Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge?

Unterschiede in der Berichterstattung etablierter und alternativer Monatsmagazine zum katalanischen Unabhängigkeitsreferendum 2017


Hausarbeit, 2018

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Differenzierung alternativer und etablierter Medien
2.1 Etablierte Medien
2.2 Alternative Medien
2.2.1 Ideelle Distinktionsmerkmale
2.2.2 Stilistische Distinktionsmerkmale

3. Operationalisierung und methodisches Vorgehen
3.1 Vorstellung der Methode: Quantitative Inhaltsanalyse
3.2 Operationalisierung
3.3 Pretest und Codierung

4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Formale Erkenntnisse
4.2 Hypothesenprüfende Ergebnisse

5. Schlussbetrachtung

Bibliographie

Anhang

II. Tabellen

III. CODEBUCH

1. Hypothesen

2. Variablen und Ausprägungen

3. Erläuterungen Allgemein

4.1 Formale Kategorien
4.2 Quasi-Formale Kategorien
4.3 Inhaltliche Kategorien

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Top-3-Feinthemen kritische Tonalität; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 2 Top-3-Feinthemen eingeschränkt kritische Tonalität; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 3 Top-2-Feinthemen eingeschränkt positive Tonalität; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 4 Top-3-Feinthemen positive Tonalität; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 5 Top-3-Ranking Grobthemen nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 6 Tonalität politischer Akteur_Innen nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 7 Top-3-Ranking Feinthemen nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 8 Grob- und Feinthementonalität nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 9 Kategoriensystem; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Anteil an der Gesamtcodierung nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 2 Tonalität politisch-verorteter Akteur_Innen nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 3 Grobthemenverteilung nach Medium; Quelle: Eigene Darstellung.

1. Einleitung

Das Vertrauen in die Berichterstattung etablierter Medien sinkt, so eine repräsentative Umfrage des Hans-Bredow Institutes für Medienforschung (Hasenbrink/Hölig 2017, 14). Das mangelnde Vertrauen in den Wahrheitsgehalt ihrer Informationen ist der am dritthäufigsten genannte Grund für die Vermeidung von Nachrichten (Hasenbrink/Hölig 2017, 14). Alternative Medien bilden einen Gegenpol zu etablierten Medien. Sie bespielen eine Gegenöffentlichkeit (vgl. Wimmer 2007) - die den etablierten Medien das Vertrauen entzieht. Dieser Vertrauensentzug verdeutlicht sich aktuell beispielsweise durch die Bezeichnung etablierter Medien als „Lügen- presse“. Der Begriff reetabliert sich seit 2014, durch das medienwirksame Auftreten der islam- feindlich-rechten Pegida-Bewegung (Denner/Peter 2017, 273). Eigentlich entstammt er der Propaganda des ersten Weltkrieges, seine „Blütezeit hatte er [während] des Nationalsozialismus in Deutschland“ (Denner/Peter 2017, 276). In der DDR wurde er genutzt, um „westlich-kapita- listische Medien zu diffamieren“ (Denner/Peter 2017, 276). Seit jeher bezeichnet der Begriff die öffentlich-rechtlichen, Leit- und Massenmedien als Verbreitungsinstanzen von Lügen und Falschinformationen.

Aktuell informiert sich der Teil der Menschen, der in etablierten Medien eine „Lügenpropa- ganda des Systems“ vermutet (COMPACT-Fibel, 4) über alternative Medien. Denn diese be- richten „anders“, sie berichten all das „was andere nicht zu kommunizieren wagen“ (COM- PACT-Fibel, 4). Das selbstdefinierte Ziel alternativer Medien ist es, „den fehlenden Teil zum Gesamtbild […] der sonst verschwiegen oder weggeschnitten wird“ zu zeigen (deutsch.rt.com/uber-uns/, März 2018). Allerdings sind alternative Medien nicht per se rechts- politisch.

Seit den 1970-er Jahren gibt es alternative Medien vor allem im politisch linken Spektrum, wo sie als Teil der progressiven Protestbewegungen entstanden, beispielsweise konkret (Ladstätter 2001, 214). Lange Zeit wurden alternative Medien daher als „grundlegend antikapitalistisch/an- tirassistisch/antipatriarchal orientierte“ Erzeugnisse verstanden (Kettler 1997, 41). Etablierte Medin würden „Minderheiten ausgrenzen, Ereignisse gar nicht oder verfälscht darstellen und ihre Leserschaft im Kapitalinteresse manipulieren“, so der Vorwurf (Weichler 1983, 88). In einigen politisch linken Kreisen herrscht der Glaube an die „automatische Gesellschaftsverän- derung durch die bloße Veröffentlichung ‚anderer‘ Informationen“ (Ladstätter 2001, 214 Herv. im Orig.). Das Bedürfnis, von etablierten Medien (beispielsweise Cicero Magazin für politi- sche Kultur) unterdrückte Nachrichten zu veröffentlichen, existiert demzufolge auch bei linken Alternativmedien. Generell ist die linke Kritik an etablierten Medien ähnlich der rechten.

