Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Psychologie - Sozialpsychologie

Der Einfluss der Kultur auf das Bindungsverhalten von Kindern. Prüfung der Bindungstheorie von John Bowlby

Titel: Der Einfluss der Kultur auf das Bindungsverhalten von Kindern. Prüfung der Bindungstheorie von John Bowlby

Bachelorarbeit , 2019 , 58 Seiten

Autor:in: Heidi Pichler (Autor:in)

Psychologie - Sozialpsychologie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelorarbeit macht es sich zur Aufgabe, einen Aspekt menschlicher Entwicklung weltweit näher zu betrachten - die Ausbildung von Bindung. Der berühmte deutsche Philosoph Immanuel Kant würde sagen, Kinder kommen zunächst als "Tabula Rasa" - als unbeschriebene, weiße Blätter auf die Welt. Erst im Laufe der Jahre werden genetische Veranlagungen durch Umwelteinflüsse ergänzt, wodurch sich Persönlichkeiten mit individuellen Eigenschaften und Meinungen ausbilden. Betrachtet man die Unterschiede von Kindern aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten, stellt sich die Frage, inwiefern kindliche Entwicklung kulturell beeinflusst wird. Wie sich die markanten Unterschiede der Kindheit auf die spätere Entwicklung auswirken, zeigt sich in der großen Vielfalt der Menschheit. Dies kommt besonders in der Moderne zur Geltung, wenn Menschen aus allen Teilen der Erde zusammentreffen, durch Prozesse der Mobilität, der Globalisierung, der Flexibilität oder durch Fluchtbewegungen.

Die Beschreibung und Etablierung der Bindungstheorie stammt von dem Briten John Bowlby und wurde von der in Amerika geborenen und in Kanada aufgewachsenen Mary Ainsworth ergänzt. Aufgrund der westlichen Herkunft der Forscher stellt sich die Frage, ob die Annahmen der Theorie weltweit haltbar sind, da Kindheiten universell sehr vielfältig verlaufen können. Aus diesem Erkenntnisinteresse ergibt sich folgende Forschungsfrage: "Inwiefern beeinflusst Kultur den Umgang mit Kindern und was bedeutet dies für die Bindungstheorie nach John Bowlby?"

Die Ausbildung von Bindung besteht als universell zu lösende Entwicklungsaufgabe des ersten Lebensjahres. Mit dieser These generalisierte Bowlby das Bedürfnis nach Bindung und damit seine Bindungstheorie zu einer weltweiten Gültigkeit. Seine Beweise stammten von westlichen Erhebungen und von der Beobachtung von Primaten. Er schlussfolgerte, dass Kinder überall Bindungsbeziehungen ausbilden, lediglich die Bindungsqualität "desorganisiert" findet sich sehr selten. Trotz der fehlenden Beweise aus unterschiedlichen Kulturen, erlangte die Bindungstheorie großes Ansehen. Das dazu entwickelte Experiment "die fremde Situation", wurde sogar zur Diagnostizierung für die Psychopathologie von Kindern herangezogen. Transkulturelle Forschungen der Kulturpsychologie eröffneten die Frage, ob die Annahmen der Bindungstheorie über Sensitivität, Normativität und Kompetenz wirklich auf alle kulturellen Kontexte zutreffen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1) Das Aufwachsen von Kindern in verschiedenen Regionen

