Es kann jeden treffen. Einsamkeitsgefühle kennen weder Altersbegrenzung noch Standesunterschiede. Und obwohl uns technische Errungenschaften vernetzen und die objektive Zahl an Kontakten steigt, nimmt das Gefühl der Einsamkeit in den westlichen Kulturen ständig zu. Die Einsamkeit als Indikator für das physische und psychische Wohlbefinden rückte daher in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Wissenschaft. Dass sich Einsamkeitsgefühle negativ auf die Lebenszufriedenheit und die Gesundheit auswirken, wurde bei den Untersuchungen mehrfach nachgewiesen.
Mit diesem Buch erweitert die Autorin Romy Schwarz die Untersuchung des Zusammenhangs von Einsamkeit und Lebenszufriedenheit um die Persönlichkeitsvariablen der Big Five-Dimensionen: Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit und die generalisierten Kontrollüberzeugungen.
Schwarz beleuchtet mithilfe der Variablen der Persönlichkeit die Ursachen von Einsamkeit. Aufbauend darauf entwickelt sie präventive Ansätze, mit denen sich die zahlreichen schädlichen Auswirkungen der Einsamkeit eindämmen lassen. Zusätzlich klärt Schwarz über die Zusammenhänge von Einsamkeit und sozialer Isolation auf.
Aus dem Inhalt:
- soziale Isolation
- Einsamkeit
- Big 5
- generalisierte Kontrollüberzeugungen
- Lebenszufriedenheit
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 Beschreibung der Konstrukte
3 FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN
3.1 Fragestellung 1: Es gibt einen Zusammenhang zwischen sozialer Isolation, Einsamkeit und Lebenszufriedenheit.
3.2 Fragestellung 2: Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Big 5, Einsamkeit und Lebenszufriedenheit.
3.3 Fragestellung 3: Es gibt einen Zusammenhang zwischen generalisierten Kontrollüberzeugungen, Einsamkeit und Lebenszufriedenheit.
4 METHODEN
4.1 Stichprobe und Untersuchungsablauf
4.2 Instrumente
4.3 Auswertungsmethoden
5 ERGEBNISSE
5.1 Deskriptive Ergebnisse
5.2 Darstellung der Ergebnisse im Detail
6 DISKUSSION UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Theoretische Implikationen
6.3 Praktische Implikationen
6.4 Limitationen und Ausblick
7 CONCLUSIO
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsvariablen, sozialer Isolation und Einsamkeit im Hinblick auf die Lebenszufriedenheit, wobei insbesondere die vermittelnde Rolle der Einsamkeit erforscht wird, um präventive Ansätze zu entwickeln und theoretische Unklarheiten zu klären.
- Die Rolle der Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen bei der Entstehung von Einsamkeit.
- Die Bedeutung generalisierter Kontrollüberzeugungen für die psychische Resilienz und Einsamkeit.
- Die mediierende Funktion von Einsamkeit im Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Lebenszufriedenheit.
- Der Einfluss soziodemographischer Variablen auf das Wohlbefinden.
- Ansatzpunkte für präventive Interventionen gegen soziale Isolation und Einsamkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1.1.8 Evolutionäre Perspektive
Cacioppo und Cacioppo (2018) beschreiben Einsamkeit als Symptom eines unerfüllten Grundbedürfnisses des Menschen: dem Bedürfnis nach sozialer Bindung: Genauso wie der Mensch bei Durst nach Wasser und bei Hunger nach Nahrung sucht, sucht er bei Einsamkeit (zumindest unbewusst) nach sozialer Nähe und Intimität. Die evolutionäre Überlebensmaschinerie findet nicht im physischen Körper ihr Ende, sondern geht in den sozialen Körper mit seinem Grundbedürfnis nach sozialer Bindung über (Cacioppo &Cacioppo, 2018).
Aus evolutionärer Sicht stellte das Bedürfnis nach Zugehörigkeit einen Überlebensvorteil dar (Baumeister & Leary, 1995): Den menschlichen Vorfahren fiel es leichter zu sammeln, zu jagen, zu koordinieren, Essen zu teilen, Unterschlupf zu bauen und ihre Ressourcen und sich selbst zu beschützen, wenn sie in einer Gruppe zusammenarbeiteten. Zudem erleichterte das Leben in der Gruppe das Finden eines Partners und die Fortpflanzung und sicherte Unterstützung in der Aufzucht des Nachwuchses. Durch das Leben in der Gruppe wurde der individuelle Energieaufwand reduziert, Wissen weitergegeben und Aufgabenteilung ermöglicht. So wurden soziale Interaktionen internal von positiven Emotionen und soziale Deprivation von negativen Gefühlen begleitet (Baumeister &Leary, 1995).