Obwohl alternative Medien kein neues Phänomen sind gibt es kaum wissenschaftliche Studien über sie. Ihrem Auditorium oder den konkreten Differenzen in der Berichterstattung etablierter und alternativer Medien wurde bisweilen keine Erforschung zuteil.

Mit der bereits thematisierten Nähe zu (Protest-)Bewegungen und der kritischen Haltung ge- genüber etablierten Medien sind bereits zwei Distinktionsmerkmale alternativer Medien be- nannt. Hieraus resultiert die Frage, welche weiteren Prämissen alternative und etablierte Me- dien konkret voneinander unterscheiden. In welcher Form divergiert die Berichterstattung zu einem spezifischen Thema? Welche Unterschiede lassen sich finden? Diese Überlegungen und Fragen bilden das Fundament dieser Hausarbeit. Auf ihnen basiert die Fragestellung: Wie (in Form von Häufigkeit, Tonalität, thematischer Schwerpunktsetzung, politischer Positionierung, sprachlich-stilistischer Ästhetik) wird in deutschsprachigen alternativen, im Vergleich zu etab- lierten Monatsmagazinen über das katalanische Unabhängigkeitsbegehren 2017 berichtet? Die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen, die im Unabhängigkeitsreferendum vom 01. Oktober 2017 gipfelten, werden als thematischer Schwerpunkt der Berichterstattung ausge- wählt. Nationalstaatsansinnen sind ein Thema, das politisch-rechte und politisch-linke Ak- teur_Innen zumeist, qua ideeller Ausrichtung, stark abweichend bewerten. Die politisch Linke strebt nach Internationalismus (Jaschke 2006, 55ff) nach dem Motto „No Boarder, No Nation“ Sie müsste den Wunsch nach Nationalstaatlichkeit ablehnen. Die politisch Rechte befürwortet seit jeher Nationalstaatlichkeit und enge Grenzen (Planert 2004, 11ff) nach dem Paradigma „Nationalismus statt Globalisierung“. Sie müsste die Unabhängigkeitsbestrebungen unterstüt- zen. Das Thema bietet Potential für kontroverse Perspektiven in der Berichterstattung.

Um die Forschungsfrage zu beantworten, werden die Beiträge alternativer und etablierter Mo- natsmagazine zu dem katalanischen Unabhängigkeitsreferendum mittels einer quantitativen In- haltsanalyse untersucht. Als theoretische Fundierung dienen Studien und theoretische Analysen alternativer Medien und ihrer Ziele (vgl. Kap. 2). Im dritten Kapitel werden die gewählte Me- thode (vgl. Kap. 3.1) und das methodische Vorgehen (vgl. Kap. 3.2) erläutert. Auf Basis der Theorien werden Hypothesen formuliert und die Operationalisierung durchgeführt. Vor allem in Bezug auf die Bildung von Indikatoren bieten die Theorien wertvolle Anknüpfungspunkte. Es folgen die Datenauswertung, Datendarstellung, sowie die Interpretation der Ergebnisse und Prüfung der Hypothesen (vgl. Kap. 4). Den Abschluss der Hausarbeit bildet eine ausführliche methodische Kritik der vorliegenden Studie (vgl. Kap. 5).

2. Differenzierung alternativer und etablierter Medien

Im folgenden Kapitel wird das theoretische Fundament der Analyse aufgestellt. Hierbei liegt der Fokus auf einer umfassenden Definition alternativer Medien. Diese konstituieren sich über die Abgrenzung von etablierten Medien. Daher werden vorab etablierte Medien definiert.

2.1 Etablierte Medien

Als etablierte Medien werden zum einen all jene Medienerzeugnisse verstanden, die Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind. Weiter werden Leitmedien in diese Definition gezählt. Udo Göttlich definiert Leitmedien als Medien, zuständig für die „Konstitution [von] gesell- schaftlicher Kommunikation und von Öffentlichkeit“ (2002, 193f).

Etablierte Medien zeichnen sich durch große Auflagen- und Verbreitungszahlen aus, sind rele- vant für die öffentliche Debatte und fungieren Journalist_Innen kleinerer Medien als Orientie- rung (vgl. Reinemann 2003; Kohring et al. 2011). Den Journalismus etablierter Medien charak- terisiert „die möglichst klare Trennung zwischen Fakten und Meinung“ (Hasenbrink et al. 2017, 358). Dies schließt nicht aus, dass etablierte Medien eine politische Ausrichtung haben können (Esser 2008, 150ff), trotzdem bleibt die Berichterstattung neutral, ausgewogen und faktenba- siert (Schweiger 2017, 42). Nach „etablierten journalistischen Kriterien – den [sogenannten] Nachrichtenfaktoren“ werden “Informationen von gesellschaftlicher Relevanz“ ausgewählt (Hasenbrink et al. 2017, 358). Als etablierte Medien zählen zum Beispiel die Welt oder der Spiegel (vgl. IVW).

