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Prüfungsangst aus psychoanalytischer Sicht

Title: Prüfungsangst aus psychoanalytischer Sicht

Intermediate Examination Paper , 2003 , 24 Pages , Grade: 1

Autor:in: Alexis Pflug (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit bildete für den Verfasser ebenfalls eine Prüfung und entbehrt daher in ihrer Thematik nicht einer gewissen Ironie. Jedenfalls gab sie ihm die Gelegenheit, nochmals die arbeitshemmenden Aspekte der Prüfungsangst in der Praxis an sich selbst nachzuerleben.
Es sei jedoch erwähnt, dass der Begriff der „Prüfungsangst“ in erster Linie mit der Form der mündlichen Prüfung und – schon schwächer – der Form der Klausur in Verbindung gebracht wird. Probleme mit dem Erstellen einer Hausarbeit würden gemeinhin eher als Arbeitsstörungen bezeichnet werden. Hierbei können jedoch oft gleiche oder ähnliche Ursachen zu Grunde liegen.
Die einschlägige Literatur zum Problem der Prüfungsangst zeichnet sich größtenteils durch ihren Ratgebercharakter aus und versteht sich zumeist als Vermittler von Tipps und Tricks für von Prüfungsangst Betroffene, in denen diese praktische (und schnelle) Hilfestellung geleistet bekommen sollen. Dabei richtet sich das Augenmerk weniger auf die tiefer im Prüfling verwurzelten Ursachen, sondern vielmehr auf die Möglichkeiten zur Reduktion und Eindämmung von Prüfungsängsten durch allgemein verwendbare Rezepte und Modelle.
Im Zentrum dieser Ansätze steht also vor allem das Symptom, welches beseitigt werden soll.
Der psychoanalytische Ansatz ist es hingegen, die tiefliegenden unbewussten Konflikte, die für die irrationale Angst vor Prüfungen verantwortlich sind, zu erfassen und bewusst zu machen, so dass sie danach bearbeitet und aufgelöst werden können. Dies jedoch ist ein oft langwieriger Prozess, der zudem an tiefen Schichten des Betroffenen rührt und in vielen Fällen als unangenehm empfunden und mit Widerstand belegt wird. Zentral wird hier also die Ursache der Prüfungsangst behandelt.
Ich werde zunächst die Begriffe „Prüfung“ und „Angst“ näher erläutern und diese dann vom psychoanalytischen Standpunkt aus in Verbindung bringen, um schließlich die möglichen Ursachen für eine irrationale Prüfungsangst zu benennen.
Ich beziehe mich dabei zum Grundbegriff der Angst im Wesentlichen auf die Theorien FREUDs, wobei ich andere psychoanalytische Angsttheorien kurz darlege, und zum Thema Prüfungsangst hauptsächlich auf Arbeiten STENGELs, SINGERs (der sich nah an STENGEL orientiert) sowie MOELLERs und HIRSCHs.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff „Prüfung“