1.1) Babies in der Mongolei, in Tokyo, in Namibia und den USA

1.2) Erkenntnisleitendes Interesse

1.3) Forschungsleitende Frage

1.4) Bemerkungen zum Forschungsstand

1.5) Methodisches Vorgehen

2) Erklärung der Aktualität und der Problemstellung

3) Begriffliche Definitionen als gemeinsame Grundlage

3.1) Thematische Einordnung der Bachelorarbeit zur Ethnopsychoanalyse

3.2) Die Anlage-Umwelt-Debatte

3.3) Diskurs zum Kulturbegriff

4) Einführung in die Bindungsforschung

4.1) Wurzeln der Bindungstheorie

4.2) Bindungstheorie nach John Bowlby

4.3) Die Unterscheidung der Bindungsqualität

4.4) Mary Ainsworth und ihre Weiterentwicklungen der „Bindungstheorie“

5) Kultureller Vergleich zwischen dem Westen und dem Nichtwesten

5.1) Familiäre Organisation

5.2) Kommunikation und Sprache

5.3) Erziehungsstile und das Ideal des Kindes

5.4) Kulturelle Beispiele in Indien, Peru, Samoa und Amerika

6) Die ethnozentrischen Bias in der Forschung

6.1) Eurozentrismus in der Bindungsforschung

6.2) Kritische Betrachtung des Experiments die „Fremde Situation“

6.3) Über die universelle Gültigkeit der Bindungstheorie

6.3.1) Mütterliche Reaktionen auf die Bedürfnisse ihrer Kindes

6.3.2) Die Ausbildung von Bindung als Grundbedürfnis

6.3.4) Kritische Betrachtung der Annahmen der Bindungstheorie

7) Der Einfluss von Kultur auf das Bindungsverhalten

7.1) Bedeutung des kulturellen Umgangs mit Kindern für die Bindungstheorie

7.2) Beschreibung des weiteren Forschungsbedarfs

7.3) Ausblick: Vielfalt als pädagogische Herausforderung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Universalität der Bindungstheorie nach John Bowlby vor dem Hintergrund kultureller Vielfalt. Das zentrale Ziel ist es zu ergründen, inwiefern kulturelle Prägungen den Umgang mit Kindern beeinflussen und welche Konsequenzen dies für die bindungstheoretische Annahme einer universellen Gültigkeit von Bindungsmustern und Erziehungsstilen hat.

  • Kulturelle Einflussfaktoren auf kindliche Entwicklung und Erziehungsstile
  • Kritische Analyse des eurozentrischen Bias in der klassischen Bindungsforschung
  • Vergleich zwischen westlichen, städtischen und nicht-westlichen, bäuerlichen Familienkontexten
  • Hinterfragung der „Fremden Situation“ als universelles Diagnostikinstrument
  • Sensibilisierung für Vielfalt im pädagogischen und psychosozialen Alltag

Auszug aus dem Buch

1.1) Babies in der Mongolei, in Tokyo, in Namibia und den USA

Der Franzose Thomas Balmés widmete sich der Verfilmung des Säuglingsalters in verschiedenen Teilen der Erde. Daraufhin veröffentlichte er 2010 seinen Dokumentarfilm „Babies“, welcher vier Kinder im Alter von null bis eins zeigt. Die Ausschnitte stammen aus den USA, aus Afrika, aus Japan und aus der Mongolei – zwei der gezeigten Kinder wachsen in der Großstadt auf, die anderen beiden fernab der Zivilisation. Im Laufe des Films fällt die sehr unterschiedliche Kindesbetreuung auf. Während das japanische und amerikanische Kind größtenteils in der Erwachsenenwelt oder in der Kita aufwachsen, befindet sich das mongolische Kind gänzlich alleine, mitten in der Steppe. Der afrikanische Säugling dagegen wird nie alleine gelassen. Selbst wenn die Mutter des afrikanischen Jungen die Wäsche macht oder Wasser holen geht, wird der Kleine von seinen Geschwistern oder von anderen Dorfbewohnern betreut. Es wirkt so, als wäre nicht nur die Mutter für die Betreuung zuständig, sondern ebenso Geschwister und andere Mütter kümmern sich um die jungen Dorfbewohner.

Das amerikanische und japanische Kind scheinen eine sehr durchdachte Erziehung zu genießen, da schon früh bildende Kurse besucht werden und ergänzend wird auch zuhause spielerisch gelernt. Die Eltern aus der Mongolei leben sehr ländlich und bewirtschaften einen Hof, weshalb sie dem Kind nur wenig Zeit zukommen lassen und es die meiste Zeit alleine verbringt. Trotzdem vermittelt das Kind einen zufriedenen Eindruck und beschäftigt sich eigenständig, meist mit Tieren. Mit diesen Beispielen möchte Balmés die Vielfalt der Kulturen und der Orte, in welche Kinder hineingeboren werden, betonen (Balmés 2010).

Zusammenfassung der Kapitel

1) Das Aufwachsen von Kindern in verschiedenen Regionen: Das Kapitel führt durch filmische Beispiele globaler Kindheit in die Thematik der kulturellen Vielfalt ein und formuliert die forschungsleitende Frage nach dem Einfluss von Kultur auf die Bindungstheorie.