Schärdel verweist auf die Bedeutung etablierter Massenmedien „als wichtigste Vermittlungs- instanz […]“ zwischen Rezipierenden und Politik (2016, 135). Der Medienberichterstattung etablierter Medien kommt insgesamt großer Einfluss auf die Wahrnehmung von Akteur_Innen und Themen in der Öffentlichkeit zu (Römmele 2003, 16f). Hiernach lässt sich von einem in- tensiven Einfluss der Massenmedien auf den politischen Informationsstand und die Meinungs- bildung der Rezipient_Innen ausgehen.

Diesen Einfluss werten alternative Medien aus dem rechten Spektrum, beispielsweise das po- puläre Alternativ-Onlinemedium pi-news, als „subtile[s] Diktat“ oder „Propaganda“ (pi- news.net/leitlinien/, März 2018). Rezipierende alternativer Medien befürchten einseitige Be- richterstattung und Fake News, teilweise auch Manipulation durch etablierte Medien (Reichardt 2014, 223). Weiter zweifeln sie an der Qualität, Kompetenz und Glaubwürdigkeit etablierter Medien (Downing 2003, 637). Beispiele für diese Befürchtungen finden sich in den Kommen- tarspalten alternativer Medien und etablierter Medien, die ein „Sammelbecken“ für Kritik und diffamierende Kommentare sind (Hasenbrink et al. 2017, 361). Vor allem bei emotionalem In- volvement (bspw. Thema Geflüchtete) neigen die Leser_Innen dazu „ausgewogene Berichter- stattung als verzerrt wahrzunehmen und versuchen daher, dieser öfter durch Gegendarstellun- gen entgegenzuwirken“ (Vallone et al. 1985 nach Schärdel 2016, 138). Alternative Medien bie- ten ihnen die Kommunikations-Plattform.

2.2 Alternative Medien

Für diese Gegenöffentlichkeit sind alternative Medien, was etablierte Medin für die Öffentlich- keit sind: Informationsinstrumente.

In diesem Kontext erweist sich das Adjektiv ‚öffentlich‘ vordergründig als Gegen- stück zu alternativ, subkulturell, antiinstitutionell und selbstorganisiert alles Be- zeichnungen, die unter dem Schlagwort ,gegenöffentlich' subsumiert werden kön- nen (Wimmer 2007, 12 Herv. im Orig.).

Im Gegensatz zu etablierten Medien, die eine Öffentlichkeit schaffen, erzeugen alternative Me- dien eine Gegenöffentlichkeit. Diese wie auch ihre Informationskanäle entstehen über Abgren- zung zum „normative[n] Konstrukt der idealisierten bürgerlichen Öffentlichkeit“, da diese un- ter Verdacht steht „Herrschaft zu formieren und zu legitimieren sowie Repression auszuüben“ (Wimmer 2007, 179).

For some, there is always the nagging doubt that these ragtag and bob-tail media can possibly have gotten it right. For others, there is a rigid rejection of all main- stream media as polluted sources. Both responses in their different ways betray the hegemony of mainstream media, the first rather obviously, the second in its fear of complexity (Downing 2003, 637).

Alternative Medien grenzen sich durch verschiedene Differenzierungsmerkmale von kommer- ziellen Medien ab (vgl. Atton 2001; Fuchs 2010; Downing 2003; Wimmer 2007; Dorer 1995). Eine trennscharfe, übereinstimmende Definition dessen, was diese Distinktionsmerkmale sind, gibt es bislang nicht. Im Folgenden werden diejenigen, die am häufigsten genannt werden, vor- gestellt. Dabei wird in ideelle und stilistische Differenzierungsmerkmale unterschieden. Beide sind von Interesse für die Beantwortung der Forschungsfrage.

2.2.1 Ideelle Distinktionsmerkmale

Die in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit alternativen Medien am häufigsten be- tonten Distinktionsmerkmale sind: die kritische Haltung alternativer Medien, ihre Vernetzungs- funktion, ihr partizipativer Anspruch und ihre antikommerzielle Haltung. Diese vier Attribute werden im Folgenden knapp erläutert. Eine eingehende Besprechung und Auflistung aller At- tribute würde den Rahmen der Hausarbeit überschreiten.

Kritische Haltung

Sandoval betrachtet die kritische Haltung alternativer Medien als Hauptmerkmal der Differen- zierung (2011, 146). Sie erachtet die „derzeitig[e] Dominanz des Paradigmas der Partizipation innerhalb der Alternativmedientheorie“ (2011, 146) als kritisch. Die „herrschaftskritische, an Emanzipation orientierte Zielsetzung“ alternativer Medien und einem Gros ihrer Rezipient_In- nen evaluiert Oy als elementares Distinktionsmerkmal (2001, 98). Fuchs plädiert sogar für den Ausdruck radical media anstelle des Begriffes alternativ media (2010, 177). Der Terminus be- tont die alternative Vision zu, sowie radikale Kritik an, hegemonialer Politik, Werten und Per- spektiven der normativen bürgerlichen Gesellschaft und Medienlandschaft (Fuchs 2010, 177; Downing 2001, v). Diese kritische Grundhaltung, so Fuchs und Sandoval, stellt das minimale Kriterium für die Definition alternativer Medien dar (Fuchs/Sandoval 2010, 146).

