Septimius Severus und Clodius Albinus. Eine Quellenbetrachtung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Römische Reich nach Marc Aurel

3. Die Quellen
3.1. Cassius Dio
3.2. Herodian
3.3. Die Historia Augusta

4. S. Severus und C. Albinus in den Quellen
4.1.1. S. Severus als Politiker
4.1.2. S. Severus als Soldat
4.1.3. S. Severus als Opportunist
4.1.4. S. Severus im Umgang mit seinen Gegnern
4.1.5. S. Severus und der Senat
4.1.6.. S. Severus und die Gerechtigkeit
4.1.7. Das Quellenbild des S. Severus
4.2.1. Die Laufbahn des C. Albinus
4.2.2. Die Charakterzüge des C. Albinus
4.2.3. C. Albinus und S. Severus
4.3. Der Kriegsbeginn im Jahr 196

5. Brutaler Machtpolitiker versus naives Opfer?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichtsschreibung der römischen Kaiserzeit unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der modernen Praxis. So erheben die Literaten der Antike zwar zumeist den Anspruch, sich der Wahrheit zu bedienen; die Umsetzung in der Praxis ist jedoch eine andere. Oft stehen eher schriftstellerische Aspekte im Vordergrund und damit die Unterhaltung des Rezipienten, anstatt einer möglichst genauen Wiedergabe historischer Ereignisse.

Dies gilt es, sich vor Augen zu halten, will man die antiken Quellen zu Vorkommnissen des frühen dritten Jahrhunderts n. Chr. befragen1, was in dieser Arbeit geschehen soll. Mit dem Tod Marc Aurels im Jahr 180 und dessen Entscheidung, von der gängigen Praxis des Adoptivkaisertums abzuweichen, endete eine Phase der relativen inneren Stabilität im Reich und eine Zeit, die von inneren Unruhen und hoher Fluktuation auf dem Kaiserthron geprägt war, begann. In diese Phase fällt auch die Thronbesteigung von Septimius Severus, der, nach der von ihm initiierten Ermordung des Kaisers Iulianus und der Beseitigung zweier weiterer Usurpatoren, namentlich Clodius Albinus und Pescenius Niger, bis zu seinem Tod im Jahr 211 den römischen Kaiserthron innehaben sollte. Seine Machtergreifung beziehungsweise deren Darstellung in den Quellen soll Thema dieser Arbeit sein. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf den Auseinandersetzungen zwischen S. Severus und C. Albinus liegen und erläutert werden, ob C. Albinus, angeblich „in seinem Charakter etwas großspurig, aber einfältig veranlagt”,2 wirklich nur gutgläubiges Opfer des S. Severus war, wie es in Quellen zumeist dargestellt wird, oder ob sich in diesem Bürgerkrieg nicht eher zwei ebenbürtige Gegner gegenüberstanden. Im Folgenden wird daher zunächst ein Einordnung in den historischen Kontext gegeben und die drei Hauptquellenwerke zu den Geschehnissen des späten zweiten und frühen dritten Jahrhunderts, die Historia Augusta und die Geschichtswerke des Cassius Dio und Herodians, analysiert werden, um zu einer Bewertung der Ereignisse und ihrer Darstellung zu gelangen.

2. Das römische Reich nach Marc Aurel

Nachdem das Römische Reich in den Regierungsjahren des Antoninus Pius (138-161) eine Phase der relativen äußeren Ruhe erlebt hatte, begann mit dem Regierungsantritt Marc Aurels im Jahr 161 eine Zeit schwerer, äußerer Erschütterungen, die sich bereits in den letzten Jahres des Antoninus Pius angedeutet hatten. Der neue Kaiser unterschied sich in seinem Wesen stark von dem „Soldaten" Trajan und hatte, anders als Hadrian, nicht die Möglichkeit, seine philosophische Natur und seine Ideen in Friedenszeiten zu entwickeln, sondern war stets genötigt, das Reich gegen äußere Feinde zu verteidigen.3 Zunächst griff im Jahr 162 der parthische Feldherr Osrhoes auf Befehl seines Königs Vologaeses III. in Armenien an, besetzte Teile Syriens und rückte bis nach Kappadokien vor. Der Gegenschlag unter der Führung von Lucius Verus4 beziehungsweise unter dem fähigeren Feldherrn Avidius Cassius führte bis zum Jahr 165 zur Einnahme der Städte Seleukia und Ktesiphon am Tigris, von wo aus sich dann jedoch in den folgenden Jahren eine schwere Pestepidemie über das komplette Römische Reich ausbreitete und weitere Offensivaktionen unmöglich machte.5

Und bereits ein Jahr später ereilte das nun schwer angeschlagene Reich die nächste Schreckensmeldung: Östlich der Donau waren große Völkerstämme in Bewegung geraten, darunter Markomannen, Jazygen, Quaden, Langobarden Alanen und Roxolanen, die ihrerseits selbst bedrängt wurden und nun versuchten, weiter nach Westen, Süden und Süd-Westen auszuweichen. Dies führte dazu, dass ab dem Jahr 166 die römische Donaufront mehrfach durchbrochen wurde und es Kaiser Marc Aurel nur unter Einsatz aller Kräfte gelang, sich bis ins Jahr 175 zu behaupten, um schließlich einen unsicheren Frieden zu schließen.6

Als er im Jahr 180 schließlich starb, war seine Nachfolge schon lange geregelt. Er wich dabei bewusst von der gängigen Praxis der Adoption eines geeigneten Nachfolgekandidaten ab und designierte seinen leiblichen Sohn Commodus schon früh zu seinem legitimen Nachfolger, da er diesen wohl durchaus dazu in der Lage sah, das Römische Reich in seinem Sinne weiterzuregieren.7 Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht: „Der Sohn war trotz aller pädagogischer Bemühungen in allem das Gegenteil des Vaters. Von dessen geistiger und moralischer Spannkraft besaß er keine Spur“.8 Schon bald brach zwischen dem Senat und Commodus offene Feindschaft aus und die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von Verschwendung, Korruption, willkürlicher Gewalt und, zum Ende hin, religiösem (Größen-) Wahn eines Kaisers, der die Würde seines Amtes in den Augen der römischen Bevölkerung mit Füßen trat, was darin gipfelte, dass er zum Neujahrsfest des Jahres 193 im Kostüm eines Gladiators auftreten wollte. Dies überspannte den Bogen endgültig und er wurde am 31. Dezember des Jahres 192 im Auftrag seines Oberkämmerers Eclectus, seiner Mätresse Marcia und dem Prätorianerpräfekt Laetus ermordet.9 Letzterer zog schon länger im Hintergrund des Kaiserpalastes die Fäden und sorgte nun dafür, dass Publius Helvius Pertinax, Sohn einer Freigelassenen und im Jahr 192 Inhaber des ordentlichen Konsulats, zum Nachfolger des Commodus ausgerufen wurde.10 Es gelang Pertinax, die beiden bedeutenden Machtfaktoren in der Hauptstadt – Senat und Prätorianergarde – auf seine Seite zu ziehen, denn der Senat hoffte nach dem Wahnsinn des Commodus nun auf eine Fortsetzung der Herrschaft im Geiste Marc Aurels und die Prätorianer wurden mit einem Geldgeschenk von 12.000 Sesterzen pro Soldat zunächst ruhiggestellt. Dies sollte jedoch das einzige Zugeständnis an die Garde bleiben, was Pertinax schon bald zum Verhängnis wurde. Mit der engen Bindung an den Senat und eben nicht an die Prätorianer verkannte er die wahren Machtgefüge in der Hauptstadt und nur zwei Monate nach seinem Regierungsantritt wurde er, vermutlich im Affekt, von der Garde erschlagen.11 Was nun folgte, wird in der Fachliteratur als eine der „widerlichsten Szenen“ (Karl Christ) und als „schmählichstes Schauspiel“ (Alfred Heuss) der römischen Kaisergeschichte bezeichnet. Der Senator Didius Iulianus konnte sich für 25.000 Sesterzen pro Prätorianer das Amt des Kaisers erkaufen. Aber auch ihm sollte keine lange Regierungszeit beschieden sein, denn außerhalb der Stadt fand er bei Statthaltern, Heerführern und der gemeinen Bevölkerung kaum Anerkennung. Und nachdem die Grenzheere nun wiederholt bei der Erhebung eines neuen Kaisers außen vor geblieben waren, erhoben die drei großen Heeresgruppen in Syrien mit Pescenius Niger, an der Donau mit Septimius Severus und in Britannien mit Clodius Albinus ihre eigene Kandidaten.12 Von diesen zeigte zunächst S. Severus die größte Initiative und marschierte mit einer enormen Streitmacht von zwölf Legionen auf Rom, das ihm kampflos in die Hände fiel. Kaiser Iulianus wurde auf seinen Befehl ermordet und der „korrumpierte Haufen“ (Karl Christ) der Prätorianer entlassen, aus der Hauptstadt verjagt und mit S. Severus treu ergebenen Soldaten neu aufgestellt. Im Juni 193 zog S. Severus in Rom ein und erstmals saß somit ein Afrikaner auf dem Kaiserthron.13

Nichtsdestotrotz galt es für S. Severus immer noch, sich der beiden Konkurrenten C. Albinus und P. Niger zu entledigen und so zog er mit seinem Heer in den Osten, nachdem er C. Albinus zunächst durch die Verleihung des Caesartitels ruhiggestellt hatte. Nach brutalen Kämpfen gelang es ihm schließlich im Jahr 194, P. Niger endgültig zu besiegen.14 Die genaue Abfolge der sich danach abspielenden Ereignisse ist umstritten und wird im Folgenden noch näher erläutert. Die moderne Forschung ist sich jedoch darin einig, dass S. Severus als Urheber des nächsten Bürgerkrieges, nun zwischen ihm und C. Albinus, gelten kann.15

3. Die Quellen

Zu den Entwicklungen des späten zweiten und frühen dritten Jahrhunderts und speziell zur Machtergreifung des S. Severus existieren drei literarische Hauptquellen. Cassius Dios Römische Geschichte, Herodians Geschichte des römischen Kaisertums seit Mar Aurel und die Historia Augusta. Alle drei Werke und ihre Autoren sollen im Folgenden kurz vorgestellt und beschrieben werden.

3.1. Cassius Dio

Die frühste Quelle stellt hierbei die Römische Geschichte des Cassius Dio dar, die er in der Regierungszeit S. Severus´ begann und für deren Fertigstellung er insgesamt 22 Jahre benötigte.16 C. Dio wurde im Jahr 163 in Nikaia in Bythinien geboren und schlug eine senatorische Laufbahn ein, in der er unter anderem den Posten des Prokonsuls der Provinz Africa, den des Statthalters der kaiserlichen Provinzen Dalmatien und Oberpannonien und den des Mitkonsuls des Kaisers Severus Alexander bekleidete.17 Eine genaue Datierung seiner Arbeit steht in der Forschung noch aus und wird - aufgrund der Ungenauigkeit seiner Angaben - zum einen als schwer möglich und zum anderen auch als nicht unbedingt nötig angesehen, da sich seine Darstellungen in ihrer didaktischen Absicht nicht an einen bestimmten Kaiser richten und eher als allgemeine Beschreibung von Charaktereigenschaften „guter“ und „schlechter“ Kaiser verstanden werden können.18 Von den ursprünglich 80 Büchern, in die C. Dio seine Arbeit gliederte, sind nur die Bände 36 bis 60 komplett erhalten, also die Zeiträume 69 v. Chr. bis 46 n. Chr. Dazu existieren zahlreiche Fragmente der Bücher 1-35 sowie zwei Epitome, die von dem Byzantiner Xiphilinos überliefert wurden und von denen die zweite die Hauptquelle für die Bücher 61 bis 80 liefert, in denen auch die Geschehnisse um die Thronbesteigung des S. Severus dargestellt werden.19

Anthony Richard Birley schreibt im Neuen Pauly zum historischen Wert des Werkes C. Dios:

Als Quelle zumal für die Kaiserzeit ist C.´ Geschichtswerk unschätzbar, obwohl sein lit. Anliegen oft diesen Wert mindert. So ist der Aufbau zwar analistisch, doch wirkt daneben - was oft zu chronologischen Unklarheiten führt - sachliche Ordnungsprinzipien ein, die auf griech. historiographische Theorien zurückweisen.20

