Eigentum und Ungleichheit bei Jean-Jaques Rousseau


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arten von Ungleichheit

3. Ungleichheit und Eigentum
3.1 Der Naturzustand
3.2 Entstehung des Eigentums
3.3 Folgen des Eigentums

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und auf den Gedanken kam zu sagen „Dies ist mein“ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Begründer der zivilen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viele Leiden und Schrecken hätte nicht derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinem Mitmenschen zugerufen hätte: „Hütet euch davor, auf diesen Betrüger zu hören. Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und dass die Erde niemanden gehört!“ (Rousseau 2010, S.75).

Dies ist einer der bekanntesten Zitate, die man im Zuge der Eigentumsdebatte von Rousseau lesen kann. Aus diesem Ausschnitt kann man herauslesen, dass Rousseau das Eigentum scheinbar als den Begründer von Verbrechen Kriegen und Morden sieht. Diese hätten uns augenscheinlich erspart bleiben können, wenn es kein „mein und dein“ geben würde.

Doch, wie ist es zu dem Zustand des Eigentums gekommen und inwieweit steht es in Beziehung zur Ungleichheit, welche wir durch diese Leiden und Schrecken erleben?

Um diese Frage zu beantworten, werde ich den Standpunkt Rousseaus näher erläutern.

In meiner Hausarbeit werde ich dazu einen kurzen Verlauf zur Entstehung des Eigentums geben. In diesem werde ich darauf eingehen, wie sich die Ungleichheit vom Naturzustand bis hin zum Entstehen erster ziviler Gesellschaften verändert hat. Außerdem werde ich darlegen, was Rousseau unter Ungleichheit versteht und welchen Einfluss das Eigentum darauf hat. Im vorletzten Punkt werde ich die Folgen des Eigentums aufzeigen und zum Schluss noch ein Fazit abgeben.

2. Arten von Ungleichheit

Um den Ursprung der Ungleichheit und den dahin einhergehenden Einfluss des Eigentums bei Rousseau aufzuzeigen, muss man zuerst klären, was er unter Ungleichheit versteht und welche Arten er unterscheidet.

Jean – Jaques Rousseau unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Arten von Ungleichheit: Die natürliche beziehungsweise physische Ungleichheit und die gesellschaftliche oder politische Ungleichheit. Die natürliche Ungleichheit zeichnet sich durch die Unterschiedlichkeit des Alters, der Gesundheit und der Eigenschaften des Geistes oder der Seele aus. Wie der Name schon sagt, besteht der Unterschied der Menschen also hierbei in den natürlichen Anlagen und ist vom Menschen nur schwer beeinflussbar.

Die politische oder gesellschaftliche Ungleichheit hingegen hängt von einer Art Übereinkunft an und wird durch die Zustimmung der Menschen eingerichtet oder durch sie wenigstens gebilligt (vgl. Rousseau 2010, S.33). Dabei bestehen bestimmte Privilegien, die einige gegenüber anderen besitzen

3. Ungleichheit und Eigentum

3.1 Der Naturzustand

Um erläutern zu können, inwieweit Ungleichheit und Eigentum bei Rousseau zusammenhängen, müssen wir zuerst den Zustand kennen, in welchem es noch kein Eigentum gibt. Rousseau nennt diesen den Naturzustand. In diesem, soviel darf voran genommen nehmen, noch kein Eigentum vorhanden ist

Rousseau bezeichnet den Menschen im Naturzustand als Wilden und sieht in enger Verwandtschaft mit dem Tier. „Sehe ich ein Tier, das weniger stark ist als die einen, weniger flink als die anderen, alles in allem genommen aber am vorteilhaftesten von allen ausgestattet“ (Rousseau 2010, S.36). Daraus kann man schließen, dass Rousseau ihn noch weit entfernt von unserer heutigen Auffassung von einem Menschen sieht. Kennzeichnend für diese Verwandtschaft sind, dass er sich allein von der Natur ernährt, aus Flüssen trinkt und auch noch keinerlei Wohnstätte oder ähnliches besitzt. Stattdessen schläft er jeden Tag woanders und sucht sich immer neue Zufluchtsstätten. Außerdem eignet er sich die Instinkte aller Tiere an und ist an alle Witterungen und Jahreszeiten gewöhnt (vgl. ebd.). Er ist demnach frei und lebt mit der Natur im Einklang. Außerdem folgt er einem sehr asozialen Leben ohne Verbindungen, die über den Akt der Fortpflanzung hinausgehen.

Die Selbstliebe und damit einhergehend die Selbsterhaltung ist die einzige Sorge des Wilden. Daher zeichnet er sich durch eine starke, robuste und fast unverwüstliche Körperbeschaffenheit (vgl. ebd.). Diese kräftige Körpergestalt braucht er, da sein Körper seine einzige Waffe ist, mit dem er sich gegen Tiere verteidigen kann.