An interpretation of media content is critical if the consumed form or content causes subjective insights that allow the recipients to question certain forms of domination, develop ideas of alternative models of existence that advance co-operation, and can potentially be guiding in transformative actions and social struggles (Fuchs 2010, 189).

In dieser Tradition steht auch das Veröffentlichen „unterdrückter Nachrichten aus der partiku- laren Welt des Alternativmilieus“, als Distinktionsmerkmal alternativer Medien (Reichardt 2014, 238). Zum Beispiel in Form von Zahlen, Fakten, Einschätzungen und Richtigstellungen, die in etablierten Medien nicht oder falsch ausgeführt werden (Reichardt 2014, 238).

Critical media product content shows suppressed possibilities of existence, de- scribes antagonisms of reality and potentials for change, questions domination, ex- presses the standpoints of oppressed and dominated groups and individuals, and argues for the advancement of a co-operative society. Critical media product form aims at advancing imagination, it is dialectical because it involves dynamics, non- identity, rupture, and the unexpected (Fuchs 2010, 189).

Über Themen, Perspektiven oder Realitäten zu berichten, die etablierte Medien oft ausblenden, erzeugt eine Gegenöffentlichkeit (Wimmer 2007, 12; Mauruschat/Wimmer 2007, 317; Fuchs/Sandoval 2010, 143). „Gegenöffentlichkeit herzustellen“ ist selbsterklärtes Ziel einiger alternativer Medien, beispielweise der rechten Russia Today (deutsch.rt.com/uber-uns/, März 2018). Diese Gegenöffentlichkeit drückt sich teilweise als soziale (Protest-)Bewegung aus.

Gesellschaftskritische Medieninhalte und Kommunikation reichen allein nicht aus, um die Gesellschaft zu verbinden. Information per se zieht kaum eine Wirkung nach sich, wenn keine soziale Praxis oder individuelle Handlungsmöglichkeiten damit verbunden sind (Wimmer 2007, 178).

Vernetzungsfunktion

Daher ist ein weiteres Distinktionsmerkmal alternativer Medien ihre (häufig große) Nähe zu sozialen Bewegungen (z.B. COMPACT zu Pegida; konkret zur Anti-Atomkraft-Bewegung) (Atton 2004, 4f). Alternative Medien berichten über (Protest-)Bewegungen und vernetzen de- ren Anhänger_Innen. Die oft dezentral organisierten Medienerzeugnisse sind Ort der „politi- schen Selbstverständigung und kulturellen Identitätsstiftung“ (Reichardt 2014, 237). Kettler beschreibt die Funktion alternativer Medien innerhalb der Bewegungen als „Binnenfunktionen“ (1997, 41). Sie umfasst „das Austragen von Diskussionen, die Reflexion gemeinsamer Lebens- umstände, gemeinsamer Anliegen und gemeinsamen Handelns“ (Kettler 1997, 41). Auch die Agitation von Anhänger_Innen und die Mobilisierung für Veranstaltungen (z.B. COMPACT Demonstrationskalender) gehören zu den Zielen der alternativen Medien (Seidler 2016, 41). Durch ihre Darstellung in etablierten Medien werden Protestbewegungen marginalisiert und entmachtet (Atton 2001, 4f). Gegen diese mediale Darstellung haben Protestbewegungen zu- meist keinen Regress, so Atton (2001, 4f). Alternative Medien heben diese Marginalisierung auf, indem sie den Bewegungen eine eigene Plattform bieten. Denn „Eine Bewegung, über die nicht berichtet wird, findet nicht statt“ (Raschke 1985, 343).

So there is counter-information and counter-hegemony that includes the voices of the excluded, the oppressed, the dominated, the enslaved, the estranged, the ex- ploited, and the dominated. One aim is to give voices to the voiceless, media power to the powerless as well as to transcend the filtering and censorship of information by corporate information monopolies, state monopolies, or cultural monopolies in public information and communication (Fuchs 2010, 179).

Ein weiteres Ziel alternativer Medien ist im Zuge dessen die Publikation und das damit einher- gehende Bekenntnis zu alternativen Werten, Sicht- und Lebensweisen (Atton 2001, 5). Als wei- tere Ziele können Sichtbarmachung von Bewegungen, Stabilisierung der Bewegung, subkultu- relle Bündelung, und Synchronisation genannt werden (vgl. Reichardt 2014; Fuchs 2010; Dow- ning 2003). Das Lesen und Mitführen alternativer Medien kann ebenso als Erkennungssymbol, politischer Code, Bekenntnis oder Identifikation mit einer Strömung gewertet werden (vgl. Oy 2006; Fuchs 2010; Reichardt 2014).

