Durch veränderte qualitative und quantitative Pflege- und Versorgungsbedarfe und der resultierenden - politisch gesteuerten - Ökonomisierung im deutschen Gesundheitswesen haben sich zeitgleich auch die Anforderungen an Qualifikationen der Pflegeberufe erheblich gewandelt. Evidenzbasierte Pflege, die Zunahme von Fallzahlen und -schwere sowie ein verinnerlichtes Verständnis des DRG-Abrechnungssystems in einem interdisziplinären Behandlungsteam bestimmen einerseits den Pflegealltag im Sinne eines umfassenden Fallmanagements.
Das heutige Bild des mündigen Patienten erfordert andererseits im Pflegeprozess eine reflektierte Interaktion, die ihn durch Anleitung und Beratung aktiv beteiligt. Beides erfordert eine gute Planungs- und Kommunikationsfähigkeit. Die Arbeit erörtert, in wie weit pflegedidaktische Konzepte der Pflegeausbildung mit sozialpflegerischem Schwerpunkt die beruflichen Anforderungen an den Pflegeberuf methodisch und inhaltlich berücksichtigen.
Dazu werden, der Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas folgend, curriculare Ausbildungsziele, domainspezifische Didaktikmodelle und betriebliche Qualifikationsanforderungen im Bereich der kommunikativen Kompetenz von Pflegeberufen im Kontext zum Patienten und im Kontext des Fallmanagements verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aufbau und methodisches Vorgehen der Arbeit
3 Die Vergleiche
3.1 Der Vergleich von Ausbildungsziel und Qualifikationsanspruch
3.2 Der Vergleich von Pflegedidaktik, die die Berufsausbildung prägen
3.3 Der Vergleich von Ausbildungsschwerpunkten der kommunikativen Kompetenz
3.4 Der Themenvergleich von Fachartikeln in der Pflegezeitschrift ‚Die Schwester Der Pfleger‘
4 Resümee
5 Literaturverzeichnis
6 Anhang
6.1 Transparenzdaten zum Themenvergleich von Fachartikeln in der Pflegezeitschrift ‚Die Schwester Der Pfleger‘
6.2 Datenmatrix zum Themenvergleich von Fachartikeln in der Pflegezeitschrift ‚Die Schwester Der Pfleger‘
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von curricularen Ausbildungszielen und betrieblichen Qualifikationsanforderungen im Bereich der kommunikativen Kompetenz in Pflegeberufen, um Diskrepanzen zwischen Bildungsaufwand und Bildungsnutzen zu identifizieren.
- Vergleich von pädagogischen Ausbildungszielen (Handlungskompetenz) mit betrieblichen Anforderungen.
- Analyse pflegedidaktischer Modelle hinsichtlich ihrer Relevanz für die Berufspraxis.
- Quantitative Untersuchung von Ausbildungsschwerpunkten in Richtlinien (NRW).
- Auswertung der Themenpräsenz in der Fachzeitschrift ‚Die Schwester Der Pfleger‘ (2003-2017).
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Durch veränderte qualitative und quantitative Pflege- und Versorgungsbedarfe und der resultierenden - politisch gesteuerten - Ökonomisierung im deutschen Gesundheitswesen haben sich zeitgleich auch die Anforderungen an Qualifikationen der Pflegeberufe erheblich gewandelt. Evidenzbasierte Pflege, die Zunahme von Fallzahlen und -schwere sowie ein verinnerlichtes Verständnis des DRG-Abrechnungssystems in einem interdisziplinären Behandlungsteam bestimmen einerseits den Pflegealltag im Sinne eines umfassenden Fallmanagements (vgl. Bartholomeyczik 2015, 23). Das heutige Bild des mündigen Patienten erfordert andererseits im Pflegeprozess eine reflektierte Interaktion, die ihn durch Anleitung und Beratung aktiv beteiligt. Beides erfordert eine gute Planungs- und Kommunikationsfähigkeit (vgl. Dettmers 2013, 219).
Erschwerend kommen der belastende Fachkräftemangel und ein Skill- sowie Staff-Mix im alltäglichen Gesundheitsbetrieb hinzu (vgl. BIBB/BAuA und BAuA 2014). Die Fallsteuerungsverantwortung in der Pflege verlagert sich auf wenige Professionelle (vgl. Görres et al., 2016, 9f).
