Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit. Zwischen Management und Menschlichkeit


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2018

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Arbeit zwischen Hilfe und Kontrolle

3. Theoretische Auseinandersetzung
3.1. Soziale Arbeit und das ökonomische Denken: Einführung in die Problematik
3.2. Kritik der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit
3.3. Wohlverstandene Ökonomisierung der Sozialen Arbeit

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Soziale Arbeit bewegt sich heutzutage in veränderten Bedingungen und setzt sich mit neuen Herausforderungen auseinander. Neoliberale und neosoziale Entwicklungen in der Sozialen Arbeit beeinflussen nicht nur ihre Ausprägung, sondern auch deren Wahr- nehmung seitens der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wird die Möglichkeit einer Vereinbarung der Sozialen Arbeit und der Managementprinzipien kritisch hinterfragt, was heute im Mittelpunkt von vielen sozialwissenschaftlichen Diskussionen steht. Im Rahmen dieser Diskussionen wird analysiert, ob Managementprinzipien in der Sozialen Arbeit ein- gesetzt werden können und sollen. Dabei werden verschiedene Argumente gebracht, vor allem in Bezug auf die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und deren Folgen. Trotz der zahlreichen Auseinandersetzungen mit der Problematik steht immer noch in Frage, auf welche Weise eine Balance zwischen der Berücksichtigung von grundlegenden Manage- mentaspekten und der Förderung von Hauptaufgaben der Sozialen Arbeit gefunden werden kann (vgl. Seithe 2012: S. 403 f.). Dies bedingt die Relevanz der vorliegenden Arbeit, die sich mit der Erforschung der Einflüsse des ökonomischen Denkens auf die Soziale Arbeit befasst.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit erschließt sich somit in der Festlegung von Aus- wirkungen, die das ökonomische Denken auf die Soziale Arbeit ausübt. Die Forschungs- frage der Arbeit kann somit wie folgt formuliert werden: Wie wird die Soziale Arbeit durch das ökonomische Denken beeinflusst? Auf Basis dieser Forschungsfrage können zwei Thesen gebildet werden: Das ökonomische Denken übt einen negativen Einfluss auf die Soziale Arbeit (Antithese) und das ökonomische Denken übt einen positiven Einfluss auf die Soziale Arbeit (These) aus. Diese Thesen erleichtern die Strukturierung der Arbeit und ermöglichen eine umfassende Beantwortung der Forschungsfrage.

Der Aufbau der Arbeit entspricht deren Zielsetzung: die Ausarbeitung hat eine the- oretisch-analytische Ausrichtung und besteht aus zwei Hauptkapiteln, in deren Rahmen nach einer kurzen Einführung in die Problematik die These und Antithese diskutiert wer- den. Als methodische Unterstützung wird das Sanduhrprinzip verwendet. Es werden ver- schiedene Argumente zur Begründung der Antithese und These erörtert, diskutiert und einander gegenübergestellt, was der Erreichung des Ziels der Arbeit dient. Die Ausarbeitung wird anhand der analytischen Interpretation der wissenschaftlichen Quellen erstellt.1

2. Soziale Arbeit zwischen Hilfe und Kontrolle

Bevor die Hypothesen der Arbeit diskutiert werden, soll kurz auf das Wesen der Sozialen Arbeit eingegangen werden. Die Soziale Arbeit kann verschiedenartig interpre- tiert werden: sie tritt als Theorie, Praxissystem, Beruf und gesellschaftliches Subsystem gleichzeitig auf und bezieht sich auf die Einheit der Sozialpädagogik und Sozialarbeit (vgl. Thole 2002: S. 14 f.). Anhand der Ausführungen von Thole kann zusammengefasst wer- den, dass die Soziale Arbeit ein vager Begriff ist, der nicht eindeutig definiert werden kann. Häufig wird die Soziale Arbeit als Form von Hilfe-, Beratungs- und Unterstützungs- leistungen für Menschen in Not- und Problemlagen verstanden. Ganz allgemein kann die Soziale Arbeit als die Arbeit am Sozialen definiert werden, wobei unter dem Sozialen sämtliche zwischenmenschliche Aktivitäten (und nicht nur soziale Probleme) begriffen werden. Trotz der Schwierigkeiten mit der präzisen Begriffsbestimmung wird der Begriff Soziale Arbeit immer häufiger im Vergleich zu anderen verwandten Begriffen verwendet (vgl. Autrata/Scheu 2015: S. 11 ff.).

Es soll berücksichtigt werden, dass sich der Begriff der Sozialen Arbeit nicht nur auf eine professionelle Praxis, sondern auch auf eine wissenschaftliche Disziplin bezieht. Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich die Soziale Arbeit institutionalisiert und zählt der- zeit mehrere professionelle Mitarbeiter. Seitens der Gesellschaft wird die Soziale Arbeit in erster Linie im Kontext deren institutionellen Rahmens und im Zusammenhang mit sozia- len Problemsituationen wahrgenommen: Die meisten sehen Soziale Arbeit als Instrument zur Vermeidung von sozialen Konflikten an. Die Verhinderung und die Bewältigung von sozialen Problemen im Alltag treten als zentrale Aufgaben der Sozialen Arbeit auf (vgl. Autrata/Scheu 2015: S. 11 ff.). Die Alltagsnähe, die Vielfältigkeit von sozialen Situationen und spezifische Rahmenbedingungen bilden somit kennzeichnende Charakteristiken der Sozialen Arbeit. Für die Auseinandersetzung mit der in der Einleitung skizzierten Proble- matik ist wichtig zu verstehen, dass die Soziale Arbeit in gesellschaftliche Konflikte ein- gebunden ist und sich auf gesellschaftliche Tendenzen stützt, da sie sich mit dem Verhält- nis von Individuum und Gesellschaft beschäftigt. So wird die Soziale Arbeit durch solch internationale Tendenzen wie die Prekarisierung, Steigerung der sozialen Ungleichheit und die gesellschaftliche Spaltung beeinflusst (vgl. Braches-Chyrek/Sünker 2017: S. 1).