Partizipation

Die thematisierte Gegenöffentlichkeit oder Szene hat außerdem die Möglichkeit an alternativen Medien mitzuwirken. Die Betreiber_Innen der Homepage pi-news rufen ihre Leserschaft zur Mitarbeit auf. Auf der linken Plattform de.indymedia.org konnten die Leser_Innen Beiträge veröffentlichen und kollektiv bearbeiten (Engesser/Wimmer 2009, 44). Häufig werden alterna- tive Medien daher als partizipative Medien definiert (Fuchs/Sandoval 2010, 142). Dies bedeu- tet, dass die Rezipierenden an der Erstellung der Inhalte und der Organisation des Mediums beteiligt sind (Bailey et al. 2008, 128). Der unilineare Kommunikations- und Produktionspro- zess, die Arbeitsteilung der Massenmedien (Produzent_Innen zu Konsument_Innen) wird auf- gehoben (Reichardt 2014, 238; Fuchs/Sandoval 2010, 145).

This would allow challenging the mass media’s power of naming by confronting the reality constructed by capitalist mass media with other versions of social reality (Fuchs/Sandoval 2010,142).

Diesen Prozess beschreibt Couldry als Herausfordern der etablierten Massenmedien und als die größte Aufgabe der alternativen Medien (2003, 45). Indem Amateur_Innen die Option auf Teil- habe geboten wird, wird nicht nur mit dem klassischen Informationsfluss der Massenmedien gebrochen1. Die Partizipation fördert den Zusammenhalt und die Vernetzung von Interessen- gruppen, die in Verbindung zu dem jeweiligen alternativen Medium stehen. Diese bestärken sich in ihrem oppositionellen Denken gegen die politische und gesellschaftliche Ordnung.

Antikommerzialität

Ein weiteres Attribut ist die antikommerzielle Haltung alternativer Medien. Kettler führt Anti- kommerzialität sogar als Definition alternativer Medien an: „Alternativmedien sind nicht-kom- merzielle, also nicht der Lukrierung von Profiten dienende Produkte alternativer Öffentlichkeit […]“ (1997, 41). Arbeit ist nicht nach kommerziellem Erfolg ausgerichtet, sondern nach dem Kostendeckungsprinzip (Reichardt 2014, 241). Leitmotiv ist der politische Kampf, nicht der Versuch Profit zu generieren oder zu maximieren. Daher finden sich in alternativen Medien auch wenige, ausgewählte Anzeigen, die zum Konzept des Mediums passen (z.B. COMPACT 2017, 64; konkret 2017, 49). Alternative Medien wollen die Abhängigkeit von Anzeigenkunden (und damit einhergehend deren Inhalten) gering halten (Atton 2001, 13). Der Einfluss (bspw. in Form von Subventionen) von kommerziellen wie auch unkommerziellen Playern soll ver- mieden werden. Die Emanzipation von politischen Parteien und anderen staatlichen oder nicht- staatlichen Organisationen steht im Fokus.

2.2.2 Stilistische Distinktionsmerkmale

Alternative Medien grenzen sich jedoch nicht ausschließlich über ideelle Attribute von etab- lierten Medien ab. Auch auf textästhetischer, stilistischer Ebene gibt es Unterschiede. In der vorliegenden Hausarbeit wird untersucht, anhand welcher konkreten Merkmale sich alternative und etablierte Medien unterscheiden. Im Zuge der Untersuchung werden, wenn auch in Kürze, diese die Form betreffenden Merkmale analysiert. Daher ein kurzer Überblick über die stilisti- schen, semantischen und semiotischen Alleinstellungsmerkmale alternativer Medien.

Reichardt befasst sich mit den stilistischen Besonderheiten alternativer Medien der Studieren- denbewegung der 1968-er in Deutschland. Diese werden als Blaupause für textästhetische Merkmale aktueller alternativer Medien aller politischen Spektren genutzt.

Für alternative Medien spielt Authentizität eine tragende Rolle (Dorer 1995, 330). Sie sind Sprachrohr und Teil von Protest, Gegenkultur und Gegenöffentlichkeit und müssen ihre Anlie- gen glaubwürdig vertreten. Diesem Anspruch kommen sie unter anderem durch das Öffnen der Produktion für Laien nach (vgl. Kap. 2.2.1). „Das Ziel der alternativen Presse bestand darin, die ‚unverfälschten Interessen der Betroffenen‘ zu Wort kommen zu lassen.“ (Reichardt 2014, 279 Herv. im Orig.). Durch Betroffenenberichte (z.B. von Demonstrationen) und Gastbeiträge soll Unmittelbarkeit und Direktheit geschaffen werden (Reichardt 2014, 280). Auch in Sprache, Ästhetik, Codes und Stil muss die Berichterstattung authentisch sein und von der wertneutralen Berichterstattung etablierter Medien abweichen (Dorer 1995, 330).

