Die Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Wie kann die Lebensqualität betroffener Personen erhalten werden und wo können Behindertenhilfe und Altenarbeit voneinander lernen, auch was Aufbau und Gestaltung der Lebensumwelt der BewohnerInnen angeht? Welche Faktoren können schwierige Situationen und herausforderndes Verhalten abmildern oder vermeiden? Wie schafft man eine Umgebung, die ausreichend Schutz, aber auch Aktivierung bietet?
Einen Bogen zur Berufspraxis schlagen Experteninterviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung, die sich mit bisherigen beruflichen Erfahrungen zu dieser Thematik und Planungen bezüglich des zukünftigen Umgangs mit Demenzerkrankungen in ihrer Einrichtung beschäftigen.
Die Altenarbeit wird in unserer alternden Gesellschaft immer wichtiger und bietet dadurch ein großes Betätigungsfeld auch für soziale Arbeit und Forschung. Dagegen bleibt eine andere, ähnliche und doch speziellere Thematik eher unbeachtet durch die breite Öffentlichkeit: Menschen mit einer geistigen Behinderung, die in gehobenem Lebensalter an einer Demenz erkranken.
Zudem stellt sich gerade bei geistig behinderten Menschen, die in einer Wohneinrichtung leben die Frage, ob und mit welchen Hilfsmitteln sie in ihrem Zuhause bleiben können, oder ob sie in ein Senioren- oder Pflegeheim umziehen müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geistige Behinderung
3. Demenz
4. Wohnraumgestaltung für demenzkranke Menschen in stationären Einrichtungen
4.1 Bauliche und strukturelle Aspekte
4.2 Gestaltungsaspekte
5. Herausforderung geistige Behinderung und Demenz
6. Befragung von Beschäftigten in einer Wohnstätte
6.1 Erhebungswerkzeug
7. Auswertung und Deutung der Interviews
7.1 Bisherige Erfahrungen
7.2 Institutioneller Rahmen
7.3 Räumliche Umwelt
7.4 Tagesstruktur
7.5 Sicherheitsaspekte
7.6 Deutung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Herausforderungen, die entstehen, wenn Menschen mit geistiger Behinderung im Alter an Demenz erkranken, und analysiert, wie stationäre Einrichtungen der Behindertenhilfe ihre Wohnraumgestaltung und Tagesstruktur anpassen können, um die Lebensqualität dieser Bewohner zu erhalten.
- Herausforderungen in der Diagnostik und Betreuung bei Doppeldiagnosen.
- Anpassung von Wohnraumkonzepten für demenzgerechtes Wohnen.
- Bedeutung von Tagesstrukturierung und Beschäftigungsangeboten.
- Finanzierungsfragen und gesetzliche Rahmenbedingungen in der Behindertenhilfe.
- Erfahrungen und Strategien von Fachkräften aus der Praxis.
Auszug aus dem Buch
4. Wohnraumgestaltung für demenzkranke Menschen in stationären Einrichtungen
Eine für an Demenz erkrankte Menschen förderliche Wohnumgebung stellt gerade im Heimkonzept einen wichtigen Punkt dar, um die Lebensqualität zu steigern und herausforderndes Verhalten einzudämmen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
Eine Umgebung, die die Sinne anspricht, kann sehr anregend und belebend wirken und bei der Mobilisierung der demenziell Erkrankten helfen.
Gleichzeitig darf die Umgebung die Betroffenen nicht verwirren, darf sie nicht verunsichern und überfordern.
„Die Dekoration von Korridoren, Stuben und Aufenthaltsräumen stellt eine Gratwanderung zwischen Stimulation und Reizüberflutung, Überforderung durch zu viele visuelle Eindrücke und Unterforderung durch öde Räume dar.“
Es gilt also einerseits abzuwägen, was zweckmäßig ist, bei Orientierung und Alltag hilft oder eine angenehme Atmosphäre schafft, und was für die an Demenz erkrankten Personen bereits zu viel an Außenreizen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die steigende Bedeutung von Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung und die Notwendigkeit, Wohnkonzepte in Behinderteneinrichtungen anzupassen.
2. Geistige Behinderung: Definitionen geistiger Behinderung anhand psychologischer Kriterien (ICD-10, DSM-IV) sowie die Beobachtung der alternden Lebenswirklichkeit dieser Personengruppe.
3. Demenz: Darstellung von Krankheitsbildern, Symptomen und demenziellen Verläufen bei Menschen mit und ohne geistige Behinderung.
4. Wohnraumgestaltung für demenzkranke Menschen in stationären Einrichtungen: Analyse baulicher, struktureller und gestalterischer Maßnahmen, die Orientierung, Sicherheit und Lebensqualität fördern.
5. Herausforderung geistige Behinderung und Demenz: Spezifische Schwierigkeiten der Diagnose und der pflegerischen Versorgung innerhalb des bestehenden Systems der Behindertenhilfe.
6. Befragung von Beschäftigten in einer Wohnstätte: Beschreibung der methodischen Durchführung von Experteninterviews mit Fachpersonal zur Erfassung praktischer Erfahrungen.
7. Auswertung und Deutung der Interviews: Darstellung der Ergebnisse bezüglich bisheriger Erfahrungen, institutioneller Rahmenbedingungen, Raumgestaltung, Tagesstruktur und Sicherheitsaspekten.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer systemübergreifenden Kooperation und einer Anpassung der Gesetzeslage zur verbesserten Versorgung.
Schlüsselwörter
Demenz, geistige Behinderung, Behindertenhilfe, Wohnraumgestaltung, Tagesstruktur, Pflege, Lebensqualität, Experteninterviews, Barrierefreiheit, Orientierung, stationäre Einrichtungen, Teilhabe, Personalschlüssel, Finanzierung, Doppeldiagnose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen, die für Einrichtungen der Behindertenhilfe entstehen, wenn Bewohner im höheren Lebensalter zusätzlich an Demenz erkranken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der baulichen Wohnraumgestaltung, der Strukturierung des Tagesablaufs sowie den pflegerischen und finanziellen Herausforderungen innerhalb der Behindertenhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Einrichtungen durch architektonische und konzeptionelle Maßnahmen demenzkranken Menschen mit geistiger Behinderung gerecht werden können, um deren Lebensqualität zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die qualitative Sozialforschung, insbesondere Experteninterviews mit Beschäftigten in einer Wohnstätte, die nach Gläser und Laudel ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen zu geistiger Behinderung und Demenz analysiert der Hauptteil die praktischen Erfahrungen des Personals bei der Betreuung demenzerkrankter Bewohner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demenz bei geistiger Behinderung, stationäre Wohnumgebung, barrierefreie Gestaltung, Teilhabe und die Herausforderungen der institutionellen Finanzierung.
Warum ist der Bereich "Wohnraumgestaltung" bei Demenz so kritisch?
Weil eine Umgebung Stimulation bieten muss, ohne die Betroffenen durch visuelle Reizüberflutung zu überfordern oder zu verunsichern.
Welche Rolle spielt die Finanzierung laut der Interviewpartner?
Die aktuellen Finanzierungssysteme (Eingliederungshilfe vs. Pflegekasse) bilden den Mehraufwand bei der Betreuung demenzkranker Menschen in vollstationären Einrichtungen unzureichend ab, was Bewohner benachteiligt.
Wie gehen Einrichtungen derzeit mit "Weglauftendenzen" um?
Da Einrichtungen in der Regel offen konzipiert sind, liegt der Fokus auf intensiverer Betreuung, Tagesstrukturierung und Sicherheitsvorkehrungen, wobei bauliche Barrieren oder die Nutzung von Mobiltelefonen diskutiert werden.
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- Ute Gundacker (Author), 2012, Geistige Behinderung und Demenz. Aspekte räumlicher Umgebung in der Altenpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505647