Der Missbrauch von Werten während des Balkankonflikts. Wie Menschen getäuscht werden


Masterarbeit, 2019
113 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Danksagung

1 Einleitung

2 Forschungsfrage und Forschungsmethode
2.1 Forschungsfrage
2.2 Forschungsmethode
2.2.1 Hermeneutik
2.2.2 Storytelling

3 Was sind Werte?
3.1 Historische Betrachtung des Wertebegriffs
3.1.1 Normative Ethik
3.1.2 Deskriptive Ethik
3.1.3 Metaethik
3.2 Werte – ein moderner Begriff der heutigen Gesellschaft?
3.2.1 Werteerziehung in der Bildung
3.2.1.1 Österreichisches JRK – Buch der Werte
3.2.1.2 Unterrichtsmodell V a KE
3.2.1.3 Wertekompass OÖ
3.2.2 Werteindex
3.2.3 Werteenzyklopädie
3.3 Werte und Wertetransport in der Politik – Framing
3.3.1 Forschungsfeld „Politische Kommunikation“
3.3.2 Framing
3.3.2.1 Werteframing
3.3.2.2 Kulturelles Framing
3.3.2.3 Narratives Framing

4 Balkankrieg und Wertemissbrauch
4.1 (Vor-)Geschichte
4.1.1 Geschichte bis
4.1.1.1 Kroatien
4.1.1.2 Bosnien
4.1.1.3 Serbien
4.1.1.4 Slowenien
4.1.2 Erster Weltkrieg
4.1.3 Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg
4.2 Titos Jugoslawien
4.3 Der Konflikt eskaliert – die Konfliktparteien
4.3.1 Serbien – Slobodan Milošević
4.3.2 Kroatien - Franjo Tuđman
4.3.3 Bosnien - Alija Izetbegović
4.4 Welche Werte spielten bei dem Konflikt eine Rolle?
4.5 Srebrenica – der traurige Höhepunkt des Werteverfalls?
4.5.1 Genozid
4.5.2 Chronologischer Verlauf der Ereignisse

5 Friedensforschung, Konfliktforschung & Friedenserziehung
5.1 Aktuelle Themen der Friedens- bzw. Konfliktforschung
und Friedenserziehung
5.1.1 Konfliktforschung
5.1.2 Friedensforschung
5.1.3 Friedenserziehung
5.2 Das Thema Werte in der Friedenserziehung

6 Eine Doppelstunde für die Friedenserziehung

7 Resümee
7.1 Rückblick
7.2 Ausblick

Literatur- und Abbildungsverzeichnis (nach APA 6)

Abstract

Die vorliegende Master Thesis beschäftigt sich mit der Frage, wie Werte missbraucht werden um politische Ziele durchzusetzen.

Dabei wird zunächst das nicht sehr einfach zu beschreibende Wort „Wert“ näher erörtert. Je mehr man sich mit Werten beschäftigt, umso nebuloser scheint der Begriff zu werden. Das erste Kapitel, nach der Erörterung der Forschungsfrage, versucht daher den Begriff näher zu definieren und Erklärungen für die Wertevorstellung zu finden.

Im nächsten Kapitel soll versucht werden, das Thema der Friedenserziehung und Friedenspolitik in Einklang mit dem Wertebegriff zu bringen. Ist Friedenserziehung nicht auch eine Art von Werteerziehung? Ziel ist es in der Friedensforschung nach Antworten zu suchen und diese in dieser Arbeit aufzugreifen.

Das nachfolgende Kapitel soll konkret den Balkankonflikt auf den Missbrauch von Werten durch Politiker untersuchen.

Im letzten Kapitel vor dem Resümee wird eine Doppelstunde zur Friedenserziehung skizziert, um Lehrende aus erster Hand mit dem Thema Krieg zu konfrontieren und um ein Stück weit begreiflich zu machen, wie wichtig und WERTvoll Friede im eigenen Land ist.

Eingeleitet wird, untypisch für eine wissenschaftliche Arbeit, jedes Kapitel mit einem kurzen Erlebnis aus meinem Friedenseinsatz der EUFOR als Kraftfahrer eines Aufklärungstrupps in Bosnien im Jahr 2005/2006. Grund hierfür ist, verschiedene (für unsere Gesellschaft alltägliche) Werte aufzugreifen und diese im Kontext des Balkankrieges, des Friedenseinsatzes und der Friedenserziehung zu sehen. Es entsteht so, über die gesamte Arbeit verteilt, ein Abriss über meinen Einsatz in Bosnien. Die Werte, die ich damit verbinde, sind unterhalb jedes Textes in Klammer angeführt.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Danksagung

Die vorliegende Master Thesis bildet den Abschluss des Universitätslehrganges Politische Bildung an der Donau-Universität in Krems.

Mein Dank gilt allen Referenten, die diesen Lehrgang sehr informativ, spannend, abwechslungsreich und interessant gestaltet haben. Auch meinen Mitstudenten möchte ich für die rege Beteiligung an den Diskussionen während und nach den Lehrveranstaltungen danken.

Ein besonderer Dank gilt dem Team rund um Frau Dr. Christina Hainzl und Herrn Bernhard Brunnthaler, MSc, MBA der Donau-Universität Krems, für die gute Organisation des Universitätslehrganges.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Fr. Dr. Daniela Ingruber, die mich bei dieser Arbeit in hervorragender Weise begleitet hat und mich mit ihren Anmerkungen zur Arbeit immer wieder motiviert hat, die Arbeit in kürzester Zeit zu vollenden.

Ein besonderer Dank gilt einer besonderen Wegbegleiterin – Notburga Messner. Sie hat mich während meiner Dienstzeit an der PTS Gallneukirchen begleitet und wurde dort zu einer guten Freundin. Danke für das Lesen und Korrigieren der Arbeit!

Die Arbeit möchte ich meiner Familie widmen. Meinen Kindern soll diese Arbeit eine Motivation sein, immer wieder mal ein Buch zur Hand zu nehmen und aufs Lernen nicht zu vergessen. Auch wünsche ich ihnen auf diesem Wege, dass sie in ihrem zukünftigen Beruf Erfüllung finden und ihr Leben mit Werten füllen, um auch abseits der Arbeit Freude zu finden.

Ein besonderer Dank gilt meiner Frau, die mich immer wieder antrieb, mit der Arbeit fertig zu werden!

Abschließend sei diese Arbeit auch meinem Vater gewidmet, der schon sehnsüchtig darauf wartet, dass sein Sohn eine höhere akademische Ausbildung abschließt.

1 Einleitung

Der Bunker. Ich hatte mich nach dem Lehramtsstudium, eigentlich schon als Spätberufener (da ich im Kontingent einer der ältesten Chargen war) als Kraftfahrer zu einem Auslandseinsatz beim Bundesheer gemeldet. Wie bei den meisten Bewerbern war der gute Verdienst die Hauptmotivation. Als junger Vater von zwei süßen Mädchen, der gerade mit dem Studium fertig geworden war und einen Hauskauf abgewickelt hatte, musste Geld in die Haushaltskasse. Eine rasche Anstellung als Lehrer war zu dieser Zeit utopisch, da es gerade einen Überhang an Lehrern gab. Wohin es gehen sollte, war mir eigentlich egal – so kreuzte ich alle möglichen Einsatzgebiete an.