Die Quellen herauszufiltern, auf die wiederum C. Dio sich stützte, ist problematisch. Als sicher gilt, dass er Polybios zur Darstellung des 2. Jhd. v. Chr. verwendete, inwiefern er aber Livius für die postrepublikanische Zeit heranzog, ist unsicher. Als besonders wertvoll gelten C. Dios Ausführungen über die Ereignisse, die er selbst als Zeitzeuge miterlebt hatte, also die Jahre nach dem Tod Marc Aurels und damit unter anderem der in dieser Arbeit behandelte Zeitraum.21 In seinem Werk macht C. Dio sein Geschichtsbild deutlich, in dem der Charakter des Menschen die zentrale Rolle spielt. Er zeigt die Tendenz, zunächst ein Idealbild zu zeichnen, aber auch negativen Eigenschaften viel Platz einzuräumen, um deren seines Erachtens besonders großen Einfluss auf die Geschichte deutlich zu machen.22 Auch C. Dios „Gewissheit, daß es die originäre Aufgabe des Senats sei, ein wirksames Korrektiv zur absoluten Machtfülle des Kaisers zu bilden“23 spielt in seinem Werk eine große Rolle, was unter anderem daran deutlich wird, dass das funktionierende Miteinander von Kaiser und Senat eines der gewichtigen Charakteristika eines seines Erachtens "guten" Kaisers darstellt. Gleichzeitig zeigt sein Werk auch, wie entschieden der Senat sich gegen die Verdrängung aus der römischen Machtzentrale wehrte und seinen Status und seine Funktion in jener Zeit im Römischen Reich zu verteidigen versuchte.24

3.2. Herodian

Ähnlich wie der Abbau der Spannungen zwischen Senat und Kaiser ein Jahrhundert zuvor beeinflusste der Übergang von den Severern zu den Soldatenkaisern die antike Geschichtsschreibung, der nach C. Dio gemeinhin als Abstieg in der römischen Historiographie gesehen wird und in den wohl die Verfassung von Herodians Geschichtswerk fällt25:

Wenig später [nach Cassius Dio] schon verfasste Herodian, auch er in griechischer Sprache, seine oberflächliche, oft unzuverlässige Geschichte des römischen Kaisertums vom Ende Marc Aurels, 180 n. Chr. bis zum Regierungsantritt Gordians III., 238 n. Chr.26

Zur Person des Herodian existieren bis heute in der Forschung viele Unklarheiten. Er selbst gibt in seinem Werk an, als Beamter im Dienst des Kaisers tätig gewesen zu sein.27 Es existieren Thesen, die seinen Herkunftsort entweder als Antiochia oder Alexandreia angeben.28 Jedoch verloren diese Fragen sowie Vermutungen zu seiner Position innerhalb des römischen Staates und ob er sich überhaupt jemals für längere Zeit in der Hauptstadt Rom aufgehalten habe, in der Forschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung, wohl auch, weil sie letztendlich nicht zu klären sind.29 Auch ein genaues Verfassungsdatum konnte bis heute nicht genannt werden, wenngleich vieles auf einen terminus post quem für das Jahr 240 hindeutet.

Die Quellen Herodians sind bis heute nicht offiziell geklärt, klar ist aber, dass sein Werk wiederum vielen antiken Literaten als Vorlage diente, so unter anderem dem anonymen Verfasser der Historia Augusta. Während die ältere Historiographie seinem Werk überwiegend kritisch gegenüberstand, wurde in den 1950er und 60er Jahren, vor allem in Italien, später auch in Großbritannien, der Versuch einer Rehabilitation seiner angeblich nur romanhaften Darstellung unternommen. So ging man dazu über, Herodian als Historiographen aus unteren Schichten, außerhalb der Perspektive der senatorischen Geschichtsschreibung zu sehen, wogegen sich vor allem die deutschen Althistoriker jedoch strikt widersetzten.30 Nichtsdestotrotz bezeichnet Thomas Franke Herodians Werk als „wichtige, wenn auch nicht fehlerfreie Quelle mit unverzichtbaren Informationen zur Gesch. der 1. H[älfte]. des 3. Jhd. n. Chr.“.31

