Ziel dieser Arbeit ist es, den Wandel der Arbeitsgestaltung in der Automobilindustrie durch Industrie 4.0 hinsichtlich seiner Motivationswirkung zu untersuchen und Handlungsempfehlungen für die Managementpraxis abzuleiten.
Im Grundlagenteil wird in die Thematik eingeleitet, indem zunächst die wichtigsten Begriffe erläutert werden. Außerdem wird das herangezogene wissenschaftliche Modell erklärt. Im Hauptteil folgt die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Es wird dargestellt, wie die Industrie 4.0 Einfluss auf die Motivation der Arbeitnehmer nimmt. Außerdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Manager die Mitarbeitermotivation positiv beeinflussen können.
Die vierte industrielle Revolution wird auch Industrie 4.0 genannt und beschäftigt sowohl die Wissenschaft als auch die Wirtschaft. Die Automobilproduktion erfährt den Wandel besonders, da sich aufgrund aktueller 4.0-Technologien die direkten Arbeitsschritte an der Produktionslinie immer besser automatisieren lassen. Montageaufgaben und Kommissionierungstätigkeiten sind hier aktuell durch manuelle menschliche Arbeit gekennzeichnet und deshalb besonders stark von den Veränderungen betroffen. Durch Fertigungslinien, welche sich selbst steuern und untereinander kommunizieren, gerät der Mensch immer mehr in den Hintergrund der Wertschöpfungskette, sodass die Arbeitsaufgabe immer mehr von Überwachungstätigkeiten geprägt ist.
Da bereits erlernte Fertigkeiten und Kenntnisse teilweise entwertet werden, erfährt die Facharbeiterebene eine Dequalifizierung, was sich wiederum demotivierend auf die Belegschaft und somit negativ auf deren Leistungsbereitschaft auswirken kann. Jedoch stehen motivierte Mitarbeiter im positiven Zusammenhang mit den Unternehmenszielen, weshalb die Veränderung im Rahmen von Industrie 4.0 von Führungskräften genau geplant sein sollte, um Defizite zu vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
2 Industrie 4.0 als Zukunftsbild der Automobilproduktion
2.1 Grundlagen der Industrie 4.0
2.1.1 Cyber Physical Systems
2.1.2 Internet der Dinge
2.2 Technologien in der Automobilproduktion
2.2.1 Radio frequency identification
2.2.2 Cloud Computing
2.2.3 Assistenzsysteme
3 Job Characteristics Model
3.1 Dimensionen der Arbeitsgestaltung
3.2 Vermittlung der psychologischen Zustände
3.3 Auswirkungen
3.4 Überblick der Anwendungsergebnisse
4 Arbeitsgestaltung in der Automobilproduktion 4.0
4.1 Anwendung des Job Characteristics Models
4.1.1 Automatisierungsszenario
4.1.2 Werkzeugszenario
4.2 Praxisbeispiele und Vision
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, den Wandel der Arbeitsgestaltung in der Automobilindustrie im Kontext der Industrie 4.0 zu untersuchen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation, um daraus Handlungsempfehlungen für die Managementpraxis abzuleiten.
- Analyse der Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Arbeitsgestaltung in der Automobilproduktion.
- Untersuchung der Mitarbeitermotivation mittels des Job Characteristics Models (JCM).
- Gegenüberstellung von Automatisierungsszenario und Werkzeugszenario hinsichtlich ihrer Motivationswirkung.