Die Soziale Arbeit hat einen Doppelauftrag und balanciert zwischen Hilfe und Kon- trolle: einerseits soll sie den Menschen Hilfe und Unterstützung leisten, während sie ande- rerseits die Gesellschaft vor jenen Menschen schützen soll, die in einer Notlage gegen ge- sellschaftliche Konventionen verstoßen. In ihrem aktuellen Verständnis ist die Soziale Ar- beit berufen, den sozialen Wandel zu fördern und das Wohlbefinden von Menschen zu verbessern. So gehören zu den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit nicht nur die Sozial- und Jugendhilfe, sondern auch das Gesundheitswesen sowie die Alten- und Eingliederungshil- fe. Damit die Soziale Arbeit auch in Zukunft ihre Aufgaben erfüllen könnte, soll sie sich an die sich verändernden gesellschaftlichen Entwicklungen kontinuierlich anpassen (vgl. Dreyer 2013: S. 93 f.). In diesem Zusammenhang gewinnt die Diskussion über die Öko- nomisierung der Sozialen Arbeit einerseits und deren Aufgabe als wohlfahrtsstaatliche Errungenschaft die soziale Gerechtigkeit abzusichern und die Menschenwürde zu schützen andererseits an Bedeutung. Während sich die Akzeptanz von ethischen und menschen- rechtlichen Prinzipien innerhalb der letzten Jahrzehnte erhöht hat, haben sich gleichzeitig wirtschaftliche Anforderungen an die Praxis der Sozialen Arbeit gewandelt (vgl. Göger- cin/Sauer 2017: S. 9). Diese Debatte wird im nächsten Kapitel erörtert und reflektiert.

3. Theoretische Auseinandersetzung

3.1. Soziale Arbeit und das ökonomische Denken: Einführung in die Problematik

Wie im vorigen Kapitel erläutert, unterliegt die Soziale Arbeit einem permanenten Wandel, der durch staatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen initiiert wird. Infolge dieser Entwicklungen wandelt sich auch das Selbstverständnis der Sozialen Arbeit. Diese befindet sich im Spannungsverhältnis zwischen dem sozialpolitischen An- spruch und der ökonomischen Rationalität sowie zwischen dem politisch festgelegten Be- darf und individuellen Bedürfnissen. Das ökonomische Paradigma beschäftigt sich mit der rationalen Gestaltung der gesellschaftlichen Steuerungsprozesse und stellt alternative Er- klärungen für das Handeln und Entscheiden im Rahmen der Sozialen Arbeit zur Verfü- gung. Aus diesem Grund darf die Einführung des ökonomischen Denkens in die Soziale Arbeit nicht bloß auf geänderte Anforderungen an diese reduziert werden (vgl. Siegler 2002: S. 20). Die Einführung des ökonomischen Denkens in der Sozialen Arbeit hat dazu geführt, dass sich die Effizienz, Qualitätssteigerung und Kundenorientierung zu Schlüssel- begriffen der Sozialen Arbeit entwickelt haben, indem diese bisher durch solche Begriff- lichkeiten wie Humanität und Ethik dominiert wurde (vgl. Wilken 2000: S. 17).

Zunächst soll erläutert werden, was das ökonomische Denken ist. Dieses fokussiert sich auf den rationalen Umgang mit knappen Ressourcen zur Befriedigung der menschli- chen Bedürfnisse und die Entscheidungen über deren Verteilung und Einsatz. Das Ziel dieser Entscheidungen ist, ein optimales Ergebnis zu erreichen, was ein rationales Verhal- ten seitens der Entscheidungsträger erfordert. Das Rationalitätsprinzip ist im ökonomi- schen Denken zentral: Entscheidungen werden auf solche Weise getroffen, dass sich durch den Einsatz von eingeschränkten Ressourcen der größtmögliche Erfolg ergibt. Die Findung und Analyse der rationalen Entscheidungen finden unter der Berücksichtigung der volks- und betriebswirtschaftlichen Perspektive statt. Dabei geht es um eine rein formale – und nicht inhaltliche – Rationalität. Eine solche Handlungslogik kann sich auf verschiedene Ebenen erstrecken – unter anderem auch auf die Soziale Arbeit. Bei der Betrachtung der Sozialen Arbeit aus volkswirtschaftlicher Perspektive wird die Frage gestellt, welchen Bei- trag diese für die Volkswirtschaft leistet und welchen gesellschaftlichen Nutzen sie bringt.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

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Details

Titel
Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit. Zwischen Management und Menschlichkeit
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V504855
ISBN (eBook)
9783346049322
ISBN (Buch)
9783346049339
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Ökonomisierung, Management, Sozialhilfe, Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Altenhilfe, Eingliederungshilfe
Arbeit zitieren
Sascha Rogowski (Autor), 2018, Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit. Zwischen Management und Menschlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504855

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