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Inwiefern begegnen sich Tragödie und Komödie im Zerbrochnen Krug

Title: Inwiefern begegnen sich Tragödie und Komödie im Zerbrochnen Krug

Term Paper , 2002 , 16 Pages , Grade: 2

Autor:in: Alexis Pflug (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Auch wenn Goethe’s unglückliche Inszenierung eine Mitschuld (und nach dem späteren Erfolg des Stückes zu urteilen, eine Hauptschuld) trug: Die Zuschauer der Weimarer Uraufführung des ‚zerbrochnen Kruges‘ 1808 hielten ihn weder für komisch noch tragisch; sie fanden ihn stattdessen langweilig.
In der gekürzten Fassung ohne den sogenannten ‚Variant‘ gilt er heute hingegen als eine der gelungensten unter den spärlich gesäten, überhaupt als gelungen zu betrachtenden deutschen Komödien.
Kleist hatte nach der desaströsen Premiere die ausufernde Schlussszene, die das Publikum schwer verstimmt hatte, um ca. 500 Verse gestrichen und sie später als ‚Variant‘ in seiner Zeitschrift ‚Phöbus‘ separat veröffentlicht. So endet das Werk genau so auseinander gebrochen wie sein Namensgeber, dessen Name selbst wiederum zerbrochen ist (‚Der zerbroch-ne Krug‘). Seitdem die meistgespielte deutsche Komödie, warf der ‚Krug‘ seither immer wieder die Frage nach seiner dramatischen Gattung auf, die vielfältige Antworten hervorbrachte. Hans Joachim Schrimpf legte hier eine Sammlung an und fand, dass der Krug, von Kleist als Lustspiel ausgewiesen, schon als ‚‚Komisches Idyll‘, ‚burleskes Genre-Bild‘, ‚stilisiertes Volksstück‘, ‚Idyllische Komödie‘, ‚Lustspiel, geboren aus dem Geist der Komödie‘ oder auch als ‚Reine Komödie‘, ‚Schicksalskomödie‘ und ‚Tragikomödie der modernen Subjektivität‘ aufgefasst wurde.
Um das komplizierte Zusammenspiel des ‚Tragischen‘ und des ‚Komischen‘ auflösen zu können, das in Weimar durch misslungene Interpretation in Kombination mit Überlänge scheiterte und im Gegensatz dazu heute unter anderer Beleuchtung den ‚Krug‘ als bedeutendes Kunstwerk auszeichnet, bedarf es der grundlegenden Klärung der Frage, wo das ‚Komische‘ und das ‚Tragische‘ sich begegnen, worüber wir lachen oder trauern und warum.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

2.1. Begriffsklärung ‚Tragödie‘

2.2. Begriffsklärung ‚Komödie‘

3. Kurze Sammlung von Tragischem und Komischem im ‚Zerbrochnen Krug‘

3.1. Tragisches und typisch Tragisches

3.2. Komisches

4. Hintergründe und Zutaten

5. Wo begegnen sich Tragik und Komik allgemein? Worüber trauern oder lachen wir?

6. Verhältnis und Zusammenspiel von Tragödie und Komödie im ‚Zerbrochnen Krug‘

7. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel von tragischen und komischen Elementen in Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“. Ziel ist es, aufzuzeigen, warum das Werk trotz seiner tragischen Grundstruktur und Stofflichkeit heute als bedeutende deutsche Komödie rezipiert wird und wie Kleist diese Gattungselemente zur gesellschaftskritischen Reflexion nutzt.

  • Grundlegende Begriffsbestimmung von Tragödie und Komödie
  • Analyse tragischer und komischer Motive bei den Hauptfiguren
  • Untersuchung der Stoffparallelen zur antiken Ödipus-Tragödie
  • Determinanten der emotionalen Zuschauerreaktion (Schadenfreude vs. Mitleid)
  • Gesellschaftskritische Aspekte wie Machtmissbrauch und Spießertum

Auszug aus dem Buch

3.1. Tragisches und typisch Tragisches

Adams tiefer Fall und die Unaufhaltsamkeit mit der die Handlung darauf zusteuert ist ein nahezu klassisch tragisches Motiv. Vom höchsten Amt im Dorf führt sein Weg im Laufe des Prozesses gnadenlos in den Abgrund, wobei jeder Strohhalm an den er sich klammert wegen einer neuen Kleinigkeit verschwindet, bis er am Ende in Schimpf und Schande aus Huisum fliehen muss.

Auch seine Ausstattung mit körperlichen Benachteiligungen, wie dem Klumpfuß und der Glatze wären für sich genommen Gründe, die geeignet wären Mitleid hervorzurufen.

Ein weiterer Punkt ist es, dass das Zerbrechen des Kruges, ein eher minderschweres Vergehen, ohne welches es gar nicht erst zum Prozess gekommen wäre, ihm zum Verhängnis wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Rezeptionsgeschichte des Stückes, von der misslungenen Uraufführung bis hin zu seiner heutigen Anerkennung als bedeutendes Kunstwerk.

2. Begriffsklärung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe „Tragödie“ und „Komödie“ anhand von literaturwissenschaftlichen Lexika definiert, um eine Basis für die weitere Analyse zu schaffen.

3. Kurze Sammlung von Tragischem und Komischem im ‚Zerbrochnen Krug‘: Dieses Kapitel identifiziert konkrete tragische Motive, wie den Fall des Richters Adam, und komische Elemente, wie den Einfallsreichtum Adams bei seinen Ausflüchten.

4. Hintergründe und Zutaten: Der Autor arbeitet die intertextuellen Bezüge zu Sophokles’ „Ödipus“ heraus und zeigt auf, wie Kleist durch dramaturgische Akzentuierung den tragischen Stoff in eine Komödie transformiert.

5. Wo begegnen sich Tragik und Komik allgemein? Worüber trauern oder lachen wir?: Hier werden die psychologischen Bedingungen für Zuschauerreaktionen wie Schadenfreude und Mitleid analysiert, insbesondere im Kontext von sozialer Identifikation und Schwere des Unglücks.

6. Verhältnis und Zusammenspiel von Tragödie und Komödie im ‚Zerbrochnen Krug‘: Die Analyse zeigt, dass Kleist die Komik gezielt einsetzt, um gesellschaftskritische Themen zu transportieren, während die Tragik als formale Hülle zwar präsent, aber nicht handlungsbestimmend ist.

7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Lustspiel das menschliche Leben als leicht zerbrechliche Formation reflektiert und je nach Standpunkt tragisch oder komisch gelesen werden kann.

Schlüsselwörter

Der zerbrochne Krug, Heinrich von Kleist, Tragödie, Komödie, Lustspiel, Richter Adam, Ödipus-Stoff, Literaturwissenschaft, Dramatik, Gattungstheorie, Gesellschaftskritik, Katharsis, Schadenfreude, Mitleid, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die dramaturgische Mischform in Kleists „Der zerbrochne Krug“ und hinterfragt, wie tragische und komische Elemente zusammenwirken.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Gattungsbestimmung, die Psychologie des Lachens und Trauerns sowie die literarische Adaption antiker Stoffe durch Kleist.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist die Klärung, warum das Werk einerseits als Lustspiel deklariert ist, aber dennoch auf einer tragischen Basis ruht und gesellschaftskritische Tiefe besitzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse unter Heranziehung literaturwissenschaftlicher Definitionen und intertextueller Bezüge zu klassischen Vorbildern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die konkreten tragischen und komischen Instanzen im Stück, die Parallelen zum Ödipus-Mythos und die psychologischen Bedingungen für das Lachen der Zuschauer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind die Gattungsbezeichnung „Lustspiel“, die Figur des Richters Adam, die biblischen und antiken Anspielungen sowie das Zusammenspiel von Tragik und Komik.

Wie spielt die Figur des Richters Adam für die Tragik eine Rolle?

Obwohl er körperliche Merkmale eines tragischen Helden trägt, entzieht er sich durch sein bewusstes Fehlverhalten und seine Verstrickungen in Lügen dem Mitleid des Zuschauers.

Warum spielt die „Ödipus“-Thematik für das Verständnis des Stückes eine wichtige Rolle?

Kleist nutzt den antiken Stoff als formale Hülle und „komische Variation“, um die tragischen Erwartungen des Publikums gezielt zu unterwandern.

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Details

Title
Inwiefern begegnen sich Tragödie und Komödie im Zerbrochnen Krug
College
University of Bremen
Course
Deutsche Komödien
Grade
2
Author
Alexis Pflug (Author)
Publication Year
2002
Pages
16
Catalog Number
V50444
ISBN (eBook)
9783638466608
Language
German
Tags
Inwiefern Tragödie Komödie Zerbrochnen Krug Deutsche Komödien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexis Pflug (Author), 2002, Inwiefern begegnen sich Tragödie und Komödie im Zerbrochnen Krug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50444
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