Ganztagsschule im Alltag von Kindern und Jugendlichen

Welche Auswirkungen hat die Ganztagsschule auf das Familienleben und auf die Freizeitgestaltung?


Hausarbeit, 2018
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ziele von Ganztagsschulen

3 Veränderte Familienstruktur

4 Veränderte Erwerbstätigkeit von Müttern

5 Auswirkungen auf die Familie
5.1 Entscheidende Einflussfaktoren
5.2 Vereinbarkeit von Familie und Beruf
5.2.1 Erwerbstätige Mütter
5.3 Ganztagsteilnahme der Schülerinnen und Schüler nach Erwerbskonstellation der Eltern
5.4 Familienleben aus der Sicht von Eltern
5.5 Familienklima und Familienaktivität aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen
5.6 Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung der Ganztagsschülerinnen und -schüler
5.6.1 Freizeitpraktiken jugendlicher Ganztagsschülerinnen und -schüler
5.6.1.1 Typ I
5.6.1.2 Typ II
5.6.1.3 Typ III
5.6.1.4 Typ IV

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Entwicklung und der Ausbau der Ganztagsschulen stellt in Deutschland bislang eine der größten Veränderungen des schulischen Erziehungssystems dar. So hat in den vergangenen Jahren die Ganztagsschule in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen und sich somit deutlich verbreitet. Veränderungen in Familienstrukturen, in der Erwerbstätigkeit der Mütter sowie in den Peerbeziehungen wirken sich auf die Schule und auf das Verhältnis zur Familie und den Peers aus. Aufgrund dessen ist der vermehrte Ausbau der Ganztagsschulen mit bildungs-, sozial- und familienpolitischen Zielen verbunden. Dabei ist der Ganztagsschulbetrieb nicht ausschließlich als eine Erweiterung der Schulzeit aufzufassen. Es ist faktisch ein „Eingriff in das Schulsystem und das außerschulische Alltagsleben von Kindern und Jugendlichen“ (Züchner 2011a, S. 9). Inzwischen bietet mehr als die Hälfte der Schulen ein Ganztagsangebot an, welches eine zuverlässige Betreuung, Förder- und Freizeitangebote, Hausaufgabenhilfe und das Mittagessen enthält. (vgl. Arnoldt und Steiner 2015, S. 209 ff.). Der zeitlich erweiterte Schulbesuch bringen allerdings Befürchtungen, wie die Verschlechterung der innerfamiliären Beziehungen bis hin zur Entfremdung der Familienangehörigen, das Eingreifen in die Erziehung der Eltern oder weitere negative Effekte auf das Familienleben mit sich.

In der vorliegenden Arbeit wird diesen Annahmen nachgegangen und demzufolge werden die Auswirkungen des Ausbaus der Ganztagsschulen auf die Familie und die Freizeit der Kinder und Jugendlichen thematisiert. Der erste Teil widmet sich den Zielen einer Ganztagsschule. Danach wird ein Überblick über den Wandel der Familie und der Erwerbstätigkeit geschaffen. Darauf aufbauend werden die Auswirkungen der ganztägigen Schule auf die Familie erörtert und auf verschiedene familienbezogene Aspekte eingegangen. In diesem Zusammenhang werden die Befunde mit der Sicht der Eltern und der Kinder und Jugendlichen untermauert. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung der Schülerinnen und Schüler. Auf der Grundlage von einer StEG-Analyse werden unterdessen diverse Definitionen der Freizeit aus Seiten der Ganztagsschülerinnen und -schüler dargestellt.

Für die Untersuchung des Ganztagsschulbetriebes werden primär die Daten der Befragungen von Eltern, Ganztagsschülerinnen und -schülern verwendet, die in einer Zeitspanne von 2005 bis 2009 im Rahmen der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) erhoben wurden.