Das Spielerische gehörte von Beginn an zum Selbstverständnis der Alternativpresse und prägte die Darstellungsform. Der ständige Drang zu originellen, witzigen oder abseitigen Formulierungen, das Arrangement der collagierten Textstücke und Bil- der wurde vom Prinzip des Spaßes und einer stilisierten Witzigkeit bestimmt, die wiederum mit den Protestformen korrespondieren sollte, denn auch die Aktionen waren von Happening und visuell-spielerischen Elementen durchzogen […] (Reichardt 2014, 301).

Der Stil alternativer Medien ist oft durchdrungen von Euphemismen, Superlativen, Gefühlsbe- tonung oder auch Neologismen (Reichardt 2014, 306f). Reichardt beschreibt die Sprache der Alternativblätter als durchzogen von „Jargon, Dialekt, Ähs-, Redewendungen“ (2014, 306f). Über den Einsatz von Worten und (Kampf-)Begriffen, die zur Bewegung und zum politischen Ideal gehören, wird in der Berichterstattung die Identifikation mit diesen zum Ausdruck ge- bracht (z.B. „Lügenpresse“) (Reichardt 2014, 306f).

Die Ästhetik der Alternativblätter entfernt sich häufig von der Aufmachung etablierter Medien. Etablierte Medien erfüllen in ihrem Layout „bestimmte Merkmale der Darstellung und Gestal- tung, also spezifische Kombinationen von Inhalt und Form“ (Godulla/Wolf 2017, 25).

Im Gegensatz zu etablierten Medien unterliegen alternative Medien keinen, die äußere Form betreffenden, Leitlinien (Atton 2001, 11). Durch Collagen (Verfremdung des Vorhandenen), Offset-Druck, Cartoons, Karikaturen und Zeichnungen distanzieren sich alternative Medien in ihrer Aufmachung von etablierten Medien (Reichardt 2014, 311f).

Da sie aus einer determinierten Perspektive (z.B. mit antikapitalistisch-antifaschistischem Standpunkt) über Sachverhalte berichten, werden Themen, die dem Konzept des jeweiligen Mediums entsprechen, betont.

Die vorgestellten Definitionen, Attribute und Divergenzen alternativer und etablierter Medien beschreiben zum einen den Forschungsgegenstand. Zum anderen bieten sie Anknüpfungs- punkte für die Bildung von Indikatoren und Kategorien mittels welcher die Unterschiede in der themenzentrierten Berichterstattung etablierter und alternativer Medien erfasst werden. Basie- rend auf der theoretischen Fundierung wird im Folgenden der Ablauf der Analyse erläutert

3. Operationalisierung und methodisches Vorgehen

In diesem Kapitel werden das methodische Vorgehen und die Operationalisierung erläutert. Nach einer knappen Darstellung der gewählten Methode (vgl. Kap. 3.1) folgt die Operationali- sierung der Fragestellung (vgl. Kap. 3.2). Hier wird die Fragestellung in Hypothesen segmen- tiert und die Entwicklung der Kategorien erörtert. Anschließend wird das Sample vorgestellt. In aller Kürze werden der Pretest und die Codierung erläutert (vgl. Kap. 3.3).

3.1 Vorstellung der Methode: Quantitative Inhaltsanalyse

Die quantitative Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode und folgt dem „generellen Schema zum Ablauf des empirischen Forschungsprozesses“ (Brosius et al. 2012, 156). Sie wird für die Untersuchung der Forschungsfrage gewählt, da sich mittels der quantitativen Inhaltsanalyse große Textmengen auf die Variablen Tonalität, Häufigkeit und thematische Schwerpunktset- zung der Berichterstattung untersuchen lassen. Diese Variablen sind essentiell zur Beantwor- tung der Fragestellung und der Hypothesen.

Sowohl die Inhaltsanalyse als auch die Fragestellung werden in der Planungsphase ausgearbei- tet. Darauf folgt die Entwicklungsphase, in welcher das zu untersuchende Material und die Analyseeinheiten bestimmt werden. Kategorien, Unterkategorien und Merkmalsausprägungen (numerische Entsprechung) werden festgelegt (Brosius et al. 2012, 143) (vgl. Kap. 3.2). Mittels der Kategorien werden Textmerkmale durch Indikatoren erfasst. Das Kategoriensystem bildet alle verwendeten Kategorien trennscharf, vollständig, erschöpfend und genau definiert ab (Rössler 2010, 21). Es ist Bestandteil des Codebuches (vgl. Anhang III, vi). Dieses ist das Un- tersuchungsinstrument der Inhaltsanalyse (Rössler 2010, 95).