Bald darauf erhielt ich die Einladung zum mehrtägigen Aufnahmetest für den Einsatz in Bosnien. Der Job bei einer Leasingfirma wurde gekündigt und die körperliche Fitness wurde noch trainiert, sodass die Laufstrecke (2.400 m) und die geforderten 20 Liegestütze absolvierte werden konnten. Obwohl ich halbwegs fit war, liefen mir die jungen Burschen, die doch um fast zehn Jahre weniger auf den Knochen hatten, ziemlich davon. Es folgte ein Gesundheitscheck.

Die schwierigste Prüfung stand uns jedoch noch bevor – der Bunker und der damit verbundene Schlafentzug und die psychologischen Bewertungen. Da ich schon vorher auf Grund der Aufregung nicht viel geschlafen hatte, war diese Prüfung eine besonders fordernde. Eine ganze Nacht hindurch war eine Gruppe von Leuten verschiedenen Ranges in einem kleinen Raum (Bunker) eingesperrt. Jede Stunde war eine Aufgabe zu absolvieren, die bewertet wurde. Dazwischen durfte natürlich nicht geschlafen werden – auch aufputschende Getränke waren verboten. So saß man in dem Raum und wartete auf die nächste Aufgabe und den kommenden Morgen. Als der Bunker geöffnet wurde, war aber noch nichts mit Schlafen gehen - ein Test war zu absolvieren und ein Gespräch mit dem Psychologen stand am Programm. Ich glaube, ich kam an diesen Tagen auf ca. 36 Stunden ohne Schlaf.

Dennoch dürfte ich diese Prüfungen gar nicht so schlecht gemeistert haben, da ich kurz darauf den Einsatzbefehl erhielt.

(Freiheit)

Man könnte fast meinen, unsere Gesellschaft hat keine Werte mehr. Sowohl in der Bildung, als auch in der Gesellschaft und Politik sind Werte zu einem wichtigen Aufhänger geworden und in regelmäßigen Abständen werden wir daran erinnert, welche Werte wir verkörpern sollen, dürfen oder müssen.

Gerade als die Flüchtlingswelle 2015 und 2016 ihren Höhepunkt erreichte, sprach man von einem Werte Gap zwischen der westlichen Kultur und dem der Flüchtlinge, die in dieser Zeit vorwiegend aus Afghanistan und Syrien nach Europa kamen.

Selbst in Bildungseinrichtungen wurde über Werte diskutiert – in Oberösterreich wurde an die Pflichtschulen ein Wertekompass verteilt um die Lehrkräfte auf die Wertearbeit vorzubereiten (siehe Kapitel 3.2.1.3). In der, vor allem rechten Ecke der Politik wurden unsere guten alten westlichen Werte propagiert. In der Medienlandschaft explodierten die populistischen Werke zum Thema Werte – so etwa wurden Werteindizes und die damit verbundenen Werterankings unserer Gesellschaft veröffentlicht und publiziert (siehe Kapitel 3.2.2).

Dies ist Grund genug, dass sich diese Arbeit zunächst mit dem Begriff „Wert“ näher beschäftigt und diesem auf den Grund geht.

Werte gibt es ja schon immer, da diese (ungeschriebenen) „Gesetze“ das gesellschaftliche Zusammenleben erleichtern oder gar ermöglichen, jedoch ist der Begriff nicht so einfach zu fassen. Je näher man sich damit beschäftigt, desto mehr verschwimmt dessen Bedeutung und findet sich in verwandten Begrifflichkeiten wie etwa Tugend, Regel, Moral, Würde, usw. wieder.

Natürlich ist es dabei auch von höchstem Interesse, wie in unserer Gesellschaft, vor allem im Hinblick auf politische Akteure, Werte transportiert werden. Hier hat sich gerade in der letzten Zeit ein Forschungsfeld aufgetan, welches den Transport von (politischen) Messages in ihren Fokus stellt. Die Begriffe Framing und Storytelling sind aus der politischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Wie kann man Informationen so verpacken, dass sie unbeschadet und in schönster Aufmachung beim Endkunden ankommen? Dieses Forschungsfeld beschäftigt sich mit genau diesen Dingen – Wortwahl, Auswahl der Informationen, Bilder, bestenfalls in einer „schlüssigen“ Geschichte verpackt – die gezielte Ansprache von Gesell-schaftsgruppen.

Der ehemalige Soziologieprofessor der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz, Gerhard Niel, meinte in seinen Vorträgen: „Soziologie ist das Forschungsgebiet der Binsenweisheiten.“

Framing und Storytelling hat es natürlich auch schon vor den 1970ern gegeben, denn jeder, der eine Idee in einer Gruppe von Menschen durchsetzen möchte, bedient sich ganz automatisch dieser Elemente.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „Oberösterreichische Werte“ der FPÖ.

Aus https://www.fpoe-ooe.at/fpoe-praesentiert-heimat-verpflichtet-kampagne/ (abgerufen am 11.08.2019)

Im Gegensatz zu Zeiten wo man sich (scheinbar) intuitiv mit dem Framing beschäftigt hat, ist heute ein ziemlich umfangreiches Wissen darüber gesammelt worden, wie man auch Werte gezielt in der Gesellschaft transportieren und verankern kann. Obiges Werbeplakat der FPÖ OÖ aus dem Jahr 2018 zeigt ziemlich eindeutig worauf man sich, zumindest aus Sicht der Partei, (zurück)besinnen sollte und was einen „echten Oberösterreicher“ ausmacht.

Gerade in Wahlzeiten, wo die Wähler gezielt angesprochen werden sollen, werden Botschaften verkürzt, prägnant und geschickt platziert um die Wählerschaft zu mobilisieren.

Dennoch ist dieses Phänomen kein neues. Aus den Ereignissen der Geschichte kann man dieses gezielte Platzieren und Manipulieren von Nachrichten immer wieder beobachten, dass sogar (Bürger)kriege angezettelt werden können. Das prominenteste Beispiel dafür ist die Propagandamaschinerie der NSDAP im Zweiten Weltkrieg.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Plakat der NSDAP aus dem zweiten Weltkrieg.

Aus https://sascha313.files.wordpress.com/2014/11/derjude.jpg (abgerufen am 09.09.2019)

In dieser Arbeit wird speziell der Balkankonflikt näher beleuchtet und erörtert. Im Jahr 2005/06 war ich als Fahrer eines Aufklärungstrupps, im Zuge der Friedensmission EUFOR-Althea, in Bosnien stationiert. Die EUFOR wurde als Nachfolgermission der SFOR (NATO) als Kooperationsmission der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Friedenssicherung in Bosnien entsandt. Schon damals, obwohl der (offizielle) Konflikt bereits seit zehn Jahren vorbei war, stellte ich mir die Frage: „Wie kann so etwas nur passieren? Wie kam es zu dieser scheinbaren (oder eigentlich ganz offensichtlichen) sinnlosen Zerstörungswut, diesen tiefgehenden Verletzungen?“

Natürlich wurde im Rahmen der Vorbereitung auf den Einsatz kurz geschildert, wie es zu diesem Krieg kam, aber wenn man durch die Ortschaften an der Konfrontationslinie fährt, fällt es schwer zu glauben, dass Grundwerte jedes einzelnen Menschen derart zerbröseln, sodass diese Gräueltaten, z.B. in Srebrenica, zu rechtfertigen sind.