2 Die Ziele von Ganztagsschulen

Die ganztägige Schule ist von sozial- und familienpolitischen Zielsetzungen geprägt. Sie wird als essenzieller Faktor für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf geltend gemacht. Daher haben sich Bildung, Betreuung und Erziehung nach jahrelanger Veränderung und Ausdifferenzierung der Ziele herauskristallisiert und stehen gegenwärtig als grundlegende Aspekte im Vordergrund. Der Begriff „Betreuung“ meint in diesem Zusammenhang allerdings nicht nur das einseitige Verständnis in Form von Beaufsichtigung (vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 14). „Betreuung im Sinne von care umfasst Zuwendung, Sorge um den Aufbau von Bindungen und persönlichen Beziehungen, und in der Schule eben auch die individuelle Förderung der einzelnen Kinder und

Jugendlichen.“ (Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 14). Nebenbei weist auch die Chancengleichheit durch die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, die Förderung benachteiligter Schülerinnengruppen und Schülergruppen und die Unterstützung der Eltern in ihrer Erziehungsarbeit eine bedeutsame Rolle auf (vgl. Stötzel und Wagener 2014, S. 55).

Darüber hinaus soll durch den erweiterten Zeitrahmen der Ganztagsschule die Möglichkeit für differenzierte Lehrmethoden geboten werden. Durch dieses Vorhaben kann ein Wechsel zwischen dem offenen Unterricht, der Freiarbeit oder der Wochenarbeit stattfinden. Die daraus resultierenden Formen des Miteinander und voneinander Lernens führen zur Verstärkung der sozialen Kompetenzen und Verantwortung für das eigene Lernen der Schülerinnen und Schüler (vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 21). Bei der erweiterten Schulzeit ist es ebenso wichtig die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen und ihre Freizeitinteressen mit in die Ganztagsangebote einzubauen. Diese Freizeitangebote sollen zum einen für Entspannung und Erholung sorgen, zum anderen als Bewegung oder der praktischen Betätigung dienen (vgl. Burow und Pauli 2013, S. 110). Aus diesem Grund sollten peer-orientierte handwerkliche, musische sowie sportliche Angebote, Kurse oder Workshops angeboten werden, um den Interessenbereich der Schülerinnen und Schüler zu decken und sie darin bestmöglich zu fördern (ebd., S. 110 f.). Solche Angebote befördern unter anderem die Teamfähigkeit, die Selbstkompetenz und die Selbstregulationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler (vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 89). Dies ist relevant, da Pädagoginnen und Pädagogen neben der Wissensvermittlung auch die Rolle der Persönlichkeitsbildung übernehmen. Als ein fundamentales Ziel kann ebenso genannt werden, dass Kinder die Fähigkeit besitzen sollen das gelernte im Unterricht auch außerschulisch zu gebrauchen. So wird darauf Wert gelegt

„schulisches und außerschulisches, unterrichtliches und außerunterrichtliches Lernen“ aufeinander zu beziehen und miteinander zu verbinden. (Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 21). Um die Verbindung von formaler, non-formaler und informeller Bildung zu generieren, ist die Einbeziehung außerschulische Partner erforderlich. Denn mithilfe der Pädagoginnen und Pädagogen aus unterschiedlichen Professionen können die „Angebote der Bildung, Freizeitgestaltung, der erzieherischen Hilfe und der Betreuung“ erweitert werden (ebd.). So kann beispielsweise durch die Kooperation der Jugendhilfe die Umsetzung der Freizeitbedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen besser gelingen.

Für die Teilhabe der informellen Bildung sind darüber hinaus auch die Freiräume zu erwähnen, welche die Schülerinnen und Schüler als „selbstbestimmte und selbst gestaltete, weitgehend nicht pädagogisierte und kontrollierte Freiräume“ nutzen können (Burow und Pauli 2013, S. 110). Letztendlich soll auf folgende Aspekte geachtet werden:

„Zu den Zielen der Ganztagsschule gehört es mit Blick auf die Angebotsstruktur, über eine sinnvoll rhythmisierte Abfolge von Unterricht, Förderangeboten und Freizeitangeboten, einen in pädagogischer Hinsicht wirkungsvollen Ausgleich zwischen Spannung und Erholung, zwischen lernbezogenen und sonstigen Aktivitäten zu schaffen.“ (Hopf und Stecher 2014, S. 70).

