Die Arbeit stellt das Phänomen der exjesuitischen Gegenaufklärung und ihrer Publizistik dar, welches am Beispiel des Luxemburgers François-Xavier de Feller (1735-1802), oder Franz Xaver Feller, und dem von ihm herausgegebenen "Journal historique et littéraire" (1773-1794) aufgezeigt werden soll. Obwohl sich die allgemeine Untersuchung der exjesuitischen Agitation auf Deutschland beziehungsweise das Heilige Römische Reich deutscher Nation beschränkt, handelt es sich bei François-Xavier de Feller um einen in Brüssel geborenen Luxemburger und bei dem als Quelle zu behandelnden Journal um eine französische Publikation. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, wird jedoch mit der geographischen Situation Europas im ausgehenden 18. Jahrhundert plausibel.
Die Zielsetzung der Arbeit besteht darin aufzuzeigen, dass es sich bei der Gegenaufklärung insgesamt um eine organisierte Bewegung handelte, die sich das öffentliche Forum der Publizistik ebenso zunutze machte wie die Aufklärung selbst. Anhand der Exjesuiten, als einer der wortführenden Parteien in der gegenaufklärerischen Publizistik, wird die Argumentationsstrategie derselben herausgearbeitet. Das "Journal historique et littéraire" des Luxemburger Exjesuiten Feller dient in diesem Kontext schließlich als exemplarische Publikation, indem die gegenaufklärerische Argumentation hier mit Quellen belegt wird.
Die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches erstreckten sich zur damaligen Zeit im Westen bis zur Nordsee. Während die heutigen Niederlande, damals die "Republik der Vereinigten Niederlande", einen unabhängigen Status besaßen, zählten die "österreichischen Niederlande", das heutige Belgien, mit zum Reichsgebiet. Die südlichen Provinzen der Niederlande waren 1713 infolge des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713) unter österreichische Herrschaft gelangt und gingen erst 1795 im Zuge der Koalitionskriege in französischen Besitz über. Die Phase der französischen Besetzung des heutigen Belgien endete wiederum mit dem Ende der napoleonischen Kriege und der anschließenden Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß 1815.
Inhaltsverzeichnis
1) EINLEITUNG
2) ZUR BEWEGUNG DER GEGENAUFKLÄRUNG IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
2.1 Die Aufhebung des Jesuitenordens im Kontext der katholischen Aufklärung
2.2 Exjesuiten und Gegenaufklärung
2.2.1 Gegenaufklärerische Publizistik
2.2.2 Einzelne Zentren exjesuitischer Agitation
3) LEBEN UND WERK DES FRANÇOIS-XAVIER DE FELLER
3.1 Chronologie
3.1.1 Feller als Herausgeber des Journal historique et littéraire
3.1.2 Wertung des Lebens und der Persönlichkeit Fellers
3.2 Zum Werk Fellers
3.2.1 Grundtendenzen und Wertung der Schriften Fellers
4) ALLGEMEINES ZUM JOURNAL HISTORIQUE ET LITTÉRAIRE
4.1 Einführung
4.1.1 Äußeres Erscheinungsbild des Journals
4.2 Inhaltliche Gliederung
4.2.1 Der literarische Teil – Littéraires
4.2.2 Der historisch-politische Teil – Nouvelles Politiques
5) ANALYSE DES JOURNALS ANHAND AUSGEWÄHLTER FRAGESTELLUNGEN
5.1 Konterrevolutionäre Theoretiker
5.1.1 Edmund Burke
5.1.2 Burke im Journal
5.1.3 Augustin Barruel
5.1.4 Barruel im Journal
5.2 Die konterrevolutionäre Verschwörungstheorie
5.2.1 Die Verschwörungstheorie im Journal
5.3 Die Träger der vermeintlichen Verschwörung
5.3.1 Geheimbünde
5.3.2 Die Geheimbünde im Journal
5.3.3 Jansenisten
5.3.4 Die Jansenisten im Journal
6) FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der exjesuitischen Gegenaufklärung anhand der Publizistik des Luxemburgers François-Xavier de Feller und seines Journals Journal historique et littéraire (1773–1794). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Feller als Exjesuit die Publizistik zur Bekämpfung aufklärerischer Ideen nutzte, die Argumentationsstrategien der Gegenaufklärung herauszuarbeiten und das Journal als exemplarische Publikation für diesen ideologischen Kampf zu belegen.
- Die Entstehung und Ausprägung der Gegenaufklärung im deutschsprachigen Raum.
- Die Rolle von François-Xavier de Feller als Publizist und Herausgeber.
- Die inhaltliche und strategische Ausrichtung des Journal historique et littéraire.
- Analyse der konterrevolutionären Verschwörungstheorien und deren Träger (Geheimbünde, Jansenisten).