Nachdem auf den konkreten Konflikt in Jugoslawien eingegangen wurde, beschäftigt sich vorliegende Arbeit mit dem Forschungsgebiet der Friedensforschung und Konfliktforschung.

Diese noch eher junge Forschungsdisziplin beschäftigt sich vor allem mit der Frage nach den Ursachen für Konflikte und unter anderem mit der Möglichkeit die Erkenntnisse in der Pädagogik zu nutzen.

Auch die Friedensforschung kommt nicht ohne den Wertebegriff aus, denn Friedenserziehung ist auch die Lehre von Wertvorstellungen.

Mein bescheidener Beitrag zur Friedenserziehung besteht darin, dass ich während meiner Tätigkeit als Lehrer und Leiter an der Polytechnischen Schule Gallneukirchen eine Doppelstunde zu meinen Erlebnissen in Bosnien hielt. Die Inhalte dazu werden im vorletzten Kapitel dargestellt.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich schlussendlich mit aktuellen Geschehnissen rund um den Frieden in Bosnien, da auch 20 Jahre nach dem Ende des Krieges die Lage nicht entspannt ist.

2 Forschungsfrage und Forschungsmethode

“Proddern“ für den Ernstfall. In der Vorbereitung auf den Einsatz war für mich die einschneidendste Erfahrung das „Mine Awarness-Training“. Bei diesem Training lernten wir nicht nur, wie und wo Sprengfallen versteckt sein könnten und wie man diese im besten Fall erkennt, sondern auch über das Auffinden von Landminen. Schockiert über die Tatsache, dass Millionen an „stillen Soldaten“ in Bosnien ausgelegt wurden, wurden wir auf das Auffinden von Minen im Ernstfall vorbereitet. Beim sogenannten „Proddern“ liegt man flach auf dem Boden und stochert vorsichtig in einem bestimmten Winkel mit dem Kampfmesser in den Boden, um seitlich auf eine mögliche Mine zu treffen und diese so nicht auszulösen. Minen, so sagte man uns, sind die besten Soldaten, da diese niemals schlafen, Jahre/Jahrzehnte still warten und billig sind. Minen sollen auch nicht töten, sondern nur verwunden, da mit der Rettung des verletzten Kameraden mehrere andere Soldaten gebunden sind.

Auch heute noch sind ganze Landstriche unbewohnbar, da die Minenkarten vernichtet wurden. Ein Aufwachsen an der Konfrontationslinie ist mit vielen Einschränkungen verbunden.

Es kann nur der Mensch sein, der eine solch grausame Waffe entwickelt! (Menschlichkeit)

2.1 Forschungsfrage

Der Titel der Arbeit „Wie Menschen getäuscht werden – der Missbrauch von Werten anhand des Beispiels Balkankonflikt“ wird durch nachfolgende Fragen aufgearbeitet.

Die grundlegende Forschungsfrage beschäftigt sich demnach vor allem mit der Frage nach dem „Wie?“ und dem „Warum?“:

- Wie werden Werte zur Manipulation und zu Propagandazwecken missbraucht?
- Warum konnte es in Jugoslawien zu diesem Konflikt kommen?
- Welche Faktoren machen Menschen täuschbar und manipulierbar?

- Welchen Beitrag zur Friedenserziehung kann die Pädagogik leisten?

Fügt man diese einzelnen Fragen zu einem Ganzen zusammen, entsteht die Hypothese, dass Werten, in einer Gesellschaft, einerseits eine stabilisierende Rolle zukommt und diese zu einem (mehr oder weniger) harmonischen Zusammenleben beitragen können oder anderseits Werte (politisch) dazu missbraucht werden können, um Unruhe zu stiften und ganze Gesellschaften/Völker zu spalten.

2.2 Forschungsmethode

Diese Arbeit greift auf zwei Forschungsmethoden zurück. Einerseits wird mittels Storytelling Einblick in die Erfahrungen während des Friedenseinsatzes gegeben und immer wieder darauf als Basis zurückgegriffen, verwiesen und Stellung genommen. Andererseits werden diese Teile durch hermeneutische Abhandlungen unterstützt, sodass auch der historische bzw. wissenschaftliche Background erörtert, unterfüttert und beschrieben wird.

2.2.1 Hermeneutik

Hermeneutik wird zu den qualitativen Forschungsmethoden gezählt, wobei diese vor allem in den Sozialwissenschaften Anklang findet, da gerade hier nicht alles naturwissenschaftlich messbar ist und vieles einer tieferen Erklärung bedarf (Bortz & Döring, 2006).

Da sich die Geisteswissenschaften stärker als eigene Disziplin etablieren und sich so von den Naturwissenschaften loslösen möchten, hat die Hermeneutik in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die empirischen Methoden der Naturwissenschaften können nicht alle Gebiete der Geisteswissenschaften erfassen und deshalb gilt gerade die Hermeneutik als wichtiges Instrument der Geisteswissenschaften um Dinge zu erklären, die außerhalb des Zählbaren liegen (Bortz & Döring, 2006).

Die Hermeneutik hat ihren Ursprung in der griechischen Philosophie und wurde später vor allem bei der Auslegung religiöser Schriften verwendet (Burkard, 2008).

Im 19. Jh. erreichte die Hermeneutik unter Dilthey einen ersten großen Höhepunkt – er rückte mit der Hermeneutik das Verstehen in den Fokus der Geisteswissenschaften (Bortz & Döring, 2006; Burkard, 2008).

Mit dem Ausspruch „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir“ (Bortz & Döring, 2006, S. 303) grenzt Dilthey die Hermeneutik klar von der Empirie ab. Diese Arbeit möchte ebenfalls nicht die zählbaren Opfer der Balkankrise in den Mittelpunkt stellen, sondern den Verlauf erörtern wie es dazu kommen konnte (geschichtlicher Bezug) und die Proatonisten des Konflikts näher darstellen, um erklären zu können, wie es zum Missbrauch von Werten kommen konnte und diese ausgenutzt wurden, um den Krieg zu rechtfertigen, sodass schlussendlich durch „eine Rekonstruktion von Bedeutungsstrukturen durch gründliche Textanalyse und das Heranziehen weiterer Materialien (z.B. zum biografischen oder kulturellen Hintergrund)“ (Bortz & Döring, 2006) eine Arbeit zum Thema „Wie Menschen getäuscht werden – der Missbrauch von Werten anhand des Beispiels Balkankonflikt“ entstehen kann.

So wurden die spärlichen auf deutscher Sprache veröffentlichten (wissenschaftlichen) Texte zur Geschichte Jugoslawiens gesichtet, die Biographien von Tito und den nachfolgenden Oberhäuptern der Kriegsparteien aufgearbeitet, um einen möglichst guten Überblick über die Ereignisse und die Persönlichkeiten, die ja nicht nur Politiker waren, sondern durch ihre eigene Prägung Werte versinnbildlichten, zu bekommen.