3 Veränderte Familienstruktur

Im vorherigen Abschnitt wurde festgehalten, dass eines der zentralen Ziele die bessere Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit darstellt. Diese Wichtigkeit geht mit dem soziokulturellen Wandel und dadurch aus sozialpolitischer und volkswirtschaftlicher Sicht einher. Durch erhebliche Veränderungen im ökonomischen und soziokulturellen System hat in den letzten Jahrzehnten eine Wandlung der sozialen Rahmenbedingungen für die Institution Familie stattgefunden. Gründe für diesen Wandel sind in der ökonomischen Wohlstandsteigerung, dem sozialstaatlichen Absicherungssystem sowie dem gestiegenen Bildungsniveau verankert (vgl. Nave-Herz 2015, S. 13). So ist auch die gesellschaftliche Entwicklung mittlerweile immer mehr von der Individualisierung geprägt. Dies meint „die Auflösung von gegebenen sozialen Lebensformen [und] das Zerbrechen von biographischer Kategorien wie Geschlechterrolle, Familienstruktur, Erwerbsbiographie […].“ (Burow und Pauli 2013, S. 11). Angesichts dieser Tatsache stellt die typische Kleinfamilie mit der Ausprägung Vater, Mutter und zwei Kinder weitaus nicht mehr die meist verbreitete Familienkonstellation dar. Sie erlebte ihren Höhepunkt schon in den 1960er Jahren. Die Ehe als Lebensform war weit verbreitet. 90 Prozent aller Erwachsenen heirateten und gründeten eine Familie. Drei Viertel davon lebten in Kleinfamilien. (vgl. Hurrelmann 1994, S. 84).

Heutzutage ist jedoch bei den Familienkonstellationen eine Veränderung zu sehen. „Im familienpolitischen Verständnis ist Familie dort, wo Menschen verschiedener Generationen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, füreinander einstehen und gegenseitige Fürsorge leisten.“ (BMFSFJ 2017, S.12). Demnach sind auch Menschen, die unverheiratet sind und beispielsweise auch Kinder haben als eine Familie zu betrachten. Ebenfalls gehören alleinerziehende, getrennt Erziehende, Stief- und Patchwork-Familien, Regenbogenfamilien und auch Familien, die sich um pflege- und hilfsbedürftige Angehörige kümmern, zu der heutigen Familienkonstellation (vgl. BMFSFJ 2017, S. 12).

Trotz der veränderten Konstellation nimmt die Familie für viele noch einen wichtigen Teil des

Lebens ein. Dieser Befund deckt sich mit den Daten einer Umfrage aus dem Jahr 2016. Hierbei gaben 79 Prozent der Bevölkerung die Familie als den wichtigsten Lebensbereich an (ebd., S. 11). Dieser Prozentanteil steigt sogar auf 93 Prozent bei Eltern mit minderjährigen Kindern.

Schlussfolgernd sind laut den Ergebnissen des Mikrozensus – eine Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland – im Jahre 2015 5,5 Millionen verheiratete Eltern zu betrachten. Diese Anzahl ist jedoch gesunken, da es im Jahre 1996 7,6 Millionen Ehepaare als Familienform gegeben. Dagegen ist die Anzahl der Lebensgemeinschaften, darunter der gleich- und gegengeschlechtlichen, und die der Alleinerziehenden gestiegen. So gab es im Jahr 2015 843 Tausend Lebensgemeinschaften und 1,6 Millionen Alleinerziehende. Bei den Alleinerziehenden ist festzustellen, dass 1,5 Millionen Mütter ihre Kinder alleine großziehen, wohingegen dies bei 182 Tausend Vätern der Fall ist. Dies führt ebenso dazu, dass immer mehr Mütter erwerbstätig werden und somit ihre Kinder zu diesen Zeiten nicht betreuen können (ebd., S. 12).

Ebenso erfährt man aus dem Mikrozensus aus dem Jahr 2015, dass fast drei Viertel – 73 Prozent – der minderjährigen Kinder in Deutschland mit verheirateten Eltern aufwuchsen. Dagegen lebten 18 Prozent bei Alleinerziehenden und 9 Prozent bei Lebensgemeinschaften auf (ebd., S. 16).

