Bei dieser Arbeit handelt es sich um die Planung eines Projekts im Bereich der Krankenpflegeausbildung. Es beinhaltet eine Projektbeschreibung und -planung inklusive Evaluation. Erarbeitet wurde ein Grundgerüst für ein Konzept zur schrittweisen Heranführung von Auszubildenden im zweiten Lehrjahr an die Pflegehandlung "Anleiten zur eigenständigen Blutzuckermessung im Schnelltest". Die Idee dabei ist, dass fortgeschrittene SchülerInnen die jüngere Jahrgangsstufe begleiten und ihr das Messverfahren beibringt.
Da die Anleitung und Beratung ein hochsensibler Tätigkeitsbereich am Klienten ist, der eine multidimensionale Patientenorientierung verlangt, sollte der Lernprozess von Schülern patientenfern beginnen. Es bietet sich an, das Erlernen von handlungszentrierter Anleitung in der Praxis im geschützten Raum des Peer-Tutoring zu belassen.
Durch metakognitive Prozesse bei der Entwicklung einer Anleitungssituation für Lernende mit geringerem Lernstand erlangt der anleitende Auszubildende erweiterte Lernkompetenzen für seine eigene praktische Ausbildung. Von diesem Mehrwert profitieren im dritten – dem für einen Prüfungserfolg entscheidenden Ausbildungsjahr – sowohl die Lehrenden als auch der Lernende.
Inhaltsverzeichnis
1 Projektkommentierung
2 Projektplan „SchülerInnen leiten SchülerInnen an.“
2.1 Projektverantwortung
2.2 Problembeschreibung
2.3 Zielsetzung
2.4 Betroffene Personen
2.5 Berührungspunkte zu anderen Projekten
2.6 Modellbeschreibung
2.7 Verortung des Projektes in der Pflegeausbildung
3 Projektstrukturplanung
4 Perspektiven
5 Kritische Erfolgsfaktoren
6 Innovationsgehalt des Projekts „SchülerInnen leiten SchülerInnen an.“
Zielsetzung & Themen der Projektarbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines strukturierten Konzepts für die praktische Pflegeausbildung, in dem Auszubildende des dritten Lehrjahres Auszubildende des zweiten Lehrjahres bei der Pflegehandlung „Anleiten zur eigenständigen Blutzuckermessung im Schnelltest“ anleiten. Damit soll die Anleitungskompetenz der Lernenden gezielt gefördert, die Praxis-Theorie-Diskrepanz verringert und die Qualität der Patientenbetreuung nachhaltig gesteigert werden.
- Förderung der Anleitungskompetenz bei Auszubildenden durch Peer-Tutoring.
- Strukturierte Planung und Implementierung einer Lernwerkstatt Pflege.
- Analyse und Optimierung von Anleitungsprozessen in der Akutpflege.
- Stärkung der berufspädagogischen Rollenentwicklung von Praxisanleitern.
- Implementierung eines ressourcenorientierten Ausbildungsmodells.
Auszug aus dem Buch
Modellbeschreibung
Die Verantwortlichen der praktischen und theoretischen Ausbildung führen nach jedem theoretischen Block in den Lehrkrankenhäusern haus- und kursgebunden eine ganztägige Lernwerkstatt Pflege zu unterrichteten Lerneinheiten durch.
Pflegerisches Handeln kann dort erlernt, geübt, perfektioniert und reflektiert werden. Fragestellungen aus der Pflegepraxis werden mit dem Wissen, das am Lernort Schule vermittelt wurde, verbunden und vertieft. Das Lernen findet in einem geschützten Rahmen in Kleingruppen statt, in dem experimentiert und verschiedene Lösungsmöglichkeiten praktisch erprobt werden können.11
Die Thematik „Pflege von PatientInnen mit Diabetes mellitus“ wird im 6. Theorieblock unterrichtet. Die Lerneinheit „Anleiten und Beraten“ wird im 7. Block behandelt. Im Rahmen des Projektes soll die Anleitung zum Blutzucker-Schnelltest in der anschließenden Lernwerkstatt geplant und erprobt werden.
Im ersten Projektschritt sollen die folgenden Inhalte auf die Anleitungssituation vorbereiten:
1. Schülerzentrierte Wiederholung folgender theoretischer Lerninhalte:
a. Die vier Schritte des Anleitungsprozesses,
b. Die Rollen und Kompetenzen des Anleiters,
c. Die zu schulenden Kompetenzen,
d. 4-Schritt-Methode nach Peyton für psychomotorisches Lernen,
e. Anleitungshindernisse und -förderer.