- Identifikation von praxisnahen Handlungsfeldern und Ansätzen zur Motivationssteigerung, wie Gamification und Jobrotation.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Automatisierungsszenario
In diesem Szenario entsteht für den Menschen eine neue Arbeitswelt, in welcher die CPS im Mittelpunkt stehen. Menschliche Arbeit ist dann gefordert, wenn sich Arbeitsschritte nicht wirtschaftlich automatisieren lassen oder Fähigkeiten wie Kreativität oder Spontanität abverlangt werden, welche nicht durch eine Maschine ersetzt werden können (Jerman et al., 2019, S. 49). Die menschliche Tätigkeit stellt eine Restkategorie dar (Hirsch-Kreinsen, 2014, S. 424), welche entweder sehr einfach oder sehr komplex ausgestaltet sein kann (Acemoglu & Restrepo, 2018, S.1525). Zwischen diesen beiden Extremen entsteht ein Vakuum. Als eine der Haupttätigkeiten gilt die Überwachung (Ittermann et al., 2015, S. 17), bei welcher der Mensch die Aufgabe hat, die CPS und das IdD zu kontrollieren und zu warten. In einer Zentrale laufen alle Informationen der Maschinen und Roboter zusammen, welche auch als Leitstand bezeichnet wird. Durch Cloud Computing wird die Stabilität des Leitstandes gewährleistet. Auf Bildschirmen werden den Mitarbeitern die Überwachungsoberflächen aufgezeigt. Von hier aus können sie alle Daten des Systems einsehen und elektronische Veränderungen befehlen. Der Mensch soll die aufgezeigten Daten auswerten und analysieren (Einav & Levin, 2014, S. 5-6). Die überwachende Person soll einen möglichen Verlauf der Produktion antizipieren und effiziente Maßnahmen einleiten, wie beispielsweise Personen für spezielle Wartungen beauftragen. Somit lassen sich eventuelle Störungen vorzeitig erkennen und Ausfallzeiten des Systems können minimiert werden. Hierbei werden hauptsächlich kognitive Fähigkeiten des Menschen beansprucht. Da die CPS sich selbst steuern können, müssen nur selten produktspezifische Änderungen angestoßen werden. Mögliche Störungen betreffen somit meist das System selbst. Diese Erkenntnisse werden nun auf das JCM übertragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit, die sich mit dem demotivierenden Potenzial der Arbeitsgestaltung in der Industrie 4.0 befasst.
2 Industrie 4.0 als Zukunftsbild der Automobilproduktion: Das Kapitel definiert Industrie 4.0 und stellt die zentralen technologischen Grundlagen wie CPS, Internet der Dinge und verschiedene Assistenzsysteme vor.
3 Job Characteristics Model: Hier wird das theoretische Modell zur Untersuchung von Arbeitsmotivation vorgestellt, welches die fünf Dimensionen Varietät, Ganzheitlichkeit, Bedeutung, Autonomie und Feedback umfasst.
4 Arbeitsgestaltung in der Automobilproduktion 4.0: Dieses Kapitel verknüpft Theorie und Praxis, indem es zwei Szenarien (Automatisierung und Werkzeug) analysiert und durch reale Praxisbeispiele ergänzt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Mensch ein entscheidender Faktor bleibt und durch motivierende Arbeitsgestaltung, wie etwa Gamification, in den Wandlungsprozess eingebunden werden sollte.
Schlüsselwörter
Industrie 4.0, Automobilproduktion, Arbeitsgestaltung, Job Characteristics Model, Mitarbeitermotivation, Automatisierungsszenario, Werkzeugszenario, Cyber Physical Systems, Internet der Dinge, Überwachungstätigkeit, Gamification, Jobrotation, Dequalifizierung, intrinsische Motivation, Leistungsbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, wie sich der technologische Wandel durch Industrie 4.0 auf die Arbeitsgestaltung und damit einhergehend auf die Mitarbeitermotivation in der Automobilproduktion auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die technologischen Grundlagen der Industrie 4.0, die Anwendung des Job Characteristics Models auf moderne Industriearbeitsplätze sowie Ansätze zur motivierenden Arbeitsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Motivationswirkung des Wandels der Arbeitsgestaltung in der Automobilindustrie durch Industrie 4.0 und die Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Managementpraxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt das Job Characteristics Model von Hackman und Oldham (1975) als theoretisches Analyseinstrument, um Arbeitsplätze im Rahmen der Industrie 4.0 qualitativ zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zwei Szenarien – das Automatisierungsszenario und das Werkzeugszenario – definiert und mittels der fünf JCM-Dimensionen analysiert, ergänzt durch aktuelle Praxisbeispiele deutscher Automobilhersteller.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Industrie 4.0, Automobilproduktion, Arbeitsgestaltung, Job Characteristics Model, Mitarbeitermotivation und Gamification.
Wie unterscheidet sich das Automatisierungsszenario vom Werkzeugszenario?
Im Automatisierungsszenario ist die Fabrik weitgehend selbststeuernd durch CPS, wodurch der Mensch primär Überwachungsaufgaben übernimmt; im Werkzeugszenario bleibt die Maschine ein Werkzeug, das weiterhin vom Menschen dominiert wird.
Warum wird Gamification als Empfehlung genannt?
Gamification wird empfohlen, um der Monotonie reiner Überwachungstätigkeiten in hochautomatisierten Systemen entgegenzuwirken und die Aufmerksamkeit sowie die intrinsische Motivation der Mitarbeiter zu fördern.
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- Lars Hoffmann (Author), 2019, Arbeit in der Automobilproduktion 4.0. Motivationsfördernde Arbeitsgestaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505829