Kennzeichen für eine Familie war eine bestimmte Rollenstruktur sowie eine eindeutige interne und externe Aufgabentrennung zwischen den Ehepartnern. Der Ehemann hatte für die ökonomische Sicherheit zu sorgen, die Ehefrau war für den Haushalt, die Pflege und Erziehung der Kinder verantwortlich. Infolge vielfältiger Veränderungsprozesse wie Familienplanung, ökonomische Wohlstandssteigerung, Emanzipation der Frau sowie bessere und längere Ausbildungen trifft dieses Rollenmodell nur noch auf eine Minderheit zu (vgl. Nave-Herz 2015, S. 14). Durch solche Veränderungen hat zudem die Erwerbstätigkeit der Frauen – vor allem der Mütter – zugenommen. Außerdem beteiligen sich die Ehemänner durch die veränderten gleichberechtigten Vorstellungen des Familienlebens viel mehr in der Familie. Sie beteiligen sich beispielsweise stärker an der Betreuung. So fand man heraus, dass nur 13 Prozent der Männer sich überwiegend dem Beruf und dem Familienunterhalt widmet (vgl. BMFSFJ 2017, S. 13).

Die veränderte Vorstellung des Familienlebens wurde jedoch auch durch die veränderte Familienökonomie hervorgerufen. Die Anzahl der Beschäftigten in der Industrie ist seit 1970 von 50 Prozent auf 20 Prozent gesunken (vgl. Bertram 2015, S. 9). Dieser Abstieg der gut bezahlten Berufe in der Industrie und der Anstieg der schlechter bezahlten Berufe im Dienstleistungsbereich haben zudem zu negativen Folgen geführt. Infolgedessen müssen bei Familien mit Kindern beide Elternteile erwerbstätig sein, um eine einigermaßen guten ökonomischen Status zu besitzen (ebd.).

4 Veränderte Erwerbstätigkeit von Müttern

Zumal neben der veränderten Familienökonomie auch in der heutigen Zeit die berufliche Erwerbstätigkeit der Frau in der Selbstentfaltung inbegriffen ist, deuten die Entwicklungstrends darauf hin, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen mit und ohne Kinder in den folgenden Jahren immer mehr ansteigen wird (vgl. Hurrelmann 1994, S. 93). So erfasst man aus einer Zeitspanne von 2006 bis 2015, dass die Erwerbstätigenquote der Mütter aus Paarfamilien von 60 Prozent auf 67 Prozent anstieg (vgl. BMFSFJ 2017, S. 66). 2015 sind alleinerziehende Mütter dagegen zu 86 Prozent erwerbstätig (ebd., S.86). Nach Hurrelmann ist der Grund der hohen Erwerbsquote von Frauen die gestiegene Bildungsbeteiligung von weiblichen Jugendliche. Denn die Berufstätigkeit wird immer mehr als einen festen Bestandteil in der eigenen Lebensplanung gesehen. Dadurch wird deutlich an der Selbstverantwortung gearbeitet und gleichzeitig die wirtschaftliche Eigenständigkeit ausgeweitet. Der Grund hierfür liegt teilweise an dem Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit sowie an der Selbstverwirklichung. Des Weiteren bringt die Erwerbstätigkeit eine hohe gesellschaftliche Anerkennung. Ein weiterer Grund der Erwerbstätigkeit liegt selbstverständlich auch darin, das Haushaltseinkommen erhöhen zu wollen (vgl. Hurrelmann 1994, S. 96). Denn gerade Ehepaare mit mehreren Kindern oder alleinerziehende Mütter sind auf ein durchschnittliches und gesichertes Einkommen angewiesen.

Die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf bringt für Mütter jedoch einen großen organisatorischen Aufwand mit sich, da sie sich neben dem Beruf auch um das Familiengeschehen, wie dem Haushalt oder der Pflege und der Erziehung der Kinder kümmern müssen. Zusammenfassend kann man demzufolge anhand einer StEG-Elternbefragung aus dem Jahr 2007 festhalten, dass Mütter von der Ganztagsschulbetreuung in etwa doppelt so viel profitieren, als Väter (vgl. Züchner 2011b, S. 63). Aufbauend auf StEG wird in den folgenden Abschnitten näher auf solche Befunde eingegangen und die Auswirkungen auf erwerbstätige Eltern erfasst.

