Die Entwicklung von Zins- und Provisionsüberschüssen deutscher Kreditinstitute in der aktuellen Niedrigzinsphase


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen und Bedeutungen
2.1 Allgemeine Begriffsbestimmungen
2.2 Zinsüberschuss und Zinsmarge
2.3 Provisionsüberschuss und Provisionsmarge

3 Die Zinsentscheide der EZB nach der Weltwirtschaftskrise ab

4 Die Entwicklung von Zinsen und Provisionen in der Niedrigzinsphase
4.1 Ausgangslage vor der großen Zinssenkung
4.2 Die unmittelbaren Auswirkungen im Geschäftsjahr nach der großen Zinssenkung
4.3 Die aktuelle Situation in der Niedrig-/Nullzinsphase
4.5 Ausblick auf die nächsten Geschäftsjahre

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Eurostat. (n. d.). Europäische Union & Euro-Zone: Inflationsrate von 2007 bis 2017 (gegenüber dem Vorjahr). In Statista - Das Statistik-Portal. Abgerufen am 24. Juni 2018, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156285/umfrage/entwicklung-der-inflationsrate-in-der-eu-und-der-eurozone/

Abbildung 2 - Deutsche Bundesbank. (15.03.2016). Zinssatz der EZB für die Einlagefailität/Stand am Monatsende (1999 - 2016) . In Der Bank Blog. Abgerufen am 24. Juni 2018 von https://www.der-bank-blog.de/ratgeber/leitzins-bei-null-schock-fuer-die-anleger/1128/

Abbildung 3 - Deutsche Bundesbank. (2017). Zinserträge und Zinsaufwendungen der Kreditinstitute im Zinszyklus. Frankfurt am Main, S.60

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die aktuelle Niedrigzinsphase in Europa sorgt für Herausforderungen in der Ertragslage deutscher Banken.1 Sie herrscht nun seit der Finanzkrise im Jahre 2008 vor. Auch wenn die Auslöser bereits einige Jahre in der Vergangenheit liegen, ist das niedrige Zinsniveau mit seinen Auswirkungen ein sehr aktuelles Thema. Als Vermögensberater einer Sparkasse setzt sich der Autor dieser Arbeit beim Thema Geldanlage regelmäßig mit den Auswirkungen niedriger Zinsen bei Privatpersonen auseinander: Denn die Möglichkeit mit herkömmlichen Spareinlagen einen risikolosen Zinssatz oberhalb der Inflation zu erhalten, gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.

Diese Seminararbeit verlässt nun die erwähnte Kundensicht und geht auf die Auswirkungen für das Geschäftsmodell der Banken ein. In den Medien wird heutzutage oft die Niedrigzinspolitik der EZB (europäischen Zentralbank), neben steigender Regulatorik und zunehmender Digitalisierung, als Grund für den massiven Stellenabbau im Bankensektor angegeben.2

Aufgrund des begrenzten Umfangs, beschränkt sich diese Abhandlung auf die Entwicklung der beiden wichtigsten Ertragsquellen inländischer Kreditinstitute: dem Zinsüberschuss und dem Provisionsüberschuss.3 Beide Kennzahlen werden eingangs definiert. Anschließend werden die turbulenten Geschehnisse an den Geld- und Kapitalmärkten innerhalb der letzten zehn Jahre geordnet dargestellt. Hierbei werden auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und somit die Gründe für die Entwicklung kurz aufgeführt.

Danach werden die Auswirkungen auf den deutschen Bankensektor beschrieben. Hier konzentriert sich der Autor dieser Arbeit bewusst auf drei exemplarische Jahre, um dem vorgegebenen Rahmen gerecht zu werden. Gleichzeitig ermöglicht diese Methodik einen Einblick in die Ausgangslage vor der Niedrigzinsphase sowie jeweils einen Einblick in die kurz- und langfristigen Auswirkungen der niedrigen Zinsen.

Abschließend wird dem Leser ein Ausblick auf die kommenden Jahre gegeben und ein Fazit gezogen.

2 Definitionen und Bedeutungen

2.1 Allgemeine Begriffsbestimmungen

Wenn im Text von Banken gesprochen wird handelt es sich grundsätzlich um sämtliche Arten von in Deutschland ansässigen Kreditinstituten, insbesondere auch Sparkassen. Bei den genannten Primärinstituten handelt es sich um Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken.