2. Parallelitäten von Schüler- und Patientenanleitung erkennen.
3. Anleitungselemente im Anleitungsprotokoll der Pflegeschule erkennen.
4. Lernziele für den Anleitenden und den Angeleiteten formulieren.
5. Praktische Schulung zum Blutzucker-Schnelltest durch die Diabetes-Fachkraft und Selbstversuch mit eigenem, überlassenem Gerät.
6. Brainstorming zu den Fragen: „Was ist mir wichtig zum Gelingen einer Anleitung?“ und „Was könnte mich hemmen in einer Anleitung?“
7. Teilschritte der Handlung mit Herausforderungen und Fehlerquellen für Laien und mit fachlichen Erläuterungen schriftlich erarbeiten.
8. Planung der Anleitungssituation in Partner- oder Gruppenarbeit.
9. Generalprobe der Anleitung im Rollenspiel (Plenum).
10. Korrekturarbeiten nach Resümee aus dem Plenum.
Zusammenfassung der Kapitel
Projektkommentierung: Einleitung in die gesetzlichen Ausbildungsziele für das Handlungsfeld „Beraten und Anleiten“ und Identifikation des Qualifizierungsbedarfs in der pflegerischen Praxis.
Projektplan „SchülerInnen leiten SchülerInnen an.“: Vorstellung des Konzepts für Peer-Tutoring bei der Blutzuckermessung sowie Definition der Verantwortlichkeiten und Lenkungsstrukturen.
Projektstrukturplanung: Detaillierte Darstellung der zeitlichen Abfolge der Projektschritte von der Antragstellung bis zur abschließenden Evaluation.
Perspektiven: Analyse der Auswirkungen des Projekts auf Auszubildende, Patientensicherheit, Planungssicherheit und mögliche Transfermöglichkeiten.
Kritische Erfolgsfaktoren: Untersuchung potenzieller Risiken wie Personalmangel oder Überforderung und Strategien zu deren Minimierung.
Innovationsgehalt des Projekts „SchülerInnen leiten SchülerInnen an.“: Einordnung des Projekts in pädagogische Traditionen und Bewertung des Mehrwerts durch die gewählten Zielsetzungen und Implementierungsstrategien.
Schlüsselwörter
Anleitungskompetenz, Pflegeausbildung, Peer-Tutoring, Blutzuckermessung, Lernwerkstatt, Patientenorientierung, Praxisanleitung, Pflegedidaktik, Berufspädagogik, Kompetenzentwicklung, Ausbildungsqualität, Metakognitive Prozesse, Schulstation, Handlungskompetenz, Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein konkretes Projektmodell, in dem Auszubildende der Pflege als Tutoren für jüngere Auszubildende fungieren, um das Thema Anleitungskompetenz praktisch zu vertiefen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Anleitung von Patienten, der peer-basierten Ausbildung, der didaktischen Strukturierung von Lernwerkstätten und der Professionalisierung der Rolle als Praxisanleiter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Auszubildenden eine höhere Anleitungskompetenz zu vermitteln, indem sie selbst als Anleitende tätig werden und dabei metakognitive Lernprozesse durchlaufen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt die Projektplanungsmethode sowie Ansätze der Reformpädagogik und des handlungs- und kompetenzorientierten Lernens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Problembeschreibung, einen detaillierten Projektplan, eine strukturierte Ablaufplanung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Erfolgsfaktoren und dem Innovationsgehalt des Vorhabens.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Anleitungskompetenz, Peer-Tutoring, Lernwerkstatt und Kompetenzentwicklung sind die zentralen Begriffe, die den Kern des Modells beschreiben.
Wie trägt das Projekt zur Patientensicherheit bei?
Das Projekt integriert alle praktischen Übungen in einem geschützten dritten Lernort, wodurch die Patientenversorgung und der Regelbetrieb der Station zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt werden.
Welche Rolle spielt die Diabetes-Fachkraft in diesem Projekt?
Sie fungiert als Fachexpertin, die in das Projekt eingebunden ist, um die fachliche Schulung zum Blutzucker-Messgerät zu gewährleisten und somit eine hohe Qualität der Anleitung sicherzustellen.
Warum wird Peer-Tutoring als Lernform gewählt?
Es ermöglicht Lernenden, eine Anleitungssituation auf einem höheren Taxonomie-Niveau zu durchdringen, fördert die metakognitive Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff und entlastet das erfahrene Personal.
Welche Bedeutung hat das 4-Schritt-Modell nach Peyton?
Es dient als didaktische Basis für die psychomotorische Vermittlung der Pflegehandlung „Blutzuckermessung“, um ein systematisches und effektives Lernen in der Praxis sicherzustellen.
- Arbeit zitieren
- Jürgen Paschke (Autor:in), 2018, SchülerInnen leiten SchülerInnen an. Projektentwicklung in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505088