Diese veränderten Rahmenbedingungen der Effizienzsteigerung im demographischen Altern der Gesellschaft beeinflussen auch die bundesdeutsche Ausbildungssituation der Pflege (vgl. Bartholomeyczik 2015, 23). Sie leiteten eine berufspolitische Konkurrenzdiskussion der Ausbildungsberufe Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege ein (vgl. BMBF 2016, 76), welche auch mit dem neuen Pflegeberufereformgesetz 2017 nicht beendet wurde (vgl. Darmann-Fink/ Muths 2017, 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die ökonomischen und strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen, die neue Anforderungen an die kommunikative Kompetenz von Pflegekräften stellen.
2 Aufbau und methodisches Vorgehen der Arbeit: Erläutert die methodische Vorgehensweise, bestehend aus Literaturrecherche, Analyse von Ausbildungsrichtlinien und einer quantitativen Auswertung von Fachzeitschriftenartikeln.
3 Die Vergleiche: Gegenüberstellung von Bildungszielen, pflegedidaktischen Modellen und der tatsächlichen Themenverteilung in Ausbildung und Fachpresse.
4 Resümee: Führt die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Missverhältnis zwischen intendierten Bildungszielen und den Anforderungen der beruflichen Praxis.
5 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
6 Anhang: Enthält detaillierte Transparenzdaten und die Datenmatrix zur Untersuchung der Fachzeitschrift ‚Die Schwester Der Pfleger‘.
Schlüsselwörter
Pflegeberufe, Kommunikative Kompetenz, Handlungskompetenz, Pflegeausbildung, Fallmanagement, Pflegedidaktik, Patienteninteraktion, Qualifikationsanforderungen, Bildungsaufwand, Bildungsnutzen, Berufspraxis, Curriculum, Fachzeitschrift, Professionalisierung, Patientenorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die in Curricula definierten Ausbildungsziele im Bereich der kommunikativen Kompetenz mit den Anforderungen der betrieblichen Pflegepraxis übereinstimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Rahmenbedingungen in der Pflege, die Entwicklung der Handlungskompetenz, pflegedidaktische Theorien sowie die Gewichtung von Patientenkommunikation versus Fallmanagement.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein mögliches Missverhältnis zwischen dem Bildungsaufwand in der Ausbildung und dem tatsächlichen Bildungsnutzen bzw. den Anforderungen der Praxis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Inhaltsanalyse auf Basis einer Literaturrecherche sowie eine quantitative Analyse von Fachartikeln und Stundenkontingenten aus Ausbildungsrichtlinien durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Kompetenzmodelle (z.B. Olbrich, Raven), vergleicht die Stundenverteilung in Ausbildungsrichtlinien mit der Präsenz von Themen in der Fachpresse und diskutiert die Paradoxie zwischen Autonomie und Abhängigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pflegekompetenz, Kommunikation, Handlungskompetenz, Fallmanagement und Professionalisierung definiert.
Wie unterscheidet sich die Ausbildung von der Fachpresse in ihrer Gewichtung?
Die Analyse zeigt, dass Fachkreise das Fallmanagement stärker gewichten, während Ausbildungsrichtlinien einen deutlich höheren Fokus auf die direkte Kommunikation mit dem Patienten legen.
Welche Bedeutung hat das Modell nach Olbrich für diese Arbeit?
Das Modell der kompetenzorientierten Pflegedidaktik von Olbrich dient als theoretische Grundlage, um die Handlungsdimensionen und Lernebenen pflegerischen Handelns einzuordnen.
Warum ist das Thema Fallsteuerungskompetenz für die Zukunft wichtig?
Aufgrund des Fachkräftemangels und der zunehmenden Akademisierung ist eine stärkere Fallsteuerungskompetenz am Patientenbett erforderlich, um den Anforderungen der interprofessionellen Gesundheitsversorgung gerecht zu werden.
- Citar trabajo
- Jürgen Paschke (Autor), 2019, Curriculare Ausbildungsziele und betriebliche Qualifikationsanforderungen in der kommunikativen Kompetenz von Pflegeberufen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505093