Es folgt die Anwendungsphase, in welcher das Untersuchungsmaterial codiert wird. Allgemein nennt man „[d]ie Zuordnung von Textteilen zu Kategorien […] Codierung“ (Bortz/Döring 2006, 153). Die Codes, die im Rahmen der Codierung einer Kategorie zugeordneten Zahlen, repräsentieren ihre Merkmalsausprägungen (Rössler 2010, 21). Im Zuge des Codierprozesses (vgl. Kap. 3.3) werden die Codes in Codiermasken eingetragen (Rössler 2010, 21). Den Ab- schluss bildet die Ergebnisdarstellung und die darauf basierende Inferenz auf die gestellte For- schungsfrage sowie die Hypothesenprüfung (Rössler 2010, 38).

3.2 Operationalisierung

Die Grundannahme der Hausarbeit basiert auf der theoretischen Auseinandersetzung mit den Distinktionsmerkmalen alternativer Medien. So wird die Annahme vertreten, dass alternative Medien in anderer Art und Weise über ein spezifisches Thema berichten als etablierte Medien. Alternative Medien publizieren unterdrückte Nachrichten (vgl. Kap. 2.2.1). Demzufolge müss- ten sie andere Informationen zu einem Thema veröffentlichen als etablierte Medien. Andere Informationen bedeutet konkret, dass alternative Medien unterschiedliche Aspekte einer Bege- benheit betonen. Diese divergierenden Hervorhebungen werden mittels der Analyse der behan- delten Grob- und Feinthemen überprüft. Unterschiedliche Akzentuierung von Akteur_Innen wird ebenfalls als Differenz in der Berichterstattung aufgefasst.

Wie bereits im Zuge der theoretischen Fundierung ausgeführt (vgl. Kap 2.2.1) nehmen alterna- tive Medien eine radikale, politische Position ein. Diese wird anhand der Variable Themento- nalität erhoben. Denn alternative Medien publizieren Themen insgesamt wertender als etab- lierte Medien, so die Annahme. Die Vergabe von kritischer Tonalität wird in diesem Sinne als Ablehnung, die Vergabe von positiver Tonalität als Befürwortung aufgefasst. Beispielsweise ist die Vermutung naheliegend, dass konkret aufgrund seiner politischen Gesinnung kritisch über Nationalismus berichtet, COMPACT hingegen positiv. Die gleiche Annahme gilt für die Bedeutung der Vergabe von Tonalität in Bezug auf Akteur_Innen.

Im Fokus der Untersuchung steht weiter, wie Akteur_Innen politisch verortet und daraufhin bewertet werden. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, ob alternative Medien Akteur_Innen häu- figer einer politischen Richtung zuordnen als etablierte Medien. Anzunehmen ist, dass alterna- tive Medien eher über politisch verortete Akteur_Innen berichten – vor allem aus dem eigenen politischen Spektrum. Divergenzen in der Berichterstattung werden sich, so die Annahme, vor allem in den Bewertungen von politischen Akteur_Innen widerspiegeln. Es ist anzunehmen, dass etablierte Medien über politisch lokalisierte Akteur_Innen mehrheitlich neutral berichten. Rechte Medien hingegen als links identifizierte Akteur_Innen eher kritisch bewerten und an- dersherum. Diese Tonalität muss aus dem Artikeltext identifizierbar sein. Zustimmung oder Ablehnung, in Form von positiver oder kritischer Tonalität, lässt Rückschlüsse auf eine politi- sche Gesinnung des Mediums zu. Der Ausdruck dieser Gesinnung wird als Pfeiler für das Auf- rechterhalten von Authentizität gewertet (vgl. Kap. 2.2.2).

Um möglichst deutliche Differenzen in der Berichterstattung zu ermitteln, wird ein spezifischer Themenschwerpunkt gewählt: die katalanische Unabhängigkeitsbewegung. Das Thema wird ausgewählt, da es alle Medien des Samples behandeln. Weiter bietet dieses Thema, vor allem an den politischen Rändern, Diskussionspotential. Autonomieansinnen sowie Nationalstaatsbe- strebungen sind oft Schwerpunkte rechter Argumentation (Weißgerber 2015, 152). Der katala- nische Nationalismus ist jedoch eine „Bewegung, in der bürgerlich-liberale Kräfte und auch Teile der Arbeiterbewegung früh eine maßgebliche Rolle innehatten“ (Schubert 2011, 412). Der katalanische Nationalismus zeigt demzufolge linke Tendenzen. Das Unabhängigkeitsrefe- rendum, sowie die Unabhängigkeitsbewegung bieten daher Potential für einen politisch-ideel- len Diskurs in alternativen Medien.

Nach der Erstellung des definitorischen Rahmens, wird die Forschungsfrage in Hypothesen segmentiert. Dieser Schritt dient der Reduktion von Komplexität und der Illustration der ge- suchten Merkmale.