Des Weiteren wird zur Vereinfachung der Begriff EZB in dieser Arbeit mit dem europäischen System der Zentralbanken gleichgesetzt.

Bezüglich der rechtlichen Grundlagen in der Bilanzierung wird in dieser Arbeit ausschließlich auf deutsche Bilanzverfahren im Sinne des HGB und der RechKredV und nicht auf das international übliche Bilanz- und Bewertungsverfahren IFRS abgestellt.

Im vierten Teil dieser Arbeit wird oftmals plakativ von "der großen Zinssenkung" gesprochen. Hierbei sind in jedem Fall alle sieben Entscheidungen zur Leitzinssenkung der EZB zwischen Oktober 2008 und April 2009 gemeint. Diese wurden nämlich in einem Tempo durchgeführt, das in der Historie der EZB bisher einmalig war.

2.2 Zinsüberschuss und Zinsmarge

Das Zinsgeschäft macht grundsätzlich den tragenden Teil aller Geschäfte einer Bank aus.4 Zinsen werden auf bzw. für ein bestimmtes Geldvolumen berechnet.5 Der Zinsüberschuss ist definiert als die positive Differenz zwischen Zinsertrag und -aufwand einer Bank. Die ein-zelnen Positionen lassen sich ex-post der GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) entnehmen.6

Der Zinsertrag entsteht zum Großteil durch die Überlassung von Kapital im Kreditgeschäft der Bank. Er enthält aber zu durchschnittlich 20 % auch volatilere Komponenten:7 So zählen zinsähnliche Erträge aus der Kreditgewährung wie Kredit-, Bereitstellungs- und Überziehungsprovisionen sowie Zinsen aus Einlagenfazilitäten bei der Bundesbank, Erträge aus Geldmarktanlagen und laufende Zinserträge aus festverzinslichen Wertpapieren einschließlich zeitanteiliger Zurechnung von Disagien und Stückzinsen auch dazu.8 Reduzierungen der Diskontierungszinssätze für Rückstellungen werden ebenfalls als Zinsertrag ausgewiesen.9 Die rechtlichen Vorschriften zur Bilanzierung des Zinsertrages werden in §28 RechKredV geregelt.

Der Zinsaufwand hingegen entsteht größtenteils im Einlagengeschäft der Bank. Er kann aber auch gezahlte Zinsen und zinsähnliche Aufwendungen für langfristige Refinanzierungen, Geldmarktgeschäften oder der Begebung von Schuldverschreibungen sowie Abschreibungen auf aktiviertes Disagio enthalten.10 Aufzinsungen von Rückstellungen werden hier ebenfalls ausgewiesen.11 Seine rechtlichen Bilanzierungsvorschriften finden sich in §29 RechKredV.

Durch die aktuell am Markt gehandelten Negativzinsen hat sich die genannte Systematik in den kürzeren Laufzeitbändern teilweise vertauscht: So haben Banken teils Zinserträge im Einlagengeschäft und Zinsaufwendungen im Kreditgeschäft. In der Praxis werden diese Zinsen in der GuV mit ihrem jeweiligen Aufwands- oder Ertragsposten verrechnet, sodass der Ausweis der Positionen Netto erfolgt.12

Die Zinsmarge errechnet sich als prozentuales Verhältnis von Zinsüberschuss zur (durchschnittlichen) Bilanzsumme. Zinsmarge (%) = Zinsüberschuss/DBS*100. Sie wird auch als (Brutto-)Zinsspanne oder nur Marge bezeichnet.13

2.3 Provisionsüberschuss und Provisionsmarge

Der Provisionsüberschuss ist definiert als die positive Differenz aus Provisionserträgen und Provisionsaufwendungen. Provisionen entstehen regelmäßig in mehreren Geschäftsbereichen:

Im Zahlungsverkehr als Kontoführungsentgelte, Umsatzprovisionen, Kredit- und EC-Kartenentgelte, Dauerauftragsentgelte und Entgelte für die Ein- und Auszahlung von Bargeld.

Im Inkassogeschäft in Forme von Domizilprovision, Entgelte für Scheck- und Wechseleinzug, Rückgabe-, Wertpapier- und Kuponeinlösungsprovision.

Im Wertpapier und Depotgeschäft als Wertpapierprovisionen, Bonifikationen, Entgelte im Emissionsgeschäft, Depotentgelte, Depotbankvergütung und Schließfachmieten.

