In dieser Arbeit wird der Zusammenhang zwischen kollegialer Beratung in der psychosozialen Akuthilfe, also der Krisenintervention und der präventiven Versorgung und Vorbeugung psychischer Schäden betrachtet. Ziel ist es, die aktuelle Situation aufzuzeigen und wenn möglich einen Appell zu liefern, dass man noch nicht am Ziel angekommen ist. Die Konsensus Konferenz lieferte einen ersten Anhaltspunkt was noch zu tun ist und war ein guter Schritt in die richtige Richtung. Der Autor konzentriert sich auf folgende Frage: "Ist die kollegiale Beratung in der Krisenintervention ein wichtiger Aspekt und weit genug verbreitet?"
Die kollegiale Beratung ist also eine Form der Beratung, bei der sich Kollegen gegenseitig beraten. Sie gilt als Unterform der Supervision, allerdings ohne einen Supervisor oder Berater dabei zu haben. Beides ist sich sehr ähnlich, vor allem im Punkt der Lösungsorientierung.
Hauptsächliche findet die kollegiale Beratung schon seit mehreren Jahren Anwendung im Bereich der Lehre und Aus-, Fort- und Weiterbildung. Sie wird dort angewendet, um den Lehrenden eine gute Qualitätssicherung zu ermöglichen und vor allem bei jüngeren Lehrenden auch um eine Konfliktbearbeitung zu ermöglichen.
Gliederung
1. KOLLEGIALE BERATUNG – EINE ÜBERSICHT
1.1 WAS IST KOLLEGIALE BERATUNG?
1.2 WO WIRD DIE KOLLEGIALE BERATUNG ANGEWENDET?
2. PSYCHOSOZIALE NOTFALLVERSORGUNG
2.1 HISTORIE UND ENTSTEHUNG DER PSYCHOSOZIALEN NOTFALLVERSORGUNG IN DEUTSCHLAND
2.2. DEFINITION PSYCHOSOZIALE NOTFALLVERSORGUNG
2.3 STRUKTUR DER PSYCHOSOZIALEN NOTFALLVERSORGUNG
3. DIE KOLLEGIALE BERATUNG IN DER KRISENINTERVENTION UND DER PSYCHOSOZIALEN NOTFALLVERSORGUNG
3.1 KOLLEGIALE BERATUNG ALS INSTRUMENT DER KRISENINTERVENTION
3.2 CRITICAL INCIDENT STRESS MANAGEMENT – MODELL
3.2.1 Primäre Prävention - CISM
3.2.2 Sekundäre Prävention - CISM
3.2.3 Spezifische Nachsorge - CISM
3.3 PRAXISBEISPIEL – DRK EINSATZ ROCK AM RING 2016
4. KOLLEGIALE BERATUNG ALS INSTRUMENT ZUR KONFLIKTBEARBEITUNG
4.1 INDIKATIONEN ZUM EINSATZ DER KOLLEGIALEN BERATUNG IN DER KONFLIKTBEARBEITUNG
4.1.1 Psychischer Stress
4.1.2 Akute Belastungsreaktion
4.1.3 Posttraumatische Belastungsstörung
4.2 ANWENDUNGSGEBIETE DER KOLLEGIALEN BERATUNG
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit der kollegialen Beratung als Instrument innerhalb der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) und Krisenintervention. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob diese Methode ein wesentlicher und ausreichend verbreiteter Aspekt zur präventiven Vorbeugung psychischer Schäden bei Einsatzkräften und Betroffenen ist.
- Grundlagen der kollegialen Beratung als strukturierte Methode
- Entwicklung und Struktur der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) in Deutschland
- Anwendung des Critical Incident Stress Management (CISM) Modells
- Analyse der Wirksamkeit in der Praxis (Beispiel: Rock am Ring 2016)
- Indikationen und Anwendungsgebiete bei Stress, akuter Belastungsreaktion und Traumata
Auszug aus dem Buch
3.2 Critical Incident Stress Management – Modell
Das „Critical Incident Stress Management“ (CISM) Modell wurde in den 1980er Jahren von den US-amerikanischen Professoren Jeffrey T. Mitchell und George S. Everly entwickelt. Ziel war es schon damals mit einer gut strukturierten Gesprächsführung Einsatzkräften, die in einem psychischen Hochrisikobereich arbeiten, niedrigschwellige Gesprächsangebote anzubieten, die nach vor allem außergewöhnlichen Einsätzen deren belastende Wirkungen und Eindrücke reduzieren. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) oder die Rotkreuz-, Rothalbmondbewegung und viele Non-Profit-Organisationen (ASB, Feuerwehren, Notfallseelsorge e.V., DLRG, THW, uvm.) organisieren ihre Nachsorgeangebote nach dem CISM-Modell. In Europa und den USA gibt es in vielen Organisationen inzwischen PEER-basierte Systeme der Einsatznachsorge, die nach dem Modell von Jeffrey T. Mitchell arbeiten, um Betroffenen in zeitlicher Nähe zu einem belastenden Ereignis Gruppen- und Einzelgespräche anzubieten.