2.2.2 Storytelling

Die zwischen den Kapiteln abgedruckten Geschichten meiner Zeit in Bosnien, geben Einblick in die „Arbeit“ als Peacekeeper, aber auch in die Erlebnisse mit der Zivilbevölkerung und dem Land.

Schlussendlich entsteht dabei ein autobiografischer Einblick – eine Story – meines Auslandspräsenzdienstes, der die hermeneutische Arbeit plastischer und so in gewisser Weise begreifbarer machen soll. Werte werden mit den einzelnen Episoden erklärt und mit dem Konflikt in Verbindung gebracht.

Wie später (siehe Kapitel 3.3.2) erklärt wird, wird Storytelling in vielen Bereichen verwendet – vor allem, um die Welt zu erklären (Chaitin, 2003).

Jede Kultur hat seine eigenen Geschichten und Menschen möchten diese Geschichten erzählen und jeder Mensch möchte Stories hören. Geschichten transportieren mehr als nur chronologische Abfolgen von Begebenheiten – sie (über-)liefern Emotionen und Meinungen(Chaitin, 2003).

Im Kapitel 3.3.2 wird eher die manipulative Seite des Storytellings hervorgehoben, aber gesellschaftliche Geschichten können nicht nur für Propagandazwecke missbraucht werden, sondern können auch dazu dienen um Konflikte zu lösen. (Chaitin, 2003).

Der Zugang zum Storytelling in dieser Arbeit ist jedoch jener, dass die dargestellten Erzählungen nicht die Welt erklären, jedoch einen Einblick in die Welt der Werte gewähren sollen, um somit diese vorliegende MA-Thesis erklärend abrunden.

3 Was sind Werte?

Die erste Ausfahrt. Kaum im Einsatzraum angekommen wurde die erste Ausfahrt in Angriff genommen. Jeder Trupp bestand aus zwei Pinzgauern mit jeweils insgesamt sechs Mann Besatzung. Scharfe Munition war stets am Mann – ein Sturmgewehr und eine Glock. Die erste Fahrt hinaus aus dem Camp war schon sehr aufregend. Vorbei am US-amerikanischen Viertel hin zur Wache. Überall Panzersperren und Wachpersonal. Das Camp selber lag an einem Militärflugplatz. Mitten im Camp gab es auch noch Sperrgebiete, da dort noch UXO´s (unexploded ordnance – sog. Blindgänger) von der Bombardierung des Flugplatzes durch die USA herumlagen – ich denke das trug auch wesentlich dazu bei, dass das Alkoholverbot weitgehend eingehalten wurde.

Es sollte in ein etwas ländlicheres Gebiet gehen – eine einfache Patrouillenfahrt zur Eingewöhnung. Ich war der Fahrer des zweiten Wagens. Das voranfahrende Fahrzeug verließ die Straße und nahm Kurs auf einen Feldweg. Bevor der Feldweg in einen Wald mündete stand noch ein Haus, der Besitzer stand im Garten. Direkt am Waldrand war eines von den unzähligen in Bosnien verteilten, kaum zu übersehenden roten Warnschilder: „Pazi Mine“. Der weiße Totenkopf darauf deutet ziemlich klar auf die damit verbundenen Risiken hin. Der erste Wagen verzögerte kurz die Fahrt und war kurz darauf hinter einer Biegung verschwunden. Ich dachte nur: „Was ist denn da los? Minengebiet und der rauscht da hinein?“ Mein Kommandant bemerkte meinen Unwillen ihnen zu folgen. Zum Glück kam schon der Mann aus seinem Garten herausgelaufen und schrie aus Leibeskräften. Unser Dolmetscher übersetze und meinte, dass eine Woche vorher bei Regenfällen Minen ausgewaschen wurden und auch unkontrolliert explodierten. Wir funkten den ersten Wagen an, welcher dann vorsichtig in seiner eigenen Spur zurücksetzte und heil herauskam. Erste Ausfahrt und dann gleich im Minenfeld gelandet – das konnte ja noch heiter werden.

Kleine Anmerkung noch zu dieser Geschichte – wir bekamen eine kräftige Rüge, da die Einheimischen diese Tafeln aufstellten, um ungestört ihre illegalen Geschäfte machen zu können…

Ein fixer Bestandteil wurde somit bei jeder Ausfahrt die Minenkarte Bosniens, die uns die bereits gefundenen und markierten Minenfelder zeigte.Disziplin / Wahrheit)

Betrachtet man den Begriff Wert ganz nüchtern, findet man im Brockhaus (2011, S. 1139) folgende Definition:

„Wert, Bedeutung, die Gütern im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung beigemessen wird. Wertbestimmend sind der Nutzen, den ein Gut stiftet, und der Grad der Knappheit im Verhältnis zum Bedarf. Es wird zw. Gebrauchs-W. (objektiv messbare Verwendbarkeit eines Gutes für einen best. Zweck) und Tausch-W. (Preis eines Gutes; abhängig von den Produktionskosten bzw. der subjektiven Bewertung durch die Nachfrage) unterschieden.“

Demnach ist die Frage, die Andreas Urs Sommer (2016) mit dem Titel seines Buches Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt stellt, gar nicht so falsch.

Laut Brockhaus kann nur einem Gut ein Wert beigemessen werden. Werte im gesellschaftlichen Kontext scheinen laut dieser Begriffsbeschreibung nicht zu existieren. Und dennoch existieren sie.

Der Begriff Wert selbst hat seinen Ursprung in der Wirtschaftsökonomie und der Mathematik und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts in den heutigen Sprachgebrauch übernommen (Joas, 2017).

Werte werden in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen verwendet und untersucht, so etwa der Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie (z.B. als Teil der Ethik), Psychologie und Philosophie. Letztere brachte den Wertebegriff überhaupt erst „auf die Welt“ und in den allgemeinen Sprachgebrauch (Sommer, 2016; Joas, 2017).

Genauso schwer festzumachen wie der Begriff Wert selbst, ist die Abgrenzung zu anderen Begriffen. Nachfolgende Abbildung zeigt nur überblicksmäßig einen kleinen Ausschnitt von synonym verwendeten Begriffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Synonyme, die mit dem Wertebegriff in Verbindung gebracht werden.Aus eigene Darstellung.

Nicht nur die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft versuchen in regelmäßigen Abständen, ihre Begrifflichkeiten und deren Bedeutung neu zu ordnen und voneinander abzugrenzen, auch jedes Individuum versucht für sich selbst diesen Begriff zu definieren, wobei sich gezeigt hat, dass Werte oftmals „einfach da sind“ und Gültigkeit haben.

So wurden in einer Untersuchung von Robert Bellah et al. in den 1980er Jahren Probanden gefragt, warum Wahrhaftigkeit als gut und Lüge als schlecht gilt. Die Antworten dazu waren wenig überraschend:

„Ich weiß es nicht. Es ist einfach so. Das ist eben ein Grundsatz. Ich möchte mich nicht damit herumquälen, ihn anzuzweifeln. Das ist ein Teil von mir. Ich weiß nicht, woher es kommt, aber es ist sehr wichtig.“ (Joas, 2017, S. 21)

Somit könnte eine mögliche Erklärung für diese Selbstverständlichkeit der Werte, sein, dass Werte, als auch Tugenden, Normen und Riten, einerseits durch die individuelle Erziehung, aber auch andererseits durch den sozialen Einfluss der Gesellschaft konditioniert werden. So erhalten Kinder von klein auf einen Wertekanon, der für sie als ganz normal gilt und der in seinen Grundwerten auch nicht, zumindest nicht oft, hinterfragt wird (Sauer, 2019).

Es scheint fast so, als wären sich Mitglieder einer Gesellschaft als Kollektiv darüber einig, dass die Farbe Rot, rot ist. Dennoch ist es, wie beim sprichwörtlichen „schwarzen Hund“ (im Sinne von „Denken Sie an einen schwarzen Hund!“ – für den einen ist es ein Labrador, für einen anderen ein Münsterländer, für einen weiteren eine ganz andere Rasse oder fiktives Bild eines Hundes) so, dass sich jeder Mensch sind eigenes Bild zur Farbe Rot macht. Ganz davon abgesehen, dass Rot ein Wort ist, welches wir einer Farbe durch den Spracherwerb zugeschrieben haben und durch das einzelne Gehirn möglicherweise dennoch anders wahrgenommen werden könnte…

Daraus ergibt sich der Schluss, dass es in einer Gesellschaft individualistische und kollektivistische Werte geben muss und je nach Offenheit der Gesellschaft (Demokratie versus Diktatur) die Werte stärker am Individuum oder an der Gesellschaft orientiert sind (Frey, Henninger, Lübke, & Kluge, 2016).

Eine Wertegemeinschaft (z.B. Nationen, Religionen oder Vereine) orientiert sich an einem bestimmten Wertegerüst und definiert so Leitbilder, Regeln, Gesetze oder Rituale. Maßgeblich dafür sind eine gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte. Zudem ist dieses Gerüst stark von religiösen Überlieferungen und Weltanschauungen geprägt (Sauer, 2019).

Werte gelten als grundsätzliche Orientierungshilfe des Zusammenlebens und sind im Gegensatz zu Normen (Handlungsmaxime), welche konkrete Verhaltensanweisungen in der Gesellschaft geben (z.B., dass man bei Tisch nicht rülpst), stark situationsbezogen (Frey, Henninger, Lübke, & Kluge, 2016).

Ein weiteres Merkmal von Werten ist, dass sie einem gewissen Zeitgeist unterliegen. Werte, die heute wichtig sind, können morgen schon unwichtig oder gar verpönt sein. Man könnte behaupten, sie unterliegen beinahe einem Trend.

„Werte vegetieren in einem Wertemeer, einem öligen Wertesumpf, ununterscheidbar voneinander, einer immer mit dem anderen. Und wer in ihnen bade, werde den fauligen Geruch auf der Haut wochenlang nicht los.“ (Sommer, 2016, S. 71)

Laut diesem Zitat könnte so ziemlich alles zu einem Wert erhoben werden, wenn man ihm nur einen Wert zuspricht. Die Geschichte hat gezeigt, dass dies auch der Fall ist, denn auch während der Diktatur Hitlers, in der Ära des Nationalsozialismus, hat es Wertevorstellungen gegeben und viele haben sich danach orientiert. Im Widerspruch zu diesen Werten standen jedoch Moral und demokratische Grundsätze (Frey, Henninger, Lübke, & Kluge, 2016).

Frank Sauer (2019) zeigt in seinem Buch, wie bemerkenswert vielfältig das Wort verwendet werden kann und dadurch auch unterschiedliche Bedeutungen bekommt:

Tabelle 1 Zusammenfassung der Wortschöpfungen aus dem Grundwort Wert. Eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nun stellt sich aber immer noch die Frage: „Was sind Werte?“ Nachfolgend ein paar Erklärungs- und Definitionsversuche:

Der Begriff Wert wird in der Literatur vielfach über das dazugehörige Verb bewerten erklärt. Menschen bewerten andere Menschen, Situationen, Angebote und Empfindungen. Dabei kommt es zu einer Bewertung. (Sommer, 2016). Diese kann sowohl bewusst als auch unbewusst passieren, wobei der Wert als Wünschens- und Erstrebenswert erachtet wird (Frey, Henninger, Lübke, & Kluge, 2016).

Sauer fasst Werte wie folgt in folgendem Definitionsversuch zusammen (2019, S. 36):

„Werte (Wertvorstellungen) sind allgemein erstrebenswerte, moralisch oder ethisch als gut befundene spezifische Wesensmerkmale einer Person innerhalb einer Wertegemeinschaft.

Aus den präferierten Werten und Normen resultieren Denkmuster, Glaubenssätze, Handlungsmuster und Charaktereigenschaften. In Folge entstehen Ergebnisse (Resultate, Erlebnisse, Erfolge), welche die gewünschten werthaltigen Eigenschaften besitzen oder vereinen sollen.Werte-Begriffe sind vorwiegend Substantive, die moralisch als gut empfundene Eigenschaften verkörpern. Sie symbolisieren jeweils eine spezifische Sittlichkeit und beschreiben die zwischenmenschliche Qualität von Charaktereigenschaften und Nutzen stiftenden Merkmalen.“

Die Bundeszentrale für politische Bildung (2012) definiert Werte als

„“Vorstellungen vom Wünschenswerten“ (Clyde Kluckhohn), die explizit oder implizit für ein Individuum oder eine Gruppe gelten. W. leiten die Ziele und die Auswahl des Handelns an und gelten um ihrer selbst willen. W. sind tief und dauerhaft verankert im Menschen, sodass sie um ihrer selbst willen gelten.“

Sauer (2019) spricht derzeit von 123 Werten, die er in einer Enzyklopädie zusammengefasst und beschrieben hat.

Es bleibt jedoch offen, was zu einem Wert erhoben wird und was nicht – dies wird die Zeit zeigen!

Andreas Urs Sommer liefert dazu einen passenden Gedanken (2016, S. 151):

„Dabei werden Werte oft falsch behandelt – als ob sie gegebene Dinge wären, starre Prinzipien. Dabei liegt ihr Vorteil doch gerade in ihrer Dynamik, ihrer Variabilität, ihrer Dehnbarkeit, ihrer Leidensfähigkeit. Zwar „haben“ wir Werte, aber wir müssen den richtigen Umgang mit ihnen erst erlernen. Es sind empfindliche Tiere, die andererseits für viele Zwecke taugen. Man soll Lebewesen nicht wie Bauklötze behandeln. Und Werte sind Lebewesen, weil sie unserer lebendigen Phantasie entspringen.“

3.1 Historische Betrachtung des Wertebegriffs

Zwar gibt es den Wertebegriff erst seit dem späten 19. Jh. (Joas, 2017), dennoch ist der Wertebegriff kein neuer – die Menschen lebten natürlich bis dahin nicht in einer wertefreien Zone.

Noch bevor Hermann Lotze und Friedrich Nietzsche den neuen Begriff Wert im philosophischen Diskurs einführten, gab es unterschiedliche Begrifflichkeiten, die dem heutigen Begriff vorangegangen sind (Joas, 2017).

So wurde bereits von den Griechen (Aristoteles) vom Schönen, Wahren und Guten gesprochen (Sommer, 2016).

Werte sind vor allem ein Kind der Ethik – sie entspringen der philosophischen Betrachtung über das Verhalten des Menschen und dessen Auswirkung.

