung der organisierten Lüge zur Selbsttäuschung“ mit der „Verwissenschaftlichung der Politik“ einher, Brunkhorst spricht daher von der „wissenschaftlich immunisierten Selbsttäuschung“ (2014). Lüge, Selbsttäuschung und Verwissenschaftlichung bedingen einander wechselseitig (LP 14, 40).

Ziel der organisierten Lüge ist es, ein aus der Vernunftwahrheit generiertes Weltbild zu verbreiten (s. o.). Zur Instandhaltung muss das Weltbild vor der Wirklichkeit geschützt werden, es soll eine „von Tatsachen unbehelligte Welt“ (LP 33) geschaffen werden, weil schließlich „nicht sein kann, was nicht sein darf“ (Morgenstern 1909). Gefährdet wird dieses Unterfangen weniger von den eigentlichen Kontrahenten, deren Argumente als unglaubwürdig diffamiert werden, als vielmehr durch Wahrheitssager aus den eigenen Reihen. Dadurch wird die für die Politik so essenzielle Unterscheidung zwischen Freund und Feind gestört und „außenpolitische Konflikte in innenpolitische […] transformier[t]“ (WaP 81).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des postfaktischen Phänomens ein und stellt die Forschungsfrage, ob dieses als neue Form der politischen Lüge im Sinne Hannah Arendts betrachtet werden kann.

2 Die Wahrheit: In diesem Kapitel wird der Begriff der Wahrheit unterteilt in Tatsachen- und Vernunftwahrheit sowie deren Bedeutung und despotischer Charakter für das politische Handeln analysiert.

3 Die Meinung: Das Kapitel erläutert das Arendtsche Konzept der Meinung als diskursives Resultat und dessen Notwendigkeit als "Medium der Wahrheit" für demokratische Prozesse.

4 Die Lüge: Hier erfolgt eine Differenzierung zwischen traditioneller und organisierter Lüge, wobei insbesondere die Gefahr der Selbsttäuschung und die zerstörerische Kraft der organisierten Lüge herausgestellt werden.

5 Postfaktisches Sprechen, eine neue Form der politischen Lüge?: Dieses Kapitel untersucht, wie sich das postfaktische Phänomen vom klassischen Lügen unterscheidet und welche Folgen die Schaffung alternativer Gegenrealitäten für den politischen Diskurs hat.

6 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass das postfaktische Phänomen zwar Elemente der organisierten Lüge nutzt, jedoch durch den Wegfall einer gemeinsamen Wirklichkeit den demokratischen Diskurs fundamental unterminiert.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Wahrheit, Lüge, organisierte Lüge, postfaktisch, Demokratie, Wirklichkeit, Meinung, Tatsachenwahrheit, Vernunftwahrheit, politisches Handeln, Populismus, Diskurs, alternative Fakten, politische Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das moderne postfaktische Phänomen auf Basis der politischen Theorie von Hannah Arendt, insbesondere im Hinblick auf deren Begriffe Wahrheit, Lüge und Meinung.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentral sind die Funktionsweise politischer Lügen, die Unterscheidung zwischen traditionellen und organisierten Lügen sowie die Auswirkungen einer fehlenden gemeinsamen Tatsachenbasis auf demokratische Debatten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu überprüfen, ob das postfaktische Phänomen als eine spezifische neue Form der politischen Lüge im Sinne Arendts klassifiziert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit folgt einer theoretischen Analyse und Auseinandersetzung mit Primärtexten von Hannah Arendt sowie relevanter Sekundärliteratur zu den Themen Wahrheit, Macht und Lüge.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Wahrheit, Meinung, Lüge) und die Anwendung auf das postfaktische Phänomen, einschließlich einer Analyse von Populismus und Medienwirksamkeit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem die "organisierte Lüge", "alternative Gegenrealitäten", "Bestand der Welt" und die "zwingende Gültigkeit" der Wahrheit.

Wie unterscheidet sich die traditionelle von der organisierten Lüge?

Die traditionelle Lüge versucht lediglich einzelne Sachverhalte vor Feinden zu verbergen, während die organisierte Lüge eine alternative Realität erschaffen will, die die bisherige Wirklichkeit vernichtet.

Warum gefährdet das postfaktische Phänomen die Demokratie?

Da demokratische Prozesse eine informierte Öffentlichkeit und eine geteilte Wirklichkeit benötigen, untergräbt das Leugnen jeglicher Faktizität die Grundlage für fairen Wettbewerb und qualifizierte Meinungsbildung.

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Details

Title
Das postfaktische Phänomen als neue Form der politischen Lüge?
College
University of Regensburg
Grade
1,3
Author
Amelie Peterson (Author)
Publication Year
2019
Pages
21
Catalog Number
V504147
ISBN (eBook)
9783346049063
ISBN (Book)
9783346049070
Language
German
Tags
Hannah Arendt Postfaktisches Zeitalter Wahrheit Lüge Meinung Donald Trump postfaktisch 1984 Tatsachenwahrheit Vernunftwahrheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Amelie Peterson (Author), 2019, Das postfaktische Phänomen als neue Form der politischen Lüge?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504147
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