3.3. Die Historia Augusta

Die Historia Augusta - ehemals Scriptores Historia Augusta - ist eine Sammlung von Biographien römischer Kaiser, Thronanwärter und Usurpatoren von Hadrian bis Numerianus und Carinus. Der Originaltitel des 30 Biographien umfassenden Werkes ist ebenso wenig überliefert, wie sein Verfasser. Die Autoren, die die Schrift selbst als Verfasser nennt, gelten in der Forschung heute als Erfindung eines einzigen Autoren, zu dem zwar viele Vermutungen angestellt wurden, der aber bis heute nicht identifiziert werden konnte.32 Bei Datierungsvorschlägen, die von einem terminus post quem 360/361 ausgehen und bis zu einem terminus ante quem vor dem Jahr 525 reichen, ist die Annahme des Entstehungszeitraumes an der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert heute weit verbreitet, wobei des Öfteren auch die These vertreten wird, es handele sich bei dem gesammelten Grundstock um Material aus diocletianisch-constantinischer Zeit, der jedoch später überarbeitet worden sei.33 Als Quellen dienten dem Verfasser unter anderem das Geschichtswerk des Herodian, welches auch des Öfteren zitiert wird, auch die Quelle für die Vita des Clodius Albinus darstellt und als einzige Vorlage heute noch erhalten ist. Daneben gilt als wahrscheinlich, dass, neben einigen anderen Werken, auch die Römische Geschichte des C. Dio als Vorlage genutzt wurde, auch wenn sie in der Schrift selbst nicht erwähnt wird.34

Die historische Validität der einzelnen Darstellungen in der Historia Augusta variiert stark. Die Viten der Kaiser von Hadrian bis Caracalla und damit auch die des in dieser Arbeit bedeutsamen S. Severus gelten als zuverlässig, wohingegen sich in den übrigen Biographien sowie in denen der Nebenkaiser und Usurpatoren immer wieder offenkundige Unwahrheiten wiederfinden. Bedeutend ist dieser Umstand für diese Arbeit insofern, dar die Vita des C. Albinus eben auch unter die der Usurpatoren fällt und daher mit Hinblick auf ihren Wahrheitsgehalt sehr kritisch zu sehen ist. So sind die amtlichen Schriftstücke,35 die der Verfasser des Öfteren als vermeintlichen Beweis für die Richtigkeit seiner Darstellungen zitiert und in denen häufig Charaktermerkmale einzelner Protagonisten besonders zur Geltung kommen, heute als Fälschungen entlarvt.36 Nichtsdestotrotz schreibt auch Holger Sonnabend: „dass die Sammlung von Biographien durchaus als eine wichtige Quelle für die Geschichte der römischen Kaiserzeit im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. in Anspruch genommen werden kann“.37

4. S. Severus und C. Albinus in den Quellen

Die Darstellung des S. Severus in den Quellen weist verschiedene Facetten auf. Ihm werden größtenteils Klugheit, Durchsetzungskraft, militärisches Geschick, strategisches Denken und politische Intelligenz bescheinigt. Auf der anderen Seite steht dafür ein Hang zu großer Brutalität, der in allen drei Quellen häufig beschrieben wird und sich zumeist gegen seine Feinde im Inneren und Äußeren

[...]


1 Alle im Folgenden genannten Jahreszahlen ohne Zusätze sind als "nach Christus" zu lesen, wobei auf die explizite Schreibweise "n. Chr." verzichtet wird.

2 Herodian: Geschichte des Kaisertums nach Marc Aurel. Mit Einl., Anm. und Namenindex von Friedhelm L. Müller. Stuttgart 1996. 2,15,1.

3 Vgl. Christ, Karl: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. München 61988. S. 332-334.

4 Lucius Verus war ebenfalls von Antoninus Pius adoptiert worden, in den letzten Jahren von Pius Herrschaft jedoch deutlich hinter Marc Aurel zurückgetreten. Mit dem Amtsantritt Marc Aurels wurde dieser Lucius Verus nun zum formal gleichberechtigten Kaiser ernannt, sodass offiziell für den Zeitraum 161-169 n. Chr. zwei Kaiser existieren.

5 Vgl. Christ, Karl: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. S. 334.

6 Vgl. ebd. S. 336-340.

7 Karl Christ bescheinigt in seiner Bewertung der Herrschaftsjahre Mark Aurels selbigem sehr einleuchtend zwar eine positive Bilanz seiner Innen- und Außenpolitik, schreibt ihm aber auch die Schuld zu, dass zu der äußeren Krise des Reiches bald nach seinem Tod auch noch eine innere hinzu kam: „Mochte das Römische Reich in konsolidierten Verhältnissen auch immer wieder wenig geeignete principes ertragen, so war doch gerade unter Marc Aurel die historische Bewährungsprobe des Adoptivkaisertums gekommen. Es ist sein Verschulden, daß die Institution gerade in dem Augenblick versagte, in dem es darauf ankam, tatsächlich den Geeignetsten an die Spitze zu bringen“ (Vgl. Christ, Karl: Geschichte des Römischen Kaiserreichs. S. 344f.).