2) Erklärung der Aktualität und der Problemstellung: Hier wird der Kontext von Migration und gesellschaftlicher Transformation beleuchtet, um die Notwendigkeit einer kultursensiblen pädagogischen und psychologischen Haltung zu begründen.

3) Begriffliche Definitionen als gemeinsame Grundlage: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten wie Ethnopsychoanalyse, Anlage-Umwelt-Debatte und Kultur, um ein gemeinsames Verständnis für die weitere Untersuchung zu schaffen.

4) Einführung in die Bindungsforschung: Es wird die historische Genese der Bindungstheorie nach John Bowlby und die empirische Weiterentwicklung durch Mary Ainsworth dargelegt.

5) Kultureller Vergleich zwischen dem Westen und dem Nichtwesten: Das Kapitel kontrastiert verschiedene Familienorganisationen, Kommunikationsformen und Erziehungsideale, wobei insbesondere die Konzepte Autonomie und Verbundenheit im Mittelpunkt stehen.

6) Die ethnozentrischen Bias in der Forschung: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit eurozentrischen Annahmen in der Bindungsforschung statt, insbesondere durch die Hinterfragung des Experiments „Fremde Situation“.

7) Der Einfluss von Kultur auf das Bindungsverhalten: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse, unterstreicht die Notwendigkeit weiterer kulturfairer Forschung und leitet daraus pädagogische Implikationen ab.

Schlüsselwörter

Bindungstheorie, Kulturvergleich, Ethnopsychoanalyse, Erziehungsstile, Autonomie, Verbundenheit, Fremde Situation, Sozialisation, Eurozentrismus, Kindesbetreuung, Interkulturelle Kompetenz, Bindungsqualität, Transkulturelle Forschung, Frühe Entwicklung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die klassische Bindungstheorie nach John Bowlby und Mary Ainsworth, die maßgeblich durch westliche Forschung geprägt wurde, weltweit universelle Gültigkeit besitzt oder ob sie durch kulturelle Faktoren beeinflusst wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit behandelt die Konzepte von Autonomie und Verbundenheit, die Rolle der Familienorganisation in verschiedenen Gesellschaften, die Kritik am Eurozentrismus in der Psychologie sowie die methodischen Herausforderungen bei der Erforschung von Bindung in transkulturellen Kontexten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwiefern beeinflusst Kultur den Umgang mit Kindern und was bedeutet dies für die Bindungstheorie nach John Bowlby?“

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Erarbeitung mittels eingehender Literaturrecherche, in deren Rahmen verschiedene kulturvergleichende Studien und ethnologische Befunde kritisch analysiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Bindungsforschung, einen detaillierten Vergleich von westlichen und nicht-westlichen Erziehungsmodellen sowie eine kritische Untersuchung ethnozentrischer Verzerrungen in etablierten Forschungsmethoden wie der „Fremden Situation“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen zählen Bindungstheorie, Kulturvergleich, Ethnopsychoanalyse, Erziehungsstile, Autonomie, Verbundenheit, eurozentrischer Bias und interkulturelle Kompetenz.

Warum wird das Experiment der „Fremden Situation“ kritisiert?

Es wird kritisiert, dass das Experiment stark auf westlichen Werten basiert und kindliches Verhalten in Kulturen, die nicht dem westlichen Ideal der Autonomie entsprechen, fälschlicherweise als unsicher oder gestört klassifiziert, ohne die jeweiligen kulturellen Normen zu berücksichtigen.

Wie unterscheidet sich die Erziehung in der westlichen Welt von der in traditionellen Bauernfamilien?

Westliche Erziehung ist meist elternzentriert und fördert psychologische Autonomie durch exklusive dyadische Aufmerksamkeit, während in traditionellen Kontexten oft eine multiple Kindesbetreuung in Großfamilien vorherrscht, bei der Verbundenheit und soziale Eingliederung im Vordergrund stehen.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Einfluss der Kultur auf das Bindungsverhalten von Kindern. Prüfung der Bindungstheorie von John Bowlby
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung)
Autor
Heidi Pichler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
58
Katalognummer
V504574
ISBN (eBook)
9783346047816
ISBN (Buch)
9783346047823
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss kultur bindungsverhalten kindern prüfung bindungstheorie john bowlby
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heidi Pichler (Autor:in), 2019, Der Einfluss der Kultur auf das Bindungsverhalten von Kindern. Prüfung der Bindungstheorie von John Bowlby, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504574
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  58  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum