Eine RCA-Analyse für das Land Indien


Seminararbeit, 2017

27 Seiten, Note: 5,3


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Vorstellung des Konzepts und Ziel der Analyse

2. Das Modell der RCA-Analyse
2.1 Konzept und Funktion der RCA-Analyse
2.2 Kritik an der Validität des RCAI

3. RCA-Analyse für das Land Indien
3.1 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung Indiens
3.2 Aufbau und Inhalt des Analyseverfahrens
3.3 Auswertung der RCAI Ergebnisse
3.4 Vergleich des RCAI Ergebnisses mit den tatsächlichen Import/Exporten

4. Abschliessende Würdigung des Ergebnisses und wirtschaftspolitische Empfehlung

Literaturverzeichnis

Appendix

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Formel Bela Balassa RCA Index, Quelle (Jung Suk-yee, 2015)

Abbildung 2: RCAI Analyse Ergebnis, Quelle: eigene Erstellung, UNCOMTRADE

Abbildung 3: Durchschnittlicher RCAI Indiens über alle 42 Sektoren, Quelle: eigene Erstellung, UNCOMTRADE

Abbildung 4: Exportüberdeckung und Importüberdeckung, Quelle: eigene Erstellung, UNCOMTRADE

Abbildung 5: Wachstumsraten der Exporte, Quelle: eigene Erstellung, UNCOMTRADE

Abbildung 6: RCAI Durchschnitt, Quelle: eigene Erstellung, UNCOMTRADE

1. Vorstellung des Konzepts und Ziel der Analyse

Ziel dieser Arbeit ist es eine Revealed Comparative Advantage1 Analyse für das Land Indien durchzuführen, die Ergebnisse zu interpretieren und mit der tatsächlichen Handelsbilanzsituation zu vergleichen. Die Revealed2 Comparative Advantage Analyse ermittelt den offenbaren komparativen Vorteil, den ein Land in der Produktion verschiedener Güter, bzw. in Wirtschaftssektoren oder Wirtschaftszweigen aufweist und ist eine vereinfachende Form, um einen komparativen Vorteil in der Produktion von Gütern nachzuweisen. Das Konzept der RCA-Analyse beruht auf einem relativen Vergleich effektive Handelsvolumina. Das Konzept der hiesig durchgeführten RCA-Analyse wurde von Bela Balassa 1965 erstmalig verwendet und basiert auf der Theorie von David Ricardo über relative technische Produktionsvorteile. David Ricardo wurde 1817 mit seiner Theorie dass relative, nicht absolute Kostenvorteile bei der Definierung von komparativen Kostenvorteilen bei der Produktion von Gütern relevant seien weltweit bekannt, und widerlegte die Theorie von Adam Smith zur Relevanz absoluter Kostenvorteile. Ricardo‘s Theorie besagt, dass selbst wenn ein Land in der Produktion von 2 Gütern im Vergleich zu einem anderen Land absolut gesehen je Gut unproduktiver ist, es trotzdem einen komparativen Vorteil in der Produktion eines Gutes vorweisen kann, wenn es dieses im Vergleich zum anderen inländischen Gut effizienter produzieren kann, als das andere Land, was ultimativ dessen Exportüberlegenheit rechtfertige. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass ein Land auf natürliche Weise zur Produktion und Export jenen Gutes tendiert, worin es grössere relative Produktivitätsvorteile hat als das andere Land.3 Hierbei spricht man auch von sogenannten geringeren Opportunitätskosten. Die Ursache für Produktivitätsvorteile kann im Vorhandensein von mehr- oder besseren Ressourcen, geografischen Verhältnissen, oder auch Arbeitskräften liegen. Das Problem an David Ricardo’s Theorie für die praktische Überprüfbarkeit ist, dass es aufgrund der Schwierigkeit der Messung dieser Gegebenheiten, kaum empirische Funde für ihre Richtigkeit gibt. Die RCA-Analyse greift diese Theorie nun auf und unterstellt, dass komparative Vorteile bloss anhand real messbarer Daten, hier Eportwerte, feststellbar sind.

Als Gegenstand der RCA-Analyse wird Indien gewählt -eines der sogenannten BRIC4 Länder- weil es sich momentan in der Entwicklungsphase eines Schwellenlandes befindet. Dies ist insofern interessant, da davon auszugehen ist, dass im Vergleich zu einem reinen Entwicklungsland oder Industrieland, über die letzten Dekaden ökonomisch höhere Volatilitäten bei seiner wirtschaftlichen Entwicklung zu beobachten sind. Aufgrund der letztjährlichen hohen Wachstumsraten Indiens, sollte sich die Ursache darin auch in einem erstarken komparativer Vorteile in verschiedenen Wirtschaftssektoren finden lassen. Dies wird überprüft.

Da das theoretische Konzept bereits seit 1965 existiert, gibt es bereits viele Analysen die sich auch mit Indien befassen. Im Zeitverlauf haben sich die Methoden immer weiter verfeinert, sodass es vom ursprünglichen „Balassaindex“ viele Modifikationen gibt, die weitere Einflussfaktoren berücksichtigen. Alle Varianten haben ihren spezifischen Nutzen und Defizite, sodass nichts gegen die Verwendung der Ursprungsform spricht. Der Detailierungsgrad und die Visualisierung unterscheiden diese Analyse allerdings von bisherigen.

Das Ergebnis der Analyse ergibt eine sehr dezidierte Darstellung über die offenbaren komparativen Vorteile innerhalb einer betrachteten Gütermenge von 42 unterschiedlichen Wirtschaftssektoren. Daraus werden die Sektoren, welche über offenbare komparative Vorteile verfügen, sowie die Volatilität der komparativen Vorteile über einen Zeitraum von 1990 bis 2016 ablesbar sein. Es wird ersichtlich wie sich die Exportkomposition Indiens über den Zeitverlauf entwickelt hat, sowie deren individuelle Intensität. Auch die (erwartbare) Entwicklung zwischen arbeitsintensiven und kapitalintensiven Sektoren wird auf ihre Präsenz analysiert. Zum Schluss wird dann die tatsächliche Export-/Importkomposition betrachtet und mit den RCAI Ergebnissen verglichen um festzustellen, ob Indien der Theorie des komparativen Vorteils in der Realität, in Form von Handelsbilanzüberschüssen- oder Defiziten je Sektor entspricht, was erwartbar sein sollte. Die Ergebnisse werden dann hinsichtlich ihrer Kohärenz interpretiert5 und liefern somit –trotz vorhandener Defizite des RCA Konzepts- eventuell Potenzial für wirtschaftspolitische Empfehlungen.

2. Das Modell der RCA-Analyse

2.1 Konzept und Funktion der RCA-Analyse

Durch die zunehmende Liberalisierung und Bewegungsfreiheit tendieren Produktionsfaktoren zu der effizientesten Produktionsstätte (Balassa B, 1965, s.99). Durch diese Bewegung werden diese Produktionsstätten mit den nötigen Mitteln versorgt, um ihre Produktion auszuweiten. Im Ergebnis führt das dazu, im Vergleich zu einer weniger effizienten Produktionsstätte des Auslandes, günstiger zu produzieren und damit exportieren zu können. Die Ursache für das Dasein überproportionaler Exporte eines Sektors eines Landes, im Vergleich zu dem selbigen Sektor eines anderen Landes, liegt in messbaren und nicht messbaren quantitativen sowie qualitativen Faktoren, die zusammengenommen dazu führen, dass die Faktorausstattung genau dieses Wirtschaftszweig produktiver ist, als dieselbe im Ausland.

Bela Balassa zeigt Limitierungen bei der praktischen Anwendbarkeit der traditionellen Handelstheoriemodelle auf. Hier hebt er das 2x2 bzw. Heckscher-Ohlin-Modell hervor und deklariert es als untauglich, um komparative Vorteile abseits von einer Modellwelt, nämlich 2 Faktoren und 2 Länder, zu ermitteln. Das Vernachlässigen qualitativer Merkmale bei der Ermittlung von Produktionsvorteilen, mache die traditionellen Ansätze in der Anwendung unbrauchbar, denn die Betrachtung von Kostenvorteilen alleine würde nicht ausreichen, um den effektiven internationalen Erfolg einzelner nationaler Wirtschaftssektoren zu erklären (Balassa B, 1965, s.102). Die Signifikanz und die Quantifizierbarkeit qualitativer Aspekte sei per se ein Ermittlungsproblem. Gleichzeitig stellt er auch in Frage, ob das segregierte Erfassen jeglicher Einflussfaktoren an sich tatsächlich notwendig sei, um komparative Vorteile zu ermitteln. Dabei sei nicht nur die quantitative Zuordnung qualitativer Merkmale ein Problem, sondern auch das zum korrekten Vergleich notwendige zeitgleiche Erfassen dieser (Balassa B, 1965, s.103). Die Defizite der klassischen Modelle, diese zu erheben und mit einzupreisen umgeht Balassa nun damit, dass er unterstellt, dass qualitative Aspekte, wie zum Beispiel die Qualität oder Reputation, indirekt bereits in den ex Post Exporten mit eingepreist seien (Balassa, 1965, S.103). Dies entspricht, im Vergleich zur klassischen Handelstheorie, der grossen Vereinfachung in der Anwendung und ermöglicht es so, anhand von lediglich bereits existierenden Exportzahlen, komparative Vorteile zu ermitteln.

Durch das Betrachten der Handelsmuster müssen Preisfaktoren sowie qualitative Faktoren nicht segregiert betrachtet und quantifiziert werden, da sie durch das vorhandene Handelsmuster bereits indirekt eingepreist werden. Dies erscheint sinnhaft, denn ohne die Existenz auch qualitativ überlegener Faktoren, könnte sich kein komparativer Vorteil entwickeln. In einer hoch liberalisierten Welt, mit geringen Handelsbarrieren, könnten sich qualitativ nachteilige, konkurrenzunfähige Wirtschaftssektoren mittelfristig nicht halten und somit letztendlich auch keine überproportionalen Exportvolumina generieren. Der komparative Vorteil, welcher durch nationale Unterschiede in relativen Kosten und qualitativen Merkmalen definiert wird, wird durch das Handelsmuster dann in Form von entsprechenden Exportvolumen „offenbart“ bzw. „revealed“.

Die gebräuchlichste und bekannteste Form des RCA Index ist die in Abb.1 dargestellte Form, auch BRCA6 genannt (French, 2004, s.9). Sie ist intuitiv und leicht nachvollziehbar. Die Funktion zur Berechnung die Balassa dabei verwendet, betrachtet verschiedene Exportdaten „EX“. Die Werte c=Gut, i=Land und t=Jahr definieren im Zähler oben das landesspezifische Exportvolumen eines Wirtschaftszweiges welches darunter dividiert wird durch die weltweiten Exporte dieses Sektors. Im Nenner werden die Gesamtexporte des betrachteten Landes durch die weltweiten Gesamtexporte geteilt. Die Ergebnisse lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Ergebnisse >1 bedeuten einen komparativen Vorteil des betrachteten Landes für den betrachteten Sektor, da die Exportvolumina in diesem Wirtschaftszweig anteilig zu den Gesamtexporten verhältnismässig grösser sind, als im Durchschnitt aller Länder. Ein Ergebnis <1 bedeutet einen komparativen Nachteil (Cai, 2009, S.69ff).7 Je höher die Zahl, desto ausgeprägter der Vorteil. Dies entspricht numerisch der Theorie des komparativen Vorteils von Ricardo, denn ist der Zähler grösser als der Nenner, bedeutet dies, dass das Land ein Gut stärker als andere exportiert, weil es im Vergleich zu anderen Ländern darin geringere Opportunitätskosten hat. Offensichtlicher weise können diese Werte durch Einflussmassnahmen verzerrt sein. Dieses Problem bleibt auch im Ergebnis dieser Analyse latent. Durch den wachsenden Einfluss von Handelsabkommen und Eingliederungen in internationale Handelsnetze steigt die Gleichheit zwischen Ländern diesbezüglich aber stetig, auch sinken Transportkosten stark, sodass auch geografische Verhältnisse immer weniger Einfluss ausüben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Formel Bela Balassa RCA Index, Quelle (Jung Suk-yee, 2015)

2.2 Kritik an der Validität des RCAI

Der RCA Ansatz von Balassa trifft einige Annahmen, die eine Berechnung des komparativen Vorteils zwar erleichtern und ihn damit praktisch anwendbar machen, andererseits aber auch Ansätze für berechtigte Kritik liefern.

Auch wenn Freihandelsabkommen zwischen Ländern immer präsenter werden, führen politische Volatilitäten regelmässig zu einem Rückschwung des Pendels hin zu Embargen oder Protektionismus. Effekte solcher Ereignisse werden vollständig in die Analyse mit eingepreist. Die individuelle Nachfrage von Konsumenten kann beeinflusst oder manipuliert sein und somit Verbräuche künstlich erhöhen was zu überproportionalen Exporten führen könnte.

Ein weiterer Punkt ist die Geografie des Landes. Ist ein Land von vielen umgeben, fallen Exporte tendenziell immer höher aus, da geringere Transportkosten und kürzere Transportwege Exporte erleichtern (Eaton, 2002, s.1). Dieser Faktor könnte Länder mit einem dichten Binnenmarkt künstlich verbessern. Dieser Einfluss nimmt stetig ab, da Transportkosten und Transportzeit immer geringer werden.

Auch wenn die Theorie, dass qualitative Faktoren indirekt in den Export mit eingepreist sind und somit den komparativen Vorteil mitbestimmen, logisch erscheint, ist nicht präzise quantifiziert, in welchem Massstab qualitative- und preisliche Faktoren Exporte treiben.

Auf aggregierter Güterebene ist nicht klar ersichtlich, ob ein komparativer Vorteil lediglich durch ein sehr exportstarkes Produkt innerhalb eines Wirtschaftszweiges getrieben ist, was somit ein Ergebnis für einen Sektor überbewerten würde.8

Ein weiteres Defizit ist, dass eine Verbesserung oder Verschlechterung eines RCAI Wertes keine Auskunft darüber gibt, ob die Ursache in einer Handelseinschränkung von Mitbewerbern oder einer intrinsischen Verbesserung der Faktorausstattung liegt. Der Zahlenwert des RCAI ist ohne Referenz. Es gibt zwar die Einteilung in >1/<1, aber die Grösse der Zahl lässt keine präzise Einstufung über die tatsächliche Diskrepanz der Produktivität zwischen Ländern zu.

Balassa erkennt diese Probleme und schlägt deswegen hypothetisch vor, eine gegebene Exportsituation rückwirkend auf ihre genauen Ursachen zu analysieren, um ein ganz sicheres Ergebnis zu erzielen (Balassa, 1965, s.116/7).

3. RCA-Analyse für das Land Indien

3.1 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung Indiens

Die Analyse des Ergebnisses soll auch gesamtwirtschaftliche Indikatoren mit einbeziehen, so kann die Lage Indiens, auch in Bezug auf das RCA Ergebnis, im internationalen Kontext besser eingeordnet werden.

Indiens wirtschaftliche Öffnung für internationalen Handel in den 90er Jahren hat die ausländischen Direktinvestitionen erhöht, die Indien dringend für seinen Aufbau benötigte, und auch noch immer darauf angewiesen ist. Unter anderem dadurch konnte Indien seine Produktionskapazitäten erhöhen, was letztendlich zu einem starken Anstieg der Exporte führte (Appendix A).

Der „Corruption Perceptions Index“9 ist ein Index der die wahrgenommene Korruption eines Landes im öffentlichen Sektor ermittelt. Von 176 analysierten Ländern belegt Indien 2016 Platz 79 (TransparencyInternational, 2016). Das ist Mittelmass und bedeutet, dass Wirtschaftssektoren mitunter stark unter wirtschaftlichem Eigeninteresse von Individuen stehen sowie, dass Korruption alltäglich ist. Dies ist somit ein Faktor, der das RCAI Ergebnis höchstwahrscheinlich beeinflusst.

Indien verfügt mit über 1.300 Millionen Einwohnern mit einem Durchschnittsalter von 26,6 Jahren, über ein gigantisches Arbeitskräftepotenzial. Mit einem BIP pro Kopf von 1.650 USD in 2016 ist es im Vergleich zu Industrieländern gering. In Anbetracht der hohen Bevölkerungszahl relativiert sich das geringe Ergebnis aber wieder, denn Indien erwirtschaftete 2016 ein BIP von 2.200 Mrd. €. Gleichzeitig ist die BIP Wachstumsrate über die letzten Jahre mit >7 %, für ein Schwellenland typisch, hoch gewesen (Manuel Schimm, 2016, s.6).

Aufgrund der RCA-Analyse sind insbesondere aussenwirtschaftliche Indikatoren interessant. Der Handelsbilanzsaldo war die letzten 4 Jahre zunehmend negativ. Dies ist auch dem Status Indiens als Schwellenland geschuldet, wodurch das zum Aufbau der Wirtschaft erforderliche Produktionskapital inländisch noch nicht erzeugt werden kann und deswegen importiert werden muss. Im Laufe der Entwicklung ist eventuell eine Umkehr des Verhältnisses hin zu einem Handelsbilanzüberschuss beobachtbar, oder zumindest eine Abschwächung des mit -115 Mrd. USD 2016 stark ausgeprägten Handelsbilanzdefizits. Seit einigen Jahren befinden sich die Importe mit ~400 Mrd. USD auf einem konstant hohen Niveau. Die Gesamtexporte haben nach einem Boom ab 1998, 2014 wieder eine leichte Abkühlung erlebt. Dies war aber im internationalen Vergleich nicht ausserordentlich (Appendix A). Von 1990 bis 2016 konnte Indien seinen Anteil an den weltweiten Exporten von 1,3 auf 1,8 % erhöhen (eigene Berechnung, UNCOMTRADE). Von 1998 bei einem Gesamtexportvolumen von 50 Mrd. USD, hatten sich bis 2014 die Exportvolumen auf 317 Mrd. USD erhöht. Die wichtigsten Exportmärkte sind dabei die USA mit 15,2 % Anteil an allen Abnehmerländern, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 11,3 % (Manuel Schimm, 2016, s.6). Abgeschlagen folgt Honkong mit 4,6 % auf Platz 3. Im Vergleich zu Tschechien, welches 33 % seiner Exporte an Deutschland entsendet, erweckt dieses Ergebnis den Anschein, dass Indien seine Exporte tendenziell stärker diversifiziert und somit an sehr viele Länder verteilt, also einen konstanteren Exportmarkt aufweist als andere Staaten. Auch scheint der „Binnemarktvorteil“ weniger ausgeprägt. Die Abhängigkeit einzelner indischer Wirtschaftssektoren zu spezifischen Wirtschaftsräumen ist somit geringer, was der Aussagekraft des RCAI entgegenkommt, da Volatilitäten geglättet werden.

Signifikant ist dabei nicht, dass Indien noch über einen grossen Primärsektoranteil von 16 % verfügt, hingegen schon, dass alle anderen BRIC Staaten bereits wesentlich kleinere Primärsektoranteile und wesentlich ausgeprägtere Tertiärsektoranteile als Indien vorweisen, insbesondere China. Im Vergleich zu China oder Brasilien konnte Indien allerdings über die letzten 4 Jahre mit konstanten BIP Wachstumsraten von ~7,5 % trumpfen, was ebenfalls für einen besser diversifizierten und damit stabileren Exportmarkt sprechen könnte (Manuel Schimm, 2016, s.6).10

3.2 Aufbau und Inhalt des Analyseverfahrens

Bei der Analyse wurden 42 Gütersektoren auf ihren komparativen Vorteil hin überprüft, indem der RCAI für sie errechnet wurde. Dienstleistungssektoren wurden nicht analysiert. Betrachtet wurden diese Sektoren über einen Zeitraum von 1990 bis 2016 in vier Jahresschritten, mit Ausnahme 2014 auf 2016. Als Datenquelle wurde die Datenbank UNCOMTRADE verwendet. Die Kategorisierung der einzelnen Produktsegmente wurde nach dem Klassifizierungsstandard „Harmonized System 1996“11 wie in der in UNCOMTRADE aufgeführten Definierung vorgenommen (Appendix B). In Summe existieren somit 97 unterschiedliche Wirtschaftszweige, in die alle Güter die ein Land produziert und exportiert, eingestuft sind. Diese 97 Sektoren entsprechen der HS-02 Kategorisierung.12 Die HS-02 Kategorisierung ist mit ihren 97 Gruppen die gröbste Aggregation der Güterklassen.13 Darunter gibt es mit HS-04 und HS-06 feinere Skalierungen (Subgruppen) unter denen die spezifischeren Produkte der jeweils darüberliegenden Kategorie eingeordnet sind. Als Beispiel: Der HS-02 Sektor Nummer 85 „Electrical, electronic equipment“, hat auf HS-04 Ebene zum Beispiel „Electric generating sets and rotary converters“. Die Subgruppe von HS-04, also HS-06, umfasst dabei „Generating sets, diesel, output < 75 kVA“, oder „Generating sets, diesel, output 75-375 kVA“. Bei Betrachtung der HS-06 Sektoren, lassen sich RCAI nach jedem spezifischen Produkt erstellen. Die Datenerhebung für eine Analyse auf diesem spezifischen Niveau wäre äusserst aufwendig und in seiner Aussagekraft auch wenig bedeutsam, da spezielle Produkte viel eher Absatzschwankungen unterliegen, als Wirtschaftssektoren im Ganzen. Je gröber die Aggregation, desto weniger anfällig ist das Ergebnis für individuelle Schocks und entsprechend konsistenter ist das Ergebnis. Deswegen wird sich bei dieser Analyse lediglich auf die grobe HS-02 Aggregation der Sektoren bezogen.

[...]


1 Abkürzung „RCA“ oder auch „RCAI“ für „Index“.

2 Statt „revealed“ wird als deutsches Equivalent „offenbart“ verwendet.

3 Dies ist nicht immer der Fall. Auch Grössenunterschiede sind von Bedeutung.

4 Häufig wird auch von den BRIC’S Staaten gesprochen, Südafrika mit eingenommen. Der Ursprung der Deklaration liegt allerdings im Jahre 2001 und wurde von dem GS Ökonom Jim O‘ Neill mit „BRIC“ erstmalig verwendet.

5 Nicht alle im Ergebnis signifikanten Ausprägungen können dabei betrachtet werden.

6 „Balassa“ RCA.

7 In Balassas Ausführung wird ein Index verwendet. Ein Wert von 120 würde dabei bedeuten, dass das Land im entsprechenden Sektor 20 % mehr exportiert als die Welt im Mittel.

8 Dieses Problem lässt sich durch detaillierte Betrachtung auf Produktebene aber lösen.

9 Abkürzung „CPI“.

10 Politische Faktoren wurden insgesamt bewusst nicht betrachtet, da ihre wirtschaftliche Interpretation schwierig ist.

11 Abkürzung „HS 96“.

12 Neben dem „HS“ standard gibt es weitere Klassifizierungen wie zum Beispiel „SITC“. Dabei werden Produktsegmente anders aggregiert als bei „HS“.

13 02 steht dabei für „2 digit code“.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Eine RCA-Analyse für das Land Indien
Hochschule
Universität Basel  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar: International Trade, Growth and the Environment
Note
5,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V505498
ISBN (eBook)
9783346065858
ISBN (Buch)
9783346065865
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rca, revealed comparative advantage, komparative vorteile, international trade, handelstheorie, außenwirtschaft, außenhandelstheorie, volkswirtschaft, wirtschaftswissenschaften
Arbeit zitieren
Jonas Kraus (Autor), 2017, Eine RCA-Analyse für das Land Indien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505498

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