Ethik kommt etymologisch gesehen aus dem Griechischen. Ethos bedeutet so viel wie Wohnung, Wohnort oder gewohnter Sitz (Hübner, 2018).

In der Philosophie haben sich zwei Verwendungsweisen etabliert – eine kollektive und eine subjektive. Im kollektiven Sinn verbindet man mit Ethos eine Sitte, einen Brauch, eine kollektive Gewohnheit. Hingegen werden Eigenschaften wie Charakter, Sinnesart oder Denkweise der Verwendung für einzelne Menschen zugeschrieben (Hübner, 2018).

Aristoteles verwendete in seinen Schriften das Wort Ethos bereits für sittliche Tugenden (Pieper, 2017).

Die Römer kannten ebenfalls ein Wort, das dem Begriff Ethos ursprünglich gleichzusetzen war. Im Lateinischen findet sich der Begriff Mos. Auch dieser Begriff, aus dem sich später die Moral entwickelte, kennt die schon zuvor genannten beiden Ebenen. Die kollektive Ebene beschreibt die Sitte, den Brauch, die Gewohnheit, das Verfahren oder die Mode. Auf der subjektiven Ebene umschreibt es den Charakter, die Denkart, den (Eigen-)Willen und das Wesen (Pieper, 2017).

Ursprünglich wurden beiden Begriffen sehr ähnliche Bedeutungen zugesprochen – heute werden die Begriffe scharf voneinander getrennt und, unter anderem, wie nachfolgend definiert:

- Moral

„Unter einer Moral versteht man ein Normensystem, dessen Gegenstand menschliches Verhalten ist und das einen Anspruch auf unbedingte Gültigkeit erhebt.“ (Hübner, 2018, S. 13)

- Ethik

„Ethik ist die Wissenschaft von der Moral, d.h. diejenige Fachdisziplin, die sich damit befasst, welche Moralen es gibt, welche Begründungen sich für sie angeben lassen und welcher Logik ihre Begriffe, Aussagen und Argumentationen folgen.“ (Hübner, 2018, S. 17)

Ethik lässt sich in die deskriptive Ethik – dort findet man auch den Ansatz der Werteethik, der normativen Ethik und der Metaethik gliedern (Hübner, 2018; Pieper, 2017):

- Die deskriptive Ethik befasst sich mit der Frage, welche Moralen es gibt.
- Die normative Ethik erforscht die Begründung der Moralen.
- Die Metaethik beschäftigt sich mit dem grundsätzlichen Status von moralischen Aussagen, Begriffen und Argumentationen.

3.1.1 Normative Ethik

Die „ursprünglichste normative Ethik“ – die Tugendethik – befasst sich mit dem moralischen Urteil und deren menschlicher Motivation (Pieper, 2017).

Ihre typischen Vertreter sind Philosophen und Gelehrte der Antike und des Mittelalters – Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin (Hübner, 2018).

Platon befasst sich schon früh mit ethischen Fragen und geht dabei einzelnen moralischen Tugenden (Anmerkung: heute würde man diese Begriffe gemeinhin als Werte bezeichnen) wie etwa der Tapferkeit, Besonnenheit, Frömmigkeit und Freundschaft. Zudem trifft Platon schon eine einfache Zuteilung gewisser Wesenszüge. So spricht er die Vernunft, das Mutartige und die Begierde der Seele zu, und Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit versteht er als Kardinaltugenden (Hübner, 2018).

Aristoteles stellte das Streben nach dem „höchsten Gut“ ins Zentrum seiner Überlegungen. Zwar ist das höchste Gut auch durch Zwischenschritte erreichbar, aber es sollte das Ziel sein. Aristoteles spricht vom höchsten Gut als gelungenes Leben, gutes Leben bzw. Glückseligkeit. Er beschreibt in seinem Werken drei Tugenden, die der Seele zugeordnet werden können, fünf dem Verstand und 11 dem Charakter (Hübner, 2018).

Thomas von Aquin greift im Mittelalter die Schriften von Platon und Aristoteles auf und baut sie in sein christlich geprägtes Tugendverständnis ein. Die menschliche Seele kann nicht alleine durch die Vernunft geprägt werden, es bedarf des göttlichen Einwirkens. Thomas von Aquin brachte erstmals den eigenen (bewusst gesteuerten) Willen in die Ethikdiskussion ein. Er formuliert demnach vier Tugenden, die dem Seelenvermögen zugeordnet werden können (Vernunft, Strebevermögen, Wille und Leidenschaft), fünf Verstandestugenden (Wissenschaft, Einsicht, Weisheit, Kunst und Klugheit – im Sinne von Tätigsein), vier Kardinaltugenden (Klugheit – Vernunft, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit) und drei theologische Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) (Hübner, 2018).

Die Deontologie als Teil der normativen Ethik befasst sich mit der Ethik der vollzogenen Handlung, d.h. eine Aktion wird bewertet (z.B. Lügen ist falsch). Deontologie ist weniger am Motiv, als auch an der Konsequenz interessiert (Hübner, 2018).

Dieses Teilgebiet versucht erstmals Handlungsempfehlungen zu geben. So wird das Verhalten des Einzelnen betrachtet und versucht dies auf eine größere Gruppe umzudeuten bzw. umgekehrt. Meist wird dies aus einer negativen Sichtweise heraus gemacht:

„Beispielsweise würde der Wald zerstört werden, wenn alle Menschen ihre Abfälle darin abladen würden. Dies kann nicht gewollt werden. Eben deshalb darf auch der einzelne Mensch seine Abfälle nicht im Wald abladen.“ (Hübner, 2018, S. 153)

Das „Wenn jeder das täte…“ (Hübner, 2018, S. 152) steht dabei als zentrale Frage der Ethik im Raum.

Als typischer Vertreter der Deontologie wird Immanuel Kant genannt, der für seinen kategorischen Imperativ (Gesetz der Sittlichkeit) als Handlungsmaxime Berühmtheit erlangte:

„Der kategorische Imperativ ist also nur ein einziger und zwar dieser: handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß [sic.] sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Hübner, 2018, S. 175)

Kant befasst sich in insgesamt vier Schriften mit der philosophischen Frage nach der Ethik mit den Kernthemen „guter Wille“, der Gesetzformel und der Zweckformel des kategorischen Imperativs (Hübner, 2018).

Die Teleologie als dritter Teilbereich der normativen Ethik. Dieser Bereich geht davon aus, dass einzelne Menschen nicht immer in der Lage sind, allwissend und umfassend ihre Handlungen zu steuern. Es wird davon ausgegangen, dass gewisse (äußere) Einflussfaktoren und (objektive) Zufälligkeiten das Handeln mitbeeinflussen (Hübner, 2018).

Als zentraler Ansatz gilt der Utilitarismus, bei dem moralisches Verhalten den größtmöglichen Nutzen für eine größtmögliche Zahl an Betroffenen bringen soll (Hübner, 2018; Pieper, 2017).

Jeremy Bentham, John Stuart Mill und Henry Sidgwick gelten als die wesentlichen Vertreter und Schöpfer dieser Denkrichtung (Hübner, 2018).

3.1.2 Deskriptive Ethik

Die deskriptive Ethik befasst sich primär mit der Beschreibung von ethischen bzw. moralischen Mechanismen(Pieper, 2017).

So hat Adam Smith die Begriffe des „aufmerksamen Zuschauers“ und des „unparteiischen Zuschauers“ geprägt. Smith verwendete dabei das Wort „Sympathie“ als Ausdruck des Nachempfindens mit anderen – wenn sich jemand freut, empfindet man selbst auch Freude. Diese Fähigkeit schreibt er dem „aufmerksamen Zuschauer“ zu und beschreibt dies als positive Fähigkeit (Hübner, 2018).

Die moralische Position erreicht dieser „aufmerksame Zuschauer“ aber erst dann, wenn das Selbstinteresse des Handelnden überwunden wird und er so zu einem „unparteiischen Zuschauer“ wird (Hübner, 2018).

Lawrence Kohlberg gilt mit seinem sechsstufigen Moralentwicklungsmodell (siehe Kapitel 3.1.2.1) ebenfalls als ein wichtiger Vertreter der deskriptiven Ethik.

Niklas Luhmann gilt als einer der wichtigsten Moralsoziologen, der sich mit der Moralentstehung in Gesellschaften beschäftigte. Dabei stützte er sich auf Arbeiten von Émile Durkheim, die er in seinem Sinne weiterentwickelte. Er stützte sich in seinem Ansatz auf systemtheoretische Grundlagen. Dabei handeln Individuen in (autonomen) Systemen, die in Wechselwirkung zueinander stehen (z.B. Politik – Wirtschaft). Moral wird dabei als soziales Phänomen betrachtet, welches als Bedingungsgefüge (Achtung/Missachtung) funktioniert (Hübner, 2018).

3.1.3 Metaethik

Die Metaethik beschäftigt sich vor allem mit dem Definieren vom moralischen Status von Aussagen, Begriffen und Argumenten auf ontologischer Ebene. Die epistemologische Ebene hingegen erörtert die Zugänglichkeit, die Ableitbarkeit und die Wahrheitsfähigkeit von moralischen Erkenntnissen. Die Metaethik ist der jüngste Spross der Ethikforschung und wurde erst im 20. Jh. begründet (Hübner, 2018).

Als spezieller Teil der deskriptiven Ethik sei an dieser Stelle die Werteethik (als phänomenologischer Ansatz) herausgegriffen und nachfolgend näher beschrieben.

Max Scheler gilt hierbei als einer der wichtigsten Vertreter. Er sieht in der Ethikdefinition nach Kant eine zu formale Begriffsbestimmung, denn Kant versucht eine Gesetzmäßigkeit für bestimmte Handlungen „vorzuschreiben“ (Pieper, 2017).

Scheler sieht jedoch eher den Schwerpunkt im Inhalt der Handlung der die Moralität bestimmt – also dem verwirklichten Wert (Pieper, 2017).

Auch wie schon zuvor angedeutet, ist für Scheler der Wertebegriff ein nicht ganz fassbarer. Er beschreibt Werte als klare, fühlbare Phänomene (Pieper, 2017).

„Es genügt unter Umständen eine einzige Handlung oder ein einziger Mensch, damit wir in ihm das Wesen dieser Werte erfassen können.“ (Pieper, 2017, S. 205)

Werte sind demnach zwar existent, geistig wahrnehmbar, gültig, jedoch empirisch nicht greifbar (Pieper, 2017).

Scheler stellte in seinem Modell die Personenwerte vor den der materiellen Werte. Zudem erstellte er ein vierstufiges Modell (der Personenwerte), wobei auf der untersten Stufe die Werte des Angenehmen und Unangenehmen (Werte des sinnlichen Fühlens) stehen. Darüber sind die Werte des Edlen und Gemeinen (Werte des vitalen Fühlens), die Werte des Schönen und Hässlichen, Rechten und Unrechten (Werte des geistigen Fühlens) und auf der höchsten Stufe die Werte des Heiligen und Unheiligen (Werte des religiösen Fühlens) angesiedelt (Pieper, 2017).

Aus Sicht der westlichen, demokratisch geprägten Kultur ergibt sich heute für Pieper (2017) folgende Interpretation der Wertehierarchie:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Wertehierarchie nach Pieper. Aus Einführung in die Ethik von A. Pieper (2017, S. 209). Tübingen: A. Francke Verlag.

Die dargestellte Hierarchie kann sowohl von oben nach unten, als auch von unten nach oben gelesen werden. Aus einer normativen Sicht heraus stellen die Grundwerte das ethische Fundament dar. Die Grundwerte sind hier die Basis sowohl für die moralischen als auch ökonomischen Werte. Die Grundwerte dienen hier als Regulator für die nachfolgenden Ebenen. Würde man die Grundwerte vernachlässigen, würde dies Auswirkungen auf die nachfolgenden Ebenen haben – nationaler und individueller Egoismus wären die Folge (Pieper, 2017).

Wird die Darstellung jedoch von unten nach oben gelesen, erhält man eine deskriptive Sichtweise – ökonomische Werte unterstützen die nachfolgenden Ebenen. Leider kommt es in der materialistischen Konsumgesellschaft häufig dazu, dass diese Hierarchie falsch gedeutet wird und die nachfolgenden Ebenen eher als „Zugabe“ gesehen werden – hier liegt ganz klar der Fokus auf die unterste Ebene (Pieper, 2017).

3.2 Werte – ein moderner Begriff der heutigen Gesellschaft?

Seit den 1980er Jahren spricht man von einem Wertewandel in der Gesellschaft. Dies zeigte sich vor allem in einem geänderten Erziehungsstil und einem Wertewandel innerhalb der Erziehung. Die Werte Pflicht, Disziplin, Loyalität und Pünktlichkeit traten in den Hintergrund – Selbstverwirklichung, Individualismus und Partizipation rückten ins Zentrum (Frey, Henninger, Lübke, & Kluge, 2016).

Nach der „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 explodierte die Wertediskussion. Nicht nur generell in der Gesellschaft wurde über Werte philosophiert, sondern auch vermehrt im Bildungssektor.

In diesem Unterkapitel wird zunächst nicht auf die populistische/politische Seite der Wertethematik eingegangen (näheres dazu siehe Kapitel 3.3), sondern zeigt den aktuellen und möglichst neutralen Zugang zu Werten in unserer Bildungslandschaft und Gesellschaft.

3.2.1 Werteerziehung in der Bildung

Da diese Arbeit im Zuge des Universitätslehrganges „Politische Bildung“ entstand und sich das Kapitel 5 und 6 mit dem Thema (angewandte) Friedenserziehung beschäftigt, sei an dieser Stelle schon auf die Wertevermittlung in Bildungseinrichtungen hingewiesen.

Stellvertretend werden, aus der großen Fülle an Unterrichtsmitteln (exemplarisch siehe dazu Kapitel 3.2.1.1) und den damit verbundenen Konzepten (beispielhaft siehe Kapitel 3.2.1.2), an dieser Stelle drei Beispiele zur Wertevermittlung vorgestellt. Hierbei sei kurz das „Buch der Werte“ der NGO Österreichisches Jugendrotkreuz, das V a KE-Modell aus dem Bereich der Pädagogik und der „Wertekompass Oberösterreich“ des Landes OÖ aufgelistet und umrissen.