Doch Rousseau erläutert auch eine ganze Reihe von Eigenschaften, in denen sich der Wilde vom Tier unterscheidet und heraushebt.

Der Mensch kennzeichnet sich durch seine Möglichkeit, sich frei entscheiden zu können, wohin gegen beim Tier die Natur, also sprich die Instinkte, entscheiden, wie das Tier in bestimmten Situationen handelt. Die Natur befiehlt sozusagen und das Tier gehorcht. Anders als beim Tier hat der Mensch einen Handlungsspielraum beziehungsweise Handlungsfreiheit (vgl. ebd., S.45). Wenn der Mensch beispielsweise vor einem wilden Tier steht, hat er die Wahl zwischen Flucht und Kampf. Wie er sich schlussendlich entscheidet, liegt ganz bei ihm. Der Mensch besitzt also, wie diese Situation verdeutlicht, das Vermögen des Wollens oder vielmehr des Wählens. (vgl. ebd.)

Ein weiteres Gefühl, dass uns von den Tieren unterscheidet, ist die sogenannte Perfektibilität oder auch die Fähigkeit sich zu Vervollkommnen (vgl. ebd., S.45). Diese Fähigkeit ist der Grund dafür, dass sich das Menschengeschlecht weiterentwickelt. Tierische Gattungen sind auch nach mehreren tausend Jahren immer noch gleich und zeigen kaum Veränderungen in ihren Verhaltensweisen auf. Diese Fähigkeit trägt dazu bei, dass sich anfangs rein tierische Reaktionen hinzu menschlichen Reaktionen entwickeln, welche zum Beispiel Wollen und Nichtwollen, Begehren und Fürchten sind.

Die Perfektibilität ist für Rousseau aber andererseits auch eine Quelle für das spätere Unglück der Menschheit: Daß eben sie ihn, kraft der Zeit, aus dem ursprünglichen Zustand reißt, in welchem er ruhige und unschuldige Tage verleben würde Tage, dass gerade sie […] seine Kenntnisse und seine Irrtümer, seine Laster und seine Tugenden zur Entfaltung macht – ihn auf Dauer zum Tyrannen seiner selbst und der Natur macht“ (ebd., S.46). Diese sogenannte Fähigkeit zur Selbstentwicklung führt schlussendlich dazu, dass der Mensch sich aus dem Naturzustand herauslöst.

In diesem Abschnitt kann man sehr gut sehen, wie kritisch Rousseau dieser Weiterentwicklung des Menschen gegenübersteht. Für ihn ist der Naturzustand so eine Art paradiesische Lage. Jede Veränderung dieses Zustandes birgt für ihn immer negativen Seiten. Das werden wir auch später an der Entwicklung des Eigentums sehen

Und, als letzte Eigenschaft das Mitleid, welche die einzige soziale Regung des Menschen in diesem Stadium ist. Rousseau bezeichnet es außerdem als „ein natürliches Gefühl, das in jedem Individuum die Wirksamkeit der Selbstliebe mäßigt und daher zur gegenseitigen Erhaltung der gesamten Gattung beiträgt“ (ebd., S.64). Da Rousseau von „jedem Menschen“ spricht, sieht man, dass dieses Gefühl ein existenzielles ist und uns von Natur aus gegeben wird. Man könnte es schon fast als einer Art Instinkt bezeichnen, was uns, ohne zu überlegen, dazu veranlasst Hilfe zu leisten oder anderen die Nahrung nicht wegzunehmen. Es ist eine von der Vernunft gegebene Gerechtigkeit, die im Naturzustand an der Stelle von Gesetzen, Sitten und Tugenden steht (vgl. ebd.). Dieses Mitleid verhindert also natürlicherweise, ohne, dass es irgendwo niedergeschrieben wurde, dass man anderen Schaden zufügt und andere nur so behandelt, wie man auch selbst behandelt werden möchte. Es führt dazu, dass wir keine Kriege führen, da wir zum einen in Unabhängigkeit leben und zum andern eben Mitleid gegenüber anderen Lebewesen empfinden.

Abschließend lässt sich zum Naturzustand bei Rousseau also sagen, dass der Mensch den Tieren noch sehr nahesteht. Er lebte als Wilder in der Natur, geht keiner Arbeit nach, besitzt keine Wohnstätte oder anderes Eigentum und existiert als asoziales Wesen. Die Eigenschaften, worin er sich von den Tieren unterscheidet, wären, das Mitleid, die Fähigkeit zur Vervollkommnung und die Handlungsfreiheit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Eigentum und Ungleichheit bei Jean-Jaques Rousseau
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V505492
ISBN (eBook)
9783346058294
ISBN (Buch)
9783346058300
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eigentum, ungleichheit, jean-jaques, rousseau
Arbeit zitieren
Isabell Schell (Autor), 2017, Eigentum und Ungleichheit bei Jean-Jaques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505492

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