Hypothesen

Wie (in Form von Häufigkeit, Tonalität, thematischer Schwerpunktsetzung, politischer Positi- onierung, sprachlich-stilistischer Ästhetik) wird in deutschsprachigen alternativen, im Ver- gleich zu etablierten Monatsmagazinen über das katalanische Unabhängigkeitsbegehren 2017 berichtet? lautet die zentrale Forschungsfrage. Diese wird in zwei übergeordnete Hypothesen abgeleitet. Die Hypothesen beinhalten je einen der zwei Hauptindikatoren für Differenz. Diese werden auf Basis der theoretischen Grundlagen entwickelt. Ein Hauptindikator ist die Bericht- erstattung über Themen und Akteur_Innen. Wie erörtert berichten alternative Medien über The- men, die etablierte Medien unterdrücken (vgl. Kap. 2.2.1). Daher müssten Divergenzen in der thematischen Schwerpunktsetzung und der Fokussierung auf Akteur_Innen auftreten.

Der zweite Hauptindikator ist die Bewertung von Themen und Akteur_Innen: die Tonalität. Aufgrund der Erhebung dieser lässt sich messen, wie Akteur_Innen und Themen bewertet wer- den. Dieser Schritt ermöglicht Aufschlüsse darüber, wie markant die kritische Haltung alterna- tiver Medien in der Berichterstattung ist (vgl. Kap. 2.2.1).

Die erste Hypothese beinhaltet die Annahmen über die unterschiedliche Vergabe von Tonalität. Die zweite Hypothese beinhaltet die Annahmen bezüglich der Unterschiede in der grob- und feinthematischen Schwerpunktsetzung etablierter und alternativer Medien.

H:1 Zwischen alternativen und etablierten Medien bestehen Divergenzen hinsicht- lich der Tonalität der Berichterstattung.

H:2 Die betrachteten Medien unterscheiden sich hinsichtlich der thematischen Schwerpunktsetzung in der Berichterstattung über die katalanischen Unabhängig- keitsbestrebungen.

Die Hypothesen werden im Zuge der Hypothesenprüfung verifiziert oder falsifiziert. Für diese werden Indikatoren gebildet. Alle theoretischen Konstrukte wie Tonalität, Akteur_Innen, Grob- und Feinthemen, sowie politische und lokale Verortung werden in Indikatoren für die Katego- rienbildung überführt. Eine ausführliche Erklärung und Definition aller Indikatoren und Kate- gorien, mitsamt Ankerbeispielen, findet sich im Codebuch (vgl. Anhang III, vi). Im anschlie- ßenden Kapitel werden lediglich inhaltliche Indikatoren erläutert. Dies sind alle Kategorien, die zur Beantwortung der Forschungsfrage benötigt werden. Die Indikatoren und Kategorien, die weder einer dezidierten Erklärung bedürfen, noch unabdingbar für die Besprechung der For- schungsfrage sind, werden nur im Codebuch erschöpfend definiert.

Indikatoren und Kategorien

Die Kategorienbildung erfolgt deduktiv. Vor der Analyse werden die Kategorien anhand des Inhaltes des vorliegenden Materials definiert. So können alle Textmerkmale, die für die Beant- wortung der Forschungsfrage relevant sind (zum Beispiel Akteur_Innen) aus dem Material er- hoben werden. Lokalisierungen und Tonalität muss der/die Urheber_In eines Statements im Fließtext bestimmen.

Abweichende Fokussierung auf Handelnde ist ein Indikator für die unterschiedliche Berichter- stattung in Bezug auf die Variable Akteur_Innen. Diese bietet Kategorien für die Bestimmung des handelnden Subjektes, beziehungsweise der handelnden Subjekte. Die Leitfragen zum Eru- ieren der Akteur_Innen lauten: „Wer tut etwas?“; „Um wen geht es in diesem Statement?“. Über die Variable Lokalisierung Akteur_Innen wird erfasst, ob es sich um spanische, katalani- sche oder internationale Akteur_Innen handelt. Wenn anekdotisch über schottische Separa- tist_Innen berichtet wird, müssen diese international verortet werden. Die Variable Lokalisie- rung Akteur_In ermöglicht eine differenzierte Analyse der Akteur_Innen. Auch anekdotisch erwähnte internationale Separatist_Innen wären im Zuge der Berichterstattung zum katalani- schen Unabhängigkeitsreferendum, als katalanische Separatist_Innen erfasst worden.

[...]


1 Hierzu: Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation (Two-Step-Flow of Communication) nach Paul Felix La- zarsfeld, Bernard Berelson und Hazel Gaudet (1940).

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge?
Untertitel
Unterschiede in der Berichterstattung etablierter und alternativer Monatsmagazine zum katalanischen Unabhängigkeitsreferendum 2017
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaft Abteilung für Medienwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
52
Katalognummer
V504376
ISBN (eBook)
9783346076199
ISBN (Buch)
9783346076205
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wutbürger, Lügenpresse, Selberdenker, katalanisches Unabhängigkeitsreferendum 2017, Alternative Medien, Etablierte Medien, Rechts, Links, Konkret, Compact, Inhaltsanalyse, Qualitative Inhaltsanalyse
Arbeit zitieren
Felicitas Schneider (Autor:in), 2018, Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504376

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