Grundlage für eine Werteerziehung in der Schule bildet das Schulorganisations-gesetz (SchOG), in dem die grundsätzliche Aufgabe der österreichischen Schule wie folgt beschrieben wird:

„§2. Aufgabe der österreichischen Schule

(1) Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen.“ (RIS, 2015)

3.2.1.1 Österreichisches JRK – Buch der Werte

Das JRK nimmt dieses Gesetz als Grundlage, um über Grundwerte des allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenlebens nachzudenken. Dem geschichtlichen Hintergrund und den Grundsätzen des Roten Kreuzes entsprechend, besinnen sich die Inhalte vor allem auf die allgemeinen Menschenrechte.

Das erste Kapitel soll im Allgemeinen (z.B. Menschenrechte/Menschenpflichten) zum Thema hinführen, dabei wird das Thema der Menschenwürde als Grundrecht erörtert. Gerade nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen Grausamkeiten, wurde die Menschenwürde erstmals Bestandteil eines breiten Konsenses darüber, wie mit Menschen umgegangen werden darf (Hager, 2016).

Diese Menschenwürde umfasst alle Mitglieder einer Gesellschaft – egal ob Kind, Erwachsener, Greis, Frau oder Mann.

Ein besonders schönes Beispiel aus der Literatur zeigt auch den Wertewandel in der Erziehung aus dem Jahr 1976 von Bettina Wegner:

Sind so kleine Ohren scharf, und ihr erlaubt.Darf man nie zerbrüllen werden davon taub.

Sind so kleine Seelen offen und ganz frei.Darf man niemals quälen geh´n kaputt dabei.

Sind so kleine Ohren scharf, und ihr erlaubt.Darf man nie zerbrüllen werden davon taub

Sind so kleine Seelen offen und ganz frei.Darf man niemals quälen geh´n kaputt dabei.

Ist so´n kleines Rückgrat sieht man fast noch nicht.Darf man niemals beugen weil es sonst zerbricht.

Grade, klare Menschen wär´n ein schönes Ziel.Leute ohne Rückgrat hab´n wir schon zuviel.“ (Hager, 2016, S. 10)

Zudem werden die Grenzen des Staates aufgezeigt und die Unabhängigkeit der Rechtsprechung erörtert. (Hager, 2016).

Im Nachfolgenden werden die Themen Akzeptanz, Demokratie, Frieden, Gleichberechtigung der Geschlechter, Freiheit und Selbstbestimmung, Gewaltlosigkeit, Solidarität, Gerechtigkeit und Bewahrung natürlicher Ressourcen behandelt (Hager, 2016).

Jedes dieser Kapitel startet mit einem einführenden Überblick über das entsprechende Thema. Nachfolgend wird der pädagogische Aspekt erläutert und ein Bezug zum schulischen Alltag hergestellt. Tipps für die praktische Arbeit mit dem Thema im Unterricht schließen das jeweilige Kapitel ab.

Oftmals wird auf das Buch „Das Buch der Entscheidungen“ (Aistleitner, Dempfer, & Hager, 2015) verwiesen, bei der Dilemmageschichten zur Wertediskussion anregen sollen.

Beide Unterrichtsmittel eigenen sich hervorragend, um über die Werte, die in den Menschenrechten verankert sind, zu diskutieren.

3.2.1.2 Unterrichtsmodell VaKE

Weinberger, Patry und Weyringer, österreichische Erziehungswissenschaftler, möchten mit ihrem VaKE-Modell zwei Elemente des Lernens verbinden – Werteerziehung mit gleichzeitigem Wissenserwerb (Weinberger, Patry, & Weyringer, 2008).

Als Grundlage dient ein konstruktivistischer Zugang, der den Lernenden ins Zentrum stellt und durch selbständiges Lernen und Begreifen nicht nur Wissen erwirbt, sondern auch Werte in den verschiedensten Unterrichtsfächern und Themen diskutiert (Weinberger, Patry, & Weyringer, 2008).

Das VaKE-Modell beschränkt sich nicht nur auf einzelne Unterrichtsfächer, sondern rückt auch die Forderungen des SchUG nach sozialem Lernen und Wertevermittlung in allen Fächern in den Mittelpunkt.

Dabei läuft der VaKE-Unterricht typischerweise in elf Schritten ab (Weinberger, Patry, & Weyringer, 2008):

1. Wertekonflikt einführen
Ein Thema wird ausgewählt. Idealerweise kein Thema aus dem Religionsunterricht, sondern aus einem anderen Unterrichtsfach. Ein Thema könnte z.B. Tschernobyl im Gegenstand Physik der 8. Schulstufe sein. Die Einführung kann mittels eines Zeitungsausschnittes, TV-Berichts oder einer Dilemmageschichte passieren.
2. Erste Entscheidung
Erste individuelle Entscheidung treffen – Pro/Contra-Entscheidung. Eventuell eine erste Diskussion starten.
3. Erstes Argumentieren
In Kleingruppen werden Argumente ausgetauscht, diskutiert und in eine Hierarchie gebracht (z.B. Sammlung der Argumente auf einem Flipchartpapier).
4. Austausch über Erfahrung und fehlende Information
In der Großgruppe wird diskutiert, ob die vorhandenen Informationen ausreichen um eine Entscheidung zu treffen. Themengruppen zur Recherche werden gebildet.
5. Suche nach Informationen
Informationen in Kleingruppen suchen, diskutieren und für eine Präsentation im Plenum aufbereiten. Im Idealfall auch schon nach Konfliktlösungen suchen.
6. Austausch von Informationen
Gruppenergebnisse präsentieren und auf Vollständigkeit hin hinterfragen.
7. Zweites Argumentieren
Neu erworbenes Wissen mit in die Argumentation einfließen lassen – es kommt eventuell an dieser Stelle zu einem Meinungswandel.
8. Synthese der Information
Diskussion über den Wertekonflikt. Die Pro/Contra-Argumente auf Grund der neuen Wissensgrundlage neu bewerten.
9. Wiederholung der Punkte 4 bis 8, wenn nötig
Hinterfragen der Gruppenergebnisse. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden? Fehlt noch ein entscheidender Punkt? Wurde etwas absichtlich ausgeblendet?
10. Endprodukt, Synthese
Neues z.B. bei einer Podiumsdiskussion im größeren Rahmen diskutieren und präsentieren.
11. Generalisierung
Über ein darüber gestelltes Thema diskutieren – in diesem Fall z.B. Atompolitik in Österreich oder der EU.

Weinberger et al. (2008) stützen sich bei ihrem Modell auf das von Lawrence Kohlberg entwickelte Werteentwicklungskonzept:

[...]

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Der Missbrauch von Werten während des Balkankonflikts. Wie Menschen getäuscht werden
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung
Note
2
Autor
Jahr
2019
Seiten
113
Katalognummer
V504501
ISBN (eBook)
9783346059529
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werte, Politische Bildung, Politikwissenschaft, Bosnien, Bosnienkonflikt, Balkankonflikt, Storytelling, Framing
Arbeit zitieren
Christian Tröls (Autor), 2019, Der Missbrauch von Werten während des Balkankonflikts. Wie Menschen getäuscht werden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504501

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