Qualter und Kollegen (2015) prägen in ihrem Entstehungsmodell von Einsamkeit den Begriff des „Reaffiliation Motive“ (kurz: RAM), welches die Motivation beschreibt, sich bei wahrgenommener Isolation (wieder) sozial einzugliedern. Deshalb ist Einsamkeit auch häufig lediglich eine kurzweilige Erfahrung, sofern die soziale Reintegration gelingt. Manchmal können diese Versuche jedoch versagen und zu langanhaltender Einsamkeit mit zahlreichen negativen Auswirkungen führen. Das RAM wird aktiviert, wenn der Mensch sich sozial isoliert fühlt und daraus ein aversives Gefühl resultiert, das signalisiert, dass die eigenen sozialen Beziehungen geschädigt oder bedroht sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die gesundheitlichen Gefahren der Einsamkeit und verortet die Relevanz des Themas in der aktuellen Forschung sowie im historischen Kontext menschlicher Sozialität.
2 THEORETISCHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Definition und theoretische Herleitung der Konzepte Einsamkeit, soziale Isolation, der Big-Five-Persönlichkeitstheorie sowie generalisierter Kontrollüberzeugungen.
3 FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN: Hier werden die wissenschaftlichen Fragestellungen definiert und die auf den theoretischen Grundlagen basierenden Hypothesen für die statistische Analyse hergeleitet.
4 METHODEN: Das Kapitel beschreibt das Studiendesign, die Stichprobenzusammensetzung der 448 Probanden sowie die verwendeten psychometrischen Instrumente zur Datenerhebung.
5 ERGEBNISSE: In diesem Kapitel werden die deskriptiven Ergebnisse dargestellt und die statistische Hypothesenprüfung mittels Mediatorenanalysen sowie Korrelationsberechnungen durchgeführt.
6 DISKUSSION UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE: Dieses Kapitel diskutiert die Befunde im Kontext der bestehenden Forschungsliteratur, beleuchtet theoretische sowie praktische Implikationen und reflektiert die Limitationen der Studie.
7 CONCLUSIO: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Rolle der Einsamkeit als zentrales verbindendes Glied zwischen Persönlichkeit, sozialer Isolation und Lebenszufriedenheit.
Schlüsselwörter
Einsamkeit, soziale Isolation, Lebenszufriedenheit, Big Five, Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Kontrollüberzeugungen, internal, external, psychische Gesundheit, Mediation, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Persönlichkeit auf die Entstehung von Einsamkeit und deren Rolle als vermittelnde Variable (Mediator) zwischen sozialer Isolation, verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen und der Lebenszufriedenheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind das subjektive Erleben von Einsamkeit, die objektiven Bedingungen der sozialen Isolation, die Stabilität der Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften sowie die Bedeutung internaler und externaler Kontrollüberzeugungen für das Wohlbefinden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Variablen der Persönlichkeit näher zu beleuchten, um die Entstehung von Einsamkeit besser zu verstehen und zu klären, wie Einsamkeit den Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Lebenszufriedenheit beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsstudie mit 448 Probanden durchgeführt. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Korrelationsanalysen und Mediatorenanalysen unter Verwendung des PROCESS-Makros in IBM SPSS Statistics.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Konstrukte, die Formulierung spezifischer Hypothesen, die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der Online-Befragung und eine detaillierte statistische Ergebnisdarstellung inklusive Validitätsprüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch die Begriffe Einsamkeit, soziale Isolation, Lebenszufriedenheit, Big-Five-Modell, Kontrollüberzeugungen und psychische Gesundheit beschreiben.
Welche Rolle spielt die Einsamkeit als Mediator?
Die Ergebnisse zeigen, dass die negativen Effekte sozialer Isolation auf die Lebenszufriedenheit sowie die Einflüsse spezifischer Persönlichkeitsmerkmale auf das Wohlbefinden vollständig oder teilweise durch das Erleben von Einsamkeit mediiert werden.
Warum wurde eine "Gender Erklärung" aufgenommen?
Die Autorin weist darauf hin, dass zur besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet wird, dieses jedoch geschlechtsunabhängig zu verstehen ist.
- Quote paper
- Romy Schwarz (Author), 2020, Einsamkeit. Welchen Einfluss haben die Variablen der Persönlichkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504615