Auszug aus dem Buch
5.1.2 Burke im Journal
Wie oben geschildert handelt es sich bei der Burke-Rezeption um eine äußerst subjektive Angelegenheit. Da die Gedanken des englischen Politikers zur Französischen Revolution von den Konservativen selektiv als Einzelwerk behandelt wurden, entstand eine Verzerrung der Ansichten Burkes. Auch Feller nutzte die Äußerungen Burkes zur Situation in Frankreich völlig selbstverständlich als antiaufklärerisches Propagandamittel, sodaß man im JHL vergeblich nach den zahlreichen anderen Schriften Burkes sucht. Feller reduzierte den englischen Politiker somit ebenfalls auf seine Negativhaltung gegenüber der Französischen Revolution, wenn er in den späten Jahrgängen des Journals lediglich die entsprechenden Texte Burkes zitierte. Feller ging sogar so weit, die von Burke gepriesenen englischen Vorzüge im Vergleich zu den französischen Verhältnissen auszublenden. Im JHL interessierte lediglich das, was zur Abwertung der Revolution in Frankreich beitrug, und davon ließ sich in den Schriften Burkes einiges finden.
Die Plazierung der Auszüge Burkes erfolgte sowohl im literarischen als auch im politischen Teil des Journals. Bei den Auszügen Burkes handelt es sich größtenteils um schriftlich festgehaltene Debatten aus dem englischen Parlament oder aber Extrakte aus seiner äußerst reichhaltigen Korrespondenz.
Ausgewählt wurden zur Analyse eine der populärsten Reden Burkes aus dem Jahre 1790, welche die aktuelle Situation in Frankreich thematisiert, und der ebenfalls bekannte Brief des Engländers an Mitglied der französischen Nationalversammlung von 1791 zur gleichen Thematik. Zusätzlich zu den Frankreich-spezifischen Ausführungen Burkes soll jedoch ebenfalls ein Brief analysiert werden, der sich mit den damaligen Verhältnissen in den Niederlanden auseinandersetzt und von daher für vorliegende Arbeit von besonderem Interesse ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1) EINLEITUNG: Einleitung in das Thema der exjesuitischen Gegenaufklärung anhand der Arbeit von François-Xavier de Feller und seines Journals.
2) ZUR BEWEGUNG DER GEGENAUFKLÄRUNG IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM: Darstellung der historischen Rahmenbedingungen der Aufklärung und der katholischen Gegenbewegung unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Exjesuiten.
3) LEBEN UND WERK DES FRANÇOIS-XAVIER DE FELLER: Biografische Analyse von Feller, seine Arbeit als Herausgeber sowie eine Wertung seiner publizistischen Tätigkeit.
4) ALLGEMEINES ZUM JOURNAL HISTORIQUE ET LITTÉRAIRE: Analyse des äußeren Erscheinungsbildes, der Entstehungsgeschichte und der inhaltlichen Gliederung des Journals in literarische und politische Teile.
5) ANALYSE DES JOURNALS ANHAND AUSGEWÄHLTER FRAGESTELLUNGEN: Untersuchung zentraler konterrevolutionärer Themen, darunter Theoretiker wie Burke und Barruel sowie Verschwörungstheorien gegen Kirche und Staat.
6) FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung des Journals als Instrument der gegenaufklärerischen Agitation und Fellers Rolle dabei.
Schlüsselwörter
Gegenaufklärung, François-Xavier de Feller, Journal historique et littéraire, Jesuiten, Exjesuiten, Konterrevolution, Edmund Burke, Augustin Barruel, Verschwörungstheorie, Geheimbünde, Freimaurer, Illuminaten, Jansenisten, Katholische Aufklärung, Publizistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die publizistische Strategie und die ideologische Ausrichtung des Journal historique et littéraire, herausgegeben von François-Xavier de Feller, als Instrument der exjesuitischen Gegenaufklärung gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Kampf gegen aufklärerische Ideen, die Verteidigung der katholischen Kirche und der bestehenden sozialen Ordnung, die Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution sowie die Verbreitung von Verschwörungstheorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Feller als Exjesuit die Publizistik zur Bekämpfung der Aufklärung einsetzte und wie das Journal historique et littéraire als exemplarische Publikation für diese gegenaufklärerische Argumentation diente.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer inhaltlichen Analyse ausgewählter Fragestellungen im Journal, ergänzt durch historische Kontextualisierung der gegenaufklärerischen Bewegung und eine Auswertung zeitgenössischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Fellers, die Charakterisierung seines Journals sowie eine detaillierte Analyse der von ihm rezipierten Theoretiker (Burke, Barruel) und der behandelten Verschwörungstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Gegenaufklärung, Exjesuiten, Konterrevolution, Verschwörungstheorien, Geheimbünde und Publizistik.
Inwiefern spielte das Journal historique et littéraire eine Rolle bei der Verbreitung gegenaufklärerischer Agitation?
Das Journal fungierte als wichtiges Forum, das durch selektive Berichterstattung und ideologische Zuspitzung (z.B. gegen Freimaurer und Jansenisten) versuchte, die öffentliche Meinung gegen aufklärerische Tendenzen zu beeinflussen.
Welche Rolle spielten die Exjesuiten in dieser Gegenbewegung?
Nach der Aufhebung ihres Ordens 1773 nutzten viele ehemalige Jesuiten, wie Feller, die Publizistik, um ihren Einfluss zu wahren und als Verteidiger des christlichen Glaubens und der hierarchischen Ordnung aufzutreten.
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- Meike Blazy (Author), 1999, Die Argumentationsstrategie der Gegenaufklärung. François-Xavier de Feller und das "Journal Historique et Littéraire", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504434