8 Heuss, Alfred: Römische Geschichte. Paderborn/München (u.a.) 72000. S. 352.

9 Vgl. ebd. S. 352.

10 Wells, Colin: Das Römische Reich. 1992 Nördlingen. S. 289.

11 Vgl. Christ, Karl: Geschichte der Römischen Kaiserzeit. S. 600f.

12 Vgl. ebd. S. 602.

13 Vgl. ebd. S. 603.

14 Vgl. Heuss, Theodor: Römische Geschichte. S. 355.

15 Vgl. Heil, Matthäus: Clodius Albinus und der Bürgerkrieg von 197. In: Hans-Ulrich Wiemer [Hrsg.]: Staatlichkeit und politisches Handeln in der römischen Kaiserzeit. Berlin 2006. S. 65.

16 Vgl. Birley, Anthony Richard: L. Cl(audius) C. Dio. Cocceianus. In: DNP Band 2. Stuttgart/Weimar 1997. S. 1014.

17 Vgl. Kuhn-Chen, Barbara: Geschichtskonzeptionen griechischer Historiker im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Untersuchungen zu den Werken von Appian, Cassius Dio und Herodian (Europäische Hochschulschriften. Reihe XV. Klassische Sprachen und Literaten). S. 131.

18 Vgl. ebd. S. 132.

19 Vgl. Birley, Anthony Richard: L. Cl(audius). S. 1015.

20 Vgl. Birley, Anthony Richard: L. Cl(audius). S. 1015.

21 Vgl. ebd. S. 1015.

22 Vgl. Kuhn-Chen, Barbara: Geschichtskonzeptionen. S. 243.

23 Dahlheim, Werner: Geschichte der Römischen Kaiserzeit (Oldenbourg Grundriss der Geschichte). München 32003. S. 165.

24 Vgl. ebd. S. 166.

25 Vgl. Flach, Dieter: Römische Geschichtsschreibung. Darmstadt 2001. S. 268.

26 Ebd. S. 268.

27 Die Forschung des 18. und frühen 19. Jahrhunderts wies ihm noch eine hohe Hofstellung oder sogar das Amt eines Senators zu, was in Folge aufgrund seiner mangelnder Vertrautheit mit elementaren Kentnissen eines hohen Beamten, zum Beispiel in Heer- und Rechtswesen, wieder verworfen wurde (Vgl. Hidber, Thomas: Herodians Darstellung der Kaisergeschichte. S. 5-8).

28 Vgl. Franke, Thomas: Herodianos [2]. In: DNP. Band 5. Stuttgart/Weimar 1997. S. 467.

29 Vgl. Hidber, Thomas: Herodians Darstellung der Kaisergeschichte nach Marc Aurel. (Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft Band 29). Basel 2006. S. 6f.

30 Vgl. ebd. S.48.

31 Frankte, Thomas: Herodianos [2]. S. 467.

32 Vgl. Johne, Klaus-Peter: Historia Augusta. In: DNP. Band 5. Stuttgart/Weimar. S. 637.

33 Vgl. ebd. S. 637.

34 Vgl. ebd. S. 639.

35 In den als zuverlässig geltenden Viten verzichtet der Verfasser bezeichnenderweise auf das Einfügen dieser vermeintlich originalen Dokumente.

36 Vgl. Flach, Dieter: Römische Geschichtsschreibung. S. 272.

37 Sonnabend, Holger: Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta. Stuttgart/Weimar 2002. S. 215.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Septimius Severus und Clodius Albinus. Eine Quellenbetrachtung
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
30
Katalognummer
V505422
ISBN (eBook)
9783346056887
ISBN (Buch)
9783346056894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Rom
Arbeit zitieren
Tim Strohmeier (Autor), 2012, Septimius Severus und Clodius Albinus. Eine Quellenbetrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505422

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