Die grafische Darstellung einer politischen Theorie anhand des Titelblatts des Leviathan


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Der Tod des Leviathan

2 Biographie Hobbes’ und historische Einordnung des Leviathan

3 Hobbes’ Staatstheorie und Kontraktualismus im Leviathan

4 Deskription des Frontispizes

5 Analyse des Frontispizes in Bezug auf Hobbes’ Staatstheorie und Kontraktualismus
5.1 Die Portraitfrage
5.2 Die Personenfrage
5.3 Die Komposition des Frontispizes
5.4 Von Pestärzten und Soldaten
5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Der Tod des Leviathan

„Vielleicht, vielleicht gibt es ja doch ein wildes Tier (…) vielleicht sind wir´s selbst.“ (William Golding 2010: 125)

1954 veröffentlichte William Golding, der später mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, seinen ersten Roman, der Herr der Fliegen. Nach eigenen Angaben schrieb er das Buch, um seine Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg zu verarbeiten. Darin strandet eine Gruppe sechs bis zwölfjähriger Jungen auf einer Südseeinsel, nachdem sie einen Flugzeugabsturz überlebt haben, mit dem sie vor einem globalen Atomkrieg flohen. Auf der Insel sind sie auf sich alleine gestellt, da alle „großen Leute“ tot sind. Zu Beginn gelingt es den Jungen bestens sich selbst zu organisieren: sie wählen ein Oberhaupt, teilen Feuerwachen ein und bauen Hütten. Das anfängliche Idyll und die Freude über die unverhoffte Freiheit wird jedoch bald durch das Aufkommen zunehmender Rivalität gestört. Es bildet sich eine zweite Gruppe, die Jäger, deren Anführer die Autorität des gewählten Oberhaupts in Frage stellt. Der Konflikt verschärft sich immer weiter, die Kinder vernachlässigen überlebenswichtige Aufgaben, beginnen sich gegenseitig zu ermorden und zerstören zum Ende hin die gesamte Insel durch ein Feuer.

Auch Thomas Hobbes schrieb sein Werk „ Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates “, das 1651 erschien, in Folge eines Krieges, der ihn nachhaltig prägte. Die Arbeiten von Hobbes’ und Goldings können nicht nur aufgrund historischer Parallelen, sondern auch bezüglich des Inhalts miteinander in Beziehung gesetzt werden. Der Herr der Fliegen stellt ein höchst poetisches Beispiel für den „Tod des Leviathan“ und den daraus resultierenden Folgen dar.

Der Inhalt des Leviathan wurde zuhauf aus den unterschiedlichsten Perspektiven und in diversen Fachgebieten interpretiert, analysiert und gedeutet, vernachlässigt wurde hierbei jedoch das Titelblatt. Thomas Hobbes hat sich über Jahre mit optischen Studien und Geometrie beschäftigt, es ist daher davon auszugehen, dass er die Gestaltung des Frontispizes nicht dem Zufall überlassen hat. Die Frage in wie fern und ob man, wie Horst Bredekamp, von einer „gezielten visuellen Strategie“ sprechen kann, soll die vorliegende Hausarbeit beantworten (2003: 9). Hierzu wird zunächst das Leben des Thomas Hobbes kurz vorgestellt und historisch eingeordnet und anschließend seine im Leviathan vorgestellte Staatstheorie erläutert. Darauf folgt die Deskription des Titelblattes und zuletzt wird untersucht, ob das Titelblatt des Leviathan einer grafischen Darstellung der Theorie Hobbes’ entspricht.