3. Die Psychoanalyse der Angst

3.1. Die Angsttheorien FREUDs

3.2. Weitere psychoanalytische Ansätze zur Angst

4. Psychoanalytische Betrachtungen zum Zusammenhang von Prüfungen und Angst

4.1. Aspekte der Prüfungsangst

4.2. Die Prüfungsfaktoren und ihre möglichen Funktionen

4.3. Die fünf Arten der Bedrohung nach MOELLER

4.4. Weitere Bemerkungen zu Prüfungsneurosen

5. Neurosen des Prüflings

5.1 Konflikte mit Aspekten des Prüfungsgeschehens

5.1.1. Erleben der Öffentlichkeit als Bedrohung und Angst vor dem Hervorbrechen abnormer Triebregungen

5.1.2. Geschwisterrivalität

5.1.3. Prüfung als Situation des Ausgeliefertseins in die Macht einer strafenden Vaterfigur; Kastrationsangst

5.1.4. Verknüpfung der Prüfung mit dem Versagen beim Geschlechtsakt

5.1.5. Verknüpfung des Prüfungsgegenstands mit nicht verarbeiteten Konflikten

5.2. Konflikte mit einem eventuellen Prüfungserfolg und den Konsequenzen

5.2.1. Die Angst, erfolgreich zu sein

5.2.2. Trennungsangst

5.3. Konflikte mit einem eventuellen Prüfungsversagen und den Konsequenzen

5.3.1. Versagen als unbewusster Racheakt gegen am Erfolg interessierte Bezugspersonen

5.3.2. Angst vor einer narzißtischen Kränkung

5.3.3. Prüfungsversagen als unbewusste Selbstbestrafung

5.3.4. Angst vor dem eigenen Masochismus

6. Neurotische Beeinflussung durch das soziale Umfeld

7. Neurotisches Verhalten des Prüfers

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Phänomene der Prüfungsangst und Prüfungsneurose unter Rückgriff auf psychoanalytische Theorien, insbesondere die Ansätze Sigmund Freuds, um die unbewussten Ursachen irrationaler Ängste im Kontext von Prüfungssituationen freizulegen.

  • Psychoanalytische Fundierung von Angst und Prüfungsangst
  • Strukturanalyse des Prüfungssystems als gesellschaftliches und psychologisches Phänomen
  • Konfliktdynamiken des Prüflings (z.B. Kastrationsangst, Geschwisterrivalität)
  • Rolle und neurotische Einflussfaktoren des Prüfers
  • Bedeutung von Kindheitserfahrungen und unbewussten Triebwünschen

Auszug aus dem Buch

4. Psychoanalytische Betrachtungen zum Zusammenhang zwischen Prüfungen und Angst

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Realangst: Es erscheint logisch nachvollziehbar, dass die Prüfung Unwägbarkeiten beinhaltet, die eine berechtigte Angstentwicklung hervorrufen. Der Prüfling befindet sich in einer Situation der Unsicherheit, die Prüfungsfragen, der Ablauf der Prüfung und das Prüfungsergebnis sind Faktoren, die ihm weitgehend unbekannt sind und über die sich außerhalb des Macht- und Einflussbereichs seines Ichs befinden. Diese Unsicherheit steht vor dem Hintergrund der oft hohen Bedeutung der Prüfung für den Prüfling. Nicht selten könnte ein Durchfallen die Arbeit von mehreren Jahren zunichte machen. Abgesehen davon wäre es denkbar, dass der Prüfling sich in der Prüfung blamiert oder den Prüfer durch vermeidbare Wissenslücken oder Unpünktlichkeit enttäuscht oder verärgert, was seiner späteren Laufbahn hinderlich sein könnte. In der Abhängigkeit von der Willkür eines möglicherweise selbst neurotischen Prüfers liegt zweifellos ein großer Gefahrenkomplex. Daneben bergen Umfang und Schwierigkeitsgrad des Themas, unzureichende Vorbereitungszeit oder Materialien sowie mangelnde geistige Leistungsfähigkeit seitens des Prüflings weitere Gefahrenpotenziale.

Nach FREUD hat die Angst hier die Signalfunktion, das Ich auf diese in der Prüfung enthaltenen Gefahren hinzuweisen und es zu alarmieren, damit es die notwendigen Schritte ergreift, um diese abzuwehren. Im Bezug auf die Prüfung wären das z. B. eine ausreichende Vorbereitung auf das Prüfungsthema und mögliche Eigenarten des Prüfers, absolut pünktliches Erscheinen und angemessene Kleidung.

Man könnte hier von einer konstruktiven, sinnvollen Angst sprechen, Reaktion auf eine tatsächliche Bedrohung für das Individuum von außen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Prüfungsangst aus einer psychoanalytischen Perspektive und grenzt sich damit von verhaltenstherapeutischen Ratgeber-Ansätzen ab, die primär auf Symptombeseitigung zielen.

2. Zum Begriff „Prüfung“: Es werden die formalen Merkmale von Prüfungen definiert und deren gesellschaftliche sowie funktionale Bedeutung hinterfragt.