Im Auslandsgeschäft als Kursnutzen im Auslandszahlungsverkehr inkl. Dokumentengeschäft und als An- und Verkaufsprovisionen von Devisen, Sorten und Edelmetallen.

Im Vermittlungsgeschäft als Provision für die Vermittlung von Krediten, Bausparverträgen, Versicherungen und (geschlossenen) Investmentfonds oder -zertifikaten sowie letztlich im Kreditgeschäft als Bearbeitungsentgelte sowie Bürgschafts- und Avalprovisionen.14

Zahlt die Bank eine dieser Provisionen, handelt es sich um Provisionsaufwendungen. Erhält sie diese, handelt es sich um Provisionserträge.

Provisionen werden oftmals in Abhängigkeit von der erbrachten Stückzahl und damit - im Gegensatz zu Zinsen - nicht in Abhängigkeit von dem Volumen einer Dienstleistung berechnet.15

Die Provisionsmarge berechnet sich als prozentuales Verhältnis von Zinsüberschuss zur (durchschnittlichen) Bilanzsumme. Provisionsmarge (%) = Provisionsüberschuss/DBS*100.

3 Die Zinsentscheide der EZB nach der Weltwirtschaftskrise ab 2007

Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten.16 Das Erreichen dieses Ziels war 2008 nach dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers stark gefährdet. Die Insolvenz dieses Bankhauses und anderer Finanzdienstleister sorgte durch die internationalen Verbindungen der großen Kreditinstitute zu einer Schieflage vieler Institute.17 Dies wirkte sich mittelbar auch auf die Realwirtschaft aus und sorgte dadurch vor allem für fallende Energiepreise. Durch die angespannte Situation des Finanzmarktes, gab es außerdem eine globale Kreditklemme, was wiederrum perspektivisch für einen Rückgang des Wirtschaftswachstums sorgte. Hauptsächlich diese beiden Aspekte sorgten dafür, dass der Inflationsdruck in der Eurozone mittelfristig deutlich nachließ.18

Um ihrem Ziel, der Preisniveaustabilität, gerecht zu werden, reduzierte die EZB ihre Einlagenfazilität innerhalb kurzer Zeit drastisch. So fiel dieser von 3,25 % am 7.10.2008 auf 0,25 % am 8.3.2009 und entsprach damit innerhalb eines knappen halben Jahres nur noch einem Dreizehntel seines Ursprungswertes.19 Diese Entscheidung wendete eine drohende Deflation ab und sorgte im Jahre 2009 noch für eine geringe Inflationsrate von 0,3 %.20

[...]


1 vgl. Atzler (2017)

2 vgl. Leichsenring (2017); Buschmeier (2018)

3 vgl. Deutsche Bundesbank (2017), S. 65

4 vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2015), S. 666

5 vgl. Schierenbeck (2001), S. 370

6 vgl. §275 HGB

7 vgl. Deutsche Bundesbank (2017), S. 54

8 vgl. Abicht, et al. (2015), Teil 5, Kap. 7.2, S. 2

9 vgl. Schult/Senf (2017), S. 4

10 vgl. Abicht, et al. (2015), Teil 5, Kap. 7.2, S. 1

11 vgl. Schult/Senf (2017), S. 4

12 vgl. Schult/Senf (2017), S. 40

13 vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2015), S. 666

14 vgl. Abicht, et al. (2015), Teil 5, Kap. 7.2, S. 2f

15 vgl. Schierenbeck (2001) , S. 370

16 vgl. Europäische Union (2012), Artikel 127 i.V.m. Artikel 129

17 vgl. Krugman (2009), S. 170f

18 vgl. Europäische Zentralbank (2009), S. 13

19 vgl. Deutsche Bundesbank

20 vgl. Eurostat (2018)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung von Zins- und Provisionsüberschüssen deutscher Kreditinstitute in der aktuellen Niedrigzinsphase
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,9
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V505279
ISBN (eBook)
9783346054753
ISBN (Buch)
9783346054760
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zins, Provision, Nullzins, Niedrigzinsphase, EZB, Banken, Sparkassen, Probleme, Darstellung, Finance
Arbeit zitieren
Hannes Budde (Autor), 2018, Die Entwicklung von Zins- und Provisionsüberschüssen deutscher Kreditinstitute in der aktuellen Niedrigzinsphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505279

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