Die Arbeit untersucht, inwiefern die organisationale Ambidextrie eine Rolle in der Zeitungsproduktion spielt. Hierbei stehen insbesondere die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell der Zeitungsverlage im Vordergrund. Um zunächst eine umfassende Einführung in die behandelte Thematik zu gewähren, werden die wichtigsten theoretischen Grundlagen der organisationalen Ambidextrie dargelegt.
Die Medienwirtschaft steht aktuell vor einem großen Umbruch, welcher durch innovative Technologien, steigender Konvergenz, neuen Wettbewerbern und ein sich stark veränderndes Mediennutzungsverhalten begründet wird. Dabei handelt es sich per se um keine neue Entwicklung, jedoch hat sich die Geschwindigkeit der Innovationszyklen stark beschleunigt. Besonders die klassischen Massenmedien stehen unter einem hohen Innovationsdruck. Dies hat zur Folge, dass sich Zeitungsverlage in einer schweren Zerreißprobe befinden. Es gilt, das aktuelle Geschäft effizient zu managen und gleichzeitig innovative Lösungen zu schaffen, um auch eine langfristige Überlebensfähigkeit sicherzustellen. Demnach hängt der Unternehmenserfolg maßgeblich davon ab, ob ein Zeitungsverlag dazu fähig ist, Ressourcenexploration und -exploitation situationsadäquat auszubalancieren. Somit bedarf es der Fähigkeit einer organisationalen Ambidextrie.
Inhaltsverzeichnis
1. Zeitungsverlage – Eine ambidextere Organisation?
2. Theoretische Grundlagen der organisationalen Ambidextrie
2.1 Begriffserläuterung der organisationalen Ambidextrie
2.2 Exploration und Exploitation
2.2.1 Begriffsabgrenzung von Exploration und Exploitation
2.2.2 Zielkonflikt zwischen Exploration und Exploitation
2.3 Formen der organisationalen Ambidextrie
3. Relevanz der Ambidextrie für Zeitungsverlage im digitalen Wandel
4. Ambidextrie in der Zeitungsproduktion
4.1 Auswirkungen der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell der Zeitung
4.2 Exploration in der Zeitungsproduktion – Digitale Modelle
4.3 Exploitation in der Zeitungsproduktion – Klassische Modelle
4.4 Form der organisationalen Ambidextrie in der Zeitungsbranche
5. Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das Konzept der organisationalen Ambidextrie eine Rolle für die Zeitungsproduktion im Zuge der digitalen Transformation spielt, um sowohl die Effizienz im klassischen Printgeschäft zu wahren als auch innovative digitale Geschäftsmodelle zu etablieren.
- Theoretische Grundlagen der organisationalen Ambidextrie (Exploration & Exploitation)
- Herausforderungen durch den digitalen Wandel für Zeitungsverlage
- Analyse explorativer digitaler Geschäftsmodelle in der Zeitungsbranche
- Optimierung des klassischen Kerngeschäfts (Exploitation)
- Untersuchung der verschiedenen Formen ambidexterer Organisationsstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffserläuterung der organisationalen Ambidextrie
Aufgrund der Globalisierung sind Unternehmen fortwährend einem intensiven Wettbewerbsdruck ausgesetzt, weshalb sie strategische Wettbewerbsvorteile stetig ausbauen müssen. In diesem Zusammenhang wird in der Literatur auf den markt- oder ressourcenbasierten Ansatz zurückgegriffen. Da Märkte jedoch zunehmend durch Veränderungen und mithin Unsicherheiten geprägt sind, ist es notwendig diese statische Betrachtungsweise durch eine dynamische Sichtweise zu ersetzen (Wollersheim, 2010, S. 5). Der daraus entstandene Dynamic Capability Ansatz betrachtet neben den vorhandenen Ressourcen auch das Umfeld einer Organisation. Unternehmen sind demnach wettbewerbsfähig, wenn sie vorhandene Ressourcen nutzen und sich gleichzeitig als flexibel und anpassungsfähig erweisen (Teece, Pisano & Shuen, 1997; Träger, 2006, S. 60). Diese sogenannten Dynamic Capabilities sind notwendig, um die Aktivitätsmuster Exploration und Exploitation situationsadäquat auszubalancieren. In der Literatur wird diese dynamische Fähigkeit als organisationale Ambidextrie bezeichnet, welche im Folgenden umfassend erläutert wird (Birkinshaw & Gibson, 2004, S. 47).