3. Die Psychoanalyse der Angst: Dieser Teil führt in Freuds Trieb- und Signaltheorie sowie weitere psychoanalytische Angstmodelle ein, die als Basis für die weitere Untersuchung dienen.

4. Psychoanalytische Betrachtungen zum Zusammenhang von Prüfungen und Angst: Hier wird der Bogen zwischen der „Realangst“ und den spezifischen neurotischen Mechanismen geschlagen, die in Prüfungssituationen aktiviert werden.

5. Neurosen des Prüflings: Das Kernkapitel analysiert detailliert die intrapsychischen Konflikte des Prüflings, von ödipualen Konstellationen bis hin zu narzisstischen Kränkungen.

6. Neurotische Beeinflussung durch das soziale Umfeld: Es wird untersucht, wie familiäre Prägungen und unbewältigte elterliche Konflikte das Über-Ich des Prüflings in Stresssituationen belasten.

7. Neurotisches Verhalten des Prüfers: Das Kapitel beleuchtet, wie die eigene Neurose des Prüfenden das Prüfungsgeschehen beeinflussen und zur Quelle für pathologische Angst beim Prüfling werden kann.

8. Fazit: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Prüfungswesen oft Triebimpulse primitiver Gesellschaftsformen sublimiert und fordert ein tieferes Bewusstsein für diese Mechanismen im Bildungswesen.

Schlüsselwörter

Prüfungsangst, Psychoanalyse, Prüfungsneurose, Sigmund Freud, Triebangst, Kastrationsangst, Über-Ich, Realangst, Schulwesen, narzisstische Kränkung, Ich-Regression, Schicksalsneurose, Leistungsdruck, Bildungssoziologie, Triebdynamik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die psychologischen Hintergründe von Prüfungsangst, wobei sie den Fokus explizit auf unbewusste Konflikte und psychoanalytische Konzepte legt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Rolle des Prüflings, die Machtdynamik gegenüber dem Prüfer, gesellschaftliche Funktionen von Prüfungsriten sowie die unbewussten Triebkonflikte, die in Prüfungssituationen aktiv werden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Aufdeckung und Bewusstmachung der tiefliegenden, oft irrationalen Ursachen für Prüfungsangst, um ein besseres Verständnis für das neurotische Verhalten in Prüfungssituationen zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine psychoanalytische Betrachtungsweise gewählt, die Theorien von Sigmund Freud sowie Arbeiten von Stengel, Moeller und Singer integriert, um das Prüfungsgeschehen tiefenpsychologisch zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene neurotische Konstellationen des Prüflings (z.B. Versagensängste, Rivalität) und der Einfluss des sozialen Umfelds sowie die psychologischen Faktoren beim Prüfer detailliert analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Prüfungsangst, Triebangst, Kastrationsangst, Narzissmus und das psychoanalytische Verständnis von Prüfungsriten geprägt.

Wie unterscheidet sich der hier vorgestellte Ansatz von gängigen Ratgebern?

Während Ratgeber meist praktische Tipps zur Symptomreduktion anbieten, hinterfragt diese Arbeit die tiefenstrukturellen Ursachen der Angst und kritisiert die oft als „natürlich“ hingenommene Prüfungspraxis.

Welche Bedeutung kommt der Rolle des Prüfers zu?

Der Prüfer wird nicht nur als neutraler Bewerter gesehen, sondern als Akteur, dessen eigene neurotische Struktur (z.B. sadistische Regungen oder Identifizierung mit dem Vater) den Verlauf der Prüfung maßgeblich und teilweise schädlich beeinflussen kann.

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Details

Title
Prüfungsangst aus psychoanalytischer Sicht
College
University of Bremen
Grade
1
Author
Alexis Pflug (Author)
Publication Year
2003
Pages
24
Catalog Number
V50442
ISBN (eBook)
9783638466585
ISBN (Book)
9783638660990
Language
German
Tags
Prüfungsangst Sicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexis Pflug (Author), 2003, Prüfungsangst aus psychoanalytischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50442
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