Studien der letzten Jahre zeigen, dass die Prävention hier den wichtigsten Stellenwert einnimmt. So hatten Einsatzkräfte, die im Voraus schon Informationen über Einsatzbelastungen und Bewältigungsstrategien erhalten haben, signifikant weniger psychische Belastungsreaktionen als Einsatzkräfte, die ohne diese Vorbereitung in den belastenden Einsatz gingen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kollegiale Beratung – Eine Übersicht: Das Kapitel definiert kollegiale Beratung als strukturiertes, rollenbasiertes Verfahren zur gegenseitigen Unterstützung unter Gleichgestellten ohne externe Leitung.
2. Psychosoziale Notfallversorgung: Es wird die historische Entstehung und die notwendige Strukturierung der PSNV in Deutschland als Standard der psychosozialen Akuthilfe beschrieben.
3. Die kollegiale Beratung in der Krisenintervention und der psychosozialen Notfallversorgung: Hier wird die Integration der kollegialen Beratung in das internationale CISM-Modell und dessen Anwendung anhand eines Praxisbeispiels erläutert.
4. Kollegiale Beratung als Instrument zur Konfliktbearbeitung: Das Kapitel analysiert die Indikationen für den Einsatz der Beratung bei Stress, akuten Belastungsreaktionen und Traumata sowie den Stand der Information innerhalb von Pflegeberufen.
5. Fazit: Das Kapitel schließt mit der Einschätzung, dass die Methode essenziell ist und durch fortlaufende Qualifizierungsangebote weiter ausgebaut werden muss.
Schlüsselwörter
Kollegiale Beratung, Psychosoziale Notfallversorgung, PSNV, Krisenintervention, CISM, Critical Incident Stress Management, Psychischer Stress, Akute Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungsstörung, Prävention, Einsatznachsorge, Einsatzkräfte, Psychische Erste Hilfe, Supervision, Qualitätssicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der kollegialen Beratung als wirksame Methode in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) zur Unterstützung von Einsatzkräften und Betroffenen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Anwendung kollegialer Beratung, die Struktur der PSNV, das CISM-Modell sowie die Indikation der Methode bei verschiedenen psychischen Belastungsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Studie?
Das Ziel ist es, die aktuelle Verbreitung und Bedeutung der kollegialen Beratung in der Krisenintervention aufzuzeigen und zu klären, inwieweit sie als wirksames Instrument zur psychischen Entlastung etabliert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Neben der theoretischen Herleitung über Fachliteratur und Standards verwendet die Arbeit eine empirische Befragung von Mitarbeitenden in Gesundheits- und Pflegeberufen, um den Informationsstand zu bestehenden Beratungsangeboten zu ermitteln.
Welche Schwerpunkte bilden den Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des CISM-Modells, die praktische Anwendung in der Krisenintervention und die kritische Analyse der Wirksamkeit in verschiedenen beruflichen Anwendungsgebieten.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie PSNV, CISM, präventive Einsatznachsorge, kollegiale Beratung und psychosoziale Akuthilfe charakterisieren.
Wie effektiv bewertet der Autor die aktuelle Situation der kollegialen Beratung?
Der Autor stuft die Methode als essenziell ein, stellt jedoch fest, dass noch ein erheblicher Optimierungsbedarf bei der Information und der präventiven Verankerung in der Berufsausbildung besteht.
Welche Rolle spielt das Praxisbeispiel "Rock am Ring 2016" für die Argumentation?
Es dient als konkreter Beleg dafür, dass die Implementierung des CISM-Konzepts und die Bereitstellung kollegialer Ansprechpartner die psychische Sicherheit und Betreuung von Helfern in extremen Einsatzlagen signifikant verbessern.
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- Christopher Schertz (Autor), 2019, Die Wirkung der kollegialen Beratung in der Krisenintervention, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505276