2 Biographie Hobbes’ und historische Einordnung des Werkes

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in Malmesbury/Westport als Sohn eines Landgeistlichen geboren. Im selben Jahr besiegte die Englische Flotte die spanische Armada und Hobbes schrieb in diesem Zusammenhang später in seiner Autobiographie „my mother gave birth to twins: myself and fear.“ (Hobbes 1839: 86). Aufgezogen wurde Hobbes von seinem wohlhabenden Onkel, Francis Hobbes, der es ihm ermöglichte bereits im Alter von 15 Jahren Logik und Physik an der Universität Oxford zu studieren. Nach Abschluss seiner Studien war Hobbes als Hauslehrer für verschiedene einflussreiche Adelsfamilien tätig, unter anderem unterrichtete er den späteren englischen König Karl II. Durch sie kam Hobbes in Kontakt mit den größten Denkern seiner Zeit. Er lernte auf Bildungsreisen durch Italien und Frankreich unter anderem Galilei, Descartes und Gassendi kennen, die sein kritisches Interesse an der Wissenschaft sowohl anregten als auch maßgeblich beeinflussten (Tönnies 1925: 1-47). 1640 veröffentlichte Hobbes auf Anraten royalistischer Aristokraten The Elements of Law, Natural and Politics, eine Schrift, die den absoluten Herrschaftsanspruch der Krone unterstrich, um den Machenschaften republikanischer Kräfte und dem drohenden Bürgerkrieg entgegenzuwirken. Nach Einberufung des Langen Parlaments im selben Jahr emigrierte Hobbes für nahezu elf Jahre nach Frankreich. Dort veröffentlichte er zwei Jahre später seine Schrift „De Cive“, die ihn überregional bekannt machte. Den Ausbruch des Bürgerkriegs, der in den folgenden Jahren zur Abschaffung der Monarchie, der Errichtung der Englischen Republik, dem Commonwealth of England, der Hinrichtung des früheren Königs Karl I., sowie der Ernennung Oliver Cromwells zum Lordprotektor führte, verfolgte er vom Exil in Frankreich aus. 1651 kehrte er zurück nach London, da er sich in Paris nicht mehr sicher fühlte. Ebendort erschien Hobbes höchst kontrovers diskutiertes Werk Leviathan or The Matter, Forme and Power of a Commonwealth Ecclesiastical and Civil, mit dem sich diese Hausarbeit beschäftigt. Hobbes war nach Veröffentlichung des Leviathan ständigen Anfeindungen, vor allem seitens der Royalisten und des Klerus, ausgesetzt. So wurde er als „Vater des Atheismus“, und sein Werk Leviathan als „reines Teufelswerk“ bezeichnet (Weber-Fas 2003: 53). 1660 wurde sein früherer Schüler Karl II. König von England. Er bot Hobbes’ Schutz vor Anklagen und Intrigen seiner wissenschaftlichen, politischen und persönlichen Kontrahenten und gewährte ihm freien Zugang zum Hofe, sowie eine Pension. Hobbes verstarb am 4. Dezember 1679, im Alter von 91 Jahren, knapp zehn Jahre vor der „Glorious Revolution“, mit der die absolute Monarchie von einer konstitutionellen abgelöst wurde. Die Universität Oxford distanzierte sich nach seinem Tod von seinen staatstheoretischen Lehren, so wurde der Leviathan in Rahmen einer akademischen Feier symbolisch verbrannt. (Weber-Fas 2003: 51-53; Münkler 2001: 23-50).

3 Hobbes Staatstheorie und Kontraktualismus im Leviathan

Denn durch Kunst wird jener große Leviathan geschaffen, genannt Gemeinwesen oder Staat, auf lateinisch civitas, der nichts anderes ist als ein künstlicher Mensch, wenn auch von größerer Gestalt und Stärke als der natürliche, zu dessen Schutz und Verteidigung er ersonnen wurde. (Hobbes [1651] 1966: 5)

Sein Herz ist so hart wie Stein und so fest wie ein Stück vom untersten Mühlstein. Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und wenn er hereinbricht, so ist keine Gnade da. (Hiob 41/42)

Hobbes unterteilt sein Hauptwerk „Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates“ aus dem Jahre 1651, in vier Teile. Der erste handelt „vom Menschen“, der zweite „vom Staate“, der dritte vom „christlichen Staate“ und der vierte vom „Reich der Finsternis“. In dieser Hausarbeit werden überwiegend die ersten zwei Teile behandelt.

Hobbes Anthropologie liegt ein Bild zugrunde, das durchaus als negativ zu bewerten ist, denn die Menschen folgen darin primär ihren rational erwogenen Eigeninteressen. Vor diesem Hintergrund bedarf der Staat beziehungsweise die politische Herrschaft einer erneuten Legitimation. Hobbes’ Theorie nimmt ihren Anfang nicht bei der staatlichen Gemeinschaft, also dem großen Ganzen, sondern, wie auch die Einteilung des Buches erkennen lässt, beim Menschen und dem Ursprung seines Verhaltens, den er in der Furcht und im Eigennutz sieht. Die Idee, „dass der Staat nicht aus der metaphysischen Stärke einer göttlichen Instanz, sondern der inneren Schwäche des Menschen erzeugt werden müsse, gilt als Urimpuls der modernen Staatstheorie“ (Bredekamp 2012:78). Dafür konstruiert er in seiner Theorie einen Zustand, in dem es keinen Staat gibt, den Naturzustand (Schwaabe 2007: 129-132; Hennis/Maier 1966: XIX).

In diesem Naturzustand herrscht Anarchie und alle Menschen sind gleich, da der Schwächste stark genug ist den Stärksten zu töten, und Klugheit nichts als Erfahrung ist. Die Bedrohungssymmetrie ist eine grundlegende Prämisse, da sonst bereits im Naturzustand eine Ordnung entstehen würde und somit jede weitere Schlussfolgerung hinfällig wäre. Aus der Gleichheit der Menschen resultiert die Gleichheit ihrer Fähigkeiten und die Gleichheit ihrer Hoffnung eine Absicht zu erreichen, wobei diese Absicht von der Selbsterhaltung bis zum Lustgewinn reichen kann. Das Zusammenleben mit Anderen nehmen die Menschen als Ärgernis wahr. Als die drei Konfliktursachen der menschlichen Natur nennt Hobbes Konkurrenz um Gewinn, Misstrauen um Sicherheit und Ruhmsucht. Aus diesen Konfliktursachen entsteht ohne eine „allgemeine, sie [die Menschen] alle im Zaum haltende Macht“ ein „Krieg eines jeden gegen jeden“ (Hobbes [1651] 1966: 96). Nach Hobbes befinden sich die Menschen bereits dann im Kriegszustand, wenn die Bereitschaft zum Kampfe über die Zeit bekannt ist. Der Naturzustand ist also gleich Kriegszustand, in dem jeder nur von seiner eigenen Vernunft geleitet wird und zum Schutz seines Lebens alles tun darf was nötig ist, und demnach ein Recht auf Alles hat. Das Leben der Menschen ist „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“. Es ist keine Innovation, Eigentum, Recht, Gerechtigkeit oder Kultur möglich (ebd.: 95-96). Im Verlauf bringt die ständige Todesangst sowie die Sehnsucht nach einem angenehmeren Leben die Menschen als eigentlich vernunftbegabte Wesen dazu, ihren Verstand zu nutzen und dem Gesetz der Natur zu folgen, dessen simple Maxime ist: Was du nicht willst das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu; oder positiv formuliert: was du willst das andere tun sollen, das tue selbst. Die Menschen müssen dafür ihr Recht auf Alles aufgeben, sei es durch Verzicht oder Übertragung (ebd.: 94-123).

Der alleinige Weg zur Errichtung einer solchen allgemeinen Gewalt, die in der Lage ist, die Menschen vor Angriff Fremder und vor gegenseitigen Übergriffen zu schützen und ihnen dadurch eine solche Sicherheit zu verschaffen, daß sie sich durch eigenen Fleiß und von den fürchten der Erde ernähren und zufrieden leben können, liegt in der Übertragung ihrer gesamten Macht und Stärke auf einen Menschen oder Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können. (ebd.: 134)

Durch den Vertrag eines jeden mit jedem entsteht eine zu einer Person verschmolzene Einheit, ein Staat, also der „große Leviathan“ oder „sterbliche Gott“. Diese Person wird Souverän genannt, jeder andere ist sein Untertan. Jeder, der nach Aufgabe seines Rechts auf Alles, den neuen Inhaber an der damit verbundenen Vorteilsnahme hindert, handelt ungerecht. Die Aufgabe der Gewalt in einem bürgerlichen Staat ist es, die Bürger zur Einhaltung ihrer Treuepflicht zu zwingen. Ungerechtigkeit ist demnach als die Nichteinhaltung von Verträgen zu definieren und erst durch die Zwangsgewalt ist Eigentum möglich. Die Untertanen besitzen gegenüber dem Souverän lediglich bezüglich der Selbsterhaltung ein Widerstandsrecht. Der Souverän kann dem Untertan kein Recht oder Unrecht zufügen, da der Untertan der Urheber aller Handlungen des Souveräns ist. In jedem Bereich der nicht von Gesetzen geregelt ist, besitzen die Untertanen die Freiheit das zu tun, was ihnen ihre Vernunft gebietet. Das betrifft beispielsweise Kauf und Verkauf, Wahl der Wohnung und des Berufs etc. (ebd.:134-172).

Für Hobbes ist der Staat ein Artefakt, dessen Zweck und zentrales politisches Ziel Schutz und Verteidigung bzw. der daraus resultierende Friede und Sicherheit ist, und dessen Existenz nicht eigentliches Ziel, sondern nur Mittel zum Zweck ist (vgl. im Gegensatz Aristoteles’ „zoon politicon“). Der Leviathan muss absolut, unteilbar und unentziehbar herrschen. Verliert er seine Macht, verliert er seine Legitimität, denn innerer Frieden ist für ihn nur dann möglich, wenn die friedenssichernde Macht die zerstörende Macht übertrifft. Die Angst ist also gleichermaßen Anfangs- und Zielpunkt. Gewaltenteilung ist nicht möglich, da sie früher oder später zum Bürgerkrieg führt. Der Leviathan ist gleichermaßen Oberhaupt der weltlichen und kirchlichen Macht. Hobbes zieht die strengsten Einschränkungen und Gesetze dem Natur- bzw. Kriegszustand vor. Diese Ansicht ist durchaus im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen zu sehen. (Weber-Fas 2003: 55-56; Pfetsch 2012: 129; Schwaabe 2007: 131).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die grafische Darstellung einer politischen Theorie anhand des Titelblatts des Leviathan
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V504162
ISBN (eBook)
9783346049087
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Leviathan, Frontispitz
Arbeit zitieren
Amelie Peterson (Autor), 2016, Die grafische Darstellung einer politischen Theorie anhand des Titelblatts des Leviathan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504162

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