Der Begriff Ambidextrie bedeutet Beidhändigkeit und bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung die Fähigkeit eines Individuums, beide Hände gleichermaßen geschickt einsetzen zu können. Im wirtschaftlichen Kontext wird von einer organisationalen Ambidextrie gesprochen, welche sich auf ein Unternehmen bezieht, das in der Lage ist zwei unterschiedliche Aktivitäten gleich gut auszuführen (Birkinshaw & Gupta, 2013, S. 287). Aufbauend auf den Forschungsarbeiten von Duncan (1976), der erstmals im organisationalen Zusammenhang den Terminus Ambidextrie einbrachte, entwickelten Tushman und O`Reilly (1996) die Theorie einer ambidexteren Organisation (Reichert, 2016, S. 25). Dabei erläutern sie die organisationale Ambidextrie als „ability to simultaneously pursue both incremental and discontinuous innovation […] from hosting multiple contradictory structures, processes and cultures within the same firm“ (Tushman & O`Reilly, 1996, S. 24). In darauffolgenden Publikationen wurde die Bezeichnung äußerst unterschiedlich definiert (Reichert, 2016, S. 25). Grundsätzlich steht organisationale Ambidextrie für die Fähigkeit eines Unternehmens, sowohl bestehende Kompetenzen zu nutzen (Exploitation) als auch neue Möglichkeiten in gleichem Maße zu erforschen (Exploration) (Lubatkin, Simsek, Ling & Veiga, 2006, S. 647). Exploitation und Exploration stellen daher die zentralen von Unternehmen zu bewältigenden Aktivitäten dar und liegen der Anpassungsforschung zugrunde (Gupta, Smith & Shalley, 2006, S. 693).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zeitungsverlage – Eine ambidextere Organisation?: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, dass Zeitungsverlage aufgrund der digitalen Transformation unter hohem Innovationsdruck stehen und ihre Existenzsicherung von einer Ausbalancierung zwischen Print-Tradition und digitaler Innovation abhängt.
2. Theoretische Grundlagen der organisationalen Ambidextrie: Hier werden die theoretischen Konzepte von Exploration und Exploitation sowie deren inhärente Zielkonflikte erläutert und die verschiedenen Formen der Ambidextrie (strukturell, sequenziell, kontextuell) definiert.
3. Relevanz der Ambidextrie für Zeitungsverlage im digitalen Wandel: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit der Marktsituation der Zeitungen und begründet, warum die Fähigkeit zur Ambidextrie für das Überleben im digitalen Ökosystem unerlässlich ist.
4. Ambidextrie in der Zeitungsproduktion: Dieser Hauptteil analysiert die konkreten Auswirkungen der Digitalisierung, untersucht explorative digitale Geschäftsmodelle, beleuchtet das klassische Printgeschäft und diskutiert, welche Form der Ambidextrie die Branche derzeit anwendet.
5. Zusammenfassung und Diskussion: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und diskutiert die Zerreißprobe der Verlage sowie die Herausforderungen einer zukünftigen, möglicherweise rein digitalen Ausrichtung.
Schlüsselwörter
Organisationale Ambidextrie, Exploration, Exploitation, Zeitungsverlage, Digitale Transformation, Geschäftsmodell, Printzeitung, Innovationsdruck, Dynamische Fähigkeiten, Paid Content, Medienmanagement, Zeitungsproduktion, Wettbewerbsfähigkeit, Strategische Erneuerung, Medienkonvergenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Zeitungsverlage durch die Anwendung organisationaler Ambidextrie den Spagat zwischen dem Erhalt ihres klassischen Printgeschäfts und der notwendigen Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle bewältigen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Konzepte der Ambidextrie, die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Wertschöpfung in der Zeitungsbranche sowie Strategien zur digitalen Transformation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage: Inwiefern spielt Ambidextrie eine Rolle für die Zeitungsproduktion im Kontext der digitalen Transformation?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche und der Analyse von Geschäftsmodellen sowie Fallbeispielen renommierter Zeitungsverlage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell, exploriert digitale Erlösmodelle wie Paid Content und untersucht, wie Verlage ihr Kerngeschäft durch inkrementelle Verbesserungen (Exploitation) optimieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie organisationale Ambidextrie, Exploration, Exploitation, Zeitungsverlage und digitale Transformation charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst der digitale Wandel die Wertschöpfungsstufen einer Zeitung?
Der Wandel führt primär zu einer Dematerialisierung der Inhalte, wodurch die klassische Wertschöpfungskette (besonders Druck und Distribution) entwertet wird und neue digitale Distributionswege wie Apps oder Online-Portale in den Vordergrund rücken.
Welche Form der Ambidextrie wird laut der Analyse in der Zeitungsbranche bevorzugt?
Die Branche greift klassischerweise primär auf das strukturelle Modell (Trennung von Print- und Onlineredaktionen) zurück, zeigt jedoch aktuell eine Tendenz zu einer kontextuellen Ausrichtung, um die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen zu stärken.
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- Jessica Loos (Author), 2019, Zeitungen im digitalen Wandel. Ambidextrie in der Zeitungsproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504411