5 Auswirkungen auf die Familie

5.1 Entscheidende Einflussfaktoren

In diesem Abschnitt wird über familienbezogene Auswirkungen der Ganztagsschule sowie die Sichtweise von den Eltern und deren Kindern aufgeführt. An dieser Stelle muss man besonders betonen, dass man die Interessen der Eltern nicht verallgemeinern kann, weil die Familien sich beispielsweise nach Familienform, in Erwerbskonstellationen, in Erziehungs- und Bildungsleistungen oder nach dem soziokulturellen Milieu unterscheiden. Des Weiteren spielt gleichwohl die Intensität der Teilnahme an den Ganztagsangeboten und das Alter der Kinder und Jugendlichen eine entscheidende Rolle (vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 64). Gleichzeitig haben all diese Faktoren einen Einfluss auf die Auswirkungen des Verhältnisses der Schule und der Familie. Welche Faktoren in welchem Maße die Relation der Schule und der Familie beeinflussen, wird in den folgenden Abschnitten der Arbeit erörtert. Dabei wird beispielsweise darauf eingegangen, ob ein Zusammenhang zwischen der Erwerbstätigkeit der Eltern und der Teilnahme der Kinder am Ganztagsangebot besteht, ob und inwieweit das Ganztagsangebot eine Unterstützung bei der Hausaufgabenhilfe oder der Erziehung ist und, ob es sich auf den Familienalltag auswirkt.

5.2 Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Nun haben wir festgestellt, dass der Ganztagsschulbetrieb mit vielseitigen Faktoren zusammenwirkt und die unterschiedlichsten Bereiche der Familie beeinflussen kann. In den vorherigen Abschnitten wurden zudem die veränderten Familienstrukturen und die veränderte Erwerbstätigkeit der Mütter thematisiert. Derartige Veränderungen erschwerten die Kompatibilität von der Familie und der Erwerbstätigkeit und hatten mit Sicherheit Folgen für die Institution Schule. Daher sah man den Ausbau der Ganztagsschulen als Beihilfe für die bessere Vereinbarkeit von der Familie und dem Beruf und setzte vor allem dies als Ziel fest. Infolgedessen wird erörtert, ob die ganztägige Schule dieser Zielsetzung tatsächlich nachgehen kann.

Dadurch, dass sich der Ganztagsschulbetrieb an die veränderte Familienform und somit auch die veränderte Erwerbsbeteiligung der Familie anpasst, verfolgt sie die familienpolitischen Ziele und schafft gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Balance zwischen Familie und Beruf. Eine wichtige Gegebenheit dieses Vorgehens ist die zeitweilige Aufgabenübernahme im Bereich der Betreuung. Ohne diese Betreuungsregelung wäre die Ausübung einer Erwerbstätigkeit beider Eltern oder bei Alleinerziehenden nur schwer umsetzbar. Durch den vielseitigen Wandel und eventuelle finanzielle Engpässe ist gegenwärtig die Erwerbstätigkeit beider Eltern oder die Vollzeittätigkeit der Alleinerziehenden vonnöten. Aus diesem Grund ist die Ganztagsschule eine sehr gute Stütze für Familien, da sie den Eltern die Entscheidung zwischen Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit entzieht. Des Weiteren macht die ganztägige Schule durch ihre verlässliche Betreuungsregelung eine dauernde Suche nach „privater Lösung“ von Betreuung von Kindern durch Verwandte oder Freunde überflüssig und erspart die Kosten für die private Fremdbetreuung (vgl. Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen 2006, S. 30 f.).

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Familienarmut durch eine zuverlässige Ganztagsbetreuung reduziert werden kann, da dies für die Erwerbstätigkeit beider Elternteile den Weg erleichtert, somit ein höheres Einkommen zugesichert werden kann und aufgrund dessen die familiäre Lebenslage verbessert werden kann. (ebd., S. 69).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ganztagsschule im Alltag von Kindern und Jugendlichen
Untertitel
Welche Auswirkungen hat die Ganztagsschule auf das Familienleben und auf die Freizeitgestaltung?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V504882
ISBN (eBook)
9783346056818
ISBN (Buch)
9783346056825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ganztagsschule, alltag, kindern, jugendlichen, welche, auswirkungen, familienleben, freizeitgestaltung
Arbeit zitieren
Gül Özkan (Autor), 2018, Ganztagsschule im Alltag von Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504882

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ganztagsschule im Alltag von Kindern und Jugendlichen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden