Diese Arbeit beschäftigt sich mit Gender und Körper im Unterricht und stellt eine Sequenzanalyse aus einem Unterrichtsprotokoll der Klassenstufe 9 vor. Die Sequenz wird mit dem Verfahren der objektiven Hermeneutik schrittweise zerlegt und auf die einzelnen Abschnitte en détail eingegangen. Die objektive Hermeneutik orientiert sich an den drei klassischen Differenzkategorien Geschlecht, Klasse, Ethnizität und seit Neustem auch an einer vierten – Körper. Diese beschäftigt sich primär mit den Kategorien Geschlecht/Gender und Körper, weshalb diese zwei als Differenzkategorien zur Analyse in dieser Hausarbeit ausgewählt wurden.
Obwohl sich die heutige Gesellschaft bewusst ist, dass es soziale Ungleichheiten und Benachteiligungen aufgrund von konstruierten Realitäten und Stereotypen gibt, treten immer wieder Situationen auf, in denen solch ein Verhalten zu Tage tritt. Diese Tatsache ist besonders erschreckend, wenn sie in pädagogischen Einrichtungen auftritt, von denen man meint, dass das Personal soweit geschult ist, dass solche Eskapaden dort keinen Platz finden. Peripher wird der Bereich Gender auch durch den Einfluss von Attraktivität influenziert, allerdings ist die Forschung aufgrund der Neuheit auf dem Gebiet der Attraktivität noch sehr spärlich. Differenzen entstehen mehrmals täglich im Alltag. Sie sind Produkt von der Art und Weise, wie Menschen an etwas teilhaben und, wenn sie das tun, mit welchem Modus Operandi das geschieht. Personen, auf die man trifft, werden nach bestimmten (äußeren) Merkmalen in Kategorien eingeteilt und so eine soziale Identität nach außen geniert. Daraufhin entwickelt sich ein Muster, wie diese Menschen von anderen, beziehungsweise der breiten Masse wahrgenommen und behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE ANNÄHERUNG AN DAS THEMA GENDER UND KÖRPER IM UNTERRICHT
3. FORSCHUNGSSTAND AKTUELLER STUDIEN ZU DEM SCHWERPUNKT GENDER/KÖRPER
4. REKONSTRUKTION DES TEXTMATERIALS (SEQUENZANALYSE)
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Sequenzanalyse eines Unterrichtsprotokolls, wie Differenzkategorien wie Gender und Körper in schulischen Interaktionsprozessen konstruiert und zur sozialen Ausgrenzung instrumentalisiert werden können. Das Ziel ist es, das pädagogische Handeln in Bezug auf Stereotypisierungen kritisch zu hinterfragen und die Auswirkungen solcher Interventionen auf den Lernraum der Schülerinnen und Schüler aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen zu Gender und Körper als soziale Differenzkategorien
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Bedeutung von Heterogenität im Unterricht
- Durchführung einer objektiven Hermeneutik zur Sequenzanalyse eines Fallbeispiels
- Kritische Reflexion von Machtverhältnissen und pädagogischem Handeln im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
4. Rekonstruktion des Textmaterials (Sequenzanalyse)
Die nachfolgende Textsequenz ist einer Unterrichtsstunde aus einem Gymnasium in der Klassenstufe 9 entlehnt, durchgeführt in dem Fach Deutsch. Die folgenden Textpassagen finden in einer Unterrichtsstunde mit dem Thema „Modische Kleidung – ja oder nein?“ statt, in der die Schüler*innen (SuS) Argumente für diese Frage sammeln sollen. In der Klasse ist es laut.
L(w): Soo, alle mal leise! Wir wollen immerhin vorankommen. Also, was könnte für modische Klamotten sprechen? Nehmen wir doch mal S1 als Beispiel. S1 hat diese extrem krass uncoole Frisur, die ihm eigentlich überhaupt nicht steht.
Die Lehrerin bittet die Klasse um Ruhe, da allein die Ankündigung des Unterrichtsthemas für Gesprächsstoff bei den SuS zu sorgen scheint. Des Weiteren ist die Frage/ das Thema der Stunde unglücklich gewählt: Das Thema Mode hat per se erst einmal nichts mit den Haaren einer Person oder einer Frisur zu tun, weswegen es erst einmal verwunderlich erscheint, dass die Lehrerin direkt den Bezug über eine Frisur herzustellen versucht und nicht über ein Outfit eines der SuS. Außerdem ist es schwierig einen Standpunkt zu der Frage zu beziehen, da ‚Mode‘ oder ‚modisch‘ kein eindeutig definierter Begriff ist, den man mit ja oder nein beantworten kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Fragestellung der Sequenzanalyse vor, erläutert die methodische Herangehensweise der objektiven Hermeneutik und definiert die untersuchten Differenzkategorien.
2. THEORETISCHE ANNÄHERUNG AN DAS THEMA GENDER UND KÖRPER IM UNTERRICHT: Dieses Kapitel erörtert die soziale Konstruktion von Identität durch äußere Merkmale und wie daraus resultierende „Teilhabechancen“ soziale Ungleichheiten in schulischen Kontexten erzeugen.
3. FORSCHUNGSSTAND AKTUELLER STUDIEN ZU DEM SCHWERPUNKT GENDER/KÖRPER: Hier wird der mediale und wissenschaftliche Fokus auf Gender und Körper als Strukturkategorien von Unterdrückung beleuchtet sowie der Umgang mit Heterogenität im Bildungssystem kritisch diskutiert.
4. REKONSTRUKTION DES TEXTMATERIALS (SEQUENZANALYSE): Der Kernteil der Arbeit analysiert methodisch die verbale Interaktion zwischen einer Lehrkraft und einem Schüler, um das Machtungleichgewicht und die Abwertung durch die Lehrperson aufzudecken.
5. FAZIT: Das Fazit resümiert, dass pädagogisches Personal eine hohe Verantwortung trägt, da subjektive Meinungsäußerungen und Grenzverletzungen den Lernraum und die psychische Verfassung der Schülerinnen und Schüler maßgeblich negativ beeinflussen können.
Schlüsselwörter
Sequenzanalyse, Objektive Hermeneutik, Gender, Körper, soziale Ungleichheit, Differenzkonstruktion, Unterrichtsinteraktion, pädagogisches Handeln, Heterogenität, Machtverhältnisse, soziale Identität, Stigmata, Habitus, Ausgrenzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert eine konkrete Unterrichtssituation, in der eine Lehrkraft durch die Abwertung eines Schülers aufgrund dessen Frisur Differenzkategorien wie Gender und Körper konstruiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die soziale Konstruktion von Gender und Körper, pädagogisches Handeln im Unterricht und die Entstehung von sozialer Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das pädagogisch unprofessionelle Verhalten der Lehrkraft anhand einer Sequenzanalyse aufzuzeigen und die negativen Auswirkungen auf die Schülerschaft zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet das Verfahren der objektiven Hermeneutik, um die ausgewählte Unterrichtssequenz schrittweise und detailliert zu zerlegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Darstellung des Forschungsstandes und die detaillierte Rekonstruktion des Textmaterials.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sequenzanalyse, Gender, soziale Identität, pädagogisches Handeln und Diskriminierung geprägt.
Warum wählt die Lehrerin das Thema "Mode" für ihre Bemerkung?
Die Lehrerin versucht einen Bezug zum Unterrichtsthema herzustellen, wählt jedoch eine unglückliche und inhaltlich unangemessene Verknüpfung über die Frisur eines einzelnen Schülers, um ihre subjektive Meinung zu äußern.
Wie reagiert der Schüler auf den verbalen Angriff?
Der Schüler bleibt gelassen, schlagfertig und äußert selbstbewusst, dass ihm seine Frisur gefällt, womit er die Lehrperson indirekt mit ihrem unangemessenen Verhalten konfrontiert.
Welche Rolle spielt das "Lachen der SuS" in der Analyse?
Das Lachen wird als vielschichtig interpretiert: Es kann auf Unsicherheit gegenüber dem heftigen Angriff der Lehrerin hindeuten oder aber eine kritische Distanzierung vom Verhalten der Lehrkraft ausdrücken.
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- Freda Jansen (Author), 2019, Gender und Körper im Unterricht. Differenzkonstruktionen in